Review: Die Insel der besonderen Kinder (Film)

So, diese Blu-ray hätte ich dann nun auch erfolgreich aus dem Stapel der ungesehen Filme befreit und war von Burtons neuestem Werk auch recht angetan, auch wenn ich mir wohl irgendwie noch ein wenig mehr erhofft hätte. Immerhin ist er damit wieder auf einem guten Weg, wie ich finde.

Die Insel der besonderen Kinder

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, UK/BE/USA 2016, 127 Min.

Die Insel der besonderen Kinder | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Tim Burton
Autoren:
Jane Goldman (Drehbuch)
Ransom Riggs (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Eva Green (Miss Peregrine)
Asa Butterfield (Jake)
Chris O’Dowd (Frank)
Allison Janney (Dr. Golan)
Rupert Everett (Ornithologist)
Terence Stamp (Abe)
Ella Purnell (Emma)
Judi Dench (Miss Avocet)
Samuel L. Jackson (Barron)

Genre:
Abenteuer | Drama | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Insel der besonderen Kinder | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Jake wurde zeitlebens von seinem Opa mit Geschichten gefüttert, die von einer mysteriösen Miss Peregrine und ihren "besonderen Kindern" handelt, von Monstern und unaussprechlichen Schrecken, die im Dunkeln lauern. Obschon mittlerweile sechzehn Jahre alt, meint Jake wortwörtlich ein Monster im Wald gesehen zu haben, nachdem sein Opa überfallen und getötet worden ist, was ihn prompt in psychiatrische Behandlung bringt. Jake allerdings beharrt weiterhin stur auf dem Wahrheitsgehalt der Geschichten seines Großvaters und letztlich ist sein Vater Franklin bereit, mit ihm nach Wales zu reisen, wo sich dieses ominöse Waisenhaus befinden soll. Dort angekommen, macht sich für Jake schnell Ernüchterung breit, denn das Haus ist zerstört und verlassen, seit es im zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen worden ist. Dessen ungeachtet beginnt Jake, die Ruine zu erkunden und sieht sich alsbald in das Jahr 1943 zurückversetzt, wo ihn die Heimleiterin Miss Peregrine bereits erwartet. Nachdem Jake tatsächlich einen Großteil der "besonderen Kinder" höchstpersönlich hat kennenlernen können, erfährt er von der Zeitschleife, die Miss Peregrine um das Gebäude errichtet hat, doch bedrohliche Schattenwesen unter der Führung des bösen Barron drohen die ewig währende Idylle zu stören und haben frappierende Ähnlichkeit mit dem, was Jakes Opa im Wald begegnet ist…

Rezension:

Tim Burton begleitet mich im Grunde ja seit meiner Kindheit und hat mich schon häufiger in fremde, magische Welten entführt (wenn mir auch kein Film in so guter Erinnerung bleiben wird wie Big Fish seinerzeit), so dass neue Burton-Filme für mich über kurz oder lang auch zum absoluten Pflichtprogramm im Heimkino gehören, auch wenn Dark Shadows beispielsweise noch immer seiner Sichtung harrt. Nach Big Eyes verlegt Burton sich nun also in seinem derzeit noch aktuellsten Film Die Insel der besonderen Kinder wieder auf für sein Schaffen klassischere Leitmotive und erzählt im Grunde ein Kindermärchen für Erwachsene, denn auch wenn ein Großteil der Belegschaft aus Kindern und Jugendlichen bestehen mag, ist auch dieser Film wieder Burton-typisch ein wenig düsterer geraten, als man das von familientauglicher Film-Kost erwarten würde und folglich einem doch eher etwas älteren Publikum ans Herz gelegt. Insbesondere bei seinen Bösewichten beweist der umtriebige Regisseur auch wieder ein feines Gespür für düster-morbides Figuren-Design, während die namensgebenden "besonderen Kinder" angenehm abwechslungsreich gestaltet sind, was ihre Fähigkeiten betrifft, auch wenn die nicht in immer gleichem Maße auch Berücksichtigung in der Erzählung erfahren.

Szenenbild aus Die Insel der besonderen Kinder | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Im Zentrum der Geschichte steht dann auch der von Asa Butterfield (Ender’s Game) verkörperte Jake, der gänzlich unwissend in eine wortwörtlich magische Welt stolpert, deren Schirmherrin die im Original titelgebende Miss Peregrine ist, eine ebenfalls auf verschroben und morbide getrimmte Eva Green (Perfect Sense), von der ich mir in dieser exzentrischen Rolle zugegebenermaßen ein wenig mehr erhofft hatte, doch ist das eben auch ein typisches Beispiel dafür, wie eine namhafte Darstellerin als Zugpferd für einen Film dient, derweil sie beim eigentlichen Geschehen wenn überhaupt nur die zweite Geige spielt. Dem jugendlichen Blickwinkel seitens Jake geschuldet, interessiert der sich nämlich auch vielmehr für die von Ella Purnell gespielte Emma, die ihres Zeichens stets mit Bleischuhen bewehrt durchs Leben geht, um nicht plötzlich davonzufliegen, was für ein paar herrlich fantasiereiche Szenen sorgt, zumal sie – wie man später noch erkennen wird – ein weit ausgeprägteres Verhältnis zur Luft hat, als man das zunächst erwarten würde. Ansonsten kokettiert Die Insel der besonderen Kinder natürlich gerade bei ihrem ersten Auftritt mit den jeweiligen Fähigkeiten und Kräften der Kinder, wobei es Burton noch vergleichsweise gut gelingt, diese Talente zumindest im Finale noch einmal kurz aufzugreifen, wobei dieser Ansatz natürlich wenig überraschend gerät und lediglich den üblichen Genre-Regeln folgt, was die ganze Sache ein wenig berechnend wirken lässt.

Eine positive Überraschung war mich immerhin der von Samuel L. Jackson (Kingsman) verkörperte Bösewicht Barron, der nicht nur zum Fürchten aussieht, sondern auch in einer gelungenen Mischung aus Bedrohlichkeit und exaltiertem Gehabe seitens Jackson intoniert wird. Nichtsdestotrotz vermag der natürlich seine Stärken vorrangig im Finale auszuspielen, dass in seiner überbordenden Effekthascherei schon ein wenig an übliche Blockbuster-Produktionen erinnert und stellenweise gehörig überfrachtet wirkt, zumal im Nachgang die Geschichte so unversehens und hektisch zu einem Ende gebracht wird, dass man sich zu fragen gezwungen sieht, ob hier tatsächlich das Geld für ein bis zwei weitere Filmminuten ausgegangen ist, denn abrupter hätte man das bis dahin so märchenhaft-elegische Treiben nicht beschließen können, auch wenn sich aus dem Kontext sicherlich ableiten lässt, was sich zwischen den Zeilen noch so zugetragen haben mag. So krankt Die Insel der besonderen Kinder leider zuweilen an einer etwas unausgegorenen Erzählweise und wo der erste Besuch in Miss Peregrines Heimstatt noch von Staunen und Magie geprägt ist, was mitunter natürlich an dem starken Kontrast zur bis dahin etablierten Realität und Gegenwart liegt, gerät selbige im weiteren Verlauf immer mehr ins Hintertreffen und scheint bald gar keine Rolle mehr zu spielen, was natürlich dahingehend problematisch ist, dass in besagter Realität auch Jakes Eltern zu finden sind, deren erzählerische Bedeutung man allerdings spätestens in der zweiten Hälfte gänzlich fallen lässt.

Szenenbild aus Die Insel der besonderen Kinder | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Ähnlich verhält es sich mit der von Judi Dench (Jane Eyre) verkörperten Miss Avocet, die mal eben kurz zum Geschehen stößt, um unversehens wieder ein Abflug zu machen, was mich schon hat stutzen lassen, inwieweit ihre Figur nun wirklich etwas Sinnstiftendes zur Geschichte beigetragen hat. Natürlich mag all das damit zusammenhängen, dass es sich eben wieder einmal um eine Buch-Verfilmung handelt, die man für die Leinwand auf ein erträgliches – sprich verfilmbares – Maß hat zusammenstutzen müssen, doch fielen hier die erzählerischen Auslassungen und Stolpersteine oft gravierender ins Gewicht, als es mir lieb gewesen wäre. Das ist insofern besonders ärgerlich, da Burton in den besten Momenten von Die Insel der besonderen Kinder genau die filmische Magie hervorzurufen versteht, die mir in seinen jüngsten Filmen oft gefehlt hat, zumal er mit seinem speziellen filmischen Œuvre nicht von ungefähr prädestiniert scheint, sich eines solchen Stoffes anzunehmen. Was bleibt, ist ein durchaus liebe- und fantasievoll designter Film, der des Öfteren zum Staunen verleitet, der kindliche Naivität mit erwachsenem Grusel verbindet und sich optisch keine Blöße gibt, dramaturgisch aber zuweilen gehetzt, mancherorts beinahe uninspiriert erscheint und damit doch spürbar hinter dem zurückbleibt, was er womöglich hätte werden können.

Fazit & Wertung:

Mit Die Insel der besonderen Kinder mag Tim Burton zwar noch nicht wieder ganz zu früherer Höchstform aufzulaufen, geht aber zumindest einen guten Schritt in die richtige Richtung und offeriert ein märchenhaft-fantastisches Abenteuer, das gleichermaßen zum Gruseln wie zum Schmunzeln einlädt und sich insbesondere bei den Effekten rund um die Fähigkeiten der "besonderen Kinder" keine Blöße gibt. Schade, dass im weiteren Verlauf allerdings die Effekte immer öfter den Vorrang gegenüber glaubhaftem und durchdachten Storytelling bekommen, das dem Film zweifelsohne den letzten Schliff gegeben hätte.

7 von 10 ungewöhnlichen "Talenten"

Die Insel der besonderen Kinder

  • Ungewöhnliche "Talente" - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Die Insel der besonderen Kinder mag Tim Burton zwar noch nicht wieder ganz zu früherer Höchstform aufzulaufen, geht aber zumindest einen guten Schritt in die richtige Richtung und offeriert ein märchenhaft-fantastisches Abenteuer, das gleichermaßen zum Gruseln wie zum Schmunzeln einlädt und sich insbesondere bei den Effekten rund um die Fähigkeiten der "besonderen Kinder" keine Blöße gibt. Schade, dass im weiteren Verlauf allerdings die Effekte immer öfter den Vorrang gegenüber glaubhaftem und durchdachten Storytelling bekommen, das dem Film zweifelsohne den letzten Schliff gegeben hätte.

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Die Insel der besonderen Kinder ist am 09.02.17 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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