Review: Sympathy for Delicious (Film)

Ihr wisst, ich gehe nicht oft ins Kino, nein, beinahe nie und deshalb gibt es bei mir auch nicht unbedingt immer die neuesten Kritiken, dafür aber ab und an – so wie heute – ganz besondere Perlen, die, so möchte ich meinen, kaum jemand kennt und die mir bei meinen Blu-ray-Beutezügen so begegnen und bei denen ich mich dann immer ganz besonders freue, davon berichten zu können, speziell wenn es sich wie hier auch noch um das Regie-Debüt eines gar nicht mal so unbekannten Schauspielers handelt, Mark Ruffalo nämlich, während der eigentliche Hauptdarsteller des Films, Christopher Thornton, wiederum fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet. Na wenn das mal nix ist! Also, ganz viel Spaß bei der heutigen Film-Review und einen schönen Abend euch!

Sympathy for Delicious

Sympathy for Delicious, USA 2010, 96 Min.

Sympathy for Delicious | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Mark Ruffalo
Autor:
Christopher Thornton

Main-Cast:

Christopher Thornton (Dean O’Dwyer)
Mark Ruffalo (Father Joe)
Juliette Lewis (Ariel Lee)
Noah Emmerich (Rene Faubacher)
Laura Linney (Nina Hogue)
Orlando Bloom (The Stain)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Nach einem Motorradunfall musste der seither gelähmte und im Rollstuhl sitzende Dean O’Dwyer, früher bekannt als „Delicious D“ notgedrungen seinen Job als DJ aufgeben und versackt seither immer tiefer in seinen Depressionen, aus denen ihm einzig Vater Joe zuweilen noch herauszuhelfen imstande ist. Eines Tages macht Dean allerdings die Entdeckung, mit seinen Händen Kranke heilen zu können und Vater Joe ist sofort Feuer und Flamme, mit dieser von Gott gesandten Gabe das Leben für die Menschen des Viertels erträglicher zu machen, während Dean derweil von all dem nichts wissen will und lieber versucht, sich selbst zu helfen, was allerdings scheitert.

Szenenbild aus Sympathy for Delicious | © Koch Media
© Koch Media

Derweil macht Dean die Bekanntschaft von Ariel, der Bassistin einer aufstrebenden Rockband um den Leadsänger The Stain, die ihn gerne bei den gemeinsamen Auftritten dabei hätte, doch The Stain gerät prompt mit Dean aneinander und weigert sich, dem ehemaligen Star-DJ eine Chance zu geben, zumindest solange, bis er von Deans Kräften erfährt und gemeinsam mit Managerin Nina das große Geld zu wittern beginnt. Dean derweil will von all dem Trubel um seine angeblich göttliche Gabe nichts wissen und ist zunehmend frustriert, sich nicht auch selbst helfen zu können, doch Vater Joes energische Überzeugungsversuche beginnen Früchte zu tragen, wodurch Dean bald zu einem Phänomen wird und derweil gewahr wird, welche Möglichkeiten sich ihm durch seine Gabe eröffnen…

Rezension:

Bei Sympathy for Delicious handelt es sich in vielerlei Hinsicht um einen außergewöhnlichen Film, der nicht nur hierzulande ungerechtfertigt viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat, weshalb man wohl seitens Koch Media versucht, den Film mithilfe des Zugpferdes Orlando Bloom, der omnipräsent auf dem Cover prangt, obwohl er im Film wirklich nur eine nette, aber kleine Nebenrolle innehat, an die Frau und den Mann zu bringen, was natürlich von Vornherein eine falsche Erwartungshaltung aufbaut, denn es geht vielmehr um den von Christopher Thornton verkörperten Ex-DJ „Delicious D“ – eigentlich Dean O’Dwyer, der, im Rollstuhl gelandet, seinen Job an den Nagel hängen musste, sich nun im Selbstmitleid und dem eigenen Auto suhlt, wo er mittlerweile wohnt. Thornton derweil, damit wären wir bei der ersten Besonderheit des Films, sitzt auch im wahren Leben seit seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr im Rollstuhl, zeichnete gleichsam aber auch für das Drehbuch zum Film verantwortlich, schrieb sich die Rolle des Dean also sozusagen auf den Leib, während es sich gleichzeitig um das Regie-Debüt des spätestens seit The Avengers als Hulk weltbekannten Charaktermimen Mark Ruffalo handelt, der wiederum im Film selbst die nicht unmaßgebliche Rolle des Vater Joe übernimmt.

Szenenbild aus Sympathy for Delicious | © Koch Media
© Koch Media

Von diesen Eckdaten ausgehend entspinnen Ruffalo und Thornton eine fantastische Geschichte, in der Dean alsbald gewahr wird, über heilende Kräfte zu verfügen, die selbstredend nur ihm selbst nicht nützen, wie man sich von vornherein denken kann. Nun prallen also die Welten des Misanthropen Dean, der gar keine rechte Lust hat, mit seiner scheinbar gottgegebenen Gabe hausieren zu gehen, mit der des dem Altruismus verschriebenen Vater Joe zusammen, der Dean ein ums andere Mal inständig bekniet, seine göttliche Berufung anzunehmen. Damit nicht genug, lernt Dean alsbald Ariel (Juliette Lewis) kennen, die ihn wiederum für ihre Band haben möchte, doch gerät Dean natürlich prompt mit dem Leadsänger The Stain – großartig gegen den Strich besetzt: Orlando Bloom – und der Bandmangerin Nina (Laura Linney) aneinander.

Während Dean also noch versucht, seine quasi magischen Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen und dabei immer öfter mit Vater Joe aneinandergerät, kommen die Bandmitglieder ebenfalls hinter sein Geheimnis und wollen mit seiner Hilfe die große Show abziehen. Dean muss sich zu fragen beginnen, was er mit seiner Gabe anzufangen gedenkt und gerät in eine moralische Zwickmühle, beginnt sich immer mehr in den Gedanken zu verrennen, immerhin die große Kohle machen zu können, wenn er schon nicht imstande ist, sich selbst zu heilen und wendet sich schließlich gänzlich von Vater Joe ab. Auffällig bei Sympathy for Delicious ist dabei, dass der Film, obwohl er sich eines religiösen Themas bedient, mitnichten ein religiös gefärbter Film ist und völlig offen lässt, ob es sich nun um eine göttliche Gabe oder ein Mysterium des Universums handelt, während auch der Ex-DJ selbst ein erklärter Atheist ist und mit Gott nichts am Hut haben möchte, weshalb natürlich auch die flammenden Reden Vater Joes nicht gerade auf fruchtbaren Boden treffen.

Szenenbild aus Sympathy for Delicious | © Koch Media
© Koch Media

Im Grunde kann man Sympathy for Delicious daher mehr als modernes wie ungewöhnliches Märchen betrachten, dass nur wie rein zufällig eine göttliche Vorsehung beinhaltet um dies als Aufhänger zu nehmen, Fragen der Nächstenliebe, des Mitgefühls, des selbstbestimmten Handelns und der Uneigennützigkeit des eigenen Tuns zu stellen und trotz seiner tragischen Tendenzen ein ungemein lebensbejahendes, positiv stimmendes Werk geworden zu sein, dass mit einem abrupt daherkommenden Paukenschlag in den unerwarteten dritten Akt mündet, der mich restlos vom Film überzeugt hat, während er zu Beginn doch durchaus einige Zeit brauchte, um die Figuren vorzustellen und langsam in Fahrt zu kommen. Der Film wird sicherlich kein moderner Klassiker werden, doch scheint er diesen Anspruch auch gar nicht an sich selbst zu stellen, punktet dafür aber mit einer einfallsreichen und ungewöhnlichen, sehr menschlich dargebrachten Gesichte und einem bestens aufgelegten Cast, der sich mit sichtlicher Freude in seine teils ungewöhnlichen Rollen stürzt.

Fazit & Wertung:

Mark Ruffalos Regiedebüt Sympathy for Delicious, entstanden nach einem Drehbuch von Christopher Thornton, der auch gleich die Hauptrolle übernahm, erzählt eine raue wie warmherzige, witzige wie tragische, doch immerzu lebensbejahende und optimistisch stimmende Geschichte über Rock’n’Roll und göttliche Gaben, den Weg zu sich selbst und hin zum Altruismus – und all das ohne bekehrenden Zeigefinger oder religiösen Unterbau, dafür herzerwärmend menschlich und ehrlich erzählt.

7 von 10 göttlichen Heilungen

Sympathy for Delicious

  • Göttliche Heilungen - 7/10
    7/10

Kurzfassung

Mark Ruffalos Regiedebüt Sympathy for Delicious, entstanden nach einem Drehbuch von Christopher Thornton, der auch gleich die Hauptrolle übernahm, erzählt eine raue wie warmherzige, witzige wie tragische, doch immerzu lebensbejahende und optimistisch stimmende Geschichte über Rock’n’Roll und göttliche Gaben, den Weg zu sich selbst und hin zum Altruismus – und all das ohne bekehrenden Zeigefinger oder religiösen Unterbau, dafür herzerwärmend menschlich und ehrlich erzählt.

7.0/10
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Sympathy for Delicious ist am 24.01.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Sieht gar nicht so uninteressant aus. Danke, der Film wäre ja fast an mir vorbei gegangen und Orlando Bloom ist auch noch dabei *.*

    • Super, dass ich auch mal mit einem Geheimtipp punkten konnte.

      Du, aber Orlando Bloom hat wirklich eine eher kleine Rolle in dem Streifen. So groß wie er auf dem Cover prangt, so klein ist seine Rolle, wenn du verstehst…

      • Ach .. da wurde werbetechnisch dann wieder auf das falsche Pferd gesetzt was? Naja, die Story an sich klingt trotzdem interessant ;D

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