Review: Bärenblues – Der dritte Hap & Leonard-Roman | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Nach ein wenig Pause kommt hier nun ein weiterer Vertreter der zum Glück doch recht umfangreichen Hap & Leonard-Serie, die mich immer noch zu begeistern versteht wie am ersten Tag.

Bärenblues
Der dritte Hap & Leonard-Roman

The Two-Bear Mambo, USA 1995, 275 Seiten

Bärenblues von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzer:
Steve Ayan

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-946-50304-0

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Als ich Heiligabend bei Leonard ankam, hatte er drüben in seinem Haus die Kentucky Headhunters voll aufgedreht. Sie sangen »The Ballad of Davy Crockett«, und Leonard steckte zur Feier des Tages mal wieder das Haus seiner Nachbarn in Brand.
Ich hatte gehofft, er würde es sein lassen. Beim ersten Mal hatte ich ihm noch geholfen, beim zweiten Mal ging es auf seine Kappe, und ausgerechnet jetzt, beim dritten Anlauf, musste ich wieder bei ihm aufkreuzen.

Heiligabend naht und was – so denkt sich Leonard – wäre ein besseres Weihnachtsgeschenk an die Crack-Dealer von neben, als wieder einmal ihr Haus anzuzünden? Wie es der Zufall will, fährt Hap gerade mit dem Wagen vor, als die Bude in weihnachlichstem Glanz erstrahlt (= in Flammen steht) und den Gesetzeshütern von LaBorde fällt es freilich zunehmend schwerer, Leonard da herauszuboxen. Wie es aber der Zufall will, hat Lieutenant Hanson ein Anliegen eher privater Natur, mit dem er sich milde stimmen lassen würde, denn nachdem er sich auf eine Beziehung mit der Anwältin Florida Grange eingelassen hat, scheint die nun im nicht allzu weit entfernten Grovetown verschwunden zu sein und so bittet er Hap und Leonard, sich der Sache anzunehmen, um im Gegenzug die wiederholte Brandstiftung unter den Tisch fallen zu lassen. Dumm nur, dass die Zeit in Grovetown einige Jahrzehnte früher stehengeblieben zu sein scheint und "Leute wie Leonard" in dem relativ offen rassistischen Örtchen nicht gern gesehen sind. Entsprechend schwierig gestaltet sich vom ersten Moment an die Suche nach Florida, doch können die beiden Freunde natürlich mit ihrer großen Klappe nicht hinterm Berg halten, wobei sie sich diesmal ein wenig übernommen zu haben scheinen, denn bald schon steht ihnen die erste gehörige Tracht Prügel ins Haus, derweil selbst die Polizei von Grovetown anscheinend wenig Handhabe gegen die Klans-Mitglieder haben oder gar selbst mit ihnen im Bunde stehen. Doch ein Versprechen ist ein Versprechen und weder Hap und Leonard sind gewillt, sich von ihrer aussichtslos scheinenden Suche abbringen zu lassen, auch wenn die Erfolgschancen freilich immer geringer werden…

Rezension:

Und damit liegt nun also auch Bärenblues – der dritte Band der Hap-&-Leonard-Reihe – hinter mir, der einmal mehr Pate gestanden hat für die gleichnamige TV-Serie und deren dritte (und leider letzte) Staffel um die beiden ungleichen Freunde und ihre Abenteuer als unbedarfte Hobby-Detektive. Auch wenn es nicht unbedingt Teil einer Buch-Rezension sein sollte, auf deren Adaption abzustellen, möchte ich dennoch kurz erwähnt haben, dass hier weit mehr als noch im Vorgänger die Unterschiede in den Geschichten zutage treten, so dass ich mich selbst als Kenner der Serie noch gleich mehrfach habe überraschen lassen können, denn auch wenn sich viele Eckpunkte in der Story gleichen mögen, nehmen Buch- und Serienfassung durchaus einen anderen und damit unerwarteten Verlauf, wobei ich nicht sagen könnte, welche Fassung mir letztlich besser gefallen hat. Dies also nur als Hinweis, um auch denjenigen das Buch schmackhaft zu machen, die vielleicht über die Serie darauf aufmerksam geworden sind, wobei man da natürlich dennoch mit Wilder Winter, dem ersten Teil der Reihe starten sollte.

Eine Handvoll Uniformierter durchkämmte den Wald hinterm Haus, und wir sahen einen mit der Bademantelfrau im Schlepptau herauskommen. Sie trug Handschellen und hatte ihre Perücke auf, aus der im Mondschein eine feine graue Rauchfahne aufstieg. Sie fluchte am laufenden Band. Sogar hinter hochgekurbelten Scheiben war sie zu verstehen. Sie brachte es fertig, »du blöder, blassschwänziger Arschwichser« in jedem Satz unterzubringen, ohne dass es sich bemüht oder gekünstelt anhörte.

Aber auch wenn sich die Abenteuer von Hap und Leonard grundsätzlich munter durcheinander lesen ließen, sollte man doch zumindest Kenntnis von Mucho Mojo besitzen, zumal Haps gescheiterte Beziehung zu der hier vermissten Florida Grange dort thematisiert wird und auch ansonsten an vielerlei Stellen Rückbezug auf dieses vorangegangene "Abenteuer" genommen wird, weshalb es durchaus einen Mehrwert darstellt, sich der Reihe bestmöglich chronologisch zu widmen. Ansonsten bleibt bei Bärenblues vieles wie gehabt und Joe R. Lansdale begeistert einmal mehr mit seiner lakonischen Schreibe und dutzenden dummen Sprüchen vonseiten Hap und Leonard, die wirklich nie ihre große Klappe halten zu können scheinen und sich auch diesmal damit mehr Feinde als Freunde schaffen. Die Story selbst braucht dabei durchaus einige Seiten, um richtig in Fahrt zu kommen, doch stört das den Lesefluss in keiner Weise, zumal die Reihe ohnehin vom Zusammenspiel ihrer beiden Protagonisten lebt und so machen auch die Eingangskapitel Spaß, selbst wenn es erst später nach Grovetown gehen soll. Denn wenn man ehrlich ist, sind die beiden besten Freunde auch alles andere als Meisterdetektive und die Faszination der Reihe rührt sicherlich nicht daher, mit welch gewiefter und cleverer Art und Weise sie sich an einen neuen Fall begeben, denn da wäre der Vergleich zu zwei ungebremsten Dampfwalzen wohl eher angebracht.

In einem Ort wie Grovetown wird ihnen das aber auch erwartungsgemäß zum Verhängnis und allein in Anbetracht dessen, wie sehr die beiden hier einstecken müssen, handelt es sich wohl um den mitunter düstersten Band der Reihe, denn auch wenn der Humor und insbesondere Wortwitz – gespickt mit allerhand Schimpfwörtern und teils vulgären Seitenhieben – hier ebenfalls nicht zu kurz kommen, wirkt der Ton der Story doch diesmal deutlich ernster und dramatischer, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass es eben um einen aktuellen Vermisstenfall geht und insbesondere Hap natürlich auch emotional involviert ist, wohingegen sie es zuvor mit einer missglückten Schatzsuche und überwiegend Jahre zurückliegenden Mordfällen zu tun hatten. Was Bärenblues aber vorrangig zu so hartem Tobak werden lässt, ist freilich das Verhalten der Bewohner von Grovetown, denn auch wenn Rassismus schon immer eins der ausgewiesenen – kritisch behandelten – Themen von Lansdale gewesen ist, wirkt diese durch und durch von Hass und Abscheu durchzogene Gemeinde natürlich noch eine ganze Spur härter als wenn sich eine einzelne Figur abfällig gegenüber Leonard äußern und in ihre Schranken verwiesen werden müsste.

Als wir gerade noch eine von Charlies Schattenfiguren studierten, ging wieder die Tür auf. Diesmal war es Lieutenant Marvin Hanson. Das Korridorlicht rahmte ihn ein wie den Golem höchstpersönlich. Sein schwarzes Gesicht war ein einziger konturloser Schatten. Er warf Charlie einen kurzen Blick zu, schloss dann die Tür und schaltete das Licht an. Auf einmal hatte ich das Bedürfnis, ihn lieber im Dunkeln anzusehen. Sein zerklüftetes Gesicht konnte einen ziemlich erschrecken.

Vor allem aber sollte man sich – ebenfalls typisch für Lansdale – nicht unbedingt darauf verlassen, dass er den Leser mit einem strahlenden Happy-End belohnt und alle Probleme sich in Luft auflösen lässt, wodurch die Geschichte allerdings nur umso lebendiger und glaubwürdiger wirkt, was in Anbetracht der doch oft überzeichneten Figuren und der absurden Situationen, in die die beiden geraten, komisch klingen mag, doch genauso verhält es sich. Entsprechend darf man sich auch bei Bärenblues auf eine derbe Story voller Sarkasmus und Spannung, melancholischer Momente und brenzliger Situationen freuen, die den beiden Best-Buddys mehr als gerecht wird und sie vor allem spürbar an dem Erlebten wachsen lässt, das eben auch an den zwei vorlauten Draufgängern mitnichten spurlos vorübergehen wird. Ganz so aber übrigens, wie mit dieser Geschichte die TV-Serie ihr Ende gefunden hat, muss man sich nun auch bei der Lektüre zumindest auf einen Bruch einstellen, denn der Nachfolgeband Schlechtes Chili ist seinerzeit bei Dumont erschienen und nicht mehr allzu gut zu bekommen, während es um Rumble Tumble noch schlechter bestellt ist, weshalb auch ich bei den nachfolgenden Rezensionen einen Sprung zu Machos und Macheten, dem sechsten Band der Reihe machen werde.

Fazit & Wertung:

Auch in Bärenblues, dem dritten Abenteuer der beiden besten Freunde Hap und Leonard begeistert Lansdale mit triefendem Sarkasmus und einer düsteren, lakonisch skizzierten Story, die spätestens nach kurzer Anlaufzeit vollends in ihren Bann schlägt und die Best-Buddys erneut in Höchstform zeigt, auch wenn sie diesmal gehörig werden einstecken müssen, derweil der Erfolg ihrer "Mission" in den Sternen steht.

9 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Bärenblues – Der dritte Hap & Leonard-Roman

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Auch in Bärenblues, dem dritten Abenteuer der beiden besten Freunde Hap und Leonard begeistert Lansdale mit triefendem Sarkasmus und einer düsteren, lakonisch skizzierten Story, die spätestens nach kurzer Anlaufzeit vollends in ihren Bann schlägt und die Best-Buddys erneut in Höchstform zeigt, auch wenn sie diesmal gehörig werden einstecken müssen, derweil der Erfolg ihrer "Mission" in den Sternen steht.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Bärenblues ist am 30.11.16 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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