Review: Feind: Die Schattenherren | Robert Corvus (Buch)

Wieder einmal habe ich mich vor Wochen hinreißen lassen, eine neue Reihe zu beginnen, die nach Vollendung aus immerhin drei Teilen bestehen soll. Ausnahmsweise bin ich mir diesmal allerdings tatsächlich nicht sicher, ob ich dem eingeschlagenen Weg weiter folgen möchte. Aber eins nach dem anderen…

Feind:
Die Schattenherren

Feind: Die Schattenherren, DE 2013, 398 Seiten

Feind: Die Schattenherren von Robert Corvus
© Piper Verlag

Autor:
Robert Corvus

Verlag (D):
Piper Verlag
ISBN:
978-3-492-26913-1

Genre:
Fantasy | Action

 

Inhalt:

Die Welt von Eloy droht von der unheiligen Macht der Schattenherren, den Osadroi, hinweggefegt zu werden, Unsterblichen, die sich den dunklen Künsten verschrieben haben und ihre Macht aus der Essenz von Angst, Wut und Verzweiflung ziehen. Einzig der Orden der Mondschwerter weiß sich noch gegen die Schattenherren zu behaupten, da allein ihre Silberklingen es vermögen die Osadroi zu verletzen. Daher befindet sich das Land seit Jahren im sogenannten Silberkrieg gegen die finsteren Herren, um die letzten Minen zu beschützen. Und so zieht auch Helion gen Norden, seines Zeichens frisch geweihtes Mondschwert und wird alsbald mit einer besonderen Aufgabe betraut. Ihm obliegt es, für die Sicherheit von Modranel zu sorgen, der wiederum einst einen Pakt mit den Schattenherren geschlossen hat und ihnen im Austausch für unermessliche Macht seine Tochter Lióla überließ.

An Modranels Seite steht dessen zweite Tochter Ajina, Adepta der Mondmutter, auf die Helion ein auge geworfen hatte, bevor er ihrer wahren Herkunft gewahr wurde. Gemeinsam mit den Truppen geht es nordwärts, zur Festung von Guardaja, wo sich das Schicksal der freien Völker entscheiden könnte. Und neben anderen Osadroi ist es insbesondere die Schattenherzogin Lisanne, die gegen Guardaja ins Feld zieht, während ihre Dunkelruferin Lióla ihr treu zu Diensten ist.

Rezension:

Vollmundig wird Feind: Die Schattenherren schon allen Fans von George R. R. Martin empfohlen und misstrauisch sollte man eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon hellhörig werden. Trotzdem habe ich den Schritt gewagt und dem Buch eine Chance gegeben, zumal der Autor Robert Corvus ja beileibe kein unbeschriebenes Blatt sein soll. Leider krankt die Geschichte an mehreren, mal mehr, mal weniger gravierenden Punkten und lässt die Befürchtungen schließlich und schlussendlich wahr werden, dass man besser nicht auf die so unreflektiert getroffene Werbeaussage gehört hätte. Der Prolog um Modranels Niedergang und seinen Pakt mit den Schattenherren weiß dabei im Grunde noch richtig gut zu gefallen, doch mit Beginn der Geschichte wird der Leser in eine ihm gänzlich unbekannte Welt geworfen und mit fremden Gruppierungen, Bezeichnungen und Eigennamen beworfen, so dass es schwer fällt, sich in der Welt von Eloy zu orientieren.

Zudem springt die Handlung meist unvermittelt von Figur zu Figur und damit nicht genug gewinnen die vielen Charaktere leider auch kaum an Profil. Einzig Helion, der Paladin der Mondschwerter, wird in Feind: Die Schattenherren mit einer Art Vorgeschichte bedacht. Ansonsten bemüht Corvus weithin bekannte Stereotypen und bevölkert mit ihnen die zugegebenermaßen spannend konzipierte Welt, deren Faszination sich aber insbesondere erst in der zweiten Hälfte erschließt. Bis dahin passiert leider im Grunde nicht viel und beschränkt sich auf letzte Vorbereitungen für den Feldzug und ein erstes Zusammentreffen mit einem Schattenherren. Damit einher geht auch, dass sich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl eines epischen Fantasy-Romans einstellt, weil abgesehen von dem Feldzug gen Norden reichlich wenig abseits der Geschicke Helions thematisiert wird.

Interessanter wird es dann gleichwohl, wenn die Schattenherren selbst mehr und mehr auf der Bildfläche erscheinen und man parallel zu Helions Geschichte auch die von Lióla präsentiert bekommt. Im Nachhinein sind diese Passagen auch die mitunter spannendsten, aber leider fügt sich alles nicht so recht zu einem stimmigen Ganzen. Da wären die stereotypen Charaktere, der nur leidlich abwechslungsreiche Fortgang der Geschichte und vor allem aber auch das im weiteren Verlauf akut zunehmende Sterben vermeintlich wichtiger Figuren. Im Grundsatz stört mich das ja nicht, doch hier wird nach und nach ungelogen beinahe die gesamte Belegschaft niedergemacht, so dass man sich nicht mehr wundern muss, warum diese teils nur skizzenhaft charakterisiert worden sind. Nicht zuletzt lässt das verfrühte Ableben mancher Figur ihr dramaturgische Potential gänzlich ungenutzt verkommen und allein die ungewöhnliche Familienkonstellation von Modranel, Ajina und Lióla hätte bei anderem Verlauf deutlich mehr hergegeben.

Diese vielen kleinen Makel und Kritikpunkte setzen sich dann fort im vermeintlichen Höhepunkt der Geschichte, der einerseits viel zu früh eintritt und dem andererseits noch gut hundert Seiten nachfolgen, die leider größtenteils kaum noch zu fesseln wissen und die Geschichte zuweilen überhastet zu einem Ende zu bringen versuchen. Besagtes Ende indes macht tatsächlich ganz unterschwellig neugierig und erklärt im Nachgang auch den Titel Feind, insbesondere im Hinblick auf den Nachfolger Knecht, aber ob diese schlussendliche Wendung mich dazu wird bewegen können, Corvus‘ Die Schattenherren noch eine Chance zu geben wage ich momentan noch zu bezweifeln. Ein gelungener und überzeugender Auftakt sieht – trotz einer interessanten Welt und manch spannender Prämisse – leider bei weitem anders aus, so dass ich auch nur hartgesottenen Fantasylesern mit gutem Gewissen dazu raten kann, hier einen Blick zu riskieren.

Fazit & Wertung:

Feind: Die Schattenherren ist ein leider durch und durch durchschnittlicher Fantasy-Roman, dessen Figuren und Geschichte nur leidlich zu überzeugen wissen. Da gibt es durchaus lohnenswertere Kost für Genre-Fans.

4,5 von 10 Schattenherren

Feind: Die Schattenherren

  • Schattenherren - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Feind: Die Schattenherren ist ein leider durch und durch durchschnittlicher Fantasy-Roman, dessen Figuren und Geschichte nur leidlich zu überzeugen wissen. Da gibt es durchaus lohnenswertere Kost für Genre-Fans.

4.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Piper Verlages.

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Feind: Die Schattenherren ist am 15.01.13 im Piper Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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  • Ich bin ja froh, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe. Das Buch hat ja auf anderen Plattformen schon recht gute Bewertungen eingefahren. Mich hat speziell diese gestelzte, aufgesetzt wirkende Schreibe gestört… das kann der Corvus besser.

    • Ja, ich fand es zwar nicht ganz so desaströs wie du, aber gut geht wirklich anders. Die Schreibe hat mich zuweilen auch gestört, aber viel mehr die stereotypen Charaktere, die dann konsequent und quasi ohne Ausnahme niedergemetzelt werden. Gerade als Auftakt einer Trilogie fehlt mir da doch ein wenig die Identifikationsfigur 😉

      Ob der werte Herr das auch besser kann, kann ich im Gegensatz zu dir nicht beurteilen, vertraue da aber mal voll auf deine Meinung!

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