Review: Spurlos – Die Entführung der Alice Creed (Film)

Und schon sind wir wieder mitten im Wochenende, nachdem ich gestern Nacht erfolgreich und erschöpft von der Frankfurter Buchmesse heimgekehrt bin und wir begehen den Samstag mit einer weiteren Film-Kritik, von denen ich ja im Moment nicht genug zu bekommen scheine. Doch keine Angst, irgendwann bald schon spreche ich sicher auch mal wieder über eine der einschlägigen Serien, ich muss nur einfach die Zeit finden, mir eine dieser Staffeln auch endlich mal zu Ende anzuschauen. Aber bald, ja bald ist Winter und erfahrungsgemäß schaffe ich dann ja dank des schlechten Wetters einiges an Serien. Doch genug geschwafelt, viel Spaß mit meiner neuesten Film-Kritik und allen, die da noch folgen mögen. Macht euch ein schönes Wochenende!

Spurlos
Die Entführung der Alice Creed

The Disappearance of Alice Creed, UK 2009, 96 Min.

Spurlos - Die Entführung der Alice Creed | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
J Blakeson
Autor:
J Blakeson

Main-Cast:
Gemma Arterton (Alice Creed)
Martin Compston (Danny)
Eddie Marsan (Vic)

Genre:
Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Spurlos - Die Entführung der Alice Creed | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Nachdem sich Vic und Danny im Gefängnis kennengelernt haben, beschließen die beiden, mittels einer sorgsam inszenierten und akribisch vorbereiteten Entführung das große Geld abzugreifen und bald schon haben sie in der jungen Alice Creed, dessen wohlhabenden Vater die beiden zu erpressen planen, das vermeintlich perfekte Opfer gefunden. Alles läuft nach Plan und Alice ist in der Gewalt ihrer Entführer, wird ans Bett gefesselt und die Lösegeldforderungen werden gestellt. Doch während die völlig verängstigte Alice auf eine Chance zur Flucht hofft und Vic und Danny der Geldübergabe entgegenfiebern, entpuppen sich die innerhalb der dreiköpfigen Gruppe schwelenden Geheimnisse als aufkeimender Flächenbrand, während sie durch die sich zuspitzenden Ereignisse nach und nach ans Licht gezerrt werden.

Rezension:

Bereits in den ersten Minuten macht J Blakesons Regie-Debüt Spurlos – Die Entführung der Alice Creed deutlich, dass es sich allein unter formalen und inszenatorischen Gesichtspunkten um einen ungewöhnlichen, im besten Sinne andersartigen Film handelt, der sich so gar nicht mit den Regeln des Mainstream-Kinos und speziell von Entführungsthrillern vereinbaren lassen will. Wo andere Regisseure eine gute halbe Stunde benötigen, um überhaupt erst die Exposition der Figuren abzuschließen und das Grundgerüst für alles Folgende zu zimmern, gelingt es Blakeson in präzise eingefangenen Bildern und mit ruhiger Kameraführung, die beiden Entführer bei ihren Vorbereitungen einzufangen und binnen fünf Minuten eine Ausgangssituation zu gestalten, die so beklemmend und intensiv ist, dass sich namhafte Kollegen davon gerne mehr als nur eine Scheibe abschneiden könnten. Wohlgemerkt geschieht diese Exposition, während noch kein Wort gesprochen worden ist und bis es das nächste Mal zum Dialog kommt, sollen noch einmal etliche Minuten vergehen.

Szenenbild aus Spurlos - Die Entführung der Alice Creed | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Bis dahin haben die drei Hauptfiguren und das Setting einen längst in ihren Bann geschlagen und auch wenn man meinen möchte, dieses wortlose Agieren und sture Zeigen könnte schnell eintönig oder monoton wirken, irrt man mit dieser Annahme gewaltig. In den beengten Räumlichkeiten der eigens für die Entführung der Alice Creed angemieteten und eingerichteten Wohnung entspinnt sich eine derart packende Atmosphäre, dass speziell die Erniedrigung des Opfers, als sie von ihren Entführern entkleidet und fotografiert wird, beinahe körperlich zu spüren ist und tief unter die Haut geht. So heißt es auch, Gemma Arterton habe darauf bestanden, selbst zwischen den einzelnen Takes ans Bett gefesselt zu bleiben, um ihr Schauspiel zu intensivieren und auch wenn solche Geschichten nicht selten völliger Quatsch sind, kann ich zumindest bestätigen, dass sie in allen Schattierungen der Darstellung vollkommen überzeugt und es nicht verwunderlich ist, dass sie sich mit Die Entführung der Alice Creed für viele weitere Rollen empfohlen hat.

Dem steht allerdings das von Eddie Marsan und Martin Compston verkörperte Entführer-Duo Vic und Danny in nichts nach und während es anfänglich noch wirkt, als habe Marsan die deutlich forderndere, weil merklich akzentuiertere Rolle, darf Compston speziell in der zweiten Hälfte zur Höchstform auflaufen. Das liegt daran, dass der Film sich keineswegs damit begnügt, ein geradlinig inszeniertes Kammerspiel sein zu wollen, das sich in Anbetracht der Tatsache, dass hier wirklich und vollumfänglich nur drei Schauspieler zum Einsatz gekommen sind, auch spielend auf die Theaterbühne übertragen ließe, sondern stattdessen nach Beendigung des ersten Drittels in einer Vielzahl an Twists, überraschenden Wendungen und unerwarteten Verhaltensweisen aufzugehen beginnt. Allerdings muss man auch sagen, dass hier weniger manchmal mehr gewesen wäre, denn während die anfänglichen Umschwünge in der Geschichte noch packen und faszinieren, stellt sich doch zumindest gegen Ende ein gewisser Ermüdungseffekt ein, zumal die Verhältnisse der drei Figuren untereinander nicht beliebig oft verändert werden können, ohne dass es irgendwann nicht nur unglaubwürdig, sondern eben extrem unglaubwürdig wird.

Szenenbild aus Spurlos - Die Entführung der Alice Creed | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Dessen ungeachtet ist Die Entführung der Alice Creed ein überaus gelungener Film, der vor allem durch seine spärlichen Mittel und die zurückgenommene Inszenierung besticht, die aufzeigt, was alles ohne Einsatz von enorm viel Geld, pompösen Kulissen, hunderten von Statisten und exzessiven Spezialeffekte möglich ist, einfach, wenn man drei Schauspieler nebst durchdachtem Drehbuch in ein spärlich möbliertes Appartement packt und sie schauspielern lässt. So ist J Blakesons Film auch nicht nur für Arterton, sondern ebenso für Marsan als auch Compston ein adelnder Eintrag in der Vita, ungeachtet der Tatsache, dass der Film sich gegen Ende leider ein wenig zu sehr in seinem Wendungsreichtum zu verlieren anschickt.

Fazit & Wertung:

Unglaublich packend inszeniert und mit einem formidablen dreiköpfigen Cast ausstaffiert ist Spurlos – Die Entführung der Alice Creed ein erschreckend intensiver Entführungsthriller, dem dramaturgisch leider gegen Ende seine zu freigiebig eingestreuten Wendungen ein wenig zum Verhängnis werden. Aufgrund der ungewöhnlichem Prämisse, des überzeugenden Schauspiels und des völligen Verzichts auf die Miteinbeziehung der umgebenden Umwelt aber dennoch ein einmaliger Film, den man gesehen haben sollte.

7 von 10 unerwarteten Wendungen

Spurlos - Die Entführung der Alice Creed

  • Unerwartete Wendungen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Unglaublich packend inszeniert und mit einem formidablen dreiköpfigen Cast ausstaffiert ist Spurlos – Die Entführung der Alice Creed ein erschreckend intensiver Entführungsthriller, dem dramaturgisch leider gegen Ende seine zu freigiebig eingestreuten Wendungen ein wenig zum Verhängnis werden. Aufgrund der ungewöhnlichem Prämisse, des überzeugenden Schauspiels und des völligen Verzichts auf die Miteinbeziehung der umgebenden Umwelt aber dennoch ein einmaliger Film, den man gesehen haben sollte.

7.0/10
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Spurlos – Die Entführung der Alice Creed ist am 12.04.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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