Review: Dexter | Jeff Lindsay (Buch)

Fast halb zehn und somit allerhöchste Zeit, eine neue Kritik rauszuhauen. Diesmal widmen wir uns erneut und nach langer langer Zeit einem Vertreter der Buch-Reihe von Jeff Lindsay, deren Adaption unter ebenjenem einprägsamen Namen, den auch das vorliegende Buch trägt, im Fernsehen Jahr für Jahr Erfolge feiert.

Dexter

Dexter is Delicious, UK 2010, 496 Seiten

Dexter von Jeff Lindsay | © Droemer Knaur
© Droemer Knaur

Autor:
Jeff Lindsay

Verlag (D):
Droemer Knaur
ISBN:
978-3-426-51063-6

Genre:
Thriller | Krimi | Drama

 

Inhalt:

Die Welt ist ein neuer Ort! Jüngst ist Dexters Tochter Lily Anne geboren und der einst düstere Rächer schwebt im siebten Himmel, liebäugelt gar mit dem Gedanken, seinen Job als nächtlicher Rächer an den Nagel zu hängen. Im Grunde würde Dexter, der sogar so etwas wie einen Anflug menschlicher Emotion zu verspüren scheint, sich nun gänzlich seiner Familie widmen wollen, doch seine Schwester Deborah reißt ihn schneller als ihm lieb ist aus diesem schönen Traum, denn mehrere Mädchen sind verschwunden und sie drängt auf seine Hilfe bei den Ermittlungen. Doch auch wenn er sich sträubt, kann er seiner Schwester die Hilfe nur schlecht verwehren und begibt sich Nacht um Nacht mit ihr auf Ermittlungstour, während urplötzlich sein lang verschollener Bruder Brian bei ihm vor der Tür steht, der – um die Sache noch unnötig zu verkomplizieren – vor Jahren versucht hat, Deborah zu ermorden, wovon Rita und die Kinder freilich nichts wissen.

Nur widerstrebend nimmt Dexter hin, dass Brian sich mehr und mehr in seiner Familie breitzumachen beginnt, während er mit Deborah auf der Jagd ist, doch alsbald offenbart sich, dass das Verschwinden der Mädchen womöglich verknüpft ist mit einer Gruppe Kannibalen, deren Rädelsführer bis in die obersten Kreise Miamis reichen. Und wie es Dexters Art ist, sitzt er bald tiefer im Schlamassel als ihm lieb wäre und macht eine mehr als ungewöhnliche Bekanntschaft, während er sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht, als des nachts seinen zu lang unterdrückten Trieben zu frönen und nach getaner Arbeit heimzukehren zu seiner über alles geliebten Tochter Lily Anne.

Rezension:

Lasst euch bitte zunächst einmal von dem irreführenden Titel nicht täuschen, denn bei Dexter handelt es sich tatsächlich schon um den fünften Band der erfolgreichen Buchreihe von Jeff Lindsay, die auch die Vorlage zu der gleichnamigen Serienadaption bildet und vermutlich ist es dem anhaltenden oder zunehmenden Erfolg der Serie Dexter geschuldet, dass man nun auch im Deutschen auf den deutlich prestigeträchtigeren Titel zurückgreift, wenngleich ein kurzer Hinweis in Form eines Band 5 sicherlich sinnvoll gewesen wäre. Davon ab hat Dexter in den vergangenen Büchern eine deutliche Entwicklung durchgemacht und präsentiert sich insbesondere zu Beginn durch die Geburt Lily Annes sozusagen geläutert und verströmt echte Vaterfreuden, geht sogar so weit, seinem dunklen Passagier gänzlich abschwören zu wollen.

Doch Dexter wäre natürlich nicht Dexter, wenn sich ihm dabei nicht zahlreiche Steine in den Weg legen würden und so wird er einerseits von seiner Schwester Deborah auf Trab gehalten und muss sich im Zuge polizeilicher Ermittlungen mit mehreren verschwundenen Teenagern herumschlagen, sondern auch noch die Wiederkehr seines Bruders Brian erdulden, der anders als in der Serie längst nicht tot ist und es sich nun im heimischen Nest von Dexters Familie gemütlich zu machen beginnt. Freilich regt sich da auch sein dunkler Begleiter, den er vergeblich zu unterdrücken versucht und man merkt dem liebenswerten Serienkiller regelrecht an, wie er an mehreren Fronten zu kämpfen hat, um sein zerbrechliches Glück und die mühevoll antrainierte Fassade des normalen Menschen aufrechtzuerhalten.

Dabei ist Dexter nicht nur ausnehmend kurzweilig geschrieben und treibt einen Seite um Seite durch die immer wilder werdende Geschichte, sondern punktet zudem mit zahlreichen Wendungen und wirklich desaströsen Situationen, in die der dunkle Rächer gerät und aus denen er stets glaubhaft mehr oder minder unversehrt zu entkommen weiß. Dabei bedient sich die Geschichte nicht einmal eines klassischen Aufbaus von Einleitung, Mittelteil und Schluss, sondern reiht insbesondere in der zweiten Hälfte Höhepunkt an Höhepunkt und legt die Messlatte für die folgenden Bände merklich höher, denn noch nie hat mich Dexter so dermaßen überzeugend unterhalten wie hier – und das will was heißen, bin ich schließlich Fan der ersten Stunde.

Auch die von mir bereits beim Vorgänger gelobten Alliterationen kommen nicht zu kurz und der sprachliche Stil legt noch ein wenig an Finesse zu, während auch die altbekannten Figuren in Dexters Mikrokosmos teilweise einschneidende Entwicklungen durchlaufen und so insbesondere zum Ende des Romans ihre Schatten vorauswerfen und Lust machen auf den nächsten Ausflug mit nunmehr Daddy Dexter, der trotzdem nichts von seinem Schneid und Charisma verloren hat, in seiner neuen Rolle als Vater sogar – soweit es ihm seine gerade erst erwachenden menschlichen Emotionen ermöglichen – aufzublühen beginnt.

Fazit & Wertung:

Dexter ist ein ungemein einfallsreicher, spannender und kurzweiliger Vertreter der Reihe um den liebenswerten Killer geworden und mitunter so überzeugend wie keiner der Vorgänger. Dex-Daddy offenbart neue Seiten einer altbekannten Figur und betritt teils neues Terrain, so dass man sich auch auf die Nachfolgebände bereits freuen darf!

9 von 10 nächtlichen Selbstgesprächen

Dexter

  • Nächtliche Selbstgespräche - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Dexter ist ein ungemein einfallsreicher, spannender und kurzweiliger Vertreter der Reihe um den liebenswerten Killer geworden und mitunter so überzeugend wie keiner der Vorgänger. Dex-Daddy offenbart neue Seiten einer altbekannten Figur und betritt teils neues Terrain, so dass man sich auch auf die Nachfolgebände bereits freuen darf!

9.0/10
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Die Dexter-Reihe:

1. Des Todes dunkler Bruder
2. Dunkler Dämon
3. Komm zurück, mein dunkler Bruder
4. Die schöne Kunst des Mordens
5. Dexter

– – –

Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Droemer Knaur. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Dexter ist am 01.02.13 als Taschenbuch bei Droemer Knaur erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • In die Bücher wollte ich auch schon immer mal reinlesen. Da ich zurzeit abends aber nicht einmal mehr als eine Serienfolge schaffe, bevor ich einschlafe, verzögert sich auch das Lesen, weshalb ich wohl noch ein Jahr brauche bis ich mit dem aktuellen GRRM-Schinken durch bin. Werde mir die Reihe aber vormerken, da ich „Dexter“ ja auch ziemlich mag…

  • Dexter ist meine große Liebe unter den Serienkillern 😉

    Spaß beiseite, ich war vom ersten Band an einfach nur gefesselt und mag die Art, wie Jeff Lindsay schreibt, sehr gut und Dexter ist wirklich klasse :)

    Danke für die Review!

    Bine

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