Review: Drei Könige: Die Rosenkriege 3 | Conn Iggulden (Buch)

Wie angekündigt und versprochen heute mal wieder ein anderes Thema, denn auch die Rosenkriege gehen weiter und deshalb widmen wir uns heute mal wieder einem Buch, dass es seit Anfang des Monats im Handel und auf dessen Fortsetzung im nächsten Jahr ich mich jetzt schon freue. Warum, tja, das habe ich natürlich wieder etwas ausführlicher dargelegt.

Drei Könige
Die Rosenkriege 3

Wars of the Roses – Three Kings, UK 2015, 528 Seiten

Drei Könige: Die Rosenkriege 3 von Conn Iggulden | © Heyne
© Heyne

Autor:
Conn Iggulden
Übersetzerin:
Christine Naegele

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-41862-2

Genre:
Historie | Drama

 

Inhalt:

Vorsichtig schwang er sich auf die Leiter und nahm die beiden ersten Sprossen abwärts. Als seine Augen auf gleicher Höhe mit den aufgespießten Köpfen waren, hielt er inne. York war ein tüchtiger Mann gewesen, ein tapferer Mann, wie er gehört hatte. Und Salisbury ebenfalls. Gemeinsam hatten sie nach dem Thron gegriffen und waren gescheitert. Halywell dachte daran, wie er seinen Enkeln erzählen würde, dass er es war, der Yorks Kopf auf der Stadtmauer aufgespießt hatte.

Anno Domini, 1461: Der einstige Lordprotektor und späterer Aufwiegler gegen das Haus Lancaster, Richard Plantagenet, Duke von York, ist bei der Schlacht von Wakefield getötet und sein Kopf auf einen Pfahl am Micklegate gespießt worden. Trotz des Triumphes gegen das Haus York ist der Krieg aber noch längst nicht gewonnen, denn der schwächliche König Henry VI wird noch immer von Richard Neville, dem Earl von Warwick – dessen Vater ebenfalls bei Wakefield ums Leben kam – gefangen gehalten und Königin Margartet von Anjou macht sich mit ihren neuen Verbündeten aus dem Norden auf, ihren Gemahl zu befreien. Ihre Widersacher könnten allerdings durch Edward von York, Sohn von Richard Plantagenet, mächtige Unterstützung erhalten, denn den Geschichten nach handelt es sich um einen gleichermaßen wilden wie ungestümen, vor allem aber rachsüchtigen Hünen und gefürchteten Krieger…

Rezension:

In zuverlässigem Jahresturnus ist nunmehr kürzlich mit Drei Könige der dritte – und wie sich vernehmen ließ anscheinend vorletzte – Band von Conn Igguldens Historien-Reihe Die Rosenkriege erschienen und hat bis dato nichts von ihrer Faszination eingebüßt, wobei ich gestehen muss, dies nach Beendigung des zweiten Teils kurzzeitig befürchtet zu haben, denn Richard von York als großer Widersacher des Hauses Lancaster schien mir in seiner bedrohlichen, stets auch immer von hehren Idealen geprägten Art schier unersetzlich, doch in dem Bestreben, die damaligen Verhältnisse abzubilden, segnete dieser nun ja einmal das Zeitliche, derweil sein Sohn Edward, dem man gen Ende bereits kurz begegnen durfte, nur ein schwacher Ersatz zu sein schien, wohlgemerkt was die Prägnanz seiner Figur betrifft, nicht nur natürlich hinsichtlich der Gefahr für das Haus Lancaster.

Warwick war gerade aus Kent zurückgekommen, als er vom Tod seines Vaters bei Sandal erfuhr. Seit diesem schweren Tag hatte er anderthalb Monate gehabt, um sich auf die Armee der Königin vorzubereiten. Sie wollte ihren Mann zurück, das wusste Warwick sehr gut. Denn auch wenn Henry körperlich schwach und sein Blick leer war – er war immer noch der König. Es gab nur eine Krone und einen Mann, der regierte, selbst wenn er sich dessen nicht bewusst war.

Dabei setzt Der Könige direkt nach dem Ende des vorangegangenen Bandes ein, bevor sich das erste Kapitel – zu verorten im Jahre 1461 – anschließt, wobei es sich in diesem Band exakt so verhält wie auch schon bei Das Bündnis, dass sich der gut über 500 Seiten erstreckende Roman in zwei große Abschnitte oder Teile gliedert und die Geschichte im Mittelteil einen Zeitsprung von drei Jahren nach 1464 macht, wobei auffällig ist, dass hier das Geschehen durchaus kompakter und überschaubarer wirkt, weshalb sich mutmaßen lässt, dass das im letzten Band ausgedünnte Figuren-Ensemble nicht nur Nachteile bietet, während einem andere Figuren wie etwa allen voran König Henry, dessen Gemahlin Margaret sowie der königliche Meisterspion Derry Brewer, der zumindest im ersten Teil des Bandes wieder sehr präsent ist und erneut als Fixpunkt in einem Sammelsurium an Adligen und Rittern eine gute Figur macht.

Davon abgesehen schafft Conn Iggulden auch in Drei Könige wieder ein paar pointierte Dialoge und skizziert fulminante Schlachtenszenarien, deren Abwechslungsreichtum und Spannung aber jederzeit bei der Stange halten und keine Langeweile aufkommen lassen, wobei es zuweilen recht blutig werden kann, doch hält sich das im direkten Vergleich zu anderen Buchreihen durchaus in Grenzen, derweil man als fleißiger Leser von Die Rosenkriege insbesondere stilistisch schon recht genau weiß, was einen zu erwarten hat. Auch wenn übrigens der Verlauf der Rosenkriege dem einen oder anderen bekannt sein dürfte und nicht als Spoiler im klassischen Sinne gewertet werden mag, schweige ich mich natürlich über das Ende des ersten Teils und den sich hieran anschließenden zweiten Part des Buches wohlweislich aus, möchte in dem Zusammenhang aber erwähnen, dass hier merklich andere Akzente gesetzt werden und die Geschichte in teils unerwartete Richtungen driftet, so dass auch vormals prominente Figuren zunächst zur Randnotiz verkommen, doch was woanders ein Makel und ärgerlich wäre, gleicht hier einer erzählerischen Frischzellenkur und beleuchtet vor allem bis dato recht einseitig betrachtete Figuren von unerwarteter Seite, wobei auch die Entwicklung innerhalb der wenigen übersprungenen Jahre interessant zu beobachten sein wird.

»Und wie haltet Ihr es, Derry? Was würdet Ihr tun?«, fragte Margaret leise.
»Ach, ich bin kein großer Mann, Mylady. Ich würde ihm vielleicht etwas brechen oder ihn ein bisschen mit dem Messer kitzeln. Es gibt viele Möglichkeiten. Das bringt einen Mann nicht um, aber man kann ihm damit eine Weile das Leben schwer machen.« Er schmunzelte über seinen eigenen Scherz, doch das Lächeln erstarb ihm auf den Lippen, als er den kühlen Blick der Königin gewahrte. Er zuckte die Schultern. »Wenn ich gewonnen habe, Mylady, dann will ich nicht, dass mein Feind wieder auf die Beine kommt, womöglich noch wütender als vorher. Nach meiner Erfahrung ist es am besten, wenn man dafür sorgt, dass sie liegen bleiben.«
Margaret neigte den Kopf, erfreut über seine Ehrlichkeit.

Ich für meinen Teil bin immer noch erstaunt, aber auch positiv überrascht, dass mich eine Historienreihe wie Die Rosenkriege derart zu fesseln weiß, wobei es tatsächlich auch interessant ist, die (selbstredend nur marginalen) Parallelen zu Das Lied von Eis und Feuer aufzudecken, welches ja in dem Ruf steht, die Fantasy-Variante der Rosenkriege zu sein, was ich wieder einmal nur bestätigen kann, während der bewanderte Leser des Öfteren zum Schmunzeln verleitet wird. Davon abgesehen geht Conn Iggulden aber mit gewohnter Ernsthaftigkeit zu Werke und liefert eine ernsthafte, zuweilen grimmige, sich soweit möglich an den historischen Fakten orientierende Erzählung ab, die aber nie trocken oder langweilig, stattdessen jederzeit atmosphärisch und packend geschildert wird und die Lektüre wie im Fluge vergehen lassen, wobei zumindest im Englischen mit dem vierten Band namens Ravenspur dem darbenden Leser bereits Abhilfe geschaffen worden ist.

Fazit & Wertung:

Auch Conn Iggguldens Drei Könige: Die Rosenkriege 3 steht seinen beiden Vorgängern in nichts nach und führt die weitschweifige Geschichte der Jahrzehnte währenden Fehde zwischen den Königshäusern mit packender Intensität und eindrücklichen Schilderungen fort. Dabei bewahrt sich die Erzählung eine Zugänglichkeit und Kurzweil, die man in einem Historienepos in dieser Form nur selten finden mag.

9 von 10 Intrigen gegen die englische Krone

Drei Könige: Die Rosenkriege 3

  • Intrigen gegen die englische Krone - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Auch Conn Iggguldens Drei Könige: Die Rosenkriege 3 steht seinen beiden Vorgängern in nichts nach und führt die weitschweifige Geschichte der Jahrzehnte währenden Fehde zwischen den Königshäusern mit packender Intensität und eindrücklichen Schilderungen fort. Dabei bewahrt sich die Erzählung eine Zugänglichkeit und Kurzweil, die man in einem Historienepos in dieser Form nur selten finden mag.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Drei Könige: Die Rosenkriege 3 ist am 08.08.16 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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  • Himmel hilf, da gibt es schon Band 3? Und ich hab es immer noch nicht geschafft wenigstens den ersten zu lesen….

    • Kommt Zeit kommt Rat würde ich sagen, laufen dir ja nicht weg die Bücher und es dauert jetzt bestimmt wieder ein gutes Jahr, bis der vierte Teil erscheint, also auf deutsch zumindest.

  • gadgeTina

    Hm, ich hab‘ ja die Bücher von Rebecca Gable gelesen, und weiß nicht, ob ich tatsächlich nochmal eine Reihe über die Rosenkriege anfangen soll. Mit AsoIaF im Rücken wäre das natürlich nochmal was anderes. Hast du denn einen Vergleich zu Rebecca Gable?

    • Nein, einen Vergleich zu Rebecca Gable habe ich leider nicht, aber ein kurzer Blick in die Wikipedia sagt mir, dass es da doch mehr um das fiktive Adelsgeschlecht der Waringhams geht, oder!? In der Hinsicht ist Iggulden schon was merklich anderes, denn abgesehen von Meisterspion Derry Brewer stützt er sich beinahe ausschließlich auf historische Figuren und Fakten, könnte sich also durchaus lohnen evtl, aber wirklich beurteilen kann ich es wie gesagt nicht.

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