Review: Lucifer | Staffel 3 (Serie)

Mit der nachfolgenden Serien-Besprechung habe ich mir mal wieder etwas mehr Zeit gelassen, doch dauert es eben auch seine Weile, bis man eine immerhin 26 Folgen umfassende Staffel gesichtet hat. Leider liegen aber auch hier wieder Licht und Schatten nah beieinander, auch wenn ich der Show ihren immensen Unterhaltungswert in keiner Weise absprechen möchte.

Lucifer
Staffel 3

Lucifer, USA 2015-, ca. 42 Min. je Folge

Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Serienschöpfer:
Tom Kapinos
Neil Gaiman (Comic-Vorlage)
Ausführende Produzenten:
Tom Kapinos
Ildy Modrovich
Len Wiseman
Jonathan Littman
Jerry Bruckheimer
Joe Henderson

Main-Cast:

Tom Ellis (Lucifer Morningstar)
Lauren German (Chloe Decker)
Kevin Alejandro (Dan Espinoza)
Tricia Helfer (Charlotte)
D.B. Woodside (Amenadiel)
Lesley-Ann Brandt (Mazikeen)
Aimee Garcia (Ella Lopez)
Scarlett Estevez (Trixie)
Tom Welling (Marcus Pierce)
Rachael Harris (Linda Martin)

Genre:
Fantasy | Krimi | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Nachdem Lucifer unvermittelt in der Wüste erwacht und – oh Schreck – seine Flügel nachgewachsen zu sein scheinen, begibt er sich zwar auf schnellstem Wege nach Los Angeles zurück, wird jedoch fortan davon umgetrieben, ob es sein Vater gewesen ist, der ihm diesen derben Streich gespielt hat oder wer sonst dafür verantwortlich sein könnte. Derweil geht bei der Polizei alles seinen geordneten Gang, auch wenn Chloe Decker mit Marcus Pierce unvermittelt ein neuer Lieutenant vorgesetzt wird. Unterdessen treibt sich Mazikeen in der Weltgeschichte herum und verdingt sich als Kopfgeldjägerin, während die von einer mehrmonatigen Gedächtnislücke geplagte Anwältin Charlotte Richards ihre Rückkehr vorbereitet. Die Alpträume allerdings, die sich mehr wie Erinnerungen an eine Art Hölle anfühlen, lassen sie nicht los und in letzter Konsequenz ihr Leben gehörig überdenken. Da hilft es nicht wirklich, dass sie nicht nur mit Lucifer, sondern sowohl mit Amenadiel als auch Dan eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, denn die hatten schließlich beinahe täglichen Umgang mit ihr, als ihr Körper noch von Lucifers Mutter bewohnt wurde, die nun in anderen Sphären weilt…

Rezension:

Nun liegt also auch die dritte – beinahe schon irritierend lange – Staffel Luficer hinter mir und lässt mich doch etwas ratlos zurück. Versteht mich nicht falsch, ich mochte und mag die Serie sehr, doch habe ich ja schon bei den vergangenen Staffeln das verschenkte Potential moniert, das daraus resultiert, dass man aus dem Geschehen ein Police-Procedural machen zu müssen meinte. In der zweiten Staffel immerhin hat man sich mit Tricia Helfer und dem Plot um Lucifers Mutter ja zumindest bemüht, so etwas wie einen übergeordneten Handlungsbogen zu kreieren und dem Cliffhanger-Finale in Es werde Licht (2.18) folgend hätte man meinen können, dieser Ansatz würde nun weiter verfolgt werden. Dummerweise enttäuscht aber insbesondere dieser Cliffhanger und wird nie wirklich konkret aufgelöst und erklärt, löst sich gar in den ersten paar Minuten quasi in Wohlgefallen auf, auch wenn der den freundlichen Teufel von nebenan noch lange beschäftigen wird. Stattdessen macht man hier gleich mehrere Baustellen auf und versucht mit einem Übermaß an Geschichte zu beeindrucken, während es ansonsten noch immer den obligatorischen Fall der Woche zu lösen gilt.

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

So versucht Amenadiel herauszufinden, was Gott von ihm verlangen könnte, um seine Flügel und seine Unsterblichkeit zurückzuerlangen, während Mazikeen zusehends genervt ist von den Menschen und ihrem weinerlichen Gebaren, derweil auch die Geschichte um die erneut von Tricia Helfer verkörperte Charlotte Richards – nun wieder als Anwältin und nicht lediglich Wirtskörper unterwegs – noch nicht zu Ende erzählt scheint. Das alles ist für sich genommen löblich, doch werden diese Handlungsstränge eben immer nur dann aufgegriffen, wenn es den Autoren beliebt und verschwinden auch mal für mehrere Wochen – also Folgen – in der Versenkung, was Lucifer diesmal reichlich unausgegoren wirken lässt, wenn man sich die Gesamtheit des Plot-Gefüges der Staffel betrachtet. Und ich spreche hier explizit nicht von den zwei "Bonus-Episoden", die kurzerhand an das Ende der Staffel angefügt worden sind, denn auch im Mittelteil schon finden sich wiederum Cliffhanger, deren Auswirkungen man in der nächsten Folge erwartet und stattdessen eine aus dem Kontext gerissene Stand-Alone-Episode geliefert bekommt. Besonders davon betroffen ist die hier frisch eingeführte Figur des von Tom Welling verkörperten Marcus Pierce, der freilich ein Geheimnis verbirgt (kommt schon, das merkt man quasi direkt bei seinem ersten Auftritt), über das ich aber natürlich nichts vorwegnehmen möchte.

Wellings Figur nämlich wird – auch hier wieder nach längerer Abwesenheit – spätestens ab Schachfiguren (3.10) zunehmend interessanter, doch leider wussten auch hier die Autoren keine klare Linie für seinen Charakter zu finden, so dass seine Motive und Beweggründe sich gerne drehen wie ein Rädchen im Wind, ganz so, wie es die Dramaturgie einzelner Folgen verlangt. Das wirkt leider reichlich bemüht, unglaubwürdig und hat auch mit gutem Storytelling rein gar nichts mehr zu tun, wobei sich dieser Effekt tatsächlich auch auf – unter anderem – Chloe, Amenadiel und Mazikeen übertragen lässt. Anstatt also eine konsistente und in sich durchdachte Geschichte weiterzuerzählen, wechseln die Figuren ihre Gesinnung wie andere Leute Klamotten und das, was als roter Faden durchgehen könnte, wird gefühlt alle zwei Folgen unterbrochen, um die nächste tolle Idee für eine Episode zu realisieren, die zwar für sich genommen gut sein mag, das Geschehen aber überhaupt nicht voranbringt. So habe ich bei der dritten Staffel Lucifer nicht zum ersten Mal den Effekt beobachten können, dass die einzelnen Folgen für sich genommen tatsächlich beinahe allesamt unterhaltsam und gelungen sind, während bei einem Blick aus größerer Distanz vielmehr das große Ganze schwächelt. Hinzu kommt, das gerade diese Kritikpunkte Dinge sind, die ich bei einer ersten oder zweiten Staffel noch bereitwillig verzeihen würde, wenn eine Serie ihren Weg noch nicht abschließend gefunden hat, noch nicht weiß, ob sie lieber Procedural oder Serial sein möchte und quasi antestet, wie das Publikum eine fortlaufende Story im Gegensatz zu für sich stehenden Episoden aufnimmt, doch hier muss ich zugeben, dass ich tatsächlich angenommen habe, wir würden "schon weiter" sein, zumal mir das ganze Brimborium um den sogenannten "Sündenmann" ohnehin auch ein wenig aufgesetzt schien.

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Zum Ende der Staffel immerhin scheint sich Lucifer ein wenig zu fangen und auch wenn hier mancher Umbruch überhastet scheint und die Wechselspielchen in Sachen Meinung und Mentalität noch immer nicht aufhören mögen, hatte mich die Serie doch spätestens mit dem brachial guten – und lobenswert konsequenten – Staffelfinale Gut oder böse? (3.24) wieder vollends an Bord geholt. Entsprechend froh bin ich, dass Netflix sich ihrerseits erbarmt haben, die beim amerikanischen Sender FOX abgesetzte Serie fortzuführen (wobei wir hierzulande nicht auf eine Fortsetzung bei Amazon Prime verzichten müssen). Nach Bekanntwerden der Absetzung wurden dann auch die oben erwähnten "Bonus-Episoden" kurzerhand nachgereicht und wirken auf den ersten Blick natürlich wahnsinnig irritierend, da sie keinerlei Bezug zum eigentlichen Staffelfinale nehmen, doch darauf verzichten wollen hätte ich auch nicht. Dennoch muss ich zugeben, dass mir die Episoden womöglich besser gefallen hätten, wenn sie an dieser Stelle nicht so wahnsinnig deplatziert und "aus der Zeit gerissen" wirken würden. Letztlich unterstreichen sie aber auch meine Meinung, dass Lucifer insbesondere im dritten Jahr eine straffere Ausrichtung gutgetan hätte, denn Masse ist eben nicht immer gleich Klasse und so unterhaltsam vieles gewesen sein mag, weiß mich die Show in ihrer unentschiedenen Ausrichtung noch immer nicht vollends zu überzeugen. Bleibt demnach abzuwarten, was Netflix mit dem Stoff anstellen wird, denn sowohl die auf nur zehn Folgen ausgerichtete Staffellänge wie auch eine "derbere" Inszenierung sprechen für den Stoff, der in meinen Augen seit der ersten Folge doch immer wieder daran krankt, dass sich der personifizierte Teufel auf Erden nur schlecht mit auf familienfreundlich getrimmten Geschichten vereinbaren lässt – und sei er auch noch so charismatisch und charmant wie Tom Ellis in seiner Paraderolle.

Fazit & Wertung:

Auch die dritte Staffel Lucifer weiß das etablierte Niveau durchaus zu halten, wirkt mit ihrem Übermaß an Episoden aber schlicht unstrukturiert, da der übergeordnete Plot immer wieder für Stand-Alone-Episoden unterbrochen wird, was freilich die beiden "Bonus-Episoden" zum Ende der Staffel auch nicht besser machen, die uninformierte Zuschauer regelrecht verprellen dürften. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf die unter Schirmherrschaft von Netflix entstehende Fortsetzung, denn hier verbirgt sich bei aller Kurzweil und Unterhaltung noch immer einiges an ungenutztem Potential.

7,5 von 10 teuflischen Mordermittlungen

Lucifer | Staffel 3

  • Teuflische Mordermittlungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Auch die dritte Staffel Lucifer weiß das etablierte Niveau durchaus zu halten, wirkt mit ihrem Übermaß an Episoden aber schlicht unstrukturiert, da der übergeordnete Plot immer wieder für Stand-Alone-Episoden unterbrochen wird, was freilich die beiden "Bonus-Episoden" zum Ende der Staffel auch nicht besser machen, die uninformierte Zuschauer regelrecht verprellen dürften. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf die unter Schirmherrschaft von Netflix entstehende Fortsetzung, denn hier verbirgt sich bei aller Kurzweil und Unterhaltung noch immer einiges an ungenutztem Potential.

7.5/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 3

01. Sie sind wieder da, oder? (7,5/10)
02. Der mit der Babymöhre (7/10)
03. Mr. und Mrs. Mazikeen Smith (7/10)
04. Was würde Lucifer tun? (7/10)
05. Willkommen zurück, Charlotte Richards (7/10)
06. Bluff oder Lüge (7,5/10)
07. Perspektivenwechsel (7/10)
08. Lucinda (7,5/10)
09. Das Blatt wendet sich (7,5/10)
10. Schachfiguren (8/10)
11. Stadt der Engel (7/10)
12. Pakt mit dem Teufel (7,5/10)
13. Bis dass der Tod uns scheidet (8/10)
14. Meines Bruders Hüter (7/10)
15. Außenseiter (7/10)
16. Das infernale Versuchskaninchen (7/10)
17. Im Scheinwerferlicht (7/10)
18. Gebrochene Herzen (8/10)
19. An erster Stelle (8/10)
20. Der Engel von San Bernardino (7,5/10)
21. Der bessere Pierce (8/10)
22. Alle für Decker (8/10)
23. Durch und durch Deckerstar (8,5/10)
24. Gut oder böse? (9,5/10)
25. Besuch aus der Geisterwelt (8/10)
26. Es war einmal… (7,5/10)

 
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Lucifer | Staffel 3 ist ist seit dem 20.07.18 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar, derweil zumindest die zweite Staffel am 15.10.18 auf DVD im Vertrieb von Warner Home Video erscheinen wird.

Amazon Prime:

DVD:

vgw

Eine Reaktion

  1. Jo 22. Oktober 2018

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