Review: Stolz und Vorurteil und Zombies (Film)

Tja, total unpassend zum Vatertag gibt es heute (natürlich) wieder eine Filmkritik, während ich hoffe, den freien Tag später noch entspannt ausklingen lassen zu können, denn irgendwie lief es heute mal wieder nicht so wie erwartet und statt das schöne Wetter zu genießen, haben wir unverhältnismäßig viel Zeit damit verbracht, durch die Bude zu rödeln, aber das Wochenende ist ja noch lang und von daher will ich mich gar nicht mal so sehr beschweren.

Stolz und Vorurteil und Zombies

Pride and Prejudice and Zombies, USA/UK 2016, 108 Min.

Stolz und Vorurteil und Zombies | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Burr Steers
Autoren:
Burr Steers (Drehbuch)
Jane Austen (Buch-Vorlage)
Seth Grahame-Smith (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Lily James (Elizabeth Bennet)
Sam Riley (Colonel Fitzwilliam Darcy)
Jack Huston (Lt. George Wickham)
Bella Heathcote (Jane Bennet)
Douglas Booth (Mr. Bingley)
Matt Smith (Parson Collins)
Charles Dance (Mr. Bennet)
Lena Headey (Lady Catherine de Bourgh)
Emma Greenwell (Caroline Bingley)

Genre:
Action | Horror | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Stolz und Vorurteil und Zombies | © Universum Film
© Universum Film

Während das England zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einer gleichermaßen seltsamen wie erschreckenden Epidemie heimgesucht wird, welche die Unglückseligen in nach Gehirn trachtende Zombies verwandelt, hat die aufopferungsvolle Mrs. Bennet kein dringenderes anliegen, als ihre fünf Töchter zu verheiraten. Ausgerechnet Elizabeth, die zweitälteste der Schwestern, kann aber so gar keinen Reiz daran erkennen, sich einem Mann unterzuordnen und die Hausfrau zu spielen, zumal die Bennet-Schwestern allesamt in den tödlichsten Kampfkünsten geschult worden sind und sich lieber darin ergehen, Jagd auf die Untoten zu machen. Als aber Mr. Bingley in Erscheinung tritt, sieht es zumindest für Elizabeth‘ Schwester Jane durchaus rosig aus, was eine baldige Heirat angeht, doch ausgerechnet Bingleys ausgewiesener Freund, der unterkühlt wirkende Mr. Darcy, macht den jungen Liebenden einen Strich durch die Rechnung, was Elizabeth‘ Abneigung ihm gegenüber noch verstärkt…

Rezension:

Mit der Sichtung der filmischen Adaption zu Stolz und Vorurteil und Zombies habe ich nun das Triumvirat an Veröffentlichungen abgedeckt und sowohl das Buch, die Graphic Novel und nun eben den Film konsumiert und es ist interessant, welch unterschiedliche Wege teils beschritten werden, um die doch hinlänglich bekannte Geschichte immer wieder neu zu erzählen. Hier nun müht sich Regisseur Burr Steers redlich, vergleichsweise nahe an der ursprünglichen Fassung von Jane Austen zu bleiben und peppt das Ganze recht behutsam mit ein paar Zombie-Brocken auf, doch ungeachtet dessen, dass das Produktions-Budget nicht allzu hoch gewesen sein mag, sehen manche Effekte schließlich doch ziemlich halbgar aus, misslingt Steers der Versuch doch größtenteils, die beiden Genres miteinander zu verknüpfen und ein unterhaltsames Mash-Up zu generieren, denn der satirische Ton der Buch-Vorlage von Seth Grahame-Smith geht hier meinem Gefühl nach beinahe gänzlich verloren und in nicht nur einer Szene nimmt sich das Geschehen hier erschreckend ernst, was natürlich einer bei dieser Kombi dringend erforderlichen Leichtfüßigkeit massiv entgegenwirkt.

Szenenbild aus Stolz und Vorurteil und Zombies | © Universum Film
© Universum Film

In der Theorie macht Stolz und Vorurteil und Zombies vieles richtig und Lily James als kampferprobte und toughe Elizabeth Bennet macht eine tolle Figur, derweil auch die Chemie zwischen ihr und dem von Sam Riley (Suite Française) verkörperten Mr. Darcy unumwunden passt, während die mir spätestens seit The Neon Demon bekannte Bella Heathcote als Elizabeths Schwester Jane ebenfalls zu überzeugen weiß, während die restlichen Schwestern weitestgehend Staffage bleiben, wie es ja aber nun einmal in beinahe jeder Adaption und Fassung der Fall gewesen ist. Stimmig besetzte Hauptcharaktere allein machen aber keinen guten Film und schon der Einstieg gerät nur grenzwertig lustig, während man auch bei der ersten Kampfsequenz durchaus öfter das Gefühl hat, hier hätte dringend das Geld zusammengehalten werden müssen, denn so richtig Schwung und Action will hier nicht aufkommen. Vor allem aber ist das Treiben selten wirklich witzig, was tatsächlich zu verschmerzen gewesen wäre, wenn man dafür immerhin mehr daraus gemacht hätte, was für Ideen sich Grahame-Smith für dieses alternative England gemacht hat, doch auch in dieser Hinsicht bleibt vieles auf der Strecke.

So besitzen zwar die Bennet-Schwestern allesamt eine fernöstliche Kampfausbildung, doch der Martial Arts-Aspekt kommt kaum zum Tragen, während auch der gesamte Plot um Lady Catherine de Bourgh so zusammengestrichen worden ist, dass ihre im Vergleich zum Original ungleich interessantere Figur kaum Relevanz besitzt, so dass sich die Beteiligung von Lena Headey in dieser Hinsicht auf nur wenige Minuten Screentime beschränkt. Ansonsten klappert man pflichtschuldig all die üblichen Stationen einer Stolz und Vorurteil-Verfilmung ab, wobei man mit diesem Anspruch dann eben genauso gut beziehungsweise besser eben zu einer dieser einschlägigen Verfilmungen greifen könnte, denn damit wäre man besser bedient, als mit diesem halbgar gepimpten Versuch, dem Thema neue Facetten abzuringen. Obwohl nämlich das Budget nicht gerade üppig gewesen sein mag, schien man doch gleichwohl großen Wert auf Mainstream-Tauglichkeit gelegt zu haben und entsprechend erinnern die Zombies mehr an die gleichsam verharmloste Variante aus World War Z als an die ungleich detaillierteren Untoten aus The Walking Dead, womit der auf dem Cover zur Scheibe prominente Vergleich ad absurdum geführt wird.

Szenenbild aus Stolz und Vorurteil und Zombies | © Universum Film
© Universum Film

Nein, Stolz und Vorurteil und Zombies hätte als Zombie-Actioner funktionieren können, gleichsam als Komödie oder Satire, meinetwegen auch noch als locker inszenierter Abenteuerfilm mit ein wenig Splatter, doch geworden ist er nichts davon oder zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es zu hoffen gewesen wäre, so dass ich mir kaum eine Fraktion vorstellen kann, die so richtig glücklich wird mit dem Film, der noch dazu einige dramaturgisch einschneidende Veränderungen vornimmt, um ein "Finale" zu generieren, das den Namen kaum verdient und die Chose noch oberflächlicher und gleichsam unlogischer ausklingen lässt, als das ohnehin schon der Fall war. Einziger Lichtblick – neben den grundsätzlich überzeugenden Hauptdarstellern – ist dementsprechend Matt Smith (Doctor Who) in der wohl besten Verkörperung der Rolle des Mr. Collins, der mit seiner Darstellung in mehr als nur einer Szene aufzeigt, was alles möglich gewesen wäre, wenn man sich und das muntere Treiben nicht so verdammt ernst nehmen würde, wie es hier aus unerklärlichen Gründe leider der Fall ist. So taugt diese Adaption des Stoffes nicht einmal als ausgesuchter No-Brainer für einen bierseligen Abend so richtig und bleibt damit sogar noch ein Stück hinter dem kaum mehr überzeugenden Abraham Lincoln Vampirjäger zurück, dessen Filmfassung ja ebenfalls auf einem Buch-Mash-Up von Seth Grahame-Smith fußt.

Fazit & Wertung:

Den Versuch, Seth Grahame-Smiths Überraschungserfolg Stolz und Vorurteil und Zombies für die Leinwand zu adaptieren, darf man leider in weiten Teilen als gescheitert betrachten, denn auch wenn die teils illustre Schar an Darstellerinen und Darstellern beherzt zu Werke geht, nimmt sich das Geschehen teils viel zu ernst, als dass sich ein satirischer oder zumindest komödiantischer Unterton entfalten könne, während die Inszenierung der Zombies selbst nicht minder handzahm geraten ist und selbst die Action-Szenen nicht rundweg zu überzeugen wissen. Kann man sich sicherlich ansehen, doch sollte man die Erwartungen gehörig nach unten korrigieren, um nicht enttäuscht zu werden.

5,5 von 10 dahingemetztelten Unaussprechlichen

Stolz und Vorurteil und Zombies

  • Dahingemetztelte Unaussprechliche - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Den Versuch, Seth Grahame-Smiths Überraschungserfolg Stolz und Vorurteil und Zombies für die Leinwand zu adaptieren, darf man leider in weiten Teilen als gescheitert betrachten, denn auch wenn die teils illustre Schar an Darstellerinen und Darstellern beherzt zu Werke geht, nimmt sich das Geschehen teils viel zu ernst, als dass sich ein satirischer oder zumindest komödiantischer Unterton entfalten könne, während die Inszenierung der Zombies selbst nicht minder handzahm geraten ist und selbst die Action-Szenen nicht rundweg zu überzeugen wissen. Kann man sich sicherlich ansehen, doch sollte man die Erwartungen gehörig nach unten korrigieren, um nicht enttäuscht zu werden.

5.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Stolz und Vorurteil und Zombies ist am 28.10.16 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

%d Bloggern gefällt das: