Review: Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile (Film)

Tja, auch heute hat es wieder nicht wirklich gepasst, etwas zeitiger zu schreiben, aber es kommen bestimmt einstweilen auch wieder bessere Zeiten. Ich verabschiede mich jetzt auf alle Fälle in Richtung Couch und morgen ist ja immerhin schon wieder Wochenende.

Extremely Wicked,
Shockingly Evil and Vile

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile, USA 2019, 110 Min.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile | © Constantin
© Constantin

Regisseur:
Joe Berlinger
Autoren:
Michael Werwie (Drehbuch)
Elizabeth Kendall (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Zac Efron (Ted Bundy)
Lily Collins (Liz Kendall)
Kaya Scodelario (Carole Ann Boone)
John Malkovich (Judge Edward D. Cowart)
in weiteren Rollen:
Jeffrey Donovan (Utah Defense Attorney John O’Connell)
Angela Sarafyan (Joanna)
Haley Joel Osment (Liz’s Co-Worker Jerry)
Dylan Baker (Utah Prosecutor David Yocom)
Brian Geraghty (Florida Public Defender Dan Dowd)
Jim Parsons (Florida Prosecutor Larry Simpson)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile | © Constantin
© Constantin

In einer Bar lernt die alleinerziehende Mutter Liz 1969 den charmanten Jura-Studenten Ted Bundy kennen und alsbald verlieben sich die beiden ineinander, während er insbesondere Liz‘ Tochter ein liebevoller Vater ist. Liz ahnt nicht, dass Ted während dieser Zeit eine ganze Reihe Frauen entführt, vergewaltigt und ermordet. Obwohl Ted aber in mehreren Bundesstaaten verhaftet und teilweise auch vor Gericht gestellt wird, hält Liz weiter zu ihm und glaubt seinen Unschuldsbekundungen. Doch je häufiger er ins Fadenkreuz der Justiz gerät, umso ernster wird es für Ted Bundy, der sich letztlich 1987 in Florida einem Prozess stellen muss, in dem nichts Geringeres als die Todesstrafe für ihn gefordert wird. Liz wird langsam klar, dass sie ihren Verlobten womöglich gar nicht wirklich zu kennen scheint und droht an ihren widerstreitenden Gefühlen zu zerbrechen…

Rezension:

Ich hatte tatsächlich durchaus hohe Erwartungen an Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile, zumal ich schon vor Jahren dank The Paperboy habe lernen dürfen, dass Zac Efron durchaus auch ernsthaftes Schauspiel beherrscht. Seine Besetzung als Ted Bundy stellt hier natürlich einen ziemlichen Clou dar, denn sein noch immer vorherrschendes Image als Schwiegermutters Liebling ist natürlich mehr als geeignet, hier nun einen zwar abgrundtief bösen, nach außen hin aber ungemein charismatischen Serienkiller zu verkörpern. An dessen Darstellung gibt es derweil auch gar nichts auszusetzen, doch hat der Film leider Probleme struktureller Natur, die insofern irritieren, dass Regisseur Joe Berlinger schon für die True-Crime-Miniserie Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders verantwortlich zeichnete, im Thema also mehr als bewandert ist. Andererseits ist vielleicht gerade das der Knackpunkt, denn wenn man sich in einem Thema immens gut auskennt, setzt man vielleicht mehr als gegeben voraus, wobei wiederum Michael Werwie für das Drehbuch verantwortlich zeichnet und nicht Berlinger selbst. Fakt ist aber, dass sich der Film dramaturgisch ungemein unstet gibt und damit vieles an Faszination und Flair einbüßt, was Atmosphäre und Darsteller*innen durchaus vermitteln.

Szenenbild aus Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile | © Constantin
© Constantin

So fußt der Film auf dem autobiografischen Werk The Phantom Prince: My Life with Ted Bundy von Elizabeth Kendall, deren Rolle im Film Lily Collins (Les Misérables) übernimmt. Das funktioniert zu Beginn noch recht gut und eröffnet eine ungewohnte Perspektive auf die Ereignisse, denn Liz bekommt zunächst von dem Doppelleben ihres Freundes nichts mit und entsprechend werden auch die Morde auf der Leinwand ausgespart. So kommt Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile auch in weiten Teilen als waschechtes und ausschließliches Drama daher und nicht etwa abgründiger Thriller, wie man das bei dem Titel meinen könnte, der seinerseits ein Zitat des Richters darstellt, der Bundy letztlich verurteilen wird. Doch so interessant diese Perspektive klingen mag, rückt Berlinger davon schneller ab, als einem lieb sein kann und plötzlich liegt der Fokus eben doch auf Ted Bundy und Liz verschwindet – obwohl auf dem Papier die eigentliche Protagonistin des Ganzen – zeitweise gänzlich in der Versenkung.

Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass sich die hier geschilderte, auf kompakte unter zwei Stunden reduzierte Geschichte gleich mehrere Jahrzehnte umfassen soll. Ganz ungeachtet dessen, nämlich, dass die handelnden Charaktere nicht zu altern scheinen – darüber kann man aus künstlerischer Sicht noch den Mantel des Schweigens breiten –, verhält es sich nämlich schlichtweg so, dass wir die meiste Zeit nur so durch die Jahre brausen und man entsprechend vom Familienidyll von Liz und Ted nur herzlich wenig mitbekommt. Das macht es ungemein schwierig, im weiteren Verlauf mitzufühlen, wenn sich für Liz herauszukristallisieren beginnt, dass die Ankläger womöglich Recht behalten könnten, dass sie all die Jahre mit einem Monster das Bett geteilt hat. Spätestens hier wird es dann aber auch dramaturgisch schwierig, denn es sei Berlinger freilich unbenommen, eine leicht fiktionalisierte Form der Ereignisse zu erzählen, doch merkt man beispielsweise dem von Haley Joel Osment (Future Man) verkörperten Jerry an, dass er ein ausschließliches Drehbuchkonstrukt und mitnichten ein echter Mensch ist.

Szenenbild aus Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile | © Constantin
© Constantin

Weit gelungener ist da die eigentliche Gerichtsverhandlung, zumal hier der großartige John Malkovich (Unlocked) eine kleine, aber prägnante Rolle als Richter Edward D. Cowart – von dem auch das Zitat stammt, das dem Film seinen Titel verleiht – übernehmen darf. Hier spielt Liz allerdings noch weniger eine Rolle und im Grunde begnügt sich Berlinger damit, allseits bekannte und schon oft thematisierte Szenen vor Gericht nachzustellen, wobei zwar Zac Efron einmal mehr zu glänzen versteht, dem Film aber noch deutliche rund nachhaltiger sein Alleinstellungsmerkmal abhanden kommt, dass er doch eigentlich die Geschichte von Ted Bundy aus der Sicht der unbescholtenen und lange Zeit ahnungslosen Liz zu schildern gedacht hat. Da hilft es dann auch nicht, eine abschließende Konfrontation der beiden herbeizuführen, die sich ebenfalls Drehbuchautor Michael Werwie ausgedacht haben muss, um dem Ganzen einen prägnanteren Schlussakkord spendieren zu können. Das macht aus Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile mitnichten einen schlechten Film, doch am Ende war mir nicht wirklich klar, wo hier der eigentliche Themenschwerpunkt liegen soll. Da helfen dann auch der gelungene Look und ein erschreckend harmlos scheinender Efron als Bundy nicht mehr, denn der schon oft geschilderten Geschichte des Serienmörders fügt Belringer nicht wirklich Neues hinzu, obwohl er doch genau die Expertise besessen hätte, dafür prädestiniert zu sein.

Fazit & Wertung:

Der von Joe Berlinger inszenierte Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile wirkt dahingehend vielversprechend, dass der Regisseur sich mit Ted Bundy ausgiebig auseinandergesetzt hat und die Geschichte diesmal zudem aus der Sicht von Bundys Freundin und späterer Verlobter Liz geschildert werden soll. Leider versandet dieser Ansatz zunehmend und schlussendlich sieht man sich einer wenig aussagekräftigen, dafür aber gehetzten und zudem fiktionalisierten Nacherzählung der damaligen Ereignisse gegenüber. Souverän inszeniert allemal, aber längst nicht so packend und eindringlich, wie es hätte werden können.

5,5 von 10 nachdrücklichen Unschuldsbekundungen

Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile

  • Nachdrückliche Unschuldsbekundungen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Joe Berlinger inszenierte Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile wirkt dahingehend vielversprechend, dass der Regisseur sich mit Ted Bundy ausgiebig auseinandergesetzt hat und die Geschichte diesmal zudem aus der Sicht von Bundys Freundin und späterer Verlobter Liz geschildert werden soll. Leider versandet dieser Ansatz zunehmend und schlussendlich sieht man sich einer wenig aussagekräftigen, dafür aber gehetzten und zudem fiktionalisierten Nacherzählung der damaligen Ereignisse gegenüber. Souverän inszeniert allemal, aber längst nicht so packend und eindringlich, wie es hätte werden können.

5.5/10
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vgw

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