Review: Black Widow 1: Schuld und Sühne (Graphic Novel)

Und da bin ich auch schon wieder mit der zweiten Comic-Kritik für den heutigen Abend. Viel Spaß bei der Lektüre und noch eine geruhsame Zeit, bevor sicherlich auch für die meisten von euch morgen früh – viel zu früh – wieder der Wecker klingeln wird.

Black Widow 1
Schuld und Sühne

Black Widow #1-6, Point One 1, USA 2014, 148 Seiten

Black Widow 1: Schuld und Sühne | © Panini
© Panini

Autor:
Nathan Edmondson
Zeichner:
Phil Noto

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98160-8

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction | Thriller

 

Inhalt:

In dem steten Bestreben, Buße dafür zu tun, welche Gräueltaten sie in der Vergangenheit verübt hat, übernimmt die Super-Spionin und Ex-KGB-Auftragskillerin so ziemlich jeden Job, den ihr ihr Anwalt und Manager Isaiah vermittelt, reist von Moskau über Berlin, nach Dubai, Shanghai und Argentinien, ohne sich je irgendwo heimisch zu fühlen oder ihr schlechtes Gewissen beiseiteschieben zu können.

Ausschnitt aus Black Widow 1: Schuld und Sühne | © Panini
© Panini

Eines Tages allerdings kontaktieren sie einmal mehr die Agenten von S.H.I.E.L.D., genauer Direktorin Maria Hill, die sie zu einem vermeintlich leichten Auftrag schickt, doch ein mysteriöser Russe jagt vor ihren Augen ein gesamtes Botschaftsgebäude in die Luft. Die Spur führt sie bis nach Kapstadt, wo sie dem Mann erneut begegnet, von dem sie bald erfahren wird, dass er als Molot, oder auch Hammer Gottes bekannt ist. Alles daran setzend, ihn dingfest zu machen, erweist er sich schnell als überaus mächtiger Kontrahent, doch scheint noch jemand anders hinter den Zielen zu stecken, die Molot verfolgt und Natasha ist mehr als gewillt, dem auf den Grund zu gehen…

Rezension:

Normalerweise habe ich mich ja bemüht, mich von den zahlreichen Marvel Now! Veröffentlichungen fernzuhalten, da mich ja schon das Marvel Cinematic Universe genügend in Anspruch nimmt und ich auch in punkto Comics nicht über mangelnden Nachschub klagen kann, doch bei Black Widow hat mich nun die Neugier gepackt, nicht nur, weil ich sie in den filmischen Umsetzungen – dargestellt von Scarlett Johansson – schon als Figur ungemein spannend fand, sondern vor allem auch, da man sich zwar hier in den Gefilden der einschlägigen Superhelden bewegt, die Geschichte aber doch deutlich mehr in Richtung Spionagethriller tendiert, ohne dass man indes auf Institutionen wie beispielsweise S.H.I.E.L.D. verzichten müsste, so dass im vorliegenden Band auch Maria Hill eine durchaus tragende Rolle einnimmt.

Ausschnitt aus Black Widow 1: Schuld und Sühne | © Panini
© Panini

Ganz besonders hervorzuheben seien hier aber vor allem noch die Zeichnungen von Phil Noto, dessen Bilder oftmals mehr wie Kunstwerke anmuten und die jedes einzelne Panel zu einem Genuss machen, der noch durch die eigenwillige wie großartige Farbgebung unterstützt wird. Doch nicht nur vom Look her unterscheidet sich Black Widow teils eklatant von anderen, klassischeren Marvel-Veröffentlichungen, denn auch ihre Kontrahenten und die Art des Erzählens ordnen sich dem Duktus der Spionagestory unter und endlich einmal wieder geht es nicht gleich um die Rettung der Welt und die Zerschlagung gottgleicher finsterer Mächte, sondern um ungleich intimere und persönlichere Missionen, die Natasha schon in den wenigen hier versammelten Ausgaben merklich reifen lassen.

Dennoch, zunächst präsentiert sich Black Widow als Aneinanderreihung in sich geschlossener, nicht aufeinander aufbauender Geschichten, bevor sich erst etwa ab dem vierten Heft so etwas wie ein roter Faden in die Geschichte schleicht und die Geschehnisse miteinander zu verknüpfen beginnt, was natürlich noch einmal deutlich wirkungsvoller und spannender ist, als die bloße Aneinanderreihung für sich genommen rundherum überzeugender One-Shots. So versteht es sich beinahe von selbst, dass die Geschichte zum Ende des Bandes mitnichten zu einem Abschluss kommt und ich mehr als nur gespannt auf die Fortsetzung bin, die dankenswerterweise bereits im Oktober bei Panini erscheinen wird.

Ausschnitt aus Black Widow 1: Schuld und Sühne | © Panini
© Panini

Selbst also, wenn man mit den üblichen Superhelden-Stories nicht recht warmzuwerden meint oder kein Vorwissen aus anderen Marvel-Serien mit sich bringt, lohnt sich ein Blick bei Black Widow allemal, da es sich eben nicht nur optisch um eine der wohl eigenwilligsten und ungewöhnlichsten Reihen von Marvel handelt, zumal Natasha Romanova noch nicht einmal über klassische Superkräfte verfügt, dank ihrer umtriebigen Vergangenheit und dem tragischen Habitus ihres Verhaltens gleichsam aber auch eine der vielschichtigsten Figuren im unüberschaubaren Geflecht der Superhelden darstellt, wenngleich die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, hier bestenfalls nur angerissen werden, doch handelt es sich bei Schuld und Sühne ja schließlich auch nur um den Auftaktband einer hoffentlich langlebigen Comicreihe und da braucht es nun einmal einige Ausgaben, um an Fahrt aufzunehmen. Was Nathan Edmondson und Phil Noto hier allerdings bereits vorlegen, mag zwar sicherlich noch zu toppen sein, agiert aber qualitativ bereits auf einem überraschend hohen Niveau, das es selbstredend in den Folgebänden zu halten gilt.

Fazit & Wertung:

Weniger Superheldencomic denn vielmehr Spionagethriller mit einer tragischen Heldin, verspricht Black Widow 1: Schuld und Sühne allerbeste Unterhaltung fernab ausgetretener Pfade und rückt insbesondere durch die künstlerisch mehr als anspruchsvollen Zeichnungen von Phil Noto seine Protagonistin ins beste Licht, während die eigentliche Story zwar erst ab der Hälfte an Fahrt aufnimmt, der Band aber grundsätzlich auch dramaturgisch seiner formidablen Optik in nichts nachsteht. Lesen!

9 von 10 Undercover-Einsätzen

Black Widow 1: Schuld und Sühne

  • Undercover-Einsätze - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Weniger Superheldencomic denn vielmehr Spionagethriller mit einer tragischen Heldin, verspricht Black Widow 1: Schuld und Sühne allerbeste Unterhaltung fernab ausgetretener Pfade und rückt insbesondere durch die künstlerisch mehr als anspruchsvollen Zeichnungen von Phil Noto seine Protagonistin ins beste Licht, während die eigentliche Story zwar erst ab der Hälfte an Fahrt aufnimmt, der Band aber grundsätzlich auch dramaturgisch seiner formidablen Optik in nichts nachsteht. Lesen!

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Black Widow 1: Schuld und Sühne ist am 16.06.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • messerscharf
  • Mal eine nicht direkt inhaltliche Frage: Gibt es eigentlich in heutigen deutschen Comics (ich habe seit meiner Kindheit nur englischsprachige gelesen) grundsätzlich kein „ß“ mehr oder ist der – zumindest für mich – unfreiwillig lustige „Ich tu nur Busse“-„Screenshot“ einfach unglücklich gewählt?

    • Haha, bin ich nicht der einzige, dem das aufgefallen ist, schön. Also, zumindest was Panini angeht, bin ich mir seeehr sicher, da ewig kein“ß“ mehr gesehen zu haben. Meistens stört es nicht, aber wenn Black Widow drüber nachdenkt, in Zukunft Busse zu bauen oder zu fahren (da geht sie ja dann doch nicht ins Detail), dann ist das natürlich schon sehr unfreiwillig komisch.

      Fun-Fact am Rande: Während ich so die Inhaltsangabe schrieb und noch die Bilder im Kopf hatte, schrieb ich beinahe wie automatisch auch „Busse“ und dachte noch währenddessen ‚Mooment mal, da stimmt doch was nicht!‘

      • Als erklärter „Fan“ des „ß“ fällt mir sowas natürlich auf den ersten Blick auf! *g* Ich habe mich zwar inzwischen an die seltenere Verwendung in der neuen Rechtschreibung gewöhnt (auch wenn ich auf meinem Blog aus Trotz immer noch die alten Regeln verwende …), aber daß ein kompletter „Boykott“ alles andere als sinnvoll ist, zeigen solche Beispiele ja immer wieder. :-) Okay, die Schweizer kommen schon immer ohne aus, aber trotzdem: Ich schätze, ich bleibe vorerst bei englischen (E-)Comics (sind durch die ganzen Bundle-Sites sowieso viel günstiger), da besteht in der Hinsicht keine Gefahr …

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