Review: Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat (Spiel)

Lange vernachlässigt – doch unvergessen – gibt es ja auch noch die Rubrik der Brett- und Kartenspiele im Medienjournal und es wird allerhöchste Zeit, euch mal wieder ein – selbstverständlich thematisch mehr als passendes – Brettspiel zu präsentieren, das, obwohl es auf Basis der gleichnamigen Serie entstanden ist, zu meinem Erstaunen richtig durchdacht und clever konstruiert ist und kein bloßer Trittbrettfahrer im Fahrwasser des Franchise ist. Aber ich greife schon wieder vor und halte mich jetzt dezent zurück, natürlich erst, nachdem ich euch den Rat gegeben habe, euch vielleicht lieber schnell noch mal eine Tasse Kaffee zu kochen, denn der Text ist mal wieder etwas ausführlicher geraten.

Bleibt mir nur noch, euch ein schönes Wochenende und gute Erholung zu wünschen!

Spartacus
Ein Spiel über Blut und Verrat

Spartacus: A Game of Blood and Treachery

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat | © Heidelberger Spieleverlag
© Heidelberger Spieleverlag

Autoren:
Sean Sweigart
Aaron Dill
Verlag (D):
Heidelberger Spieleverlag

Kategorie:
Brettspiel
Genre:
Action | Historie

Spielerzahl:
3-4 Spieler
Spieldauer:
120-180 Minuten

 

Inhalt:

Das Spielmaterial zu Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat präsentiert sich erfreulich umfangreich, vor allem aber auch sehr farbenprächtig und aussagekräftig, so dass sich auf beinahe allen 62 Marktkarten bekannte Figuren aus der Serie finden lassen, die natürlich die Atmosphäre nachhaltig positiv beeinflussen, zumal die ebenjene Figuren einen nicht unerheblichen und vor allem wenig abstrakten Teil des Spielgeschehens ausmachen, während das mit Hexfeldern versehene Spielbrett mit der Arena das Geschehen und somit den Spieltisch merklich dominiert. Um sich in die jeweilige Rolle als Lanista zu finden, sind auch die Hauskarten für die vier möglichen Mitspieler mit entsprechenden Abbildungen ausstaffiert und wirken auch ihrer Verarbeitung nach hochwertig und stabil, ebenso wie die vier Gladiatorenfiguren, die exemplarisch für alle in den Kampf geschickten Kämpfer eingesetzt werden. Zahllose Spielmarker und ein Gros verschiedenfarbiger Würfel runden den positiven Gesamteindruck gekonnt ab. Konkret enthält die Spielschachtel:

  • 1 Spielplan
  • 4 Große Hauskarten
  • 4 Gladiatorenfiguren
  • 62 Marktkarten
  • 80 Intrigenkarten
  • 148 Spielmarker
  • 26 Würfel
  • 1 Spielregel

 

Die achtzehnseitige Anleitung wartet derweil mit vielen Beispielen und Erklärungen auf und weiß die Regeln stimmig und zügig zu vermitteln, während sie – wie man es vom Heidelberger Spieleverlag gewohnt ist – erneut vollfarbig und reich bebildert daherkommt, selbstverständlich ebenso mit zahlreichen Charakterabbildungen aus der Serie, handelt es sich schließlich um ein offizielles Lizenzprodukt.

Rezension:

Wer hätte vor Jahren gedacht, dass die Starz-Serie Spartacus, die mehr als einmal – und meiner Meinung nach völlig zu Unrecht – auf die Komponenten Sex und Gewalt heruntergebrochen wird, einmal Pate stehen würde für ein Brettspiel, dass noch dazu mehr als durchdacht, abwechslungsreich und unterhaltsam daherkommt und spürbar das Flair der Serie verbreitet. Eben solch ein Werk ist nun mit Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat seit geraumer Zeit dank des Heidelberger Spieleverlags auch im deutschen Sprachraum erhältlich und verspricht spannende wie ungewöhnliche Unterhaltung, denn tatsächlich fordert das Spiel einen aktiv dazu auf, sich in Lügen und Intrigen zu ergehen, seine Mitspieler übers Ohr zu hauen und nie den eigenen Vorteil aus den Augen zu verlieren und notfalls auf unlautere Mittel zurückzugreifen. Wer schon einmal einige Folgen der Serie gesehen hat, wird wissen, dass gerade dies ebenfalls eines der Kernelemente ist und tatsächlich treffend auf das Brettspiel adaptiert worden ist.

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat | © Heidelberger Spieleverlag
Die Arena von Capua: Hier werden Legenden geboren – oder zu Fall gebracht

In Spartacus schlüpft man in die Rolle eines Lanista und unterhält folglich einen Ludus mit Gladiatoren, Sklaven und Wachen, die den eigenen Einfluss mehren und einem zu Ruhm und Reichtum verhelfen sollen. Einflusspunkte sind es auch, die es ähnlich Siegpunkten anzuhäufen gilt, um schlussendlich das Spiel zu gewinnen. Dabei ist es wichtig, sich speziell in den Gladiatorenkämpfen hervorzutun, die durchaus das Kernstück des Spiels darstellen und nicht nur für die teilnehmenden Lanista, sondern auch für den Veranstalter der Spiele die Möglichkeit bieten, an Einfluss zu gewinnen – dazu jedoch später mehr Details. Abhängig von Einflusspunkten bietet die Anleitung auch prompt verschiedene Spieltypen an, bei denen man mit unterschiedlich vielen Einflusspunkten startet und aktiv die Dauer des Spiels beeinflussen kann, so dass sich Spartacus in der schnellen Variante mit unter zwei Stunden auch als Spiel für zwischendurch zu empfehlen weiß, zumal der Aufbau vergleichsweise schnell von der Hand geht.

Zunächst einmal wählt man ein Haus, die allesamt nicht nur aus der Serie bekannt sind, sondern auch unterschiedliche Ausrichtungen, Sonderregeln und Startkarten vorgeben, die durchaus die Taktik beeinflussen. Nachdem man also seine Hauskarte, Sklaven, Gladiatoren, Wachen und Gold erhalten hat, kann es im Grunde direkt losgehen, wobei man natürlich vor oder während der ersten Partie doch ein ums andere Mal die mit 18 Seiten recht umfangreich, aber dafür auch sehr aufschlussreichen Regeln konsultieren muss. Eine Runde Spartacus gliedert sich dann in vier verschiedene Phasen, die mehr oder weniger umfangreich geraten können und viel Spielraum bieten, die eigenen Ziele zu verfolgen.

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat | © Heidelberger Spieleverlag
Das Haus Batiatus auf seinem Weg zu Ruhm und Reichtum

In der Unterhaltsphase macht man zunächst zuvor benutzte Karten wieder bereit, kann versuchen, etwaige Wunden von Gladiatoren zu heilen und gleicht seine Konten aus. Simpel wie einleuchtend gilt es, für jeden Gladiator einen Obolus zu entrichten und für jeden Sklaven eine Einnahme zu verzeichnen. Aus der Differenz ergibt sich der Goldwert, der abgegeben werden muss oder eingenommen wird, so dass man stets auf ein recht ausgeglichenes Verhältnis achten sollte.

In der Intrigenphase wiederum zieht jeder Spieler reihum drei Karten vom Intrigendeck. Hierbei kann es sich um Machenschaften oder Reaktionen handeln, die eine Machenschaft zu vereiteln wissen. Zudem verbergen sich auch Wachen in diesem Kartenstapel, im Grunde eine Sonderform von Reaktionen, die auf unterschiedliche Art eingesetzt werden können. Das Handkartenlimit wie auch die Möglichkeit, eine Karte auszuspielen, bemisst sich aktiv am derzeitigen Einflusswert des Spielers, so dass mächtigere Karten auch erst zu einem späteren Zeitpunkt gespielt werden können und so das Geschehen nicht vorzeitig zu Ungunsten eines Kontrahenten beeinflussen können. Je nach Nützlichkeit der Karte empfiehlt es sich nun, diese entweder zu spielen, zurückzuhalten oder gegen Gold an die Bank zu verkaufen, um so die Mittel für das Ausspielen anderer Karten oder auch für den Zukauf weiterer Sklaven oder Gladiatoren zu erhalten.

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat | © Heidelberger Spieleverlag
Es gilt, mächtige Gladiatoren zu erwerben und mit entsprechender Ausrüstung noch zu stärken

Dies wiederum ist möglich in der anschließenden Marktphase. Hier haben die Spieler die Möglichkeit, untereinander Handel zu treiben und nicht benötigte Figuren oder auch Ausrüstung zu veräußern. Ist dies geschehen, werden je Runde Karten via Auktion zum Kauf feilgeboten, deren Anzahl sich an den beteiligten Spielern bemisst. Man hat nun die Möglichkeit, auf ebendiese Karten zu bieten und abschließend steht die Ehre, Veranstalter der nun folgenden Spiele sein zu dürfen, zur Auktion, ein entscheidendes Mittel für den Erfolg des eigenen Hauses.

Dem schließt sich die umfangreiche Arenaphase an, die wie erwähnt das Herzstück von Spartacus ausmacht. Dem Veranstalter gebührt die Ehre, zwei Häuser zu benennen, die sich in der Arena beweisen dürfen, wobei er sich bezüglich seiner Entscheidung natürlich jederzeit bestechen lassen kann. Für den Vorsitz bei den Spielen gewinnt er aber auch automatisch einen Einflusspunkt während der Gewinner der Kämpfe ebenfalls die Möglichkeit hat, Einfluss zu gewinnen, wohingegen ein Lanista, der die ausgesprochene Einladung ausschlägt, an Einfluss einbüßt. Die beteiligten Spieler wählen nun Gladiatoren und deren Ausrüstung und schicken sie in den Ring. Erfolgreiche Gladiatoren, die in der Gunst des Publikums stehen oder gar Champions geworden sind, bringen ihm zudem einen zusätzlichen Tribut in Form von Gold. Die Kämpfe sind aber auch für nicht teilnehmende Mitspieler interessant, denn jedem steht es frei, Wetten auf den Ausgang des Kampfes zu platzieren und so im Idealfall den eigenen Reichtum zu mehren.

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat | © Heidelberger Spieleverlag
Der Moment der Entscheidung: Die Gladiatoren stehen sich in der Arena gegenüber

Die Kämpfe selbst sind dabei überraschend intuitiv und einfach gehalten, denn jeder Gladiator verfügt über genau drei Attribute: Angriff, Verteidigung und Schnelligkeit, die durch eine gewisse Anzahl Würfel symbolisiert werden, die wiederum ebenfalls die Lebenspunkte des Recken darstellen und abnehmen, wenn er verletzt wird, so dass die Figur auch im Kampf langsam aber sicher merklich schwächer und langsamer wird. Sinkt wenigstens eine der Eigenschaften im Laufe des Kampfes auf 0, ist der Gladiator besiegt, wohingegen zwei Eigenschaften auf 0 zu einer Verletzung führen und der Verlust sämtlicher Eigenschaftspunkte in einer Enthauptung mündet. Doch auch, wenn der Kämpfer nur besiegt wurde, lauert der Tod, denn dem Veranstalter obliegt die Entscheidung über Leben oder Tod des Gladiators. Der siegreiche Gladiator wiederum erhält einen Gunst-Marker und sein Lanista, also der Spieler, gewinnt an Einfluss hinzu. Sind nun noch die Wetteinsätze verrechnet worden, schließt sich eine neue Runde an, die wiederum mit der Unterhaltsphase startet.

Spartacus entpuppt sich nach einigen Proberunden als ziemlich ausgeklügeltes Spiel, das im Endeffekt leicht zu erlernen, doch schwer zu meistern ist. Zwar spiel auch das Würfelglück in der Arena eine nicht unerhebliche Rolle, doch ist es die größere Herausforderung, über den eigenen Schatten zu springen und genauso skrupellos zu werden, wie die Protagonisten der Serie, wenn es darum geht, die Kontrahenten gegeneinander aufzubringen und sich des eigenen Vorteil zu versichern, ungeachtet dessen, welche Versprechungen und Bündnisse man dafür brechen muss. Von daher ist wichtig, das Spiel nicht zu ernst zu nehmen und nicht allzu nachtragend zu sein, denn sonst könnte das nicht gerade kollegiale Gegeneinander zu ausufernden Zwistigkeiten führen. Hat man es aber geschafft, sich dem Spiel mit dem gebotenen Abstand zu nähern, erwarten einen viele abwechslungsreiche, hochspannende und taktisch anspruchsvolle Stunden im antiken Capua, wo eine Vielzahl bekannter Figuren, reich bebilderter Karten und einfallsreicher wie stimmiger Spielmechanismen der Pate stehenden Serie alle Ehre machen.

Fazit & Wertung:

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat ist ein unbestreitbar durchdachtes Brettspiel mit einem vergleichsweise einfachen Konzept, dass einem schon nach wenigen Runden in Fleisch und Blut übergeht. Schafft man es dann noch, genauso gemein und intrigant zu agieren wie die Serienvorbilder, verspürt man schon bald den Nervenkitzel, den es mit sich bringt, das eigene Haus ohne Rücksicht auf Verluste ganz nach oben zu bringen. Spannende Kämpfe, Wetten, geheime Auktionen und unerwartete Machtverschiebungen runden das Geschehen gekonnt ab.

9 von 10 mächtigen Gladiatoren in der Arena von Capua

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat

  • Spielkonzept/-mechanismen
  • Ausstattung/Qualität
  • (Langzeit-)Spielspaß

Fazit & Wertung:

Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat ist ein unbestreitbar durchdachtes Brettspiel mit einem vergleichsweise einfachen Konzept, dass einem schon nach wenigen Runden in Fleisch und Blut übergeht. Schafft man es dann noch, genauso gemein und intrigant zu agieren wie die Serienvorbilder, verspürt man schon bald den Nervenkitzel, den es mit sich bringt, das eigene Haus ohne Rücksicht auf Verluste ganz nach oben zu bringen. Spannende Kämpfe, Wetten, geheime Auktionen und unerwartete Machtverschiebungen runden das Geschehen gekonnt ab.

4.3
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Weitere Details zum Spiel findet ihr auf der Seite des Heidelberger Spieleverlag.

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Das Brettspiel Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat ist im Dezember 2012 im Heidelberger Spieleverlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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