Review: The Walking Dead 8 | Robert Kirkman | Jay Bonansinga (Buch)

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The Walking Dead

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Widmen wir uns mal wieder den als Beißern bekannten Zombies, die ich schon in Serien- und Comic-Form reichlich vernachlässige, weshalb ich zumindest in punkto Büchern nun hiermit wieder zur Aktualität aufschließe.

The Walking Dead 8

The Walking Dead 8 – Return to Woodbury, USA 2017, 448 Seiten

The Walking Dead 8 von Robert Kirkman und Jay Bonansinga | © Heyne Verlag
© Heyne Verlag

Autoren:
Robert Kirkman
Jay Bonansinga
Übersetzer:
Wally Anker

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-31905-9

Genre:
Endzeit | Drama | Horror

 

Inhalt:

Marathon, Florida ist kaum mehr als eine Geisterstadt. Selbst wenn man hier eine Atombombe zündet, könnte das dem Städtchen keinen Schaden mehr zufügen. Müll weht durch die Flure ehemaliger Luxushotels, Alligatoren wandern auf den Fußwegen vor verschlagenen Cafés, und die Luft stinkt nach Verwesung, Schimmel und totem Fleisch.

Nachdem es sich Lilly Caul und die versprengten Reste der ehemaligen Bewohner von Woodbury in einer Ikea-Filiale inmitten von Atlanta gemütlich gemacht haben, hätte theoretisch ein neues Zeitalter anbrechen können, denn noch immer zehren sie von den dort gelagerten Lebensmitteln und genießen den Komfort eines echten Betts. Dummerweise ist die Gruppe dort aber auch regelrecht auf dem Präsentierteller und die Angriffe und Belagerungen nehmen zu, weshalb es Lilly sich in den Kopf setzt, nach Woodbury zurückzukehren und dort wieder eine echte Dorfgemeinschaft aufzubauen, nicht ahnend, dass der umherziehende David Stern dort nichts als verbrannte Erde hinterlassen hat. Nichtsdestotrotz beugt sich die Gruppe dem Willen ihrer inoffiziellen Anführerin und alsbald bricht man mit einem regelrechten Treck gen "Heimat" auf. Überschwemmungen und umherziehende Beißer stellen dabei allerdings nur einen Vorgeschmack der Probleme dar, denen sich Lilly und Co. werden stellen müssen, denn alsbald heftet sich ihnen ein auf Vergeltung sinnender Mann namens Spencer-Lee Dryden an die Fersen…

Rezension:

Nun ist es auch schon wieder über ein Jahr her, dass ich The Walking Dead 7 Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet habe und damit den absoluten Tiefpunkt der Reihe überstanden zu haben scheine, denn auch wenn ich bei der beziehungsweise den TV-Serie(n) sowie der Comic-Reihe gnadenlos ins Hintertreffen geraten bin, versuche ich doch zumindest derzeit bei den Büchern am Ball zu bleiben, was mir Anbetracht dessen, dass der achte Band der Reihe bereits im April erschienen ist, aber auch nur mäßig gut gelingt. Auf alle Fälle scheint es aber dramaturgisch langsam wieder aufwärts zu gehen, denn The Walking Dead 8 wusste mich zumindest wieder solide zu unterhalten und spart sich die zahlreichen Logik-Schlaglöcher weitestgehend, die den Vorgänger so ungenießbar gemacht haben. Andererseits muss man aber auch sagen, dass der Band nach einem vielversprechenden Start eine Simplizität offenbart, die ein wenig enttäuschend ist, denn zunächst einmal scheint es so, als würde Autor Jay Bonansinga gleich mehrere erzählerische Fronten eröffnen, die allerdings abgesehen vom Hauptplot wenig Bewandtnis haben und alsbald zusammenzulaufen gedenken.

Rafael atmet tief ein und hält die Luft an, genau wie er es viele Jahre zuvor in der Armee gelernt hat, ehe er auch die anderen Angreifer ins Visier nimmt – einen nach dem anderen. In einem rhythmischen Ablauf zieht er am Hahn, lädt erneut eine Patrone in den Lauf und wiederholt den Prozess, bis er das Teufelsdutzend erledigt hat.

Größtes Geschenk allerdings ist, dass Protagonistin Lilly Caul nicht mehr ganz so kopflos und aufs Geratewohl in jede noch so brenzlige Situation stürzt, sondern tatsächlich auch mal wieder ihr Gehirn benutzt, wenn es gilt, die kläglichen Überreste der überschaubar gewordenen Einwohnerschaft von Woodbury zu verteidigen. Ansonsten dreht sich The Walking Dead 8 im Grunde samt und sonders darum, wie der Treck von der zum Ende des vergangenen Bandes bezogenen Ikea-Filiale in Atlanta den Rückweg nach Woodbury antritt, wobei sich ihnen hier alsbald ein weiterer Psychopath an die Fersen heftet, der es aus Gründen auf die Gruppe abgesehen hat. Hier vermag Bonansinga einige erzählerische Stärken auszuspielen und tatsächlich ist das Buch die meiste Zeit ungemein spannend geraten und gönnt sich kaum eine Verschnaufpause, wohingegen die zugrundeliegende Dramaturgie eben doch mehr als dürftig ist, wenn man nach nicht ganz 400 Seiten feststellt, dass der Weg von Atlanta nach Woodbury im Grunde den gesamten Plot darstellt.

So kommt eben auch The Walking Dead 8 nicht annähernd an die Frühwerke der Reihe heran, die sich noch mit dem Governor und dessen Schreckensherrschaft befasst haben, denn dafür fehlt es hier einfach an der psychologischen Komponente und spannenden Figuren, denn abgesehen von Lilly taugt hier kaum jemand als Protagonist und Identifikationsfigur, zumal so mancher Sympathieträger eben schon längst das Zeitliche gesegnet hat. Hinsichtlich der Überlebenden geht der Autor derweil einen zweischneidigen Weg, denn nicht wenige werden im Verlauf der Höllenfahrt quer durch die Ödnis ihr Leben aushauchen (und als Beißer zurückkommen), was einerseits für einige Spannung sorgt und die Kompromisslosigkeit des Geschehens unterstreicht, andererseits aber eben auch viele Figuren wie bloßes Kanonenfutter wirken lässt, was insbesondere auf die Neuzugänge in diesem Band zutrifft.

David schießt ihm einen weiteren Blick zu. »Es schien wirklich so, als ob jeder Junkie, jeder Tunichtgut, jeder Biker und überhaupt alle Verrückten in einem Umkreis von hundert Kilometern, die noch am Leben waren, sich das Ziel setzten, uns das Leben zur Hölle zu machen und uns alles zu nehmen, was wir aufgebaut hatten. Und die, die sich bereits verwandelt hatten, sahen in uns ein schmackhaftes Mittagessen. Aber wir haben uns mit Händen und Füßen gewehrt und die meisten dorthin zurückgetrieben, wo sie hergekommen waren.«

Immerhin aber habe ich mich nicht mehr so akut aufregen müssen und konnte über die kleineren Ungereimtheiten auch entsprechend viel gelassener hinwegsehen, doch bedarf es zweifellos einer gehörigen Frischzellenkur, wenn man die Reihe in irgendeiner Form wieder attraktiv machen wollen würde, denn selbst ich hatte nach dem Rohrkrepierer zuvor nicht unbedingt die größte Lust, mich wieder nach Woodbury respektive Atlanta zu begeben. Hinzu kommt natürlich, dass man das meiste schon gesehen/gelesen zu haben scheint und nach einem größenwahnsinnigen Governor und einem größenwahnsinnigen Prediger ist es nun eben ein größenwahnsinniger Spencer-Lee Dryden, der Jagd auf die Versprengten macht. Entsprechend kann man auch diesen Band als Fan der Serie (in welcher Form auch immer) gelesen haben, es aber genauso gut lassen, denn versäumen wird man sicherlich nichts Substanzielles, wobei es schon interessant ist, dass derzeit tatsächlich nicht einmal Pläne für eine mögliche Fortsetzung existieren, so dass es gut sein kann, dass die Saga (vielleicht aufgrund von zurückgegangenen Verkaufszahlen?) hiermit ihr Ende findet. Sollte dem so sein, wäre es ein mäßig überzeugendes und wenig spektakuläres Ende, wenn auch die finalen Akkorde regelrecht hoffnungsvoll klingen und insbesondere im Hinblick auf Woodbury einen Kreis zu schließen vermögen.

Fazit & Wertung:

Mit The Walking Dead 8 als neuestem Vertreter der Buchreihe macht Autor Jay Bonansinga wieder mehr richtig als falsch, doch gelingt es ihm kaum noch, dem Setting und der Geschichte neue Impulse zu geben, so dass der überschaubar gehaltene Plot bei aller Spannung selten wirklich zu fesseln versteht. Als Hardcore-Fan der Reihe einen Blick wert, inhaltlich aber leider (wieder) reichlich trivial und nicht annähernd mit den Anfängen der Reihe zu vergleichen.

6 von 10 wandelnden Toten

The Walking Dead 8

  • Wandelnde Tote - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit The Walking Dead 8 als neuestem Vertreter der Buchreihe macht Autor Jay Bonansinga wieder mehr richtig als falsch, doch gelingt es ihm kaum noch, dem Setting und der Geschichte neue Impulse zu geben, so dass der überschaubar gehaltene Plot bei aller Spannung selten wirklich zu fesseln versteht. Als Hardcore-Fan der Reihe einen Blick wert, inhaltlich aber leider (wieder) reichlich trivial und nicht annähernd mit den Anfängen der Reihe zu vergleichen.

6.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag.

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The Walking Dead 8 ist am 10.04.18 im Heyne Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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