Review: London Has Fallen (Film)

Heute mal wieder eine Film-Kritik bei der ich mich auf verlorenem Posten zu befinden scheine, denn allein wenn ich mir die Bewertungen bei Moviepilot ansehe, scheine ich den Film circa hundert Prozent besser zu bewerten als neunzig Prozent der dortigen Kommentatoren und Kritiker, wobei ich zugeben muss, dass mir wirklich schleierhaft ist, wieso speziell bei diesem Film und dessen Vorgänger so hohe Maßstäbe hinsichtlich Logik, Dramaturgie und Figurenzeichnung angelegt werden, dass man ihn dann zugegebenermaßen wirklich spielend in der Luft zerreißen kann, denn würde man bei jedem Action-Film dieselben Kritikpunkte berücksichtigen, wäre auch allein jeder Streifen mit James Bond ohne Zweifel für die Tonne, aber gut, lehne ich mich mal wieder weit aus dem Fenster und gebe zu, dass mir der Film fernab dessen, was man in ihn hineininterpretieren könnte oder zu müssen meint, doch erneut ziemlich gut gefallen hat.

London Has Fallen

London Has Fallen, UK/USA/BG 2016, 99 Min.

London Has Fallen | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Babak Najafi
Autoren:
Creighton Rothenberger
Katrin Benedikt
Christian Gudegast
Chad St. John

Main-Cast:
Gerard Butler (Mike Banning)
Aaron Eckhart (Benjamin Asher)
Morgan Freeman (VP Allan Trumbull)
in weiteren Rollen:
Alon Aboutboul (Aamir Barkawi)
Angela Bassett (Lynne Jacobs)
Robert Forster (General Edward Clegg)
Melissa Leo (Defence Secretary Ruth Macmillan)
Radha Mitchell (Leah Banning)
Jackie Earle Haley (DC Mason)
Sean O’Bryan (NSA Ray Monroe)
Waleed Zuaiter (Kamran Barkawi)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus London Has Fallen | © Universum Film
© Universum Film

Nach dem überraschenden Tod des britischen Premierministers James Wilson ruft London die Staatsoberhäupter der Welt zum Staatsbegräbnis in die Metropole. Allen ist klar, dass dieser Auflauf an wichtigsten Politikern ein logistischer Alptraum zu werden droht, doch nicht zu erscheinen, käme einem Affront gleich und so willigt auch US-Präsident Benjamin Asher ein, der Beerdigung beizuwohnen, was wiederum seinen persönlichen Beschützer Mike Banning den wohlverdienten Urlaub kostet, den er mit seiner hochschwangeren Frau Leah verbringen wollte. Während der Flug noch ohne Zwischenfälle verläuft und auch die Sicherheitskontrollen vor Ort dafür sprechen, dass man alles Menschenmögliche tut, um etwaige Anschläge und Attentate zu verhindern, geschieht kurz nach der Ankunft des Präsidenten das Unfassbare und die Londoner Innenstadt verwandelt sich zusehends in ein regelrechtes Kriegsgebiet, während ein Staatsoberhaupt nach dem anderen das Zeitliche segnet und eine ganze Handvoll britischer Wahrzeichen in Flammen aufgehen. Und plötzlich obliegt es wieder einmal allein Banning, den Präsidenten in dieser Ausnahmesituation in Sicherheit zu bringen…

Rezension:

Ich zähle ja zu der ausgesuchten Schar an Leuten, denen schon der 2013er-Actioner Olympus Has Fallen durchaus gut gefallen hat und dementsprechend gespannt war ich nun auch auf London Has Fallen und versprach mir erneut feinste Action-Unterhaltung, auch wenn der Hurra-Patriotismus und die mangelnde Logik bereits im Vorgänger kritisch zu betrachten waren, doch sind das speziell bei dieser Art von Filmen für mich nicht unbedingt Ausschlusskriterien oder Gründe, die Anlass zu ausgedehnten Schmähreden geben. Und siehe da, der diesmal unter der Regie von Babak Najafi entstandene Film löst tatsächlich sein Versprechen ein, eine noch lautere, größere, ähnlich grimmig inszenierte Version des ersten Teils zu sein, wobei mir hier speziell zu gefallen wusste, dass eben nicht nur das Setting vom Weißen Haus auf ganz London ausgeweitet worden ist, sondern dass man es speziell auf Seiten der Darsteller geschafft hat, quasi ausnahmslos den Cast des ersten Teils erneut zusammenzutrommeln, denn die bekannten Gesichter sind vermutlich eine der wenigen Möglichkeiten, in einem derart krude aneinandergereihten Werk eine gewisse Kohärenz zu generieren.

Szenenbild aus London Has Fallen | © Universum Film
© Universum Film

Schon beim ersten Teil habe ich Gerard Butler (Coriolanus) attestiert, die Rolle des bärbeißigen und wortkargen Personenschützers Mike Banning quasi auf den Leib geschrieben bekommen zu haben und so punktet er auch hier mit enormer physischer Präsenz und beeindruckt in den erneut beinhart inszenierten Action-Sequenzen, wobei auch Aaron Eckhart (Meet Bill) als Präsident Benjamin Asher erneut eine gute Figur macht und sich durchaus zu wehren weiß, auch wenn er den Bärenanteil der Arbeit natürlich von Banning erledigen lässt. Dennoch erinnert London Has Fallen bei der gemeinsamen Flucht respektive Jagd durch die Straßen der verheerten Metropole zuweilen an ein gut getimtes Buddy-Movie und so hätte ich persönlich über andere Umbesetzungen durchaus hinwegsehen können, so denn zumindest das Kernstück des Films, die Kombi aus Butler und Eckhart erhalten geblieben wäre, doch selbst Bannings Frau wird erneut von Radha Mitchell gespielt, während man sich neben Morgan Freeman als Vize-Präsident über viele weitere bekannte Gesichter beim amerikanischen Krisenstab freuen darf, die erneut im Hintergrund ihre Fäden ziehen und um das Leben ihres Präsidenten bangen.

Gar keine Frage, eine Botschaft sollte man in dem Film nicht suchen und die Feindbilder sind so offensichtlich wie oberflächlich gezeichnet, während hinsichtlich der moralischen Integrität eine im Grunde katastrophale Schwarz-Weiß-Zeichnung betrieben wird und nicht von der Hand zu weisen ist,. dass im Grunde sämtliche europäischen Staaten nicht fähig scheinen, ihre Staatsoberhäupter nur annähernd sinnvoll zu beschützen, während schlussendlich nur noch und einzig der amerikanische Präsident um sein Überleben kämpft und man in England kaum in der Lage zu sein scheint, die prekäre Situation auch nur in Ansätzen selbst in den Griff zu bekommen. Darüber kann man sich aufregen oder ärgern, aber man kann genauso gut berücksichtigen, dass es sich eben auch bei London Has Fallen um einen schnörkellosen Action-Reißer handelt, dem sicherlich kaum der Sinn danach steht, politische oder gesellschaftliche Themen auszuloten oder überhaupt anzuschneiden und immerhin bemüht man sich in einigen wenigen knappen Einstellungen und Szenen, so etwas wie ein Motiv für die Bösewichte zu generieren, ganz so, wie die ersten zwanzig Minuten des Streifens dafür reserviert zu sein scheinen, im Vorfeld noch ein wenig Character-Building zu betreiben, bevor kurz vor Ablauf der ersten halben Stunde dann doch recht unerwartet und abrupt das Chaos losbricht und bis zum Ende des knapp hundertminütigen Spektakels kaum je an Tempo verliert.

Szenenbild aus London Has Fallen | © Universum Film
© Universum Film

In Bezug auf die Effekte und die gewählten Einstellungen und Ziele muss ich auch sagen, dass die Zerstörung Londons ziemlich effektiv und brachial in Szene gesetzt worden ist und die Szenen-Montage der unterschiedlichen Anschlagsziele zum Ende des ersten Drittels dermaßen spektakulär daherkommt, dass man im weiteren Verlauf des Films vergeblich nach auch nur annähernd beeindruckenden Bildern wird suchen müssen, während sich das Geschehen von der globalen Katastrophe immer weiter zurück zum Kampf Mann gegen Mann in schlecht beleuchteten Tunneln, Gängen und Fluren zurückbildet, was aber ebenfalls seinen Reiz hat, zumal Butler hier dann wie gesagt seine volle Stärke ausspielen kann und zynische One-Liner am laufenden Band rauszuhauen weiß. Apropos Zynismus ist es natürlich in Anbetracht der vielen realen Anschläge nicht gerade einfach, einen solchen Film zu besprechen oder ihm auch noch einen gehörigen Unterhaltungswert zu bescheinigen, doch betrachte ich derlei Dinge seit jeher getrennt voneinander, zumal man sich sonst aus Pietätsgründen vermutlich eine Vielzahl Filme schlichtweg nicht mehr ansehen könnte und auch wenn London Has Fallen das Pech hat, dass ihn die Realität zwar zum Glück nicht eingeholt hat, aber doch in vielen Punkten an die hier gezeigten Geschehnisse zu erinnern imstande ist, hat er mir doch als reiner Action-Film wieder überaus gut gefallen und sogar eine Spur besser als sein Vorgänger, wenn man eben auch hier wieder über mangelnde Logik, Hurra-Patriotismus und eine doch sehr überraschungsarm inszenierte Geschichte hinwegsehen muss, doch Gerard Butler rockt den Film einfach.

Fazit & Wertung:

Entgegen der Erwartungen macht London Has Fallen – berücksichtigt man, dass schon der Sturm auf das Weiße Haus im Vorgänger nicht unbedingt von Tiefgründigkeit und Anspruch geprägt war – eine überraschend gute Figur, denn wenn der Film auch nur eine erweiterte Fassung und Variation des ersten Teils zu bieten hat, überzeugen neben den Effekten und den Action-Sequenzen vor allem wieder Gerard Butler und Aaron Eckhart als ungewöhnliches Buddy-Gespann, während der Inszenierung ihr grimmiger Erzählton zum Glück nicht abhandengekommen ist.

7,5 von 10 zerstörten Wahrzeichen

London Has Fallen

  • Zerstörte Wahrzeichen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Entgegen der Erwartungen macht London Has Fallen – berücksichtigt man, dass schon der Sturm auf das Weiße Haus im Vorgänger nicht unbedingt von Tiefgründigkeit und Anspruch geprägt war – eine überraschend gute Figur, denn wenn der Film auch nur eine erweiterte Fassung und Variation des ersten Teils zu bieten hat, überzeugen neben den Effekten und den Action-Sequenzen vor allem wieder Gerard Butler und Aaron Eckhart als ungewöhnliches Buddy-Gespann, während der Inszenierung ihr grimmiger Erzählton zum Glück nicht abhandengekommen ist.

7.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3/5 Punkte
myofb: 6/10 Punkte
Stuffed Shelves: 4/10 Punkte

London Has Fallen erscheint am 29.07.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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