Review: Persepolis erhebt sich – Expanse-Serie 7 | James Corey (Buch)

Heute freue ich mich wieder einmal ganz besonders über den von mir fabrizierten Artikel, denn das der hat entstehen können, bedeutet, dass ich mich einmal mehr der mir wohl derzeit liebsten Buchreihe habe widmen können. Umso schöner, dass noch dieses Jahr das gleichnamige, nicht minder gelungene Serien-Pendant weitergehen wird und kommenden März dann schon der achte Band als Taschenbuch erscheint.

Persepolis erhebt sich
Expanse-Serie 7

Persepolis Rising (The Expanse Series Book 7), USA 2017, 640 Seiten

Persepolis erhebt sich von James Corey | © Heyne
© Heyne

Autor:
James Corey
Übersetzer:
Jürgen Langowski

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-32081-9

Genre:
Science-Fiction | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

Dann kamen die üblichen Fragen: Würde Drummer selbst oder der ehemalige Präsident Sanjrani die Neuverhandlung der Zölle leiten, würde die Transportgewerkschaft in den heiß umkämpften Wahlen auf Nova Catalunya neutral bleiben, würden die Gespräche über den Status von Ganymed auf Luna oder Medina stattfinden?

Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit die Erde attackiert worden ist und ebenso lange liegt es zurück, dass sich eine Splittergruppe der marsianischen Marine durch das Laconia-Tor aus dem bekannten Universum abgesetzt hat und in die Welt jenseits der Ringtore vorgestoßen ist. Die Beziehung zwischen Erde, Mars und Gürtel hat sich im Laufe der Zeit normalisiert und insbesondere die Gürtler haben eine neue Art Machtposition inne, indem sie die Medina-Station und damit sämtlichen Flugverkehr zwischen den Toren und innerhalb der langsamen Zone kontrollieren. Als Gewerkschaftsführerin zeichnet Drummer dafür verantwortlich, dass sich alle Parteien an die Regeln halten und entsendet aus diesem Grund James Holden und die Rosinante-Crew zum unabhängigen Planeten Freehold jenseits der Tore, um ein Exempel zu statuieren, da die sich weigern, die Abgaben zu entrichten. Doch währen Holden noch nach einer gütlichen Einigung mit der Kolonie strebt, ereignet sich weit Bedeutsameres, als ein Schiff von Laconia aufbricht und die Vision des dortigen Hochkonsuls von einer geeinten Menschheit auch im Sol-System durchzudrücken und zu diesem Zweck die Medina-Station entert, kaum, dass die Rosinante wieder in deren Hangar gelandet ist…

Rezension:

Es ist noch kein Jahr vergangen, seit ich mich mit Babylons Asche dem sechsten Band der Expanse-Reihe gewidmet habe und zu meinem Entzücken hat der Heyne Verlag ja nun recht fix Nachschub geliefert, was die nachgelagerten Taschenbuchausgaben der Reihe angeht, sodass nun seit September auch Persepolis erhebt sich im handlichen Format verfügbar ist. Mit meiner Feststellung, dass der vorangegangene, sechste Band auch gut und gerne als Abschluss eines Zyklus betrachtet werden kann, habe ich derweil mehr als Recht behalten, denn bereits auf den ersten Seiten offenbart sich, dass Autor James S. A. Corey – auch hier wieder eigentlich Daniel James Abraham und Ty Franck – einen Zeitsprung von drei Dekaden initiiert hat. In der Zeit hat sich natürlich einiges getan, nicht nur, was das Verhältnis der Bewohner des Sol-Systems – Erde, Mars und Gürtler – unter- und zueinander anbelangt, sondern eben auch die Kolonisierung der tausenddreihundert Welten jenseits der Ringtore. Wobei in diesem Kontext Laconia eine Art Sonderstellung einnimmt, das von dem ehemaligen marsianischen Admiral Winston Duarte gegründet worden ist, der nunmehr Hochkonsul dieses aufstrebenden Reiches ist.

Der große Mechaniker wirkte in der letzten Zeit etwas schmaler. Die meisten kräftigen Männer setzten irgendwann einen Bauch an. Bei Amos entwickelte es sich in die andere Richtung. Das Körperfett, das er besessen hatte, war verschwunden, jetzt wirkten seine Arme und der Hals drahtig, und direkt unter der Haut zeichneten sich die alten Muskeln ab. Zäher als Schuhleder.

Dass dieses eine signifikante Rolle in Persepolis erhebt sich spielen wird, bekommt man bereits im Prolog angeteasert, doch zunächst einmal wird man aus der Sicht von Camina Drummer, nunmehr Präsidentin der Transportgewerkschaft auf Stand gebracht, was sich in den letzten drei Jahrzehnten ereignet hat, bevor selbige Kontakt zu der immer noch aktiven Rosinante-Crew aufnimmt, damit die eine Botschaft an die Bewohner von Freehold übermittelt. So weit, so unaufgeregt, erinnert der Abstecher nach Freehold zunächst einmal ein wenig an das Eintreffen auf Ilus in Cibola brennt, doch Corey droht natürlich mitnichten, sich zu wiederholen, und im Grunde dient dieser Ausflug auch nur dazu, die Crew um James Holden auf der Medina-Station in Stellung zu bringen, die sich bald mit "Besuch" aus Laconia konfrontiert sieht. Wir können uns sicher alle denken, dass diese Begegnung nicht unbedingt friedlich verläuft, jedoch auch gänzlich anders, als man das vielleicht erwarten würde. Ohne dies weiter spoilern zu wollen, entspinnt sich ein Großteil der Handlung um den Konflikt mit Laconia und deren Annektierung der Medina-Station, so dass einerseits Drummer sich gezwungen sieht, sich mit Erde und Mars auseinanderzusetzen, wie man dieser neuen Bedrohung begegnen könne, andererseits Holden und Konsorten in den Untergrund gehen, um von innen heraus gegen die Besatzer vorzugehen.

So punktet also auch Persepolis erhebt sich wieder mit einem ganz eigenen Flair und einer durchweg gelungenen Fortführung der Geschichte, die sich nunmehr nicht mehr nur über mehrere Jahre und Planeten erstreckt, sondern jetzt eben bereits mehrere Dekaden und gänzlich neu erschlossene Sonnensysteme involviert, was dem Begriff "Epicness" eine ganz neue Bedeutung verleihen mag. Und dennoch bleibt Corey ganz nah an seinen Figuren und gefühlt ist die Sichtweise diesmal noch enger gefasst und widmet sich nicht annähernd so vielen Protagonisten, wie das zeitweise der Fall gewesen ist, was dabei hilft, einem jeden der – samt und sonders spannenden – Handlungsstränge zu folgen. Da wären einerseits Camina Drummer in einer gänzlich neuen, unerwarteten Funktion, andererseits der von Laconia entsandte Santiago Singh, dem das Kommando an Bord der Medina-Station übertragen worden ist, während für die Rosinante-Crew diesmal maßgeblich Bobbie Draper in Erscheinung tritt, auch wenn sich einzelne, prägnante Kapitel auch den Sichtweisen von James und Naomi, Alex und Amos widmen. Ebenfalls gelungen, wenn auch nicht sofort positiv zu bewerten, ist die merkliche Veränderung im Verhalten der Figuren, die mit ihrem gestiegenen Alter einhergeht, wobei ich zugeben muss, mich erst daran habe gewöhnen zu müssen, dass sämtliche Protagonisten nun eben rund dreißig Jahre älter sind.

»Nimmst du Betsy mit?«
»Wahrscheinlich ist das keine Betsy-Situation, Matrose«, antwortete Bobbie. »Betsy« war Alex’ Spitzname für die marsianische Kampfrüstung, die Bobbie im Frachtraum des Schiffs aufbewahrte. Sie hatte das Ding seit Jahren nicht mehr angezogen, sorgte aber dafür, dass es jederzeit einsatzbereit und aufgeladen war. Die Gewissheit, dass die Rüstung da war, schenkte ihr ein warmes, behagliches Gefühl. Für alle Fälle.

Dessen ungeachtet bildet Persepolis erhebt sich aber einen ungemein vielversprechenden Auftakt für die finale Trilogie, welche die Reihe nach insgesamt neun Bänden mit den noch folgenden Romanen Tiamats Zorn (bereits erschienen) und Leviathan Falls (angekündigt) beenden wird. Und die Art und Weise, wie die Geschehnisse hier geschildert und verknüpft werden, lässt vermuten, dass Abraham und Franck schon seit geraumer Zeit einen ziemlich exakten Masterplan im Hinterkopf haben, der die Geschichte dann hoffentlich zu einem zufriedenstellenden Abschluss bringt, der den unzähligen Abenteuern in nichts nachstehen wird. Hier allerdings wartet man darauf vergeblich und tatsächlich mündet die Story sogar in einen ungewohnt eklatanten Cliffhanger, was den Eindruck verstärkt, dass hier in den letzten drei Vertretern der Reihe eine große, zusammenhängende, letztmalig epische Geschichte erzählt werden wird. Zeug dazu, die ultimative Herausforderung zu bilden, hat das Reich von Laconia und dessen Hochkonsul Duarte auf alle Fälle, auch wenn man natürlich wieder einmal nicht von klassischen Antagonisten sprechen kann, denn dank der wechselnden Perspektiven versteht man durchaus auch die Ansichten von Singh und den anderen Exil-Marsianern, was insbesondere auch Bobbie – und mit ihr die Leser – zeitweise ins Grübeln bringt.

Fazit & Wertung:

Der mittlerweile siebte Band der Expanse-Reihe Persepolis erhebt sich bildet – mutmaßlich – den Auftakt für eine letzte Trilogie um James Holden und die Crew der Rosinante, hat es als solcher aber definitiv in sich und führt die Geschichte nach dreißigjährigem Zeitsprung ungebrochen faszinierend fort. Dem Umstand geschuldet, dass hier zum Ende hin einiges in der Schwebe bleibt, um im nächsten Band weiterverfolgt zu werden, reicht der Roman allerdings nicht ganz an den direkten Vorgänger heran, der als Abschluss eines Zyklus noch eine Spur überzeugender und epischer gewesen ist.

9 von 10 Differenzen im Sol-System und darüber hinaus

Persepolis erhebt sich – Expanse-Serie 7

  • Differenzen im Sol-System und darüber hinaus - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Der mittlerweile siebte Band der Expanse-Reihe Persepolis erhebt sich bildet – mutmaßlich – den Auftakt für eine letzte Trilogie um James Holden und die Crew der Rosinante, hat es als solcher aber definitiv in sich und führt die Geschichte nach dreißigjährigem Zeitsprung ungebrochen faszinierend fort. Dem Umstand geschuldet, dass hier zum Ende hin einiges in der Schwebe bleibt, um im nächsten Band weiterverfolgt zu werden, reicht der Roman allerdings nicht ganz an den direkten Vorgänger heran, der als Abschluss eines Zyklus noch eine Spur überzeugender und epischer gewesen ist.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne.

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Persepolis erhebt sich ist am 10.08.2020 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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