Review: Jessica Jones: Alias 2 (Graphic Novel)

Und da bin ich noch ein letztes Mal vor den Weihnachtsfeiertagen, um euch endlich einmal wieder – wie es sich für einen Freitag gehört – eine Comic-Review zu kredenzen. Macht euch einen schönen Abend und kommt mir gut in die besinnlichste Zeit des Jahres!

Jessica Jones
Alias 2

Alias #16-28, Marvels 75th Anniversary Celebration 1 (IV),
What if Jessica Jones had joined the Avengers?, USA 2003/2004, 348 Seiten

Jessica Jones: Alias 2 | © Panini
© Panini

Autor:
Brian Michael Bendis
Zeichner:
Michael Gaydos
Mark Bagley (#21/25/26)
Rick Mays (#26)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98956-7

Genre:
Krimi | Mystery | Drama

 

Inhalt:

Kaum nach New York zurückgekehrt, ist für Jessica Jones an Ruhe nicht zu denken, denn eines Abends taucht eine geistig verwirrte junge Frau in ihrem Apartment auf und verschwindet kurz darauf spurlos, was Jessica veranlasst, sich auf die Suche nach dem Mädchen zu machen, handelt es sich schließlich immerhin um die junge Spider-Woman. Doch dieser Fall allein wird es nicht sein, der sie umtreibt, denn Jessica plagen auch noch immer Erinnerungen an ihre Kindheit und daran, wie sie einst zur Superheldin Jewel geworden ist, denn mit dieser Geschichte ist ein Mann namens Killgrave eng verknüpft und als eine Schar verzweifelter Bürger an Jessica herantritt, um den lilafarbenen Mann zu einem Geständnis seiner zahllosen Morde zu bewegen, willigt sie widerstrebend ein, wohlwissend, dass es dieser Mann war, der sie selbst dereinst zu abscheulichen Taten getrieben hat…

Rezension:

Nun habe ich die Lektüre von Jessica Jones: Alias 2 hinter mir und somit auch die gesamte, von 2001 bis Anfang 2004 erschienene Serie, die es auf insgesamt 28 Ausgaben gebracht hat. Nun war ich ja schon vom ersten Band um die Ex-Superheldin Jewel extrem angetan und konnte mir kaum vorstellen, dass Brian Michael Bendis – der auch hier wieder für sämtliche Ausgaben verantwortlich zeichnet – sich noch einmal steigern könnte, doch zum Glück durfte ich mich eines Besseren belehren lassen, denn obwohl ich schon für den ersten Band die Höchstpunktzahl gezückt hatte, wussten die drei großen Storylines dieses Bandes, der summa summarum immerhin vierzehn Hefte in sich vereint, gefühlt sogar noch mehr zu überzeugen und haben mich den immerhin wieder rund 350 Seiten umfassenden Schmöker beinahe in einem Rutsch verschlingen lassen. Den Anfang macht dabei die sechsteilige Geschichte Die Dunkle Seite und macht in vielen Punkten dort weiter, wo der vorhergehende Band aufgehört hat, inklusive sich fortsetzender Liaison mit Scott Lang und allerhand Gastauftritten, die immer wieder daran erinnern dürfen, dass wir es eben mit einer Geschichte aus dem Marvel-Universum zu tun haben, denn gemessen an den Noir-Qualitäten der Geschichte, dem erwachsenen und düsteren Erzählton und der oft fatalistischen Sichtweise droht man dies immer wieder gerne zu vergessen.

Ohne überhaupt etwas von der eigentlichen Geschichte vorwegnehmen zu wollen, fand ich es besonders schön, wie die Geschichte mit dem Vorangegangenen verzahnt wurde und selbst das von mir hochgelobte One-Shot Ende aus dem ersten Band erlangt hier nachträglich immense Bedeutung. So fühlt sich die Welt von Jessica Jones: Alias 2 erneut ausnehmend lebendig und stimmig an, nie abgedroschen oder klischeebehaftet, was ich sehr schätze, denn Bendis versteht es wirklich, den Leser – gerade wenn man meint, man wüsste wohin die Reise geht – ein ums andere Mal zu überraschen und im rechten Moment das Ruder herumzureißen. Interessant dabei ist, dass man das andernorts als billige Taschenspielertricks abtun würde, doch der Autor vermittelt mir so glaubhaft das Gefühl, all diese Zusammenhänge und Offenbarungen von langer Hand geplant zu haben, dass es einfach funktioniert. Besonders auffällig wird dieser Umstand dann nämlich bei dem sich anschließenden Zweiteiler Wie alles begann, denn immerhin liegen bereits zwanzig Hefte hinter einem, wenn Bendis sich nun entschließt, auf die Origin von Jessica Jones einzugehen und ganz davon abgesehen, dass mir die Struktur der Geschichte sehr gefallen hat, wirkt alles, was man erfährt, aus einem Guss und absolut stimmig im Hinblick auf die fragmentarischen Versatzstücke von Jessicas Vita, mit denen man bis dahin vorlieb nehmen musste.

Dabei ist die Origin selbst vielleicht gar nicht einmal so überraschend oder umwerfend neuartig, kokettiert dafür aber auch mit ihrer teils recht klischeehaften Ausführung und hebt sich durch diesen Kniff dennoch von den typischen Geschichten ab, zumal man sich hier dafür entschieden hat, ausgerechnet für die Rückblenden einen Zeichnerwechsel zu vollziehen, was in diesem Fall einen nachvollziehbaren und begründeten Wechsel des gesamten Looks der Serie nach sich zieht, die ansonsten mit kräftigen, aber düsteren Farben und einer tendenziell eher einfacheren, dafür vermehrt auf Emotionen setzenden Strichführung punktet. Wie sich das nun aber für das Finale einer Heftreihe gehört, zählt für mich auch der abschließende Fünfteiler Purple zu den absoluten Highlights, denn der Titel stellt natürlich auf den Purple Man – besser bekannt als Killgrave – ab, der den Kennern der Netflix-Serie Jessica Jones auch ein Begriff ist und während ich bei meiner Review des ersten Bandes noch schrieb, die Heftserie und die TV-Serie hätten grundsätzlich herzlich wenig miteinander gemein, muss ich das mit Blick auf den lilafarbenen Schurken zumindest ein Stück weit revidieren.

Dabei hat die Vita von Jessica auch hier nur lose Ähnlichkeit mit dem später ersonnenen Plot der TV-Serie, doch macht der Fünfteiler mehr als deutlich, wieso man sich zunächst auf diesen Aspekt aus Jessicas Geschichte konzentrieren wollte, denn die von Rückblenden und emotionalen Momenten geprägte Story zählt für mich zum mitunter Besten, was ich in den letzten Jahren zu lesen bekommen habe, derweil mich Killgraves Ausgestaltung als Figur absolut überzeugt hat, wenn er auch objektiv betrachtet vergleichsweise wenig Tiefe gewinnt, doch macht er das durch seine Präsenz und sein Auftreten mehr als wett, zumal er fähig scheint, nicht unbedingt die vierte Wand zu durchbrechen, aber doch zumindest zu wissen meint, dass er sich gemeinsam mit Jessica durch einen Comic bewegt, was sich sicherlich blöd und lächerlich anhört, wenn man das hier so liest, innerhalb der Geschichte aber wunderbar funktioniert, derweil es Bendis dann zuletzt gelingt, seine Serie zu einem befriedigenden und stimmigen Ende zu führen, das kaum Fragen offenlässt, was nun auch nicht eben häufig in dieser Form gelingt. Ergänzt wird die Ausnahmeserie nun zuletzt noch durch zwei One-Shots, die thematisch sehr schön passen, im Fall von Alias einen kurzen Blick auf Jessicas Leben einige Zeit nach dem Ende des Handlungsbogens werfen, derweil die abschließende Geschichte der Frage nachgeht Was wäre, wenn Jessica Jones den Avengers beigetreten wäre?, wobei diese Geschichte für sich genommen sicherlich gut funktioniert, im Kontext des Bandes aber eher enttäuschend gerät, da viele Szenen aus Jessicas Leben neu bebildert Teil dieser Erzählung sind, dem Leser aber noch recht frisch im Gedächtnis sein dürften, so dass sich die neuen Szenen auf wirklich wenige Seiten beschränken. Nichtsdestotrotz ist es schön, dass man die beiden Stories hinzugefügt hat, ebenso wie ich es begrüße, dass wieder sämtliche Cover-Artworks und dergleichen Teil des Bandes sind, der sich dadurch absolut rund anfühlt, so dass Jessica Jones: Alias 2 gemeinsam mit dem ersten Megaband sich einen Ehrenplatz in meiner Sammlung mehr als redlich verdient hat.

Fazit & Wertung:

Der Sammelband Jessica Jones: Alias 2 steht seinem Vorgänger in nichts nach und Brian Michael Bendis gelingt es erneut, vielschichtige und erwachsene Geschichten um die tragische Heldin zu erzählen, die noch dazu in diesem Fall zu einem überaus stimmigen und befriedigenden Ende geführt werden, wobei die 28 Ausgaben umfassende Heftreihe durch zwei lohnenswerte One-Shots abgerundet wird. Für Freunde eher ungewöhnlicher Superheldenkost ein absoluter Pflichtkauf in meinen Augen.

10 von 10 eigenwilligen Ermittlungsmethoden

Jessica Jones: Alias 2

  • Eigenwillige Ermittlungsmethoden - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Der Sammelband Jessica Jones: Alias 2 steht seinem Vorgänger in nichts nach und Brian Michael Bendis gelingt es erneut, vielschichtige und erwachsene Geschichten um die tragische Heldin zu erzählen, die noch dazu in diesem Fall zu einem überaus stimmigen und befriedigenden Ende geführt werden, wobei die 28 Ausgaben umfassende Heftreihe durch zwei lohnenswerte One-Shots abgerundet wird. Für Freunde eher ungewöhnlicher Superheldenkost ein absoluter Pflichtkauf in meinen Augen.

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Jessica Jones: Alias 2 ist am 25.10.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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