Review: Blackhearts | Chuck Wendig (Buch)

Mittlerweile ist schon wieder Sonntag und abgesehen vom Media Monday habe ich noch nichts von mir hören lassen. Höchste Zeit, das zu ändern und daher möchte ich euch heute dann mal wieder ein neues Buch präsentieren, wenngleich selbiges natürlich schon seit einigen Monaten auf dem Markt ist, aber nun bin eben auch ich dazu gekommen, es in Augenschein zu nehmen und darüber zu berichten.

Blackhearts

Mockingbird, UK 2012, 349 Seiten

Blackhearts von Chuck Wendig | © Bastei Lübbe
© Bastei Lübbe

Autor:
Chuck Wendig

Verlag (D):
Bastei Lübbe
ISBN:
978-3-404-20742-8

Genre:
Fantasy | Mystery | Drama | Thriller

 

Inhalt:

»Wir. Dieses Wort hast du jetzt schon öfter benutzt.«
»Wir sind Legion. Die Dämonen in deinem Kopf.«
»Dann ist das alles also nur eine Halluzination? Du bist bloß irgendein Arschloch, das ich mir ausgedacht habe?«
Ben schweigt. Seine Augen funkeln boshaft.
In diesem Moment reißt eine der Krähen den Kopf hoch, in ihrem Schnabel ist etwas, das wie eine zähe Sehne aussieht. Bens Arm schnellt hoch. Als der Vogel die Sehne fallen lässt, plumpst der Arm wieder an die Seite zurück.
Die Vögel steuern ihn wie Marionetten.
Putzig.

Einige Zeit ist vergangen, seit Miriam Black dem Trucker Louis das Leben hat retten können und gemeinsam versuchen die beiden, so etwas wie eine Beziehung, ein gemeinsames Leben aufzubauen, doch Miriam wird den Alltagstrott schnell leid und ebenso, ihre Kraft zu verleugnen, den Tod von Menschen durch eine simple Berührung mit traumwandlerischer Sicherheit vorhersehen zu können, wenngleich sie nicht gerade glücklich darüber ist, diese „Gabe“ zu besitzen. Miriam versucht also dem selbstgewählten Gefängnis zu entkommen, doch Louis kennt sie besser als sie denkt und gabelt sie alsbald wieder auf. In dem Bestreben, ihre eine Aufgabe zu geben, vermittelt er sie an ein Internat für schwer erziehbare Kinder, da eine der dortigen Lehrerinnen, mit der Louis bekannt ist, darauf schwört, bald sterben zu müssen und endlich Gewissheit haben will.

Während Miriam mit ihrer direkten Art prompt aneckt und sich an der Schule beileibe keine Freunde macht, verläuft der Termin doch ohne größere Zwischenfälle. Beim Verlassen des Gebäudes allerdings berührt sie zufällig eine der Schülerinnen und muss beobachten, wie diese von einem psychopathischen Mörder auf grausamste Art und Weise hingerichtet wird. Miriam versucht ihr zu helfen, doch schlagen ihre Bestrebungen fehl. Die Lage spitzt sich zu, als ihr bewusst wird, dass das Mädchen mitnichten das einzige Opfer des Killers sein wird, der ihr, während sie ihre Ermittlungen vertieft, bald selbst auf der Spur ist.

Rezension:

Bereits bei der Rezension des Vorgängers Blackbirds, der die erste Begegnung mit Miriam Black markiert hat, habe ich meine Skepsis kundgetan, inwieweit die unverbrauchte Prämisse und rohe Kraft des Buches sich auf einen zweiten Teil übertragen ließe und erwartungsgemäß haben sich meine Befürchtungen in einem gewissen Maße bewahrheitet, ebenso wie es aber auch Autor Chuck Wendig in Teilen gelungen ist, meine Befürchtungen zu zerstreuen. Gleich vorweg: Blackhearts reicht leider nicht an die Qualität des Auftaktbandes heran, bringt dafür aber eine ganze Reihe eigener Qualitäten mit sich, die das Wiedersehen mit Miriam Black durchaus lohnenswert und unterhaltsam machen. Versprühte aber der erste Teil noch den Charme eines auf Papier gebrachten Road-Movies, muss man sich hier damit zufrieden geben, dass es sich mehr um eine klassische Ermittlungsgeschichte handelt, die – wenn auch künstlich verkompliziert und mit einigen unerwarteten Twists versehen – nicht ganz so mitreißt wie zuvor.

Genau dann, wenn er ganz verschwunden ist, weiß Miriam, dass es Zeit für seine Rückkehr ist.
Sie geht nach draußen, um eine zu rauchen.
Kein Rauchen im Haus, hatte Louis ihr gesagt.
Das ist kein Haus, hatte sie geantwortet.
Aber es ist ein Zuhause, war seine Erwiderung.
Ihre Antwort darauf war ein würgendes Geräusch und ein tief in den Hals gesteckter Finger.

Stilistisch mehr als gelungen sind wiederum die alptraumhaften Einschübe via Zwischenspiel und auch die Mächte, die Miriams Gabe, den Tod Anderer via Berührung live mitzuerleben, werden näher beleuchtet und punkten mit deutlich mehr Präsenz, sind sie zudem unserer Protagonistin durchaus nicht unumwunden wohlgesonnen, wie es sich vermutlich in anderen ähnlich gearteten Urban-Fantasy-Thrillern verhalten dürfte. Besagte Todessequenzen sind es dann auch wieder, die den Härtegrad der Geschichte merklich nach oben schrauben, da sie gewohnt explizit und detailreich von dem oftmals gewaltsamen und grausamen Dahinscheiden der Figuren berichten. Dennoch fehlt es der Geschichte diesmal an der nötigen Wucht, um restlos in ihren Bann ziehen zu können, denn Miriam ist hier nicht annähernd so persönlich involviert wie im Vorgänger und gerät mehr durch Zufall und den hehren Anspruch, den Totgeglaubten helfen zu wollen, ins Fadenkreuz des Antagonisten.

Davon abgesehen, dass Miriam hier damit kokettiert, aus uneigennützigen Motiven fremden Menschen helfen zu wollen, verliert sie aber auch Blackhearts nichts von ihrem liebenswerten Zynismus und der vorlauten Klappe, die sie erneut mehr als einmal in Schwierigkeiten bringen und es erschweren, der Figur richtiggehende Sympathie entgegenzubringen. Louis wiederum verkommt in weiten Teilen, wenn auch Initiator der Geschichte, zum bloßen Statisten und glänzt durch Abwesenheit, zumal sein Verhältnis zu Miriam nicht eben von einer blühenden Beziehung kündet. Die weiteren beteiligten Figuren bleiben dann auch leider vergleichsweise blass und auch wenn es zu begrüßen ist, dass Wendig sich ganz auf seine ungewöhnliche Hauptfigur konzentriert, hat er in Blackbirds bereits bewiesen, dass er durchaus auch fähig ist, Nebenfiguren mit einem glaubhaften und stimmigen Profil auszustatten. Diesem Umstand trägt er zwar gegen Ende der unmerklich längeren Geschichte Rechnung, versäumt es dafür aber im Mittelteil, den roten Faden und das Profil der Figuren zu jedem Zeitpunkt adäquat zu berücksichtigen.

Sein lüsternes Gaffen erreicht ihr Gesicht genau in dem Moment, als sie ihm die Faust –
Zusammengerollt, wie ein fetaler Ball, die Neonlichter einer Kneipe, eines Striplokals oder eines schmalzigen Motels baden ihn abwechselnd in Rosa und Blau. Er ist achtundvierzig und betrunken – schon lange betrunken. Seine Leber sieht aus wie ein mit Ochsenfett vollgestopfter Football und fühlt sich auch so an, fest zusammengeschnürt mit einem verkrusteten Ledergurt, und genau in dem Moment versetzt ihm die Alkoholvergiftung einen harten Schlag – er legt sich hin, verliert das Bewusstsein, erbricht sich. Ein jähes, ruckhaftes Einatmen bringt das Hochgewürgte in seine Lunge – saugt seine letzte Mahlzeit ein, die im Wesentlichen aus einem Arschvoll Wodka und Kneipenerdnüssen bestand. Tod durch Lungenreiher.
– auf die Nase schlägt. Den Nasenrücken, um genau zu sein.

Trotz dieser formalen Mängel ist Blackhearts dennoch insbesondere stilistisch über jeden Zweifel erhaben und insbesondere im Bereich der Urban-Fantasy, die viel zu oft mit romantisch verklärtem Einschlag daherkommt und damit einem von mir nicht unbedingt befürworteten folgt, ein durchaus lohnenswerter Vertreter, der sich allein dadurch wohltuend von der Masse der Veröffentlichungen abhebt, dass er ungewohnt düster und brutal daherkommt und mit roher Wucht und Brutalität zu packen versteht, wohingegen andere Autoren vermutlich längst keusch und verschämt Reißaus genommen hätten. Somit ist auch der zweite Band der Miriam-Black-Reihe durchaus harter Tobak und nichts für sanfte Gemüter und auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die Hauptprotagonistin gezähmt und domestiziert worden sei, überrascht sie ein ums andere Mal mit ihrer vorlauten Schnauze und der beinahe gänzlich fehlenden Angst vor jedweden Konsequenzen. Dennoch erhoffe ich mir für den dritten Teil der Saga wieder eine Story, die sich weniger nach ausuferndem Case-of-the-Week anfühlt, sondern wieder mehr der immer noch unverbrauchten Prämisse Rechnung trägt, die die Abenteuer dieser ambivalenten Antiheldin zu so einem außergewöhnlichen Erlebnis machen.

Fazit & Wertung:

Blackhearts vermag es nicht ganz, an die Qualität des Vorgängers anzuknüpfen, führt aber dennoch die Geschichte der mit einer grausamen Gabe geschlagenen Miriam Black stilistisch gekonnt fort und lässt durchaus darauf hoffen, dass Chuck Wendig im folgenden dritten Teil die noch losen Enden miteinander stimmig zu verknüpfen weiß.

8 von 10 unheilvollen und erschreckenden Todesvisionen

Blackhearts

  • Unheilvolle und erschreckende Todesvisionen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Blackhearts vermag es nicht ganz, an die Qualität des Vorgängers anzuknüpfen, führt aber dennoch die Geschichte der mit einer grausamen Gabe geschlagenen Miriam Black stilistisch gekonnt fort und lässt durchaus darauf hoffen, dass Chuck Wendig im folgenden dritten Teil die noch losen Enden miteinander stimmig zu verknüpfen weiß.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Bastei Lübbe. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Blackbirds ist am 22.11.13 im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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