Review: Daybreak | Staffel 1 (Serie)

Diesmal berichte ich von einer Serie, von der ich bis zu ihrem Erscheinen nichts wusste, die mich dafür direkt angesprochen hat und mich mit hohen Erwartungen an die Sichtung gehen ließ, um dann trotz vieler guter Ideen im Mittelmaß zu versanden.

Daybreak
Staffel 1

Daybreak, USA 2019-, ca. 47 Min. je Folge

Daybreak | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Brad Peyton
Aron Eli Coleite
Brian Ralph (Comic-Vorlage)
Ausführende Produzenten:
Brad Peyton
Aron Eli Coleite
Jeff Fierson

Main-Cast:

Colin Ford (Josh Wheeler)
Alyvia Alyn Lind (Angelica Green)
Sophie Simnett (Samaira ‚Sam‘ Dean)
Austin Crute (Wesley Fists)
Cody Kearsley (Turbo Bro Jock)
Jeanté Godlock (Mona Lisa)
Gregory Kasyan (Eli Cardashyan)
Krysta Rodriguez (Ms. Crumble)
Matthew Broderick (Michael Burr)

Genre:
Endzeit | Abenteuer | Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Daybreak | © Netflix
© Netflix

Es ist nicht alles schlecht, wenn die Welt untergeht, auch wenn man das meinen würde, denn der siebzehnjährige Josh Wheeler beispielsweise hat es sich im postapokalyptischen Glendale, Kalifornien durchaus bequem gemacht. So kann man sich – nachdem ein Großteil der Erwachsenen wortwörtlich dahingeschmolzen ist – kostenlos und ohne Probleme mit allerhand Kram eindecken, auch wenn man bei seinen Touren durch die verheerte Stadt darauf achten muss, nicht der Gang der Sportskanonen oder den Cheermazonen in die Arme zu laufen. Kanadier Josh allerdings ist ganz auf der Höhe, wenn es um Survival-Talent geht, doch er hat auch eine Mission, denn im Trubel der zusammenbrechenden Gesellschaft ist ihm seine Highschool-Freundin Sam Dean abhanden gekommen und im festen Glauben an ihr Überleben, schickt er sich an, sie aus jedweder Bredouille zu retten, wo auch immer sie sein mag. Hierbei trifft er alsbald die gleichermaßen psychopathisch wie pyromanisch veranlagte Zehnjährige Angelica, derweil sich der frühere Sportler Wesley Fists nunmehr als Rōnin sieht und für frühere Taten zu büßen gedenkt. Das Zweckbündnis der ungleichen drei Highschool-Kids allerdings ist brüchig und nur ein gemeinsamer Feind – wie etwa der mysteriöse wie brandgefährliche Baron Triumph – wäre in der Lage, sie zu einen…

Rezension:

Auch wenn meine Serien-Rezensionen im Moment auffallend Netflix-lastig geraten sind, habe ich mich davon nicht beirren lassen, auch bei Daybreak einen Blick zu riskieren, zumal der Veröffentlichungszeitpunkt der ersten Staffel im Fahrwasser der heiß und innig erwarteten Fortsetzung zu Zombieland kaum günstiger hätte ausfallen können. Clevere Produktplatzierung macht aber bekanntermaßen noch längst kein besseres Produkt, so dass auch diese Serie an zahlreichen Stellen stolpert und strauchelt. Das ist insofern besonders ärgerlich, dass nicht nur die Prämisse überzeugt, sondern auch allerorten das Potential zu erkennen ist, dass der Show innewohnt, mit dem nicht zu unterschätzenden Makel allerdings, dass es in kaum einer Hinsicht wirklich genutzt wird. Allein, die vierte Wand zu durchbrechen und das Wort an den Zuschauer selbst zu richten, ist mitnichten ein neues Konzept, passt hier aber wie die Faust aufs Auge. In den besseren Momenten steigert das auch den Unterhaltungswert durchaus und liefert ein probates Mittel, dem geneigten Betrachter die Regeln und Gesetze der postapokalyptischen Welt näher zu bringen, doch weitaus häufiger bedient man sich dieses Kniffs, um mittels ironischer Brechung darüber hinwegzutäuschen, dass hier in Sachen Plot und Storytelling doch reichlich ausgelutschte Klischees bedient werden.

Szenenbild aus Daybreak | © Netflix
© Netflix

Vor allem krankt Daybreak ab der ersten Minute an nicht immer optimalem Timing, was einige Gags nach hinten losgehen lässt, obwohl sie objektiv betrachtet eigentlich funktionieren müssten. Die Tatsache, dass sich die Show merklich schadlos an allerhand Klischees und vor allem der Mad Max-Reihe hält, ist dabei noch nicht einmal grundsätzlich verurteilenswert, doch angereichert mit oft sehr flachen Gags und oft bemüht wirkenden Popkultur-Referenzen wirkt das Gesamtkonstrukt doch oft schon reichlich wackelig. Wenn man dann auch noch ab der zweiten Episode Wie es sich so lebt in einer Apokalypse (1.02) in einer alten Mall Stellung bezieht und sich unweigerlich an Dawn of the Dead erinnert fühlt, beraubt sich die Geschichte zudem selbst einer gewissen, durchaus vorhandenen Agilität, während eine Art roter Faden ohnehin nur dadurch aufblitzt, dass Josh eben auf der Suche nach seiner angebeteten Sam ist, während die weiteren Versatzstücke recht beliebig aneinandergereiht wirken. Trotzdem ist die Netflix-Serie durchaus kurzweilig geraten und wartet zumindest mit inszenatorischen Finessen auf, wenn plötzlich die Erzählperspektive wechselt, anderer Personen die eigene Rückblende unterwandern oder gar eine ganze Episode als klassisches Teen-Drama angelegt wird, um Joshs und Sams erste Annäherung im Nachhinein zu thematisieren.

Und hier sieht man dann auch sehr schön, was bei Daybreak alles möglich gewesen wäre und welches dramaturgische Potential dem Ganzen innewohnt, doch macht man eben in letzter Konsequenz nicht viel daraus und flüchtet sich lieber in Stereotypen und abgeschmackte Twists, die nun wirklich keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken, weil sie eben meilenweit gegen den Wind zu riechen sind, wie etwa, was die Identität des mysteriösen Baron Triumph angeht. Hauptdarsteller Colin Ford, den man beispielsweise als Joe McAlister aus Under the Dome kennen könnte, macht dabei als Josh Wheeler immerhin eine durchaus sympathische Figur, während ich den Unterhaltungswert der dauerfluchenden Angelica (Alyvia Alyn Lind) durchaus zu honorieren bereit bin, auch wenn ich glaube, dass die Figur dem überwiegenden Teil der Zuschauerschaft lediglich nervig erscheinen wird. Austin Krute als Dritter im Bunde und hier in der Gestalt als Wahl- Rōnin Wesley Fists zu sehen, hat ein paar wenige starke Momente, spielt die meiste Zeit aber nicht einmal die zweite Geige, zumal auch die mit ihm in Zusammenhang stehenden "Offenbarungen" alles andere als überraschend sind. Eine positive Überraschung immerhin war für mich die von Sophie Simnett verkörperte Sam Dean, die anfänglich wie das klassische – und natürlich blonde – All-American-Girl gibt, im Verlauf der Staffel – und überwiegend in den zahlreichen Rückblenden – aber einiges an Ecken und Kanten – und damit Profil – gewinnt.

Szenenbild aus Daybreak | © Netflix
© Netflix

Allein dieses Bemühen um charakterliche Entwicklung – das in den meisten Fällen ohnehin zum Scheitern verurteilt ist – wirkt aber in den meisten Fällen reichlich deplatziert, so dass ich mir gewünscht hätte, Daybreak würde sich noch weit mehr auf sein Trash-Appeal verlassen, statt wirklich zu versuchen, neben Endzeit-Survival-story auch gleichberechtigt ein Teenie-Drama sein zu wollen, denn so clever die Idee auf dem Papier – oder in der gleichnamigen Graphic-Novel-Vorlage von Brian Ralph – gewirkt haben mag, will sie hier nie so recht zünden. So ist die Geschichte schlichtweg zu absurd, zu abgehoben und skurril, als dass man wirklich mit dem Schicksal des Einzelnen hadern würde, während zu viele halbgare und nur vermeintlich tiefgründige Dialoge dem Geschehen ein ums andere Mal den Wind aus den Segeln nehmen. Entsprechend ist es ein stetiges Auf und Ab, was die Qualität und den Unterhaltungswert der Serie anbelangt, was mich zu dem betrüblichen Urteil führt, dass ich mich kaum wirklich gelangweilt habe, aber im Umkehrschluss auch nicht behaupten kann, die Story habe mich auch nur zu einem einzigen Zeitpunkt so wirklich gepackt. Im Grunde mag Daybreak in dieser Ausprägung exemplarisch sein für den Streaming-Giganten Netflix, denn so mühelos zu konsumieren taugt das Ganze als angenehme Nebenbei-Unterhaltung, doch wäre hier bei einer klareren Ausrichtung und besserem Timing weitaus mehr drin gewesen.

Fazit & Wertung:

Auf den ersten Blick und dem Trailer nach wirkt Daybreak durchaus vielversprechend, doch ist die Kombi aus Endzeit-Komödie und Highschool-Drama in letzter Konsequenz dann doch reichlich ungelenk und schwerfällig, weil sich der trashige Ansatz und die aufgesetzt wirkende Ernsthaftigkeit selten sinnvoll miteinander vereinbaren lassen. Was bleibt, ist solide Unterhaltung mit ein paar inszenatorischen Spielereien, die ansonsten nur müde Gags und bekannte Klischees neu arrangiert, ansonsten aber nicht viel aus der Prämisse zu machen versteht.

6 von 10 Vorteilen einer Apokalypse

Daybreak | Staffel 1

  • Vorteile einer Apokalypse - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Auf den ersten Blick und dem Trailer nach wirkt Daybreak durchaus vielversprechend, doch ist die Kombi aus Endzeit-Komödie und Highschool-Drama in letzter Konsequenz dann doch reichlich ungelenk und schwerfällig, weil sich der trashige Ansatz und die aufgesetzt wirkende Ernsthaftigkeit selten sinnvoll miteinander vereinbaren lassen. Was bleibt, ist solide Unterhaltung mit ein paar inszenatorischen Spielereien, die ansonsten nur müde Gags und bekannte Klischees neu arrangiert, ansonsten aber nicht viel aus der Prämisse zu machen versteht.

6.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Josh und die Apokalypse: Teil 1 (6/10)
02. Wie es sich so lebt in einer Apokalypse (6/10)
03. Die Schleimkönigin von Glendale (6,5/10)
04. MMMMMMM-HMMMMMM (6/10)
05. Der Soundtrack unseres Lebens (6/10)
06. 5318008 (6/10)
07. Canta Tu Vida (6,5/10)
08. Du bist Sam Dean (6/10)
09. Josh und die Apokalypse: Teil 2 (6,5/10)
10. KAAA-BUUUMMMMM! (6,5/10)

 
– – –

Daybreak | Staffel 1 ist seit dem 24.10.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

Sharing is Caring:

Hinterlasse einen Kommentar