Review: Acht Wochen verrückt | Eva Lohmann (Buch)

Es ist zwar schon ein Freitagabend der beinahe vorgerückten Stunde, aber nachdem ich in den letzten Wochen zum Wochenende hin schon immer so faul war, was das Bloggen anbelangte, habe ich es mir heute nicht nehmen lassen, eine neue Rezension rauszuhauen, zumal der Text ja auch schon beinahe fertig in der Schublade lag 😉

Viel Spaß bei der Lektüre und einen guten Wochenendstart allerseits!

Acht Wochen verrückt

Acht Wochen verrückt, DE 2011, 195 Seiten
(+ ca. 30 Seiten Leseprobe zu Kuckucksmädchen)

Acht Wochen verrückt von Eva Lohmann
© Piper Verlag

Autorin:
Eva Lohmann

Verlag (D):
Piper Verlag
ISBN:
978-3-492-27468-5

Genre:
Drama

 

Inhalt:

Mila ist 27 Jahre alt, hat einen Freund, geht einem Job nach und verfügt über ein soziales Umfeld. Doch all das wiegt nicht viel, als sie eines Tages von jetzt auf gleich zusammenbricht und apathisch wird. Während für sie die darauffolgenden Tage wie im Traum vergehen findet sie sich unvermittelt in einer psychosomatischen Klinik wieder. Bei Mila wurden Depressionen diagnostiziert und für zunächst sechs Wochen soll sie in der Klinik bleiben und in der Einzel- und Gruppentherapie ihren Problemen auf den Grund gehen.

Langsam und zögerlich beginnt Mila sich zu akklimatisieren, lernt ihre bulimische Zimmergenossin Clara kennen, ebenso wie ihren Therapeuten Dr. Hennings und macht erste Bekanntschaften innerhalb der Klinik. Sie beginnt einen beschwerlichen Weg hin zu sich selbst, der gepflastert ist mit weiteren, unterdrückten Problemen und der Erkenntnis, dass ihre Zeit in der Klinik nur ein Anfang ist und der therapeutische Erfolg nur damit einhergehen kann, dass Mila wieder beginnt, auf sich selbst zu hören. Und am Ende ihrer Zeit in der psychosomatischen Klinik erwartet sie das Familiengespräch, welches – einem Damokles-Schwert gleich – schon Wochen zuvor bedrohlich über ihr baumelt.

Rezension:

Milas Erlebnisse in Acht Wochen verrückt wirken beziehungsweise sind ausnehmend authentisch geschildert, was daran liegt, dass die Autorin Eva Lohmann in diesem ihrem ersten Roman ihre eigene Zeit in einer psychosomatischen Klinik verarbeitet und so einen ungeschönten, aber auch realistischeren Blick hinter die Kulissen werfen darf, der auch nichts gemein hat mit den ansonsten oft klischeebehafteten Darstellungen in Film und Fernsehen.

Doch Eva Lohmann widmet sich der Natur der Sache nach weniger dem Klinikalltag und den gängigen Abläufen, sondern vielmehr dem Innenleben ihrer Figur und den Beziehungen zu ihren neuen Bekanntschaften. Dabei umfasst jedes Kapitel genau eine Woche Klinikaufenthalt, denn aus den ursprünglichen sechs Wochen sollen später acht werden, wie ja schon der Titel Acht Wochen verrückt vorweg nimmt. Bei nicht einmal 200 Seiten Dicke umfasst ein Kapitel und somit eine Woche durchschnittlich nicht mehr als 25 Seiten, so dass einzig zu bemängeln wäre, dass der zeitliche Ablauf kaum transparent wird, da prägnante Ereignisse und einzelne Therapiesitzungen besonders berücksichtigt werden und folglich einen Großteil der Seiten einnehmen.

Jedoch muss man dem entgegenhalten, dass Acht Wochen verrückt freilich keine Abhandlung über einen üblichen Klinikaufenthalt werden sollte, sondern stattdessen Milas Seele offenlegt, um darzustellen, wie es zu ihrem Burn Out kommen konnte. Es verhält sich übrigens natürlich nicht so wie in der Inhaltsangabe niedergeschrieben, dass Mila vom einen auf den anderen Tag zu funktionieren aufhört, sondern vielmehr, dass sie sich nach und nach dem Alltag nicht mehr gewachsen sah und schon lange zuvor begonnen hat, sich in sich selbst zurückzuziehen, doch das wird eben erst im Verlauf der Geschichte thematisiert und offenbar.

Bei ebenjenen Schilderungen bedient sich Eva Lohmann einer ausgefeilten Sprache und lässt tief in die Seele ihres Alter Egos Mila blicken, so dass – in Kombination mit den glaubhaften Darstellungen – nicht ersichtlich wird, wo nun wirklich autobiographisches erörtert wird und wo sich die Autorin ihrer literarischen Freiheit bedient hat, was in diesem Zusammenhang als großes Kompliment zu verstehen ist. Abgesehen von dem Umstand also, dass mir die einzelnen Wochen etwas zu knapp abgehandelt worden sind und die Geschichte womöglich einige wenige Seiten mehr verkraftet hätte, ist Acht Wochen verrückt ein beeindruckendes und sprachlich auf den Punkt gebrachtes Debüt, für das man Eva Lohmann – insbesondere aufgrund des autobiografischen Einschlags – seinen Respekt zollen muss.

Fazit & Wertung:

Acht Wochen verrückt schildert eindrücklich und intim die Folgen eines Burn Out und macht diese noch neue Volkskrankheit auf persönliche Art begreifbar, so dass Frau Lohmanns Seelen-Striptease nicht nur in literarischer Hinsicht eine klare Empfehlung wert ist.

9 von 10 Erstaunliches zutage fördernden Einzeltherapiegesprächen

Acht Wochen verrückt

  • Erstaunliches zutage fördernde Einzeltherapiegespräche - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Acht Wochen verrückt schildert eindrücklich und intim die Folgen eines Burn Out und macht diese noch neue Volkskrankheit auf persönliche Art begreifbar, so dass Frau Lohmanns Seelen-Striptease nicht nur in literarischer Hinsicht eine klare Empfehlung wert ist.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite vom Piper Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Acht Wochen verrückt ist am 16.07.12 im Piper Verlag als Taschenbuch erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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