Review: Hugo Cabret (Film)

Anlässlich des morgigen Erscheinens von Martin Scorseses Hugo Cabret gibt es schon heute meine Rezension zu dem Film, auf dass ihr euch gerne dazu entschließen mögt, diesen Film eventuell käuflich zu erwerben, vielleicht sogar über einen der Buttons am Ende des Artikels. Nein, Quatsch, Spaß beiseite, wir wollen ja hier kein Geld verdienen, sondern tolle Filme präsentieren und das mache ich jetzt einfach mal, denn – ihr ahnt es sicherlich – ich bin schon wieder auf dem Sprung, um den grandios-großartigen Sonnenschein noch ein wenig zu genießen.

Hugo Cabret

Hugo, USA 2011, 126 Min.

Hugo Cabret | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Martin Scorsese
Autoren:
John Logan (Drehbuch)
Brian Selznick (Buch)

Main-Cast:
Ben Kingsley (Georges Méliès)
Sacha Baron Cohen (Stationsvorsteher)
Asa Butterfield (Hugo Cabret)
Chloë Grace Moretz (Isabelle)
in weiteren Rollen:
Ray Winstone (Onkel Claude)
Emily Mortimer (Lisette)
Jude Law (Hugo’s Vater)
Christopher Lee (Monsieur Labisse)

Genre:
Abenteuer | Drama | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hugo Cabret | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Wir befinden uns im Paris des Jahres 1931 und der zwölfjährige Hugo Cabret lebt sozusagen hinter den Fassaden, genauer in den Wänden und Versorgungsschächten des Pariser Bahnhofes. Dorthin hat es ihn verschlagen, als sein ihn liebender Vater bei einem Brand ums Leben gekommen ist und sein Onkel sein neuer Vormund geworden ist. Onkel Claude ist dafür zuständig, die Uhren im Bahnhof aufzuziehen und leider zudem starker Trinker. Eines Tages verschwindet er und lässt Hugo allein in der spärlichen Behausung zurück. Seitdem kümmert sich Hugo um die Uhren in der Hoffnung, niemandem würde das Fehlen seines Onkels auffallen. Doch Hugo verfolgt noch andere Ziele, den vor dem Tod seines Vater versuchten die beiden ein mechanisches Männlein zu reparieren und diesem Traum hängt der Junge immer noch nach in der Hoffnung, das funktionierende Männlein würde ihm eine Botschaft seines Vaters übermitteln. Dafür stiehlt er immer wieder Zahnräder und kleine Ersatzteile bei dem Spielwarenhändler Georges, der seinen Laden im Bahnhof betreibt.

Doch eines Tages ertappt Georges den jungen Hugo und nimmt ihm sein Notizbüchlein ab, in dem Hugos Vater und er Skizzen und Berechnungen zur Instandsetzung des mechanischen Männleins zusammengetragen haben. Völlig verzweifelt verfolgt Hugo den grimmigen Mann, der droht, das Büchlein zu verbrennen und lernt dessen Enkelin Isabelle kennen, die zu helfen verspricht. Alsbald sind die beiden mitten in einem gemeinsamen Abenteuer, an dessen Ende unfassbare und wohlbehütete Geheimnisse um die Vergangenheit des Spielzeughändlers ans Licht kommen werden.

Rezension:

Szenenbild aus Hugo Cabret | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Für den Filmemacher Martin Scorsese ist Hugo Cabret sicherlich ein durch und durch ungewöhnlicher Film, den man in dieser Form nicht von ihm erwartet hätte, doch wer meint Scorsese wüsste nur finster dräuend blickende Gangster in Szene zu setzen, der irrt gewaltig, ebenso wie die- oder derjenige, der meint, ein Kindermärchen vorgesetzt zu bekommen. Denn dieses Werk ist nicht weniger als eine Liebeserklärung an den Film und das Kino, auch wenn sich nach der Inhaltsangabe dies sicherlich nicht erschließen mag. Tatsächlich dauert es auch eine ganze Weile bis die Themen Film und insbesondere Georges Méliès – dem Scorsese hier zweifelsohne ein Denkmal sondergleichen gesetzt hat – aufs Trapez gebracht werden.

Doch bis dahin ist es Hugo Cabret längst gelungen, den Zuschauer mit anbetungswürdigen und verträumt verspielten Bildern in seinen Bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Allein die erste Fahrt durch den Bahnhof ist spektakulär sondergleichen und genauso rasant, wie man sich dies für einen opulenten Filmeinstieg wünscht, wenngleich hier vergleichsweise viele ruhige Töne angeschlagen werden und der Film insbesondere am Anfang mit erstaunlich wenig Dialog auszukommen weiß und trotz oder gerade deswegen auf anrührende Weise die Geschichte erzählt, wie es Hugo in den Pariser Bahnhof verschlagen hat und was er dort treibt. Alsbald überrascht dann auch Sacha Baron Cohen als Stationsvorsteher und Antagonist des Jungen, der zusammen mit seinem Hund ein ums andere Mal Jagd auf ihn macht und mit herrlicher Slapstick zu unterhalten weiß, während sich das exaltierte Wesen Cohens ansonsten angenehm zurücknimmt.

Der nicht gerade heimliche Star des Films ist aber natürlich Asa Butterfield, der Darsteller des Hugo Cabret, der sogar neben Leinwandgrößen wie Sir Ben Kingsley zu bestehen weiß und in seiner Rolle zu jeder Sekunde, mit jeder Faser zu überzeugen weiß. Dieser positive Eindruck verstärkt sich alsbald mit dem Hinzugewinn der ungleich erfahreneren Schauspielerin Chloë Grace Moretz, mit der Butterfield eine glaubhafte Chemie verbindet. Auch Ben Kingsley darf hier einmal mehr so richtig zeigen was er alles zu leisten imstande ist und durchläuft verschiedenste emotionale Phasen, Zusammenbrüche, unbeschwerte Freudentaumel und vieles mehr, so dass man seine Darstellung der Figur in jeder Hinsicht als adäquat betrachten kann.

Szenenbild aus Hugo Cabret | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Es ist bei Hugo Cabret wirklich leicht, die darstellerischen Leistungen zu loben und von der grandiosen Inszenierung zu schwärmen, doch fällt es bedeutend schwerer, die Magie einzufangen und in Worte zu fassen, die diesen Film so einzigartig macht, zumal der Trailer ein nicht annähernd angemessenes Bild dieses Märchens zeichnen kann, dass sicherlich auch für Kinder geeignet ist, mehr noch aber die ältere Generation und alle Junggebliebenen zu begeistern wissen wird, insbesondere wenn sie, ebenso wie Scorsese – und dieses filmische Geständnis hat er hier eindeutig abgelegt – schon vor langem dem Zauber des Films verfallen sind, denn der Regisseur leistet hier nicht weniger, als eine Brücke zu schlagen von den Anfängen des Films bis in die heutige Zeit und dabei mit allerlei Anspielungen und Reminiszenzen um sich zu werfen, so dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, schon lange keinen Film mehr gesehen zu haben, der so freigiebig in punkto Kreativität und Einfallsreichtum ist und sich trotz dessen nicht in seiner überbordenden Magie verliert, sondern sie stattdessen nutzt, um seine zugegebenermaßen gar nicht mal neue oder sonderlich außergewöhnliche Geschichte auf eine neue Stufe zu heben, der Groß und Klein gleichermaßen verfallen werden.

Bei all der Schwärmerei ist es letztlich nur noch eine Randnotiz wert, zu erwähnen, dass Hugo Cabret auf der Graphic Novel Die Entdeckung des Hugo Cabret beruht, welche aus der Feder Brian Selznicks stammt und eine seltene Mischung aus Roman und zahllosen Seitenfüllenden Bildern darstellt und ihrerseits unter anderem die begehrte Caldecott Medal verliehen bekam. Bereits 2007 – im Jahr des Erscheinens – erwarb Martin Scorsese die Filmrechte und scheint sich ebenso wie Selznick einen Traum erfüllt zu haben, indem er dem Filmpionier Georges Méliès ein Denkmal gesetzt hat – und das eingesetzte Herzblut bemerkt auch der Zuschauer, nicht manchmal oder unterschwellig, sondern in jeder Szene, bei jeder Einstellung, jeder Rückblende, jeder Kamerafahrt und jedem Ausschnitt der Frühwerke Méliès‘, die hier zu einem homogenen und ganz und gar wunderbaren Ganzen verquickt worden sind.

Fazit & Wertung:

Hugo Cabret ist ein bildgewaltiges und märchenhaftes Abenteuer für Jung und Alt, das gekonnt die Magie und Faszination der so jungen Kunstform des Films beleuchtet und ihr gleichsam im selben Medium huldigt.

10 von 10 Liebeserklärungen an den Film

Hugo Cabret

  • Liebeserklärungen an den Film - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Hugo Cabret ist ein bildgewaltiges und märchenhaftes Abenteuer für Jung und Alt, das gekonnt die Magie und Faszination der so jungen Kunstform des Films beleuchtet und ihr gleichsam im selben Medium huldigt.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

Hugo Cabret erscheint am 16.08.12 auf DVD, Blu-ray und 3D-Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Den Film hatte ich eh schon auf meinem Radar. Da ich es ins Kino nicht geschafft hatte, freue ich mich umso mehr auf die Blu-ray. Dein Review macht noch mehr Lust auf den Film – und wir wissen ja, wie ähnlich wir die meisten Filme bewerten… 😉

    • Stimmt, da kann im Grunde nichts mehr schief gehen. Wobei ich tatsächlich im Vorfeld nur sehr wenig über den Film wusste und sogar noch positiv überrascht wurde – insbesondere so nach etwa vierzig Monaten, wo die ganze Film-Thematik wirklich anfängt zum Tragen zu kommen.
      Ich bin gespannt was du später dazu schreiben wirst!

  • Pingback: Review: HUGO CABRET | ChristiansFoyer()

  • Kilian

    Die volle Punktzahl ist auch absolut gerechtfertigt!Guter Film, gute Rezension 😉

    • Ich gebe doch nie ungerechtfertigte Punktzahlen!

      Wobei, doch, das mache ich schon recht häufig… aber egal, es freut mich, dass dir sowohl Film als auch Rezension so gut gefallen haben!

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