Review: Und alle so yeah! | Rebecca Martin (Buch)

Schon wieder naht das Wochenende und schon wieder schicke ich mich an, ein neues Buch zu präsentieren, zumal ich ja bestimmt einige Leseratten durch meine Facebook-Verlosungsaktion hinzubekommen habe und denen muss ja schließlich auch etwas geboten werden! Hier also meine Review zu Rebecca Martins

Und alle so yeah!

Und alle so yeah!, DE 2012, 191 Seiten

Und alle so Yeah! von Rebecca Martin
© DuMont Buchverlag

Autorin:
Rebecca Martin

Verlag (D):
DuMont Buchverlag
ISBN:
978-3-832-16210-8

Genre:
Drama

 

Inhalt:

Elina, gerade einmal neunzehn Jahre jung und hat mit echten Luxusprobleme zu kämpfen, denn noch als Schülerin hat sie ein überaus erfolgreiches Buch veröffentlicht und die Aufmerksamkeit und die Begeisterungsstürme hallen noch immer in ihrem Inneren nach, wenngleich der Hype um ihr Debüt längst abgeflaut ist und Elina froh, wieder ein ruhigeres Leben führen zu können. Doch hat sie nun einmal auch jüngst ihr Abitur gemacht und es wird höchste Zeit flügge zu werden, so dass sie sich kurzerhand in der WG ihres älteren Bruders in Berlin einquartiert.

Dumm nur, dass Elina ansonsten kein Quäntchen Ahnung hat, was sie nun mit der neu gewonnen Freiheit und dem vor ihr liegenden Leben anfangen soll. Auch fühlt sie sich kaum unter Zugzwang gesetzt, kann sie schließlich von den Einnahmen aus ihrem Bestseller noch gut leben, so dass ihr der liebe lange Tag zur Verfügung steht, sich ihrer Lethargie zu ergeben und sich dafür zu schämen, so verdammt antriebs- und orientierungslos zu sein. Doch dann steht eine Hochzeit in der Schweiz an und Elina und ihr Bruder begeben sich auf eine Reise, die nicht nur die Geschwister wieder zusammenführt, sondern womöglich auch Elina einen Schritt zurück zu sich selbst machen lässt.

Rezension:

Rebecca Martin, die Autorin von Und alle so yeah! hat, ähnlich ihrem fiktiven Alter Ego bereits in jungen Jahren mit Frühling und so ein Buch vorgelegt, das schnell zum Bestseller wurde. Jedoch hören hier die Parallelen zwischen Rebecca und Elina auch schon auf, wie die Autorin beteuert. Was sich hingegen gleicht sind die Erfahrungen nach der Veröffentlichung ihres Erstlings, die in Form von eingewobenen Rewind-Kapiteln in die Geschichte eingebettet worden sind und so den Grundstein für Elinas Gefühlsleben bilden, das geprägt ist von ihrer Unschlüssig- und Planlosigkeit und der mitunter selbstzerstörerischen Scham dafür, noch nicht Ziel und Plan für das vor ihr liegende Leben gefunden zu haben und sich stattdessen treiben zu lassen in ihrer Unfähigkeit, die Zügel in die Hand zu nehmen und sich auf eine Spur einzuschießen.

Elina verkörpert damit freilich den Archetypus des orientierungslosen Teenagers, der noch nicht weiß wohin mit sich und seinem Leben und einzig der erfolgreiche und somit auch höchst profitable Roman hebt sie aus der Masse heraus, da sich die finanzielle Sicherheit dahingehend niederschlägt, dass sie eben – anders als viele ihrer Altersgenossen – nicht gezwungen ist einen Weg zu wählen und zudem noch genügend Geld für Alkohol, Drogen und allgemeinen Müßiggang besitzt. Freilich handelt es sich somit bei Elinas Sinnsuche um ein absolutes Luxusproblem und das ist ihr auch nur allzu klar, weshalb sie sich kaum traut, Anderen ihr Leid zu schildern.

Dies wird unterstützt durch die gewählte Perspektive, die immer ganz nah bei unserer Hauptfigur bleibt und damit ihr Innenleben offenbart, während hingegen die anderen Gestalten mehr wie Staffage, beliebig und austauschbar wirken und kaum Kontur bekommen, was sicherlich auch daran liegt, dass Elina – ohne ihr zu nahe treten zu wollen – reichlich ichbezogen vor sich hinlebt. Weiterhin äußert sich dies auch in einer Erzählung, die kaum einen Handlungsstrang, geschweige denn eine Spannungskurve vorzuweisen hat und trotzdem dazu verleitet, Elinas Erlebnissen weiter zu folgen. Der Sprachduktus in Und alle so yeah! präsentiert sich dabei unverbraucht und frisch, ist in all seiner Einfachheit von einer stillen Poesie geprägt und macht durch Elinas lapidare Schilderungen ihre Befindlichkeiten erlebbar.

Als diese sich dann mit dem Bruder aufmacht, um gemeinsam in die Schweiz zu gelangen könnte man fast meine, die Geschichte nehme nun an Fahrt auf, doch offenbart sich der Road Trip letztlich auch nur als leise Flucht und am Ende steht zwar so etwas wie ein Happy End, die große Erkenntnis lässt aber noch immer auf sich warten. Zwar hat sich merklich etwas getan in Elinas Denken und die Zukunft ragt möglicherweise nicht mehr ganz so bedrohlich vor ihr auf, doch fehlt es dem Roman hier an dem gewissen Etwas. So ist Und alle so yeah! literarisch betrachtet vielleicht zwar nicht der große Wurf und beileibe – wie gern propagiert wird – kein Portrait einer ganzen Generation, aber zumindest eine treffende Momentaufnahme, die Skizze, nein, das Gemälde eines Lebensabschnitts, den viele von uns so oder so ähnlich erlebt haben werden.

Fazit & Wertung:

Rebecca Martins Und alle so yeah! zeigt anhand von Elina treffend auf, was es heißt, in der eigenen Lethargie gefangen und dadurch nicht in der Lage zu sein, sich einen Lebensentwurf zu kreieren und infolgedessen immer tiefer im eigenen Morast zu versinken. Martins eigene Erfahrungen als Bestsellerautorin bieten hierbei nur das Grundgerüst für ein ansonsten originäres Werk.

7,5 von 10 orientierungslos verbrachten Tagen

Und alle so Yeah!

  • Orientierungslos verbrachte Tage - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Rebecca Martins Und alle so yeah! zeigt anhand von Elina treffend auf, was es heißt, in der eigenen Lethargie gefangen und dadurch nicht in der Lage zu sein, sich einen Lebensentwurf zu kreieren und infolgedessen immer tiefer im eigenen Morast zu versinken. Martins eigene Erfahrungen als Bestsellerautorin bieten hierbei nur das Grundgerüst für ein ansonsten originäres Werk.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite des DuMont Buchverlages.

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Und alle so yeah! ist am 21.08.12 als Paperback im Dumont Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Sonja | Zeilenkino

    Das Buch hatte ich eine Weile schon im Auge, da ich mich der Titel durchaus angesprochen hat, zugleich aber einige Befürchtungen hinsichtlich einer weiteren „ich weiß nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll“-Geschichte weckte. Deine ja überwiegend positive Rezension hat diese nun leider bestätigt. Dann lese ich vorerst wohl doch etwas anderes. 😉

    • Ja, darum dreht sich tatsächlich alles, kann man mögen, muss man aber auch nicht. Ich fand es sehr gut geschrieben, auch wenn die gesamte Thematik natürlich im Grunde „Jammern auf hohem Niveau“ ist.

  • Pingback: Review: Nacktschnecken | Rebecca Martin (Buch) | Medienjournal()

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