Review: Doctor Strange: Anfang und Ende (Graphic Novel)

Eigentlich käme ich ja heute mit einer Buch-Kritik ums Eck, doch da meine derzeitige Lektüre wieder einmal etwas umfangreicher geraten ist, wird das eben heute leider nichts, doch ist das ja gar nicht wild, schließlich bin ich ja auch am Montag eine neue Comic-Review schuldig geblieben, die ich dann alternativ heute nachhole. Läuft also alles, wie ihr seht 😉

Doctor Strange
Anfang und Ende

Strange: Beginnings and Endings, USA 2004, 144 Seiten

Doctor Strange: Anfang und Ende | © Panini
© Panini

Autor:
J. Michael Straczynski
Zeichner:
Brandon Peterson

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98864-5

Genre:
Mystery | Fantasy | Horror

 

Inhalt:

Als junger Mann gelangt der Medizinstudent Stephen Strange mit seinem besten Freund Devon im Rahmen eines medizinischen Austauschprogramms nach Tibet und engagiert sich dort für die Heilung zahlreicher Leute, deren Schicksal ihm merklich nahegeht, weshalb er seinem Mentor Dr. Milius verspricht, alsbald zurückzukehren und seine Arbeit fortzusetzen, doch die Jahre vergehen und Tibet rückt in immer weitere Ferne, während Strange seinen Abschluss macht und sich auf das Gebiet plastischer und kosmetischer Chirurgie konzentriert, da dort das große Geld winkt. Aber während er sich auf dem besten Weg befindet, sich in der Branche einen Namen zu machen, droht ein Unfall seine Karriere bereits im Keim zu ersticken, denn seine in Mitleidenschaft gezogenen Hände dürften nie wieder fähig sein, ein Skalpell zu halten. In der Hoffnung auf Heilung beginnt Strange die Welt zu bereisen und über Umwege verschlägt es ihn erneut nach Tibet, die letzte Hoffnung sozusagen, doch die Konfrontation mit seiner Vergangenheit offenbart ihm stattdessen einen Blick hinter die Fassade der Realität, der sein Leben für immer verändern wird…

Rezension:

Es ist ja schon wieder eine Weile her, dass mich eine Marvel-Veröffentlichung so richtig zu begeistern wusste (Jessica Jones einmal ausgenommen), doch angesichts dessen, dass der Kinostart von Doctor Strange immer näher rückt und ich bis dato kaum Berührungspunkte mit dem berühmten Zauberer des Marvel-Universums hatte – von Gastauftritten einmal abgesehen – reizte mich die nun unter dem Titel Doctor Strange: Anfang und Ende neu aufgelegte Origin-Story des Herren Strange doch sehr, die mit ihren sechs Heften nicht nur eine in sich geschlossene Geschichte erzählt, sondern eben die Herkunft und den Werdegang neu interpretiert, ihres Zeichens aus der Feder von J. Michael Straczynski (Before Watchmen) und Koautorin Sara Barnes stammt und ursprünglich 2004 veröffentlicht wurde, also zu einer Zeit, wo die Marvel-Stories gefühlt deutlich mehr Tiefgang besessen haben, ohne da jetzt pauschalisieren zu wollen.

In diesem speziellen Fall von Doctor Strange: Anfang und Ende sollte ich mit dieser Annahme allerdings Recht behalten, denn die Story präsentiert sich einerseits erwachsen und bewegt sich andererseits so fernab der ausgelutschten Helden-Klischees, dass es eine wahr Freude ist. Vor allem aber nehmen sich Straczynski und Barnes wirklich Zeit für Figurenzeichnung und –Entwicklung und es dauert im Grunde bis zum Ende des zweiten Heftes, also gut ein Drittel des Bandes, bis überhaupt so etwas wie Magie zum Tragen kommt und Stephen Strange seinen Weg zum Zauberer zu beschreiten beginnt, was ebenfalls eine schöne Abwechslung war, zumal sich hier, also auch im weiteren Verlauf die Action-Szenen auf ein Nötiges beschränken und folglich viel Zeit für die Geschichte an sich und Stranges Innenleben bleibt. Natürlich muss man einräumen, dass dessen Charakter sich doch zuweilen recht sprunghaft wandelt, da gerade zu Beginn einige Zeitsprünge enthalten sind, doch lässt sich das locker verschmerzen, da der Story ansonsten viel Raum zur Entfaltung gegeben wird.

So konventionell und nicht-übernatürlich die Geschichte von Doctor Strange: Anfang und Ende aber auch beginnt, feuert sie in punkto Einfallsreichtum aus allen Rohren, wenn Strange beginnt, hinter die Fassade der Welt zu blicken und all die Schattenwesen erkennt, die dort ihr Unwesen treiben, denn die Panels sind in diesen Momenten beinahe allesamt als cthulhuesk zu bezeichnen und stehen also ganz in der Tradition der Geschichten von Lovecraft, was mir schon gehörig imponiert hat, da von dessen Horror-Stories doch auch heute noch ein immenser Reiz ausgeht, man andererseits aber auch nicht das Gefühl hatte, hier wäre platt zusammengeklaut worden, denn Zeichner Brandon Peterson (Avengers: Age of Ultron) wusste dem Geschehen schon seinen eigenen Anstrich zu verleihen, macht übrigens aber auch sonst einen formidablen Job dabei, die Miniserie visuell ins rechte Licht zu rücken, während ihm nur manchmal, in den kleineren Bildern ausgerechnet Gesichtsausdrücke nicht immer so gelingen wollen, aber auch das stellt kein größeres Manko dar und trübt den Lesegenuss mitnichten.

Alles in allem ist – wie auch schon Panini auf ihrer Homepage vollmundig behauptet – Doctor Strange: Anfang und Ende tatsächlich "Der perfekte Einzelband für Neueinsteiger", zumindest meinem Empfinden nach, wobei ich dadurch natürlich wiederum keine Parallelen zu früheren Origins zu Doctor Strange ziehen kann oder bemessen könnte, an welchen Schrauben hier gedreht und was verändert worden ist, doch auch wenn die Miniserie nun auch schon wieder mehr als eine Dekade auf dem Buckel hat, ist es doch eine wirklich schöne und noch immer zeitgemäß wirkende Interpretation, die sich durch Tiefgang und Ernsthaftigkeit, vor allem aber auch einen ansprechenden Zeichen-Stil und eine durchdachte Geschichte auszeichnet, weshalb ich nun große Lust hätte, mich noch weiteren Abenteuern mit dem Zauberer, der sich Doctor nennt, zu widmen, doch erst einmal schaue ich mir Benedict Cumberbatchs Interpretation der Figur in der Marvel-Verfilmung an, denn spätestens jetzt bin ich, was den Film betrifft, gehörig angefixt!

Fazit & Wertung:

Die von J. M. Straczynski und Sara Barnes geschriebene Miniserie Doctor Strange: Anfang und Ende gehört meinem Empfinden nach zum Pflichtprogramm für Comic- und speziell Marvel-Leser und offeriert eine ungemein stimmige und spannende Neuinterpretation der Origin-Story von Doctor Strange, die dank des Talents von Brandon Peterson auch noch unverschämt gut aussieht und von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln weiß, vor allem aber Lust macht, noch mehr über den Zauberer zu erfahren.

9 von 10 Rissen zwischen den Welten

Doctor Strange: Anfang und Ende

  • Risse zwischen den Welten - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Die von J. M. Straczynski und Sara Barnes geschriebene Miniserie Doctor Strange: Anfang und Ende gehört meinem Empfinden nach zum Pflichtprogramm für Comic- und speziell Marvel-Leser und offeriert eine ungemein stimmige und spannende Neuinterpretation der Origin-Story von Doctor Strange, die dank des Talents von Brandon Peterson auch noch unverschämt gut aussieht und von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln weiß, vor allem aber Lust macht, noch mehr über den Zauberer zu erfahren.

9.0/10
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Doctor Strange: Anfang und Ende ist am 20.09.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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