Review: Hannibal | Staffel 2 (Serie)

Da ich noch nicht so genau weiß, was der Tag heute bringen wird, schließlich ist bei uns heute Rü-Fest und es bleibt abzuwarten, ob, wann und mit wem wir uns dahin zu begeben gedenken, blogge ich einfach schon jetzt, damit ihr zumindest – falls daheimgeblieben – neuen Lesestoff habt 😉

Hannibal
Staffel 2

Hannibal, USA 2013-2015, ca. 43 Min. je Folge

Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Serienschöpfer:
Bryan Fuller
Showrunner:
Bryan Fuller

Main-Cast:
Mads Mikkelsen (Dr. Hannibal Lecter)
Hugh Dancy (Will Graham)
Caroline Dhavernas (Dr. Alana Bloom)
Laurence Fishburne (Jack Crawford)
in weiteren Rollen:
Hettienne Park (Beverly Katz)
Scott Thompson (Jimmy Price)
Aaron Abrams (Brian Zeller)
Raúl Esparza (Dr. Frederick Chilton)
Lara Jean Chorostecki (Freddie Lounds)
Gillian Anderson (Dr. Bedelia Du Maurier)
Michael Pitt (Mason Verger)
Katharine Isabelle (Margot Verger)
Eddie Izzard (Dr. Abel Gideon)
Kacey Rohl (Abigail Hobbs)
Cynthia Nixon (Kade Prurnell)
Gina Torres (Bella Crawford)

Genre:
Krimi | Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Nachdem FBI-Profiler Will Graham kurz davor war, Hannibal Lecter als Chesapeake Ripper zu enttarnen, nutzte dieser die von ihm verübten Morde, in denen er andere Serienkiller kopierte, um Graham als vermeintlichen Copycat Killer hinter Schloss und Riegel zu bringen, doch das Kräftemessen er beiden hat noch längst nicht sein Ende gefunden und Graham ist nicht bereit, sich in sein Schicksal zu fügen, so dass er noch aus seiner Zelle heraus seine früheren Vertrauten und allen voran Jack Crawford zu überzeugen versucht, dass in Wahrheit Hannibal der Copycat Killer und in letzter Konsequenz auch der Chesapeake Ripper sei, doch niemand scheint dem geistig verwirrten Mann noch Glauben zu schenken, was Lecter selbstredend in eine nur allzu dankbare Ausgangsposition bringt.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Während Lecter sich nun anschickt, Wills Job bei der BAU zu übernehmen, festigt er das Band zwischen Crawford und sich nur immer weiter, doch Graham erfährt selbst unter Arrest ungeahnte Unterstützung und schafft es bald, frühere Verbündete – nicht nur vom FBI – dazu zu überreden, Lecter einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Der allerdings ist bekanntermaßen nicht nur ungemein intelligent, sondern vor allem geübt darin, sich und seine wahre Natur vor Außenstehenden zu verbergen und mit allen Mitteln zu verteidigen…

Rezension:

Nachdem ich von der ersten Staffel Hannibal ungemein begeistert war, hat es zugegebenermaßen eine ganze Weile gedauert, bis ich mich der zweiten Staffel habe widmen können, derweil es ja längst Fakt ist, dass selbige nach dritter Staffel eingestellt worden ist und damit quasi den Weg einer jeden ambitionierten Serie von Bryan Fuller genommen hat, doch sollte mich das nicht davon abhalten, der neu interpretierten Vorgeschichte zu Hannibal weiter zu folgen, zählt die Serie schließlich in meinen Augen zu einem der ungewöhnlichsten und lohnenswertesten Projekte der letzten Jahre, was umso bemerkenswerter ist, da sie eben nicht von einem der von mir in letzter Zeit merklich favorisierten Kabelsender aus dem Boden gestampft worden ist, sondern eben von NBC, doch unterstreicht auch die zweite Staffel mehr als deutlich, dass man nicht bereit war, Kompromisse jedweder Art bei der Darstellung einzugehen und so wirkt auch die erneut dreizehn Episoden umfassende Season im Grunde wie ein hochwertiger und ungemein düsterer, sich hier über rund zehn Stunden erstreckender Kinofilm.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Nach dem vorangegangenen Staffelfinale war ich ja mehr als gespannt, wie es mit und bei Hannibal nun weitergehen möge, wurde schließlich Will Graham als vermeintlicher Copycat Killer inhaftiert, während Hannibal Lecter – noch immer auf freiem Fuß – die Gunst der Stunde ergriff, seinen früheren Patienten weiter zu diskreditieren. Der Staffelauftakt fällt dabei ungewohnt wie effektiv aus und beginnt mit einem Foreshadowing-Moment zum nächsten Staffelfinale, wenn man den Zeitangaben Glauben schenken darf und widmet sich einem ausufernden Kampf zwischen Lecter und FBI-Mann Crawford, bevor die Handlung gute drei Monate zurückspringt und dort ansetzt, wo die erste Staffel endete. Schnell wird klar, dass man sich hinsichtlich seiner Sehgewohnheiten nun umgewöhnen muss, denn durch Wills prekäre Lage ist es natürlich nicht möglich, den zuvor bekannten Aufbau aus Fall der Woche, an dem Graham und Crawford gemeinsam arbeiten und zuweilen Lecter zu Rate ziehen, weiter fortzuführen, was die Serie noch ein Stück weit mehr in Richtung Serial denn Procedural lenkt, doch ist dies in meinen Augen absolut begrüßenswert, zumal es schon zuvor der durchgängige rote Faden war und damit einhergehend Will Grahams geistiger Niedergang, der mich die Serie, die man ohne Zögern auch als Psycho-Thriller einordnen könnte, hat verfolgen lassen.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

So rückt Hugh Dancys Figur des Will Graham zwar zuweilen ein wenig in den Hintergrund durch ihre räumliche Befangenheit, doch selbst aus der Haft heraus weiß er seine Fäden zu spinnen, um Hannibal schlussendlich doch noch zu stellen, was ihn aber immer weiter in Richtung des Monsters gleiten lässt, dass er ja eigentlich zur Strecke zu bringen versucht, was wiederum einige großartige psychologisch-moralische Fragestellungen mit sich bringt, die die Serie zusammen mit ihren ungemein geschliffenen Dialogen seit jeher ausgezeichnet hat. Vor allem aber ist man eben mutig genug, in der zweiten Staffel Hannibal auch neue Wege zu gehen und sich eben nicht länger auf das Konzept des Killers der Woche zu verlassen, denn eine derartige Stagnation hätte tödlich sein können für das Format, derweil man auf gleichermaßen blutige wie morbide Mordinstallationen, beinahe zu Kunstwerken hochstilisierte, abscheuliche Szenen, nicht wird verzichten müssen, wohingegen Hannibal merklich seltener zum Kochlöffel greift, als es im Jahr zuvor noch der Fall gewesen ist. Dadurch aber, dass Graham ein kleines Stück in den Hintergrund rückt, widmet man sich auch eingehender der namensgebenden Hauptfigur der Serie, was in Anbetracht dessen, dass Mads Mikkelsen (The Salvation) in seiner Darstellung des intellektuellen Kannibalen der von Anthony Hopkins in den Filmen in nichts nachsteht, nur zu begrüßen ist.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Dadurch aber auch, dass Graham sich vehement weigert, sich als Copycat Killer zu outen und insistiert, es handele sich sowohl beim Copycat Killer als auch dem Chesapeake Ripper um ein und dieselbe Person und folglich Hannibal, derweil auf einige Ungereimtheiten in den Ermittlungen hinweist und die ihm letzten verbliebenen Vertrauten aufstachelt, alte Beweise neu zu bewerten, nimmt die Staffel auch aktiv Rückbezüge auf vorangegangene Ereignisse und punktet in der Mitte der Staffel, namentlich den Episoden Yakimono (Theater) (2.07) und Su-zakana (Pferde) (2.08), mit einem dramaturgischen Bruch, der seinesgleichen sucht und überrascht mit zunächst völlig unglaublichen, aber stilsicher erklärten Wendungen, die man so nicht erwartet hätte, derweil auch die eine oder andere liebgewonnene Figur ihr Leben wird lassen müssen und in Naka-Choko (Höhere Gewalt) (2.10) die weithin bekannte Figur des Mason Verger die Bühne betritt – absolut stimmungsvoll und glaubhaft verkörpert von Michael Pitt (Boardwalk Empire) – und dem letzten Drittel der Geschichte noch einmal eine gänzlich andere Marschrichtung diktiert.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Und während die Story unerbittlich voranschreitet, hat im Hinterkopf doch stets einem Damoklesschwert gleich die Eingangsszene der Staffel Fortbestand, so dass man folglich in Ansätzen weiß, worauf die sorgsam inszenierte Chose in letzter Konsequenz hinauslaufen wird, doch trotz dieses vermeintlichen Vorwissens sich ankündigender Ereignisse zählte für mich nicht nur die finale Folge Mizumono (Vergebung) (2.13) zu einem der Highlights der Serie an sich, sondern reiht sich auch ganz weit oben in der Riege der mitreißendsten Finalfolgen überhaupt ein, was in Anbetracht der zahllosen Serien am Markt schon etwas heißen will. Trotz des Wissens, dass die Serie Hannibal nach nur einer sich noch anschließenden Staffel ihr viel zu frühes Ende finden wird, bin ich bereits jetzt Feuer und Flamme für das, was da noch kommen mag, zumal die Karten, wie schon im Jahr zuvor, einmal mehr neu gemischt scheinen und es Fuller und seinem Team schließlich bereits bei der vorliegenden Staffel mit Bravour gelungen ist, diesen Ansatz zu einer durch und durch packenden, zehnstündigen Odyssee zu verwandeln, die ihresgleichen sucht.

Fazit & Wertung:

Nach einer schon für sich genommen fulminanten ersten Staffel schlägt Hannibal in seinem zweiten Jahr noch einmal merklich andere Wege ein und beeindruckt mit einer Vielzahl unerwarteter und schockierender Wendungen, während sich die Serie noch weiter in Richtung einer fortlaufenden Dramaturgie entwickelt und auf ein fulminantes Finale zusteuert, dass trotz des Umstandes, dass es bereits in der Eingangsfolge angeteasert wird, nichts von seiner Wucht und Intensität einbüßt, derweil auch die Figur des Hannibal Lecter in dieser Staffel noch einmal mit deutlich mehr Facetten und Schattierungen aufzuwarten weiß als noch zuvor und folglich Mads Mikkelsen zu Höchstform auflaufen lässt.

9 von 10 aufwendig durchkomponierten Menüabfolgen

Hannibal | Staffel 2

  • Aufwendig durchkomponierte Menüabfolgen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Nach einer schon für sich genommen fulminanten ersten Staffel schlägt Hannibal in seinem zweiten Jahr noch einmal merklich andere Wege ein und beeindruckt mit einer Vielzahl unerwarteter und schockierender Wendungen, während sich die Serie noch weiter in Richtung einer fortlaufenden Dramaturgie entwickelt und auf ein fulminantes Finale zusteuert, dass trotz des Umstandes, dass es bereits in der Eingangsfolge angeteasert wird, nichts von seiner Wucht und Intensität einbüßt, derweil auch die Figur des Hannibal Lecter in dieser Staffel noch einmal mit deutlich mehr Facetten und Schattierungen aufzuwarten weiß als noch zuvor und folglich Mads Mikkelsen zu Höchstform auflaufen lässt.

9.0/10
Leser-Wertung 10/10 (4 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Kaiseki (Farbtöne) (9/10)
02. Sakizuke (Maisstaub) (9/10)
03. Hassun (Kein Ende) (9/10)
04. Takiawase (Honig) (9/10)
05. Mukozuke (Pupillen) (9,5/10)
06. Futamono (Suite für Cembalo) (9,5/10)
07. Yakimono (Theater) (9,5/10)
08. Su-zakana (Pferde) (8,5/10)
09. Shiizakana (Raubtier Mensch) (8,5/10)
10. Naka-Choko (Höhere Gewalt) (9/10)
11. Ko No Mono (Wangenrot) (9/10)
12. Tome-Wan (Hundefutter) (10/10)
13. Mizumono (Vergebung) (10/10)

 
 
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Hannibal | Staffel 2 ist am 04.12.14 auf DVD im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Auch hier eine sehr schöne Kritik. Freue mich schon sehr auf die dritte Staffel, die ich mir demnächst auch mal zulegen werde.

    • Jup, die dritte Staffel habe ich mir kurz vor Veröffentlichung des Artikels auch schon einmal vorsorglich zugelegt 😉 Oh, und danke für das Lob! :)

  • Macht mir Lust, mir demnächst einmal die zweite Staffel zu holen. Vielleicht schlage ich auch bei einer möglichen Komplettbox zu. Mal sehen.

    • Komplettbox ist natürlich auch eine Idee. Da fehlt mir ja meist die Geduld für, aber zum Beispiel hab ich letztens nen Schnapper gemacht mit allen sechs Staffeln „Justified“ für unter 60 Euro, das war schon extrem klasse. Und überhaupt, du hast ja Zeit, der Serien-Nachschub wird uns wohl so bald nicht ausgehen 😉

  • Die hat mich ebenfalls gefesselt, besonders Mads Michaelsen wieder und das Anteasern in Folge 1 war gemein, weil ich dem entgegengefiebert habe …

    • Ja, das war echt fies! Ich saß da die ersten Minuten, dachte ungelogen einfach nur „WTF“ und dann – Schnitt – Wochen vorher. Und man wartet und wartet drauf und bekommt die Szene nicht mehr aus dem (Hinter-)Kopf. Ziemlich fies, ziemlich gut.

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