Review: Mucho Mojo – Der zweite Hap & Leonard-Roman | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Und schon folgt das nächste Abenteuer mit den beiden besten Freunden, das ich nun im Nachgang an die abgesetzte TV-Serie Revue passieren lasse. Der nächste Fall wird mir dann auch noch bekannt sein und ab dem Moment breche ich dann zu neuen Ufern auf. Kaum auszudenken, wie großartig ich die Bücher dann finden werde, die mich ja jetzt schon zwei Mal umgehauen haben, obwohl ich bereits grob wusste, was passieren würde. Aber lest selbst, wie mir ihr zweiter "Fall" gefallen hat.

Mucho Mojo
Der zweite Hap & Leonard-Roman

Mucho Mojo, USA 1994, 268 Seiten

Mucho Mojo von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzer:
Christoph Schuenke

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-944-72081-4

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Mittlerweile hat der Sommer in LaBorde, Texas wieder Einzug gehalten und während Leonard noch immer seine Beinverletzung auskuriert, verdingt sich Hap wieder als Saisonarbeiter auf den hiesigen Feldern und ist damit betraut, Rosenhölzer in die Erde zu stecken, weshalb er auch bereitwillig die Arbeit unterbricht, als Leonard ihm einen Besuch abstattet. Der Anlass allerdings ist nicht erheiternd, denn Leonards Onkel Chester ist verstorben und so kehren die beiden in die Stadt zurück, um die Beerdigung zu organisieren. Im Anschluss hieran bittet die Anwältin Florida Grange um ein Gespräch, die sich als Nachlassverwalterin zu erkennen gibt und Leonard unter anderem mitteilt, dass er Chesters altes Haus geerbt hat. Vor Ort entpuppt sich das Haus allerdings als reichlich heruntergekommen und zugemüllt, weshalb die beiden Freunde kurzerhand beschließen, zunächst mal ordentlich auszumisten. Dabei allerdings stoßen sie auch auf einen merkwürdigen Verschlag im Boden des Hauses, in dem sich eine alte Truhe findet. Deren Inhalt jagt beiden Schauer über den Rücken und veranlasst sie wenn auch widerwillig, umgehend die Polizei zu rufen…

Rezension:

Schneller als ich das selbst geahnt hätte, bin ich nun also mit Mucho Mojo, dem zweiten Band der Hap-&-Leonard-Reihe durch und wie zu erwarten ähnlich begeistert wie schon nach dem ersten Teil, obwohl mir die grundlegende Story hier wie da natürlich in Grundzügen dank der gleichnamigen TV-Serie bereits bekannt gewesen ist, denn die Geschichte des zweiten Bandes stand logischerweise Pate für die zweite Staffel der Serie. Dennoch wird mir hier deutlicher, dass ich den Büchern – Lansdales großartiger Schreibe zum Dank – knapp den Vorzug gebe, wobei ich zugeben muss, dass es angenehm ist, beim Lesen James Purefoy und Michael Kenneth Williams vor Augen zu haben und deren Stimmen zu hören. Darauf angewiesen ist der mittlerweile auch schon über zwanzig Jahre alte Roman freilich nicht und weiß auch bei Unkenntnis der Adaption zu fesseln, zumal Lansdale hier gleich mehrere seltene Kunststücke gelingen, die vielleicht ein Indiz dafür sind, weshalb der Autor von so vielen (mich eingeschlossen) so verehrt wird.

Der Junge ging die Stufen runter, zwischen mir und Leonard durch und auf die Straße. Der Mohawk ließ die Nadel auf die Veranda fallen. Da lagen schon ein paar, zusammen mit dem Gummischlauch.
Der andere Schwarze trug eine hellblaue Duschhaube, ein orangefarbenes T-Shirt und Jeans. Er hatte in etwa die Ausmaße eines Festwagens bei der Rose Parade. Furchtbar genervt blickte er auf uns herab. »O Scheiße, was bist du denn für ein beschissener Paradiesvogel«, sagte er zu Leonard.
»Einer, der am Stock geht«, sagte der Mohawk. »Wer zieht dich denn an, Bruder? Und du, Blasser. Gehste als Pfaffe oder was?«
»Ich verkauf Versicherungen«, sagte ich. »Willst du eine? Hab das Gefühl, du kannst sie gleich brauchen.«

So gestaltet sich nämlich in Mucho Mojo der Aufbau und Ablauf der Story gänzlich anders als noch bei Wilder Winter (wobei hier auch erstmalig eigentlich wirklich die Rede von zwei Hobby-Detektiven sein kann) und trotzdem wirken beide Bände wie aus einem Guss und sollten bestmöglich hintereinander konsumiert werden. Not tut das indes – für alle Quereinsteiger – nicht, denn abgesehen von Kleinigkeiten wie Leonards verletztem Bein oder marginalen Rückbezügen auf die vorhergehenden Ereignisse lässt sich auch dieses Buch ohne Vorkenntnisse nicht weniger genießen. Der zweite Punkt, für den man dem Autor Tribut zollen darf, ist die Fähigkeit, eine einerseits hochspanende Geschichte zu erzählen (die ich nach Beendigung des ersten Drittels nicht einmal mehr aus der Hand gelegt und letztlich in einem Rutsch durchgelesen habe) und andererseits die texanische Behäbigkeit, eine natürliche Unaufgeregtheit zu vermitteln, die so prägend für das "typische" Südstaaten-Flair ist, was er freilich auch im fiktiven LaBorde im Staate Texas heraufbeschwört.

Ansonsten wird es für die zwei ungleichen Freunde, die man – wie eine der Figuren augenzwinkernd attestiert – wunderbar als Salz- und Pfeffer-Streuer vermarkten könnte, auch diesmal wieder persönlich und der Tod von Leonards Onkel Chester ist mitnichten nur ein Plot-Device, um die Geschichte in Gang zu bringen, sondern bietet auch Anlass, einen Blick in Leonards Kindheit und Jugend zu werfen, die maßgeblich von seinem Onkel geprägt worden ist, was nur eine der Motivationen für die beiden darstellt, sich des langsam entfaltenden Falls anzunehmen, der natürlich weit größer und schockierender daherkommt, als man das nach den ersten Seiten ahnen würde. Mucho Mojo ist aber auch deshalb (wieder) so überzeugend geraten, weil Lansdale sich neben der Kriminalhandlung – die für sich genommen schon ungewöhnlich genug inszeniert ist – auch für die persönlichen Befindlichkeiten seiner Figuren interessiert und beispielsweise Hap eine ausgeprägte Schwärmerei für die Anwältin Florida Grange entwickeln lässt, während Leonards Homosexualität seinerzeit zum Zerwürfnis mit seinem Onkel geführt hat, aber auch in der Konversation mit einem Geistlichen thematisiert wird, wobei es da wieder schön ist zu sehen, wie Hap seinem Freund jederzeit zur Seite steht, gleichwohl sich Leonard durchaus selbst zu wehren weiß.

Im Haus war es heiß und muffig, der Kamin mit Müll vollgestopft, Spinnweben in allen Ecken. Bei jeder Bewegung wirbelte Staub auf und schwebte im Sonnenlicht, das durch die dick verhängten Fenster leckte. Hinzu kam ein übler Gestank aus den verschiedensten Quellen. Eine musste Onkel Chester höchstpersönlich gewesen sein, da war ich ziemlich sicher. Wenn man in einem Haus stirbt und dort noch ein paar Tage in der Hitze rumliegt, wird man halt etwas überreif, genau wie die Umgebung.
Ich ließ die Haustür offen. Nicht dass es viel genützt hätte. Draußen wehte kein Lüftchen.

Selten hat man also zwei so ungleiche Freunde gesehen, die trotzdem so natürlich und harmonisch wirken (was nicht heißt, dass sie sich nicht ein ums andere Mal gehörig gegenseitig aufziehen würden!), die vor allem nicht konstruiert daherkommen, auch wenn die kategorische Abgrenzung der beiden im Sinne von Kriegsdienstverweigerer und -veteran, weiß und schwarz, hetero und schwul ehrlicherweise schon wie der Beginn eines schlechten Witzes klingen, doch der geht zum Glück nicht auf Kosten der beiden Protagonisten, derweil sie selbst es sind, die mit ihren rotzigen Sprüchen und einem oft bitterbösem Humor wirklich jede Situation aufzulockern wissen. Dabei haben sie das zeitweise nicht nur bitter nötig, sondern machen sich freilich auch nicht nur Freunde mit ihrer Art, derweil die Best Buddys es sich für ihre privaten Momente aufsparen, auch ihre Gegensätzlichkeit bewusst aufs Korn zu nehmen. So ist es auch bei Mucho Mojo diese einzigartige Kombination aus ruhiger Erzählung, spannendem Plot, einer gehörigen Prise schwarzen Humor und freilich zwei uneingeschränkten Sympathieträgern, deren innige Freundschaft vielen nicht in den Kopf will, die aber jederzeit vorbehaltlos zueinander und füreinander einstehen.

Fazit & Wertung:

Mit Mucho Mojo legt Joe R. Lansdale noch einmal eine gehörige Schippe drauf und begeistert allem voran mit einer plot-technisch gänzlich anderen Ausrichtung, die erstmals Hap und Leonard auch wirklich als Hobby-Detektive in Aktion zeigt und die sich dennoch absolut homogen um die beiden Hauptfiguren entfaltet, die ohnehin der Hauptgrund sein dürften, dass dieser Reihe eine so langanhaltende Treue und ein nicht von der Hand zu weisender (und gerechtfertigter) Kult-Status zuteilwerden.

8,5 von 10

Mucho Mojo – Der zweite Hap & Leonard-Roman

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Mucho Mojo legt Joe R. Lansdale noch einmal eine gehörige Schippe drauf und begeistert allem voran mit einer plot-technisch gänzlich anderen Ausrichtung, die erstmals Hap und Leonard auch wirklich als Hobby-Detektive in Aktion zeigt und die sich dennoch absolut homogen um die beiden Hauptfiguren entfaltet, die ohnehin der Hauptgrund sein dürften, dass dieser Reihe eine so langanhaltende Treue und ein nicht von der Hand zu weisender (und gerechtfertigter) Kult-Status zuteilwerden.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Mucho Mojo ist am 30.11.15 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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