Review: Defenders – Wahre Helden (Graphic Novel)

Gerade heute in Sachen "Neunte Kunst" war es mir ja ein Anliegen, nach meinem letztwöchigen Aussetzer schnell wieder in den Tritt zu kommen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass aus einer kurzen Pause schnell auch mal eine mehrwöchige Auszeit werden kann, was ich mir in Anbetracht der Fülle an zu besprechendem Material nun beim besten Willen nicht leisten kann und möchte. In diesem Sinne, viel Spaß bei der Lektüre!

Defenders
Wahre Helden

The Defenders #6-10, USA 2017, 124 Seiten

Defenders - Wahre Helden | © Panini
© Panini

Autor:
Brian Michael Bendis
Zeichner:
David Marquez

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-61017-2

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

 

Inhalt:

Ausschnitt aus Defenders - Wahre Helden | © Panini
© Panini

Noch immer ist die New Yorker Unterwelt in Aufruhr und kabbelt sich um die heißbegehrte Nachfolge als Kingpin, nachdem Wilson Fisk sich als neuer Bürgermeister der Stadt zumindest nach außen hin zu Recht und Ordnung bekennt. Bislang schien es, als hätte Diamondback in diesem Rennen die Nase vorn, doch machen ihm sowohl die Defenders als auch Black Cat das Leben schwer, während im Hintergrund ein ganz anderer Zeitgenosse seine Chance gekommen sieht, sich in die Oberliga der Superschurken zu katapultieren. Verständlich, dass die Defenders auch weiterhin alle Hände voll zu tun haben, zumal auch noch der Punisher durch die Straßen zieht. Und dann kommt Jessica auch noch auf die absurde Idee, dass ausgerechnet Deadpool ihnen eine Hilfe sein könnte…

Rezension:

Bereits beim Vorgängerband Defenders – Ohne Skrupel ist mir ja durchaus bewusst gewesen, dass Jessica Jones-Schöpfer Brian Michael Bendis mit diesem Zehnteiler lediglich eine letzte Ehrenrunde drehen würde, um nach rund 18 Jahren im und für das Verlagshaus Marvel seinen Stuhl zu räumen und zur direkten Konkurrenz von DC abzuwandern. War das allerdings bei den ersten fünf, im obig genannten Sammelband vereinten Heften noch eine diffuse Hintergrundinfo, sieht die Sache bei Defenders – Wahre Helden freilich schon ganz anders aus, handelt es sich schließlich bei den erneut fünf versammelten Heften nicht nur um Fortsetzung, sondern eben auch Abschluss einer viel zu kurzen Saga, die noch einmal zahllose ikonische Helden Revue passieren lässt, bevor die Defenders sich (zumindest unter der Schirmherrschaft von Bendis) mit einem Paukenschlag verabschieden dürfen.

Ausschnitt aus Defenders - Wahre Helden | © Panini
© Panini

Dabei hat es sich Bendis in diesem Fall auf die Fahnen geschrieben, die Defenders noch am ehesten so zu gestalten, wie man sie aus der gleichnamigen Netflix-Miniserie The Defenders und den jeweiligen Solo-Serien beim selben Anbieter kennt, was natürlich den Einstieg für nur gelegentliche Comic-Leser enorm erleichtert. Diese dürften dann zwar wiederum irritiert sein, warum Luke und Jessica (noch immer) ein Paar sind und ein gemeinsames Kind haben, doch geht hier der Autor ganz bewusst den Mittelweg zwischen Serien- und Comic-Kontinuität. Ansonsten strotzt auch Defenders – Wahre Helden freilich wieder vor Verve und Einfallsreichtum, wobei man natürlich gut daran tut, sich zunächst dem ersten Band des Quasi-Zweiteilers zu widmen, um die Zusammenhänge und Hintergründe zu haben, auch wenn einem eben nicht alles vertraut sein dürfte.

Ein wenig schade ist es indes, dass Bendis hier zuweilen den Fokus zu verlieren droht, denn wo im ersten Band noch Diamondback als über die Maßen bedrohlicher Widersacher inszeniert wurde, scheint sein Stern hier schon wieder im Sinken begriffen und stattdessen drängen wieder andere Fieslinge in die noch immer vakante Position des Kingpin. Das war mir persönlich in Anbetracht des nahenden Endes der Storyline zuweilen ein wenig viel des Guten und auch beispielsweise der Auftritt von Deadpool war zwar unbestritten gelungen und witzig, bringt die eigentliche Geschichte aber kaum voran und kann unter "ausgedehntes Cameo" verbucht werden. Andererseits aber auch verständlich, dass Bendis vor seinem Ausstieg noch einmal aus allen Rohren feuern und möglichst vielen Helden und Schurken eine Bühne bieten möchte, was sich dann auch spätestens mit dem letzten, großformatigen Panel bezahlt macht, denn besser und trefflicher hätte man die Story wohl kaum beschließen können.

Ausschnitt aus Defenders - Wahre Helden | © Panini
© Panini

Dass Defenders – Wahre Helden aber (erneut) so mitreißend und begeisterungswürdig geraten ist, ist natürlich auch Zeichner David Marquez zu verdanken, der auch diesen Sammelband zu einer durchgängigen Augenweide macht und wirklich sämtliche Figuren auf den Punkt genau zu inszenieren weiß, vor allem aber auch dynamisch und abwechslungsreich geratene Auseinandersetzungen zu inszenieren versteht, von denen es hier natürlich einige zu bestaunen gibt. So mag der Plot nicht unbedingt der anspruchsvollste sein und auch keine nachhaltigen Änderungen im Comic-Kosmos nach sich ziehen (fristet er in seiner Inszenierung der Defenders ohnehin ein Nischendasein), punktet dafür aber mit gelungener Aufmachung, kurzweiliger Inszenierung, pointierten Dialogen und einem Füllhorn an Gastauftritten und Cameos, die andernorts womöglich gar zu viel des Guten gewesen wären, Bendis‘ Abschied vom Marvel-Universum aber durchaus gut zu Gesicht stehen. Die obligatorische Cover-Galerie rundet derweil diese zweibändige Abschiedstournee von Brian Michael Bendis gelungen ab.

Fazit & Wertung:

Mit Defenders – Wahre Helden feiert Brian Michael Bendis einen gelungenen Ausstand bei Marvel und lässt noch einmal zahlreiche Helden und Schurken in einem bestens aufgelegten Finale aufeinandertreffen. Zwar zerfasert die Storyline hier zusehends, doch tut das dem Spaßfaktor kaum einen Abbruch, zumal Bendis von David Marquez als zuständigem Zeichner kongenial unterstützt wird, was den Band als inhaltlich wie optisch gelungenes Gesamtwerk präsentiert.

8,5 von 10 brutalen Auseinandersetzungen

Defenders – Wahre Helden

  • Brutale Auseinandersetzungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Defenders – Wahre Helden feiert Brian Michael Bendis einen gelungenen Ausstand bei Marvel und lässt noch einmal zahlreiche Helden und Schurken in einem bestens aufgelegten Finale aufeinandertreffen. Zwar zerfasert die Storyline hier zusehends, doch tut das dem Spaßfaktor kaum einen Abbruch, zumal Bendis von David Marquez als zuständigem Zeichner kongenial unterstützt wird, was den Band als inhaltlich wie optisch gelungenes Gesamtwerk präsentiert.

8.5/10
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Defenders – Wahre Helden ist am 02.10.18 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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