Review: The Lady in the Car with Glasses and a Gun (Film)

Und da ist auch schon die zweite Film-Kritik für dieses Jahr, auch wenn ich mir hier wirklich mehr versprochen hatte, doch gerade zum Ende hin legt dieses Werk leider einen ziemlichen Sturzflug hin wie ich finde.

The Lady in the Car with Glasses and a Gun

La dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil, FR/BE 2015, 93 Min.

The Lady in the Car with Glasses and a Gun | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Regisseur:
Joann Sfar
Autoren:
Gilles Marchand (Drehbuch)
Patrick Godeau (Drehbuch)
Sébastien Japrisot (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Freya Mavor (Dany Dorémus)
Benjamin Biolay (Michel Caravaille)
Elio Germano (Stefano, dit Georges)
Stacy Martin (Anita)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Lady in the Car with Glasses and a Gun | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Nachdem die Sekretärin Dany Dorémus von ihrem Boss die Aufgabe erhalten hat, dessen Wagen vom Flughafen zurück zu seinem Haus zu fahren, beschließt sie, sich über dessen Anweisungen hinwegzusetzen und mit dem blauen Thunderbird einen Ausflug ans Meer zu unternehmen, das sie in ihrem Leben noch nie gesehen hat. Doch was als sommerlicher Urlaubstrip beginnt, nimmt alsbald irritierende Ausmaße an, als immer mehr Leute Dany wiederzuerkennen meinen, während sie sich sicher ist, noch nie dort gewesen zu sein. Während ihre Erlebnisse und Begegnungen zunehmend mysteriöser werden, versetzt es ihr einen regelrechten Schlag, als sie im Kofferraum des Wagens zu allem Überfluss auch noch eine Leiche nebst Feuerwaffe findet. Bleibt nicht nur die Frage, ob und inwieweit ihr Boss Michel in die Sache verwickelt ist und was es mit den merkwürdigen Begegnungen auf sich hat, von denen die Anwohner ihr ein ums andere Mal berichten und an die sie sich beim besten Willen nicht erinnern kann…

Rezension:

Nachdem ich in Dead in a Week erstmalig über Model und Schauspielerin Freya Mavor gestolpert bin, fiel mein Blick nur kurze Zeit später auf The Lady in the Car with Glasses and a Gun, dessen Titel allein natürlich schon einige Zeit zuvor mein Interesse geweckt hatte, ohne dass ich da bereits wusste, dass es sich einerseits um eine Buch-Verfilmung des 1966 erschienen Thrillers La Dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil von Sébastien Japrisot handelt, andererseits eine Neuinterpretation des 1970 entstandenen Films von Anatole Litvak. Solche grundsätzlichen Eckdaten aber einmal außenvor lassend, muss ich sagen, dass diese französisch-belgische Koproduktion bei mir doch einen recht zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat, denn einerseits bekommt man ziemlich genau das geliefert, was einem schon das Cover – und die Herkunft des Films – zu suggerieren versuchen, andererseits geht dieser melancholisch-schwelgerisch, mysteriös angehauchte Reigen spätestens im letzten Drittel an seinen eigenen Ambitionen zugrunde.

Szenenbild aus The Lady in the Car with Glasses and a Gun | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Größte und auffälligste Stärke von The Lady in the Car with Glasses and a Gun ist folglich dessen Atmosphäre und die atmet eben nicht nur das zu erwartende sinnliche, entschleunigte Flair, sondern wirkt auch wie geradewegs aus einer längst vergangenen Epoche entsprungen, wozu freilich auch die altmodischen Kostüme und Autos, die hier im besseren Sinne klassische Kameraarbeit und nicht zuletzt eben Freya Mavor ihren Teil beitragen. Innerhalb der Handlung und Szenerie finden sich dabei recht früh offenkundige Foreshadowing-Momente, die gleichsam Neugierde und Interesse daran schüren, was Hauptfigur Dany noch so widerfahren wird und anfangs funktioniert diese kryptische, teils träumerische Ausgestaltung des Geschehens ganz wunderbar, wenn man denn eben bereit ist, sich auf einen dergestalt reduzierten, für einen Thriller eben beinahe schon irritierend beschaulich inszenierten Reigen einzulassen. Dabei ist es sicherlich durchaus gewollt, dass die Handlung mit zunehmender Laufzeit immer mehr und immer umfassender verwirrt, zumal man ebenso wie die Protagonistin darüber im Unklaren gelassen wird, was genau eigentlich vor sich geht, wenn ihr wildfremde Personen behaupten, die bereits zu kennen und ihr erst einen Tag zuvor begegnet zu sein.

Auch hier finden sich unbestreitbare Stärken in der Inszenierung, wenn das Geschehen zunehmend wie entrückt von der Realität erscheint und man immer öfter an der Zuverlässigkeit von Danys Blickwinkel zweifelt, was freilich auch nur funktionieren kann, wenn man eben weder das Buch noch den rund 45 Jahre zuvor entstandenen Film kennt. Dummerweise übertreiben es Regisseur Joann Svar und die beteiligten Autoren Gilles Marchand und Patrick Godeau letztlich ein wenig zu sehr mit ihrer offensiven Einbindung von Mystery-Elementen, so dass The Lady in the Car with Glasses and a Gun ausgerechnet auf den letzten Metern die Puste wie auch Faszination auszugehen droht. Das freilich versucht man dann mit der Auflösung des Geschehens wieder wettzumachen, doch allein deren Umfang macht deutlich, dass man sich irgendwo auf dem Weg verrannt zu haben scheint, denn nicht nur die schiere Anzahl an vorgeblichen Zufällen scheint absolut unmöglich, nein, vielmehr ist es die minutenlange und mit Rückblenden und Erläuterungen gespickte Erklärung des Ganzen, die nicht nur ermüdend, sondern eben auch reichlich konstruiert wirkt.

Szenenbild aus The Lady in the Car with Glasses and a Gun | © Tiberius Film
© Tiberius Film

So mag es noch Geschmackssache sein, ob man einem weitestgehend auf Atmosphäre und Flair vertrauenden Film beiwohnen möchte, dessen inszenatorisches Hauptaugenmerk neben seiner zunehmend verworrener wirkenden Story darin besteht, die unbestreitbar attraktive Freya Mavor als schüchterne Sekretärin und alsbald durch das ländliche Idyll lustwandelnde Dany in Szene zu setzen, doch bei der holprig wie langatmig geratenen Auflösung könnte man sich schon weit eher einig werden, dass dies handwerklich wie auch inhaltlich weitaus eleganter hätte gelöst werden können. Während mich als der Charme der Hauptfigur wie auch der pittoresken Landschaftsaufnahmen durchaus für sich einzunehmen wusste, ist es ausgerechnet die Auflösung des Geschehens, die zudem noch im harschen Kontrast zum vorher Gezeigten steht, die The Lady in the Car with Glasses and a Gun meines Erachtens eine regelrechte Bruchlandung hat hinlegen lassen, derer es fürwahr nicht gebraucht hätte. Schade, denn ansonsten ließe sich dem Film durchaus attestieren, wie ein Juwel aus längst vergangener Zeit zu wirken, der sich konsequent heutigen Sehgewohnheiten verweigert, aber gepaart mit einem wenig überzeugenden Plot ist das leider dennoch nichts, was man sich unbedingt ansehen müsste.

Fazit & Wertung:

Der Wille seitens Joann Sfar, mit The Lady in the Car with Glasses and a Gun das Flair und den Zauber einer längst vergangenen (filmischen) Epoche wieder aufleben zu lassen ist klar erkennbar und auch Freya Mavor macht als Identifikationsfigur und Blickfang eine hervorragende Figur, doch verirrt sich der Plot zunehmend in seinen falschen Fährten und mysteriösen Begebenheiten, als dass die schlussendliche Auflösung der Chose noch zu überzeugen imstande wäre, zumal die doch reichlich an den Haaren herbeigezogen und wenig überzeugend wirkt.

5 von 10 zunehmend irritierender werdenden Begegnungen

The Lady in the Car with Glasses and a Gun

  • Zunehmend irritierender werdende Begegnungen - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Der Wille seitens Joann Sfar, mit The Lady in the Car with Glasses and a Gun das Flair und den Zauber einer längst vergangenen (filmischen) Epoche wieder aufleben zu lassen ist klar erkennbar und auch Freya Mavor macht als Identifikationsfigur und Blickfang eine hervorragende Figur, doch verirrt sich der Plot zunehmend in seinen falschen Fährten und mysteriösen Begebenheiten, als dass die schlussendliche Auflösung der Chose noch zu überzeugen imstande wäre, zumal die doch reichlich an den Haaren herbeigezogen und wenig überzeugend wirkt.

5.0/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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The Lady in the Car with Glasses and a Gun ist am 02.01.17 auf DVD und Blu-ray bei Tiberius Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 5. Januar 2019

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