Review: Cold in July (Film)

Diesmal habe ich wieder eine Buch-Verfilmung für euch im Gepäck, die ich mir schon lange mal zulegen wollte, für die ich aber auch zugegebenermaßen keine Unsummen ausgeben wollte. Umso mehr freue ich mich nun – speziell nach Sichtung des Ganzen – dass endlich auch diese Scheibe in meine heimische Sammlung gezogen ist.

Cold in July

Cold in July, USA/FR 2014, 109 Min.

Cold in July | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Jim Mickle
Autoren:
Nick Damici (Drehbuch)
Jim Mickle (Drehbuch)
Joe R. Lansdale (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Michael C. Hall (Dane)
Sam Shepard (Russel)
Don Johnson (Jim Bob)
in weiteren Rollen:
Vinessa Shaw (Ann)
Nick Damici (Price)
Wyatt Russell (Freddy)

Genre:
Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Cold in July | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Im ländlichen Texas der 1980er-Jahre sieht sich der Bilderrahmenverkäufer Richard Dane eines Nachts gezwungen, einen Einbrecher im eigenen Haus zu stellen, den er in einer Schrecksekunde "aus Versehen" erschießt. Immerhin scheint es sich um einen gesuchten und gefährlichen Kriminellen gehandelt zu haben, wie ihm die Polizei eröffnet. Während die Tötung selbst als Notwehr abgetan wird, fangen die Probleme für Dane allerdings erst an, denn das Sprichwort "Wie der Vater, so der Sohn" funktioniert auch in umgekehrter Richtung und als der lange Jahre inhaftiert gewesene Russel erfährt, dass Dane seinen Sohn erschossen hat, macht er sich alsbald auf in die Kleinstadt, um Dane und seine Familie zu bedrohen…

Rezension:

Bewusst habe ich einige Zeit verstreichen lassen zwischen der Lektüre von Joe R. Lansdales Die Kälte im Juli und der Sichtung des eigentlich gleichnamigen Films Cold in July, der ein gutes Vierteljahrhundert nach Erstveröffentlichung des Buches realisiert worden ist, denn schon die Vorlage hat einen Großteil ihrer Faszination daraus zu generieren gewusst, dass die eigentlich sehr kompakte Geschichte auf wenigen Seiten unzählige Kapriolen schlägt und nichts so ist, wie es anfangs scheint. Dementsprechend war es zumindest hilfreich, nicht mehr im konkreten Detail zu wissen, was sich wie vollziehen würde, wobei die Nicht-Kenner des Buches dieses Problem natürlich nicht haben werden und entsprechend überrascht sein dürften von der nur anfänglich sehr geradlinig wirkenden Erzählung. Inszeniert wurde der Film dabei von Jim Mickle, der keine zwei Jahre später auch für weite Teile der ebenfalls auf Lansdale-Romanen basierenden Serie Hap and Leonard verantwortlich zeichnete und in dem Wissen um die Faszination und Wucht der Vorlage beginnt er – ebenso wie im Buch – prompt mit dem Ausgangspunkt, dass Dane sich gezwungen sieht, in den eigenen vier Wänden einen Einbrecher zu stellen und aus Notwehr zu erschießen. So weit, so gut, hätte sich andernorts allein aus der befremdlichen Reaktion der anderen Ortsbewohner und der Schuld, die Dane auf sich geladen hat, ein ganzer Film stricken lassen, doch wird dieses Thema bereits nach wenigen Minuten dahingehend ad acta gelegt, dass sich längst eine neue Bedrohung am Horizont abzeichnet.

Szenenbild aus Cold in July | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Eigentlich in Fahrt kommt Cold in July nämlich im Grunde erst mit dem Erscheinen von Sam Shepard (Auge um Auge) als Russel, der Dane in einer Tour zu bedrängen und zu bedrohen beginnt, nachdem der seinen Sohn erschossen hat, womit sich der Film zunächst zu einem klassischen Home-Invasion-Thriller mausert, doch damit stehen wir dennoch erst am Anfang einer achterbahnartigen Reise. Viel weiter ins Detail gehen möchte ich dahingehend gar nicht, dass der Film aber eben seinen ganz besonderen Reiz daraus zieht, dass man sich wie vor den Kopf gestoßen fühlen dürfte, wenn von dieser Ausgangslage aus teils ganz andere Metiers des Filmschaffens angesteuert werden, wobei ich zumindest erwähnen sollte, dass der Auftritt von Jim Bob Luke – dargestellt von Don Johnson (Django Unchained) – einen weiteren Paradigmenwechsel mit sich bringt, auch, was den Ton des Films als solchen anbelangt, so dass sich hier auch teilweise eine beinahe humoristische Note in die Erzählung schleicht, vor allem aber frischen Wind ins Geschehen bringt.

Vor allem aber ist Cold in July atmosphärisch gelungen und fängt nicht nur das Texas der 80er Jahre trefflich ein, sondern fühlt sich auch in jedwedem Genre zuhause, durch das der Plot des Films im Verlauf der knapp zwei Stunden Spielzeit so mäandert. Speziell für Lansdale-Fans sind hier aber auch großartige Querverweise platziert, wie etwa, dass sich Dane, Russel und Jim Bob in einem Autokino namens "Orbit" treffen, das man aus der Drive-In-Trilogie kennen könnte, wobei sich der Film auch ansonsten mit einer Fülle an Popkultur-Zitaten schmückt, die aber allesamt das Geschehen unterstreichen, statt es zu überfrachten. Nicht zuletzt dank Jim Bob, dem man gerne auch noch ein wenig mehr Screentime hätte zugestehen können, gibt sich das Geschehen aber speziell in der zweiten Hälfte zunehmend spleeniger und kokettiert mit einem gewissen Pulp-Appeal, der Lansdales Stoffen nicht von ungefähr enorm gut zu Gesicht steht, wenn man da nur – um den Verweis noch einmal zu bemühen – an die finale Folge der ersten Staffel Hap and Leonard denkt, denn auch hier wird es zum Ende hin noch einmal ordentlich derb, auch wenn ich zugegebenermaßen die Altersfreigabe ab 18 Jahren hier nicht wirklich nachvollziehen kann, denn so schlimm wird es dann doch nicht und man sieht dieser Tage weitaus Drastischeres bereits im Fernsehen.

Szenenbild aus Cold in July | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Andererseits könnte das wiederum mit einem anderen Sujet zusammenhängen, das in der zweiten Hälfte des Films thematisiert wird, aber diesbezüglich will ich ja gar nicht groß spoilern. Überhaupt fällt es aber schwer, Cold in July zu lobpreisen, ohne teils gravierende Plot-Schlenker preiszugeben, was für etwaige Zuschauer schade wäre, würden die vorweggenommen. Immerhin lobend erwähnen ließe sich aber auf alle Fälle Michael C. Hall, den man natürlich zuvorderst als und aus Dexter kennt und der hier in ungewohnter Manier mit Vokuhila und Schnäuzer in Erscheinung tritt und trotzdem nichts von seinem Charisma einbüßt. Hingegen enttäuschend ist einzig Vinessa Shaw (Ray Donovan) als Danes Frau Ann, wobei lustigerweise schon einer meiner Kritikpunkte am Roman gewesen ist, dass Danes Frau nur unzureichend ausgearbeitet worden sei, womit man sich im Grunde auch in diesem Punkt nah ans Buch gehalten hat. Ansonsten ist die Verfilmung aber rundweg gelungen und kommt der Vorlage qualitativ zumindest nahe, wobei die noch immer dahingehend lohnenswerter ist, dass dort das Geschehen samt und sonders aus Danes Sicht geschildert wird und so einen Blick ins Innenleben der Figur ermöglicht, der einem hier verwehrt bleibt.

Fazit & Wertung:

Die von Jim Mickle realisierte Buch-Adaption Cold in July besticht vom ersten Moment an mit einer ungemein dichten Inszenierung und Atmosphäre, wobei die Geschichte mit ihrem ersten großen Twist noch einmal merklich an Fahrt aufnimmt und mehr als einmal die Tonart der gesamten Erzählung wechselt. Der Intention und dem Jargon des Autors Joe R. Lansdale bleibt dabei auch das Drehbuch jederzeit treu und wandelt demnach zielsicher zwischen Pulp, Trash und Noir.

8 von 10 wechselnden Zweck-Bündnissen

Cold in July

  • Wechselnde Zweck-Bündnisse - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die von Jim Mickle realisierte Buch-Adaption Cold in July besticht vom ersten Moment an mit einer ungemein dichten Inszenierung und Atmosphäre, wobei die Geschichte mit ihrem ersten großen Twist noch einmal merklich an Fahrt aufnimmt und mehr als einmal die Tonart der gesamten Erzählung wechselt. Der Intention und dem Jargon des Autors Joe R. Lansdale bleibt dabei auch das Drehbuch jederzeit treu und wandelt demnach zielsicher zwischen Pulp, Trash und Noir.

8.0/10
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Cold in July ist am 05.03.15 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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