Und da bin ich auch schon wieder, heute mit gleich zwei Mal Lesestoff im Gepäck, wie sich das eben so gehört. Und was soll ich sagen, mich haben auch beide heute hier vorzustellenden Comics auf ihre Art ziemlich begeistert, wenn auch dieser hier ein wenig mehr als der, der gleich noch kommt. Aber hey, lest doch einfach selbst, was soll ich hier schließlich alles schon in die Einleitung schreiben 😉

Outcast 2
Unermesslicher und endloser Zerfall

Outcast #7-12, USA 2015, 160 Seiten

Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall | © Cross Cult
© Cross Cult

Autor:
Robert Kirkman
Zeichner:
Paul Azaceta

Verlag (D):
Cross Cult
ISBN:
978-3-86425-805-3

Genre:
Mystery | Horror | Drama

 

Inhalt:

Nach den jüngsten Geschehnissen hat Kyle Barnes es sich in den Kopf gesetzt, Joshua einen Besuch abzustatten, um zu überprüfen, ob es ihm wirklich gelungen ist, ihm den Dämon auszutreiben, doch Reverend Anderson beschäftigen derweil ganz andere Sorgen, hat ihm schließlich wie es scheint der Teufel selbst jüngst seine Aufwartung gemacht und ihm weit mehr als unverhohlen gedroht. Gemeinsam geht Kyle und Anderson auf, dass Mildred nicht die einzige gewesen sein könnte, bei der der Exorzismus nicht funktioniert hat, zumal Anderson, der diesem Handwerk schließlich seit Jahren nachgeht, langsam klar wird, dass es womöglich an ihm gelegen hat, dass die Dämonen nicht gebändigt werden konnten.

Ausschnitt aus Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall | © Cross Cult
© Cross Cult

Derweil trifft sich Megan mit Kyles Exfrau Allison und begegnet in der Stadt ihrem Exfreund Donnie, für den sie nur noch Verachtung und Hass empfindet. Und in Kyles Nachbarschaft hat es sich ohne dessen Wissen der Teufel gemütlich gemacht und gibt sich als freundlicher älterer Herr aus, derweil er in der Zwischenzeit den Besessenen einen Besuch abstattet, die mittlerweile die Bekanntschaft mit Kyle Barnes, dem Outcast, gemacht haben, auch wenn Kyle selbst noch immer nicht dahintergekommen ist, was ihn zum Outcast, zum Ausgestoßenen macht und was das für ihn bedeuten mag…

Rezension:

Genauso packend wie sich bereits der erste Band Outcast 1: Im Reich der Finsternis präsentiert hat, geht es in Outcast 2: Unermessliche rund endloser Zerfall weiter und zumindest häppchenweise erfährt man mehr über Kyles Wesen als Outcast, vor allem aber auch über seine Vergangenheit und wie es zum Zerwürfnis mit Allison kam, wenngleich sich Kirkman davor hütet, hier bereits ins Detail zu gehen. Das muss er derweil aber auch gar nicht, denn allein der Besuch des Teufels bei Reverend Anderson gegen Ende des vorangegangenen Bandes hat die Spannungskurve merklich nach oben getrieben, zumal Kyle ebenfalls längst dessen Bekanntschaft gemacht hat, ihn allerdings für einen einfachen, netten, älteren Mann hält und nicht im Traum auf die Idee käme, wer sich hinter dieser Fassade verbirgt. So ist der immer noch merklich geschunden wirkende Kyle zunächst drauf und dran, seine eigenen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen und man bangt als Leser gehörig mit ihm, wenn er beispielsweise Joshuas Zimmer, denn er erst wenige Hefte zuvor vermeintlich vor dem Bösen gerettet hat, zaghaft betritt, um zu überprüfen, ob seinem Exorzismus denn auch wirklich Erfolg beschieden war.

Ausschnitt aus Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall | © Cross Cult
© Cross Cult

So konzentriert sich zwar Outcast 2 wiederum zuvorderst auf das Zweier-Duo aus Reverend und Outcast, doch gewinnt insbesondere das Umfeld von Kyle, sei es dessen Exfrau Allison, seine Schwester Megan und deren Familie und selbst Megans Exfreund Donnie wenn auch zögerlich, so doch langsam Kontur und es wird klar, dass die Geschichte bald schon weitere Kreise ziehen wird, ja ziehen muss, hat in dem verschlafenen Örtchen – ich erwähnte es bereits – schließlich jüngst der Teufel selbst Einzug gehalten. So kommt auch schnell die Frage auf, wie viele Dämonen es sich noch bereits allein in der näheren Umgebung in einem Wirtskörper bequem gemacht haben, ist es schließlich extrem unwahrscheinlich, dass dem Reverend von all diesen Fällen überhaupt berichtet worden ist, so dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen mag, wofür auch eine eindrucksvoll inszenierte Szene an einer Tankstelle spricht, doch möchte ich da gar nichts vorwegnehmen.

Erzähltechnisch geht Outcast 2 denselben Weg wie schon der Vorgängerband und bleibt überwiegend ruhig in seinem Erzählton, so dass es einzig die Wutausbrüche einzelner Protagonisten sind, die vorherrschende Melancholie und zuweilen Lethargie zu durchbrechen wissen, von den Aggressionsschüben der Besessenen natürlich einmal abgesehen. Für die optische Umsetzung der Story zeichnet auch hier wieder Paul Azaceta verantwortlich, dessen Stil mir mehr und mehr zusagt, zumal mir insbesondere die kleinen Panels, sozusagen mit Bild im Bild, erneut imponiert haben, die feinste, nuancierte Gesichtsausdrücke oder ansonsten nebensächliche Handbewegungen, Blicke oder dergleichen mehr in Szene setzen und dergestalt als Close-Up zu funktionieren wissen, so dass man als Leser manchmal mehr entdeckt und erkennt, als es den Figuren selbst möglich wäre. Aus meiner Sicht ein zwar simpler, aber extrem effektiver Kniff, zumal auch diese von Kirkman ersonnene Geschichte ähnlich wie schon The Walking Dead weitaus mehr von dem Innenleben ihrer Figuren zehrt, als dass sie sich auf allzu plumpe Effekthascherei verlassen würde.

Ausschnitt aus Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall | © Cross Cult
© Cross Cult

Und dramatisches Potential besitzt seine neueste Comic-Kreation – das dürfte spätestens nach diesem zweiten Band klar sein – auf alle Fälle und so hat mich die Geschichte um Kyle Barnes und dessen Suche nach Antworten, nach Erlösung, ebenso sehr in ihren Bann schlagen können wie bereits zuvor geschehen. So fällt es auch überaus schwer, eine klare Trennlinie zwischen den Bänden zu finden, denn Robert Kirkmans Storys sind tatsächlich als fortlaufende Geschichte konzipiert, so dass man allein schon fein aufpassen müsste, um das Ende eines jeden einzelnen der hier enthaltenen Hefte zu erkennen, was aber nicht heißen soll, dass Outcast 2 frei von Highlights wäre, denn die finden sich auch hier wieder zuhauf und die schockierenden Entwicklungen machen es nur umso schwerer, sich nun wieder eine ganze Weile gedulden zu müssen, bis dann der dritte Band hoffentlich nur allzu bald auch hierzulande verfügbar sein wird.

Fazit & Wertung:

Robert Kirkmans Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall steht seinem direkten Vorgänger in nichts nach und führt die Story um Kyle Barnes und dem an sich selbst zu zweifeln beginnenden Reverend Anderson nicht nur stimmig fort, sondern macht auch seinem Namen alle Ehre, denn eine so düstere wie beklemmende Atmosphäre ist mir bisher selten in einem Comic untergekommen, wofür auch diesmal sicherlich Zeichner Azaceta zu großen Teilen mitverantwortlich sein dürfte.

9 von 10 dämonisch Besessenen

Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall

  • Dämonisch Besessene - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Robert Kirkmans Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall steht seinem direkten Vorgänger in nichts nach und führt die Story um Kyle Barnes und dem an sich selbst zu zweifeln beginnenden Reverend Anderson nicht nur stimmig fort, sondern macht auch seinem Namen alle Ehre, denn eine so düstere wie beklemmende Atmosphäre ist mir bisher selten in einem Comic untergekommen, wofür auch diesmal sicherlich Zeichner Azaceta zu großen Teilen mitverantwortlich sein dürfte.

9.0/10
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Weitere Details zum Band findet ihr auf der Seite von Cross Cult. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall ist am 21.12.15 bei Cross Cult erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!