Review: Lucifer | Staffel 1 (Serie)

Schon ist das Wochenende wieder im vollen Gange und während wir es heute Morgen endlich geschafft haben, unsere neueste Serien-Binge-Watching-Versuchung zu beenden (dazu kommen wir später selbstverständlich noch), möchte ich euch heute mal ein wenig vom Teufel erzählen, der ja jetzt nun auch seine eigene Serie hat, die dazu noch gar nicht mal so schlecht ist, leider aber auch nicht überragend gut. Allein schon beim Namen Neil Gaiman nämlich wurde ich hellhörig und bin deshalb natürlich auch schon ganz heiß auf American Gods nächstes Jahr, aber das ist ja schon wieder eine andere Geschichte. Auf alle Fälle habe ich mich mal hingesetzt und meine Eindrücke festgehalten und zudem noch gestern Abend wieder einmal eine hübsche kleine Zeichnung zu den beiden Hauptfiguren gefertigt, auch um neues Material für den Slider zu haben. So, jetzt aber genug der (Vor-)Worte und ein weiterhin schönes Wochenende allerseits.

Lucifer
Staffel 1

Lucifer, USA 2015-, ca. 42 Min. je Folge

Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Serienschöpfer:
Tom Kapinos
Neil Gaiman (Comic-Vorlage)
Ausführende Produzenten:
Tom Kapinos
Ildy Modrovich
Len Wiseman
Jonathan Littman
Jerry Bruckheimer
Joe Henderson

Main-Cast:
Tom Ellis (Lucifer Morningstar)
Lauren German (Chloe Decker)
Kevin Alejandro (Dan Espinoza)
D.B. Woodside (Amenadiel)
Lesley-Ann Brandt (Mazikeen)
Scarlett Estevez (Trixie)
Rachael Harris (Linda Martin)
in weiteren Rollen:
Kevin Rankin (Malcolm Graham)
Lochlyn Munro (Anthony Paolucci)
Evan Arnold (Jacob Williams)
Dawn Olivieri (Lt. Olivia Monroe)

Genre:
Fantasy | Krimi | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Teufel hat die Schnauze voll von der Hölle und beschließt, mit seiner dämonischen Begleitung Mazikeen im Schlepptau, den feurigen Gestaden den Rücken zu kehren und sich auf der Erde – genauer in Los Angeles – eine Auszeit zu können. Hier eröffnet er als Lucifer Morningstar einen Nachtclub namens "Lux" und frönt fortan seinem Hedonismus und grenzenloser Dekadenz. Als er jedoch eines Tages mehr durch Zufall Detective Chloe Decker begegnet, merkt Lucifer, wie sehr es ihn danach verlangt, die Schuldigen zu bestrafen, weshalb er sich zu ihrem Ärgernis an ihre Fersen heftet. Derweil lässt sich Lucifers Bruder – der Engel Amenadiel – aus dem Himmel herab, um den Teufel zur Rückkehr in die Hölle zu bewegen, doch Lucifer weigert sich standhaft und ist regelrecht berauscht von der Faszination für menschliche Gefühle, die er nicht annähernd zu durchschauen weiß…

Rezension:

Auf Lucifer, die seit dem 15. Juli exklusiv bei Amazon Prime verfügbare FOX-Serie, hatte ich bereits im Vorfeld durchaus große Hoffnungen gelegt, denn eine Serie, deren Hauptfigur auf dem von Neil Gaiman (Stardust – Der Sternwanderer) geschaffenen Comic-Charakter basiert und die noch dazu von Tom Kapinos ersonnen worden ist, der seinerzeit eben auch für Californication verantwortlich zeichnete, die in ihren besten Momenten ja auch schon mit einer Mischung aus schlüpfrigen Humor und durchaus ernsten Zwischentönen zu brillieren wusste, versprach allerfeinste Unterhaltung, wenn ich auch zunächst skeptisch war bezüglich der Besetzung von Tom Ellis als Teufel höchstpersönlich, denn dafür sah er auf den Vorschaubildern doch für meinen Geschmack, zu nett, zu geleckt, zu nullachtfünfzehn aus, doch weit gefehlt, ist gerade er es, der mit seinem Charme und seiner Art die Serie tatsächlich überhaupt erst sehenswert macht.

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Bereits in der ersten Folge Die teuflische Auszeit (1.01) nämlich wird deutlich, wohin die Reise geht und Lucifer entpuppt sich rasch als komödiantisch angehauchtes, mit einem Touch des Übernatürlichen behaftetes Police-Procedural nebst Fall der Woche und allem was dazu gehört. Wie bekannt sein dürfte, bin ich ja nun kein großer oder ausgewiesener Freund von derartigen Serien und so war ich bereits nach einigen Folgen durchaus auch ein wenig enttäuscht, obgleich die Serie wirklich einen hohen Unterhaltungswert besitzt und zumindest Ansätze einer fortlaufenden Handlung erkennen lässt, doch bis es dazu kommt, sollen noch einige Folgen ins Land streichen, was bei einer eher an einen Kabelsender erinnernden Staffellänge von gerade einmal dreizehn Folgen nichts allzu Gutes verheißt. So hatte ich also durchaus meinen Spaß mit dem höllischen Treiben und Ellis‘ Interpretation des Höllenfürsten allein macht die Sache wie gesagt schon interessant, doch türmen sich auch mehr und mehr die verpassten Möglichkeiten, vor allem aber die dramaturgischen Unzulänglichkeiten, die die Serie nur zu bereitwillig in Kauf nimmt.

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Das nimmt zuvorderst seinen Anfang damit, dass Lucifer keinen Hehl daraus macht, der Herrscher der Hölle zu sein, der sich nun eben quasi im Urlaub auf der Erde befindet und ausgehend von der Polizistin Chloe Decker (Lauren German), an deren Fersen er sich heftet, halten ihn nicht gerade wenige Leute für verrückt, doch niemand, ausgerechnet nicht einmal seine Therapeutin, übrigens auch eine zunächst recht undankbare Rolle für Rachael Harris, die außer einigen Schmunzlern nicht allzu viel zur Handlung beiträgt, ist bereit, die Konsequenzen aus dem Verhalten von Lucifer Morningstar zu ziehen. Einer der Lichtblicke dagegen war D.B. Woodside (Buffy) als Engel Amenadiel, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Lucifer in die Hölle zurückzubringen und damit den immerhin den Grundstein für einen mehrere Folgen überdauernden Plot legt, doch wird auch sein Verhalten zunehmend ambivalenter, ähnlich wie es sich auch bei Lucifer selbst verhält, wobei man dessen Wankelmut und Stimmungsschwankungen noch weit eher auf seinen Charakter schieben und damit erklären könnte.

Szenenbild aus Lucifer | © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Interessanter wird es dann etwa ab Der gefallene Engel (1.06), wenn auch die mit Lesley-Ann Brandt (Spartacus) hervorragend besetzte Dämonin Mazikeen mehr zu tun bekommt, als bloß in Lucifers Club Gläser zu schrubben und spätestens hier beginnt sich dann auch eine fortlaufende Handlung zu entfalten, die nach einigen weiteren generischen Ausflügen ins Krimi-Genre zumindest in drei rundweg überzeugende Finalfolgen mündet, die auch das Interesse erhöhen, der Serie bei ihrer zweiten Staffel erneut Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen, wenn sich auch hier wieder einige dramaturgische Mängel auftun, doch bezieht die Serie Lucifer eben – ähnlich wie das tendenziell durchaus vergleichbare Castle – ihren Reiz eben zuvorderst aus der Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren und in der Beziehung hat man es mit Ellis und German hervorragend getroffen, zumal auch die zu erwartenden Schlüpfrigkeiten und allerhand Anspielungen auf Gott und den Teufel nicht fehlen, wobei man der Serie in diesen Momenten schon ihren Network-Charakter anmerkt, denn obwohl Lucifer verbal gerne mal deftig zur Sache geht, wirkt das Treiben in seiner Gesamtheit doch ungewöhnlich brav und handzahm, was in den wenigen Momenten, in denen Lucifers "böse" Seite zum Vorschein kommt, noch einmal unterstrichen wird, ganz davon abgesehen, dass die Tricktechnik in diesen Fällen oftmals erschreckend erbärmlich zu nennen ist.

Zeichnung von Lucifer und Chloe | © Wulf Bengsch

So komme ich also zu dem Schluss, dass hier merklich mehr drin gewesen wäre und man sicherlich auch nicht gezwungenermaßen eine abgewandelte Form Polizeiserie aus dem Stoff hätte machen müssen und sich stattdessen gerne verstärkt den zentralen Konflikten der Handlung und der Figuren hätte widmen dürfen, doch macht Lucifer schlichtweg eine Menge Spaß und bietet kurzweilige Unterhaltung, wenn auch die Parallelen zu Serien wie der im vorangegangenen Absatz Genannten (und vielen weiteren) nicht von der Hand zu weisen sind und so die Produktion ein wenig uninspiriert wirkt, doch Erfolg versprechende Konzepte zu kopieren hat sich ja schon oft genug rentiert und immerhin findet Kapinos neuester Serienstreich ein ausreichendes Maß an Alleinstellungsmerkmalen, um sich eine Daseinsberechtigung attestieren lassen zu können.

Fazit & Wertung:

Tom Kapinos‘ Serienschöpfung Lucifer auf Basis des Neil Gaiman-Charakters besitzt im Grunde alle Zutaten für eine außergewöhnliche, satirische, spannende, dramatische und abwechslungsreiche Serie fernab ausgetretener Pfade, doch mit der Entscheidung, den Plot in das Korsett eines Police-Procedurals zu pressen, tut man sich wahrlich keinen Gefallen und verschenkt einiges an Potential, während immerhin Lucifers spleenige Art und sein arroganter Charme leichtfüßig-augenzwinkernde Unterhaltung versprechen.

7,5 von 10 teuflischen Mordermittlungen

Lucifer | Staffel 1

  • Teuflische Mordermittlungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Tom Kapinos' Serienschöpfung Lucifer auf Basis des Neil Gaiman-Charakters besitzt im Grunde alle Zutaten für eine außergewöhnliche, satirische, spannende, dramatische und abwechslungsreiche Serie fernab ausgetretener Pfade, doch mit der Entscheidung, den Plot in das Korsett eines Police-Procedurals zu pressen, tut man sich wahrlich keinen Gefallen und verschenkt einiges an Potential, während immerhin Lucifers spleenige Art und sein arroganter Charme leichtfüßig-augenzwinkernde Unterhaltung versprechen.

7.5/10
Leser-Wertung 8.25/10 (4 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Die teuflische Auszeit (7,5/10)
02. Der Teufel in Therapie (7/10)
03. Eifersucht und Erpressung (7/10)
04. Der Höhlenmensch im Manne (7,5/10)
05. Das Duell der Künstler (7/10)
06. Der gefallene Engel (8/10)
07. Der Fall Palmetto (7,5/10)
08. Tödlicher Seitensprung (7/10)
09. Lucifer und der Pater (7,5/10)
10. Mord nach Rezept (7/10)
11. Der heilige Lucifer (8/10)
12. #TeamLucifer (8/10)
13. Einmal Hölle und zurück (8/10)

 
 
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Lucifer | Staffel 1 ist seit dem 15.07.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

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