Review: Abaddons Tor – Expanse-Serie 3 | James Corey (Buch)

Und hier kommt dann auch schon der nächste Science-Fiction-Artikel, den ich letzte Woche zugunsten von Genre-Diversifikation hintenangestellt hatte. Noch länger zurückhalten wollte ich meine euphorische Meinung zum mittlerweile dritten Band der Expanse-Serie aber nicht und deshalb kommt sie genau jetzt!

Abaddons Tor
Expanse-Serie 3

Abaddon’s Gate (The Expanse Series Book 3), USA 2013, 640 Seiten

Abaddons Tor von James Corey | © Heyne
© Heyne

Autor:
James Corey
Übersetzer:
Jürgen Langowski

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-31803-8

Genre:
Science-Fiction | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

»Sie müssen mir helfen«, verlangte Miller. Die Blutgefäße in den Augen hatten sich fast vollständig schwarz gefärbt. »Die wissen, dass ich Dinge finden kann. Die wissen, dass Sie mir helfen.«
»Sie sind tot«, widersprach Holden. Er hatte es nicht geplant und sich die Worte nicht einmal zurechtgelegt.
»Alle sind tot«, sagte Miller. Er nahm die Hand von Holdens Schulter und wandte sich ab. Jetzt wirkte er verwirrt. »Beinahe, beinahe.«

Drei Jahre sind vergangen seit den Geschehnissen auf Ganymed, ebenso drei Jahre, seit es auf der Venus – nunmehr Heimat des Protomoleküls – ruhig geworden ist, doch stattdessen befindet sich nun ein Ring, ein Sternentor im Orbit um den Uranus und ist seit seiner Entdeckung Thema vieler Spekulationen. Als aber ein wagemutiger Pilot den Ring zu durchfliegen plant und dabei sein Ende findet, löst dies eine regelrechte Kettenreaktion aus und sowohl Schiffe von der Erde, dem Mars als auch der Gürtler bewegen sich prompt in Richtung Uranus, ebenso wie selbstredend auch die Rosinante mit ihrer Crew um Captain James Holden, der einerseits nichts lieber will, als sich von diesem Ort fernzuhalten, andererseits regelrecht dorthin gedrängt wird, wobei er erst später dahinterkommen wird, dass es sich hierbei mitnichten um Zufall, sondern mehr um einen perfiden Plan gehandelt hat…

Rezension:

Nach Leviathan erwacht und Calibans Krieg – die ich ja beide regelrecht verschlungen habe – führen Abraham und Franck, pardon, James Corey natürlich, die Geschichte im nunmehr dritten Band Abaddons Tor fort und erneut braucht man nach einem diesmal dreijährigen Zeitsprung einige Zeit, sich wieder in der Welt zurechtzufinden und zu verorten, wer sich wo und warum befindet. Wie bisher stehen hierbei James Holden und seine drei Mitstreiter klar im Vordergrund des Epos, doch reichert Corey seine Geschichte auch hier wieder mit einer Handvoll weiterer Figuren an, deren Bewandtnis sich erst im weiteren Verlauf wird klären lassen, wobei man diesmal auf die aus dem zweiten Band bekannte Marsianerin Bobbie, Botaniker Prax wie auch Unterstaatssekretärin Avasarala wird verzichten müssen, wobei sie zumindest allenthalben Erwähnung finden und manche Andeutungen gemacht werden, dass man auf ein Wiedersehen in späteren Bänden rechnen kann, ganz so wie hier mit Detective Miller, der zumindest als Sprachrohr des Protomoleküls in Erscheinung tritt, wie der fulminante Epilog des zweiten Bandes ja bereits angedeutet hatte.

Die Venus war tot. Nachdem die gekaperte Eros-Station durch die Wolken gestürzt war, hatten sich die Augen der Erde jahrelang auf den Planeten gerichtet und zugesehen, wie sich das außerirdische Protomolekül in der gewalttätigen, überhitzten Atmosphäre behauptete. Kilometerhohe Kristalltürme waren gewachsen und zerfallen. Geflechte von Kohlenstofffasern hatten den Planeten überspannt und sich aufgelöst.

Dennoch sind wie gesagt einige neue Gestalten mit von der Partie und bilden ein nicht minder schillerndes Figurenkonsortium, wobei ich eingestehen muss, dass es mir anfänglich beinahe ein wenig viel schien an Charakteren, zumal diese sich samt und sonders zunächst an unterschiedlichen Orten befinden und – ganz wie man es auch bisher von der Expanse-Serie gewohnt ist – erst im weiteren Verlauf der Story aufeinandertreffen. So wirkt der Beginn von Abaddons Tor beinahe ein wenig überladen und kommt nicht ganz so schnell in Fahrt, wie ich mir das gewünscht hätte, doch hat man sich erst einmal in den Reigen eingefunden, startet die Reise in Richtung Uranus, beginnt man die Beweggründe und Motivationen der Figuren zu verstehen, entfaltet auch dieser dritte Teil wieder seine gewohnte Sogwirkung und lässt sich kaum noch aus der Hand legen, zumal es spannend ist zu verfolgen, wie sich der Schleier um das Protomolekül langsam zu lüften beginnt, ohne das wirkliche Geheimnisse preisgegeben oder sich eine finale Auflösung abzeichnen würde.

Von den neuen Figuren derweil fällt es schwer, einen Liebling auszumachen, denn sowohl Bull als Chef der Sicherheit – angeheuert von niemand Geringerem als Fred Johnson, besser bekannt als "Schlächter der Anderson-Station" und längst hohes Tier bei der AAP, das man bereits aus den Vorgängern kennt – als auch Anna, eine Predigerin, die Frau und Kind zugunsten einer nie dagewesenen Möglichkeit zur Missionierung daheim zurücklässt, bis hin zu Anna, über deren Herkunft und Vita ich mich ausschweigen werde, um keine plottechnisch relevanten Details vorwegzunehmen, wenngleich selbiges in Abaddons Tor schnell offenbart wird, wissen allesamt zu gefallen, wenngleich der Reiz sich zugegebenermaßen exponentiell steigert, als ihre jeweiligen Plots zusammenzulaufen zu beginnen.

»Sir, ich bin lange genug mit Ihnen geflogen«, erklärte Bull. »Wenn Sie eine Bitte haben, dann sagen Sie’s einfach.«
»Sie müssen dafür sorgen, dass es klappt«, verlangte Fred. »Was da draußen vorgeht, ist die wichtigste Sache im ganzen Sonnensystem, aber wir wissen nicht, was wirklich los ist. Wenn wir uns lächerlich machen oder den inneren Planeten einen entscheidenden Vorteil lassen, dann verlieren wir eine Menge Boden. Ashford und Pa sind gute Leute, aber sie sind Gürtler. Sie besitzen nicht unsere Erfahrung im Umgang mit den Kräften der Erde.«

So merkt man in Anbetracht der komplexen Konstruktion der Geschichte, die in wortwörtlich neue Welten aufbricht eine durchaus auffällige Diskrepanz zu dem noch eher simpel gestrickten ersten Teil, denn in Leviathan erwacht waren es nun einmal lediglich zwei handelnde Figuren – Holden und Miller – die den Plot zu tragen wussten/hatten, doch spricht diese zunehmende Komplexität auf der anderen Seite doch sehr für die Expanse-Serie, die langsam ihren Kinderschuhen zu entwachsen beginnt, dabei dank Rückbezügen und Andeutungen aber auch nie das Vorangegangene außeracht lässt und folglich erneut damit zu punkten weiß, eine durchdachte, vielschichtige, gar nicht einmal so fremde Welt zu erschaffen, in die abzutauchen auch hier wieder ein wahres Vergnügen ist, wenngleich auch nicht jeder heil aus der Sache herauskommt. Wäre da nicht der vergleichsweise doch etwas langatmige Einstieg gewesen, ich hätte beinahe allein aufgrund der zweiten Hälfte die Höchstpunktzahl vergeben, doch auch so bleibt festzuhalten, dass es sich bei Abaddons Tor um eine mehr als würdige, nicht minder spannende Fortsetzung handelt, die man als Science-Fiction-Fan ohne Frage gelesen haben sollte.

Fazit & Wertung:

Mit Abaddons Tor – Expanse-Serie 3 gehen die sich hinter dem Pseudonym James Corey verbergenden Autoren Daniel Abraham und Ty Franck erneut noch einen Schritt weiter und spinnen mit weiteren, neuen Figuren ihre Mär um das Protomolekül und die Odyssee von Captain James Holden fort, entführen wortwörtlich in neue Welten und liefern ein fulminantes Epos ab, auf dessen Fortsetzung man sich bereits während der Lektüre freuen dürfte, denn bemängeln kann man – abgesehen von einem etwas behäbigen Einstieg – nur schwerlich etwas an dieser wendungsreichen und komplexen Geschichte.

9,5 von 10 Differenzen zwischen Erde und Mars

Abaddons Tor - Expanse-Serie 3

  • Differenzen zwischen Erde und Mars - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Abaddons Tor – Expanse-Serie 3 gehen die sich hinter dem Pseudonym James Corey verbergenden Autoren Daniel Abraham und Ty Franck erneut noch einen Schritt weiter und spinnen mit weiteren, neuen Figuren ihre Mär um das Protomolekül und die Odyssee von Captain James Holden fort, entführen wortwörtlich in neue Welten und liefern ein fulminantes Epos ab, auf dessen Fortsetzung man sich bereits während der Lektüre freuen dürfte, denn bemängeln kann man – abgesehen von einem etwas behäbigen Einstieg – nur schwerlich etwas an dieser wendungsreichen und komplexen Geschichte.

9.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne.

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Abaddons Tor ist am 13.02.17 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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  • Esther L

    Eine sehr schöne Rezension (die überdies meine eigene Begeisterung für die Reihe widerspiegelt) – nur ein winzigkleiner Flüchtigkeitsfehler, wenn ich darf: Neben Anna, der Predigerin, hast du die spoilerfreie Unbekannte ebenfalls als ‚Anna‘ beschrieben. Sie heißen aber nicht beide Anna – du meinst Clarissa/Melba. :)

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