Review: Red State (Film)

Kommen wir heute – mit einem Tag Verspätung – zu einem weiteren Vertreter aus dem reichen Fundus der Filme, die bei mir seit Jahren in der Schublade ausharren und einer Sichtung entgegenfiebern, die zumindest in nachfolgendem Fall nun (endlich) erfolgt ist.

Red State

Red State, USA 2011, 88 Min.

Red State | © EuroVideo
© EuroVideo

Regisseur:
Kevin Smith
Autor:
Kevin Smith

Main-Cast:

Michael Parks (Abin Cooper)
John Goodman (Joseph Keenan)
Melissa Leo (Sara)
Michael Angarano (Travis)
Kerry Bishé (Cheyenne)
Nicholas Braun (Billy-Ray)
Kyle Gallner (Jarod)
Kevin Pollak (ASAC Brooks)
Stephen Root (Sheriff Wynan)

Genre:
Action | Krimi | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Red State | © EuroVideo
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Die drei Freunde Jarod, Travis und Billy Ray wünschen sich nichts sehnlicher, als ihre ersten sexuellen Erfahrungen zu sammeln, zumal sie in einem der erzkonservativen "Red States" beheimatet sind, wo ihrem Gefühl nach ohnehin alles, was Spaß machen könnte, verpönt oder gleich verboten ist. Entsprechend sind die drei auch Feuer und Flamme, als sie über eine Internet-Kontaktanzeige an eine Frau geraten, die anscheinend bereit ist, mit ihnen allen zu schlafen. Kurzerhand machen sich die drei mit dem Auto von Travis‘ Eltern auf, doch das geplante Stelldichein läuft anders als erhofft, denn die Frau betäubt die nichtsahnenden Jungs, die sich alsbald in der Gewalt der christlich-fundamentalistischen Five Points Trinity Church wiederfinden, von der sich selbst die " White Supremacists" aufgrund ihrer extremistischen Weltanschauung distanzieren. Und für eben jene Sekte unter Leitung des eloquenten Pastor Abin Cooper sind die drei Jungs ein Paradebeispiel für die allgemeine Verderbtheit von Amerika, an denen es ein Exempel zu statuieren gilt…

Rezension:

Nachdem mich kürzlich das Jay & Silent Bob Reboot ja nur mäßig zu begeistern wusste und hauptsächlich mit Nostalgie-Faktor überzeugt hat, wurde es mal allerhöchste Zeit, mich auch einem der ungewöhnlicheren Werke von Kevin Smith zu widmen, was in dem Fall eine Abkehr von der geekigen Komödie bedeutet und im konkreten Fall von Red State einen ziemlich beinharten, vor allem aber dramaturgisch höchst ungewöhnlichen Schocker, bei dem es die größte Hürde sein dürfte, ihn einem konkreten Genre zuzuordnen. Denn auch wenn sich das Geschehen recht bald in Richtung "Torture Porn" wendet und Smith anscheinend eine Form des christlichen Fundamentalismus ins Visier zu nehmen scheint, die in Gestalt der Five Points Trinity Church angelehnt an die reale Westboro Baptist Church daherkommt, hat er für seinen gerade mal neunzigminütigen Streifen noch einiges mehr im Sinn, wodurch sich auch Thema und Inszenierung noch mehrfach wie ein Fähnchen im Wind drehen werden. Das ist konzeptionell spannend, ungewöhnlich und unerwartet, verhindert aber auch, dass der Film sich vollumfänglich entfaltet, denn allzu oft muss man sich recht abrupt von vermeintlichen Identifikationsfiguren verabschieden.

Szenenbild aus Red State | © EuroVideo
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Gleich zu Beginn aber wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie gefährlich, wie extrem die Ansichten der Five Points Trinity Church sind, auch wenn das den Protagonisten Jarod, Travis und Billy Ray ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht, denn die haben weit wichtigere Themen, in diesem Fall unverbindlicher Sex mit einer Dame aus dem Internet. Hier findet sich – ebenfalls gleich zu Beginn – die vielleicht größte Schwäche im Skript von Red State, denn nicht nur wirken die Dialoge doch ziemlich holprig, nein, man staunt auch über die grenzenlos scheinende Naivität der drei Freunde, selbst wenn hier die Hormone verrückt spielen sollen. Aber gut, einen Aufhänger braucht es freilich, um sie in die Fänge der Sekten-Mitglieder zu treiben und da passt der versiffte Wohnwagen und die Aussicht auf eine schnelle Nummer womöglich ebenso gut wie jeder andere Vorwand. Als dann einer der Jungs erwacht, nachdem sie von Sara (Melissa Leo, Wayward Pines) betäubt worden sind, kommt Smith auch prompt mit dem ersten inszenatorischen Alleinstellungsmerkmal seines Genre-Streifens daher, indem er den von Michael Parks (Blood Father) verkörperten Abin Cooper eine ausgedehnte, wortgewaltige, hasserfühlte Predigt vor der versammelten Gemeinde halten lässt.

Allein durch die bizarre Situation, dass hier gepredigt wird, während sich niemand daran zu stören scheint, dass dort ein Junge um Hilfe schreit, schraubt die Spannungskurze schnell nach oben und Smith lässt sich mitnichten lumpen, die Sache schnell und blutrünstig eskalieren zu lassen, wobei ich den weiteren Verlauf der Handlung gar nicht vorwegnehmen möchte, denn die wilden Haken, die hier erzählerisch geschlagen wird, machen einen Großteil des Reizes von Red State aus, wenn der sich dadurch auch nicht annähernd so klar positionieren kann, wie es vielleicht wünschenswert gewesen wäre. Erwähnen kann man aber durchaus, dass alsbald noch John Goodman (Boston) zum Cast stößt, der seinerseits als Joseph Keenan einen Agent des ATF (" Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives") gibt. Speziell an dessen Erscheinen wird dann auch deutlich, dass Smith mitnichten einfach nur gegen christliche Fundamentalisten auszuteilen gedenkt, sondern eher in Richtung Rundumschlag tendiert, wenn man sich die weiteren Ereignisse und Methoden so besieht.

Szenenbild aus Red State | © EuroVideo
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Mutet Red State also auf den ersten Blick an wie ein fieser kleiner Horror-Thriller, schlägt er im weiteren Verlauf noch ganz andere Töne an und geht unerwartete Wege. Die Krux an der Sache ist allerdings, dass man das mögen und sich darauf einlassen können muss, denn ansonsten wird man eher wenig Freude mit diesem Genre-Beitrag haben, der so gar nicht der typischen Handschrift des Regisseurs und Drehbuchschreibers entspricht. Ich für meinen Teil mochte dieses Unerwartete und Ungewöhnliche, auch wenn nicht alles auf gleichbleibendem Niveau inszeniert worden ist und manche der Figuren in dem eher knapp gehaltenen, dafür umso wendungsreicher daherkommenden Werk ausnehmend blass bleiben. Bleibt dennoch ein interessantes Konzept, an dem sich Smith hier versucht hat, das zwar manche enttäuschen könnte, die sich einen geradlinigeren Reißer erwartet haben, sich aber gerade durch das unerwartete Genre-Mashup auch wohltuend von theoretisch vergleichbaren Produktionen abhebt.

Fazit & Wertung:

Kevin Smith hat sich mit Red State auf gleichermaßen unerwartetes und ungewohntes Terrain gewagt und überzeugt mit einer überraschend wendungsreichen Verquickung unterschiedlichster Genres, auch wenn ihm ein wenig die klare Linie abhandenkommt. Immerhin kommt das Gezeigte stets überraschend und oft brachial daher, auch wenn man sich zuletzt fragen mag, was Smith nun eigentlich genau für ein Statement abgeben wollte.

7 von 10 Schusswechseln zwischen Five-Pointers und ATF-Agenten

Red State

  • Schusswechsel zwischen Five-Pointers und ATF-Agenten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Kevin Smith hat sich mit Red State auf gleichermaßen unerwartetes und ungewohntes Terrain gewagt und überzeugt mit einer überraschend wendungsreichen Verquickung unterschiedlichster Genres, auch wenn ihm ein wenig die klare Linie abhandenkommt. Immerhin kommt das Gezeigte stets überraschend und oft brachial daher, auch wenn man sich zuletzt fragen mag, was Smith nun eigentlich genau für ein Statement abgeben wollte.

7.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Red State ist am 06.12.11 auf DVD und Blu-ray bei EuroVideo erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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