Review: Nur ein kleiner Gefallen (Film)

Heutiger Film stand schon sehr lange auf meiner Agenda und ich freue mich, nun heute davon berichten zu können, auch wenn er nicht ganz meine Erwartungen erfüllt hat, was sich zum Glück aber nur im Detail niederschlägt und mitnichten heißt, dass ich ihn nicht empfehlen könnte.

Nur ein kleiner Gefallen

A Simple Favor, USA/CA 2018, 117 Min.

Nur ein kleiner Gefallen | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Paul Feig
Autoren:
Jessica Sharzer (Drehbuch)
Darcey Bell (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Anna Kendrick (Stephanie Smothers)
Blake Lively (Emily Nelson)
in weiteren Rollen:
Henry Golding (Sean Townsend)
Andrew Rannells (Darren)

Genre:
Krimi | Komödie | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Nur ein kleiner Gefallen | © STUDIOCANAL
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Stephanie Smothers gilt gemeinhin als Super-Mom und kümmert sich nach dem Tod ihres Mannes aufopferungsvoll um ihren Sohn, während sie bei Dutzenden Schulaktivitäten hilft und zudem noch einen Vlog betreibt, in dem es neben Essen um allerlei Bastelarbeiten und dergleichen geht. Von den anderen Müttern argwöhnisch beäugt, freundet sie sich eines Tages mit der toughen wie eleganten Emily an, die so gar nicht zur quirligen Stephanie zu passen scheint, doch verleiht sie der Vloggerin und Mom auch neues Selbstbewusstsein. Dann aber bittet Emily Stephanie um einen kleinen Gefallen und fragt, ob sie auf ihren Sohn aufpassen könne. Stephanie sagt zu, doch auf Emily wartet sie abends vergebens. Als auch nach mehreren Tagen kein Lebenszeichen von ihr folgt, wird die Polizei hinzugezogen und nimmt zunächst Emilys Ehemann Sean ins Visier. Stephanie derweil tut alles, um ihm in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen und Emilys Verschwinden aufzuklären, woraufhin die beiden sich quasi unweigerlich näher kommen…

Rezension:

Lange schon wollte ich mir Nur ein kleiner Gefallen von Paul Feig zu Gemüte führen, da die Mischung aus Comedy und Crime mir doch meistens gut gefällt und die Besetzung ebenfalls für sich spricht, wenn man den beiden Damen etwas abgewinnen kann. Nun ist zwar wieder einige Zeit ins Land gezogen, aber da der Film seit geraumer Zeit auch bei Prime zum kostenlosen Abruf bereitstand, habe ich ihm nun jüngst eine Chance gegeben und war auch grundsätzlich sehr angetan, wenn ich auch gestehen muss, dass ich mir womöglich noch mehr von dem Reigen erwartet hätte. Der beginnt ungemein peppig und irritiert zunächst mit der Hochglanz-Ästhetik, die im weiteren Verlauf in zunehmendem Kontrast zum Thriller-Plot steht, der sich ganz unverhohlen an großen Vorbildern und klassischen Werken orientiert, dem Ganzen aber durchaus einen eigenen Anstrich zu verleihen vermag. Anfangen tut das schon damit, dass im Grunde die Handlung über Ausschnitte aus Stephanies Vlog präsentiert wird, die hier das Verschwinden ihrer Freundin Emily zum Besten gibt und sich folglich immer weiter entfernt vom eigentlichen Thema ihres Kanals, gleichsam aber auch immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Szenenbild aus Nur ein kleiner Gefallen | © STUDIOCANAL
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Von Stephanies Erzählungen ausgehend wird natürlich erst einmal das Kennenlernen der beiden umrissen und obwohl man vom ersten Moment an darum weiß, dass Emily alsbald verschwinden wird, ist dieser Part noch eher generisch und wenig überraschend geraten, während bewusst plakativ die Unterschiede der beiden Frauen betont werden, die im Grunde jeweils ein anderes Stereotyp verkörpern, wobei diese Archetypen natürlich in weiterer Folge aufgebrochen werden, was sich speziell bei Stephanie bemerkbar macht, deren Garderobe, ebenso wie ihr Verhalten, eine merkliche Entwicklung durchmacht, bis man sich zu fragen beginnt, ob man die beiden Frauen nicht vom ersten Moment an falsch eingeschätzt haben mag. Dieses Spiel mit den Erwartungen, diese immer wieder aufkommenden Fragezeichen und natürlich – selbstredend – die diversen Twists, welche die Story bevölkern, gehören natürlich ganz klar zum Konzept dieses nur vermeintlich leichtfüßigen Thrillers, der für manchen Geschmack zwar sicherlich ein paar Haken zu viel schlagen mag, dies aber immerhin mit selbstbewusster Verve tut und zuweilen dann auch mit dem einen oder anderen Clou aufwartet, den man so nicht hat kommen sehen.

Nichtsdestotrotz schleicht sich manches Mal das Gefühl ein, Nur ein kleiner Gefallen hielte sich für cleverer, als er ist, denn so absurd die Wendungen manchmal sein mögen, sieht man sie doch zu großen Teilen lange vorher kommen, wenn man schon einige ähnliche Filme gesehen hat. So möchte ich zwar nichts vom Plot vorwegnehmen, doch ist der eben auch gar nicht das Highlight des Ganzen, wenn auch angenehm verschachtelt und stets unterhaltsam und wendungsreich geraten. Überstrahlt wird der aber locker von der routiniert-schmissigen Inszenierung und der irritierenden Leichtfüßigkeit, die zuweilen auch Platz lässt für ein paar satirische Spitzen, auch wenn ich mir in der Hinsicht durchaus noch mehr gewünscht hätte. Ohnehin kommt der Anspruch, auch witzig sein zu wollen, für meinen Geschmack manches Mal zu kurz, was gleich doppelt bedauerlich ist, da mir Anna Kendrick – als überaus naheliegende, aber eben auch effektive Besetzung für die quirlige Stephanie – schon in anderen Filmen mit schwarzhumorigem Einschlag wie etwa Mr. Right oder The Voices positiv aufgefallen ist. Das tut sie auch hier, aber die Lacher hielten sich im direkten Vergleich in Grenzen, was eben dann besonders stört, wenn der Krimi- oder Thriller-Part mal wieder nicht hundertprozentig überzeugt.

Szenenbild aus Nur ein kleiner Gefallen | © STUDIOCANAL
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Eine gleichsam naheliegende wie überzeugende Besetzungswahl gilt natürlich auch für Blake Lively (Für immer Adaline) als hochgewachsene, top gestylte, stets selbstbewusste Emily, der man unbesehen abkauft, ihren Mann Sean seinerzeit um den Finger gewickelt zu haben. Der wiederum wird gespielt von Henry Golding in seiner gerade mal zweiten Filmrolle, was ihn aber als frisches, unbekanntes Gesicht zu einer gelungenen Ergänzung für die beiden Hauptdarstellerinnen macht, die freilich – ganz wie zu erwarten – das Geschehen dominieren, auch wenn Stephanie natürlich, Emilys Verschwinden geschuldet, deutlich mehr Screentime zugestanden bekommt. In Summe ist Nur ein kleiner Gefallen auf jeden Fall eine höchst unterhaltsame Verquickung aus Mystery-Thriller, Kriminalfall und Komödie, auch wenn die einzelnen Aspekte nicht immer hundertprozentig überzeugend Hand in Hand gehen und das Geschehen dramaturgisch doch den einen oder anderen Haken zu viel schlägt. So wäre hier sicherlich noch ein Quäntchen mehr möglich gewesen, doch die tolle Besetzung, die beschwingte Inszenierung und die bitterbösen Untertöne sprechen für sich, um aus dem Film ein ziemlich kurzweiliges Vergnügen zu machen.

Fazit & Wertung:

Paul Feig inszeniert mit Nur ein kleiner Gefallen einen auf Hochglanz polierten Thriller mit merklich komödiantischem Einschlag, der zudem mit Stil und Verve zu punkten weiß. Leider vermag der Mystery-Part hinsichtlich des Verschwindens von Emily nicht auf ganzer Linie zu überzeugen, weil man so manchen Twist schon lange vorherahnt, doch davon abgesehen ist diese muntere Genre-Mixtur durchaus gelungen und unterhaltsam.

7,5 von 10 Vlog-Beiträge einer Super-Mom und Hobby-Detektivin

Nur ein kleiner Gefallen

  • Vlog-Beiträge einer Super-Mom und Hobby-Detektivin - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Paul Feig inszeniert mit Nur ein kleiner Gefallen einen auf Hochglanz polierten Thriller mit merklich komödiantischem Einschlag, der zudem mit Stil und Verve zu punkten weiß. Leider vermag der Mystery-Part hinsichtlich des Verschwindens von Emily nicht auf ganzer Linie zu überzeugen, weil man so manchen Twist schon lange vorherahnt, doch davon abgesehen ist diese muntere Genre-Mixtur durchaus gelungen und unterhaltsam.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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