Review: Calibans Krieg – Expanse-Serie 2 | James Corey (Buch)

So, um gleich mal zeitnah das Thema zu vertiefen kommt hier nun meine Buch-Kritik zum zweiten Band der Expanse-Reihe, die ich im Moment ziemlich effektiv wegsuchte.

Calibans Krieg
Expanse-Serie 2

Caliban’s War (The Expanse Series Book 2), USA 2012, 672 Seiten

Calibans Krieg von James Corey | © Heyne
© Heyne

Autor:
James Corey
Übersetzer:
Jürgen Langowski

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-31802-1

Genre:
Science-Fiction | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

Die anderen Angehörigen ihres Zuges hatten den Stützpunkt verlassen und ihre Positionen eingenommen, um den Vorstoß der UN abzufangen. Irgendjemand hatte den Yojimbo nach draußen gefahren. Der vier Meter hohe Kampfmech überragte die Marinesoldaten. Er sah aus wie ein kopfloser Riese in einer verstärkten Rüstung. Die mächtige Kanone schwenkte langsam hin und her und zielte auf die anrückenden Truppen der Erde. Die UN-Soldaten legten die 2500 Meter zwischen den Stellungen in vollem Lauf zurück.

Ein Jahr ist vergangen, seit Captain James Holden und die dreiköpfige Crew der Rosinante nicht unmaßgeblich zu den Auseinandersetzungen zwischen Erde, Mars und Gürtel beigetragen haben, aber auch für die Zerschlagung des Konzerns Protogen verantwortlich gezeichnet haben. Während die Rosinante noch immer für die AAP tätig ist, geschieht auf Ganymed unglaubliches und einzig die marsianische Soldatin Bobbie überlebt knapp den verheerenden Angriff eines merkwürdig mutierten Wesens, das recht unzweifelhaft mit dem auf der Venus niedergegangenen Protomolekül in Verbindung steht. Auf der Erde müht sich die stellvertretende Unterstaatssekretärin Avasarala redlich, Licht ins Dunkel der Ereignisse auf Ganymed zu bringen, während auf der Station noch immer der Ausnahmezustand herrscht und ein Botaniker namens Prax verzweifelt darum bemüht ist, seine verschwundene Tochter ausfindig zu machen…

Rezension:

Bereits mit Leviathan erwacht hat James Corey – hinter dem sich bekanntermaßen die Autoren Daniel Abraham und Ty Franck verbergen – mein Herz im Sturm erobert und ich fühlte mich vom ersten Moment an von der Geschichte mitgerissen, obwohl ich diese grundsätzlich aufgrund der Syfy-Serien-Adaption bereits kannte, woraufhin ich mich natürlich postwendend dem direkten Nachfolger Calibans Krieg – Expanse-Serie 2 gewidmet habe, der nun auch eine für mich gänzlich unbekannte Geschichte offeriert und mich tatsächlich noch effektiver und nachhaltiger in den Bann zu schlagen wusste als noch der erste Teil. Zwar muss man als Leser zwar diesmal auf Detective Miller als Point-of-View verzichten, doch immerhin James Holden und das Team der Rosinante sind selbstredend weiterhin mit von der Partie und bilden erneut den Kern der Erzählung, was ich auch hier wieder nur begrüßen kann, zumal neben Holden auch der Rest der Schiffsbesatzung hier vermehrt Profil verliehen bekommt.

Praxidike Meng stand in der Scheunentür, blickte zu den Feldern mit den sachte nickenden Blättern hinaus, die so saftig grün waren, dass sie beinahe schwarz erschienen, und geriet in Panik. Dunkler, als sie es hätte sein sollen, spannte sich die Kuppel über ihm. Die Stromversorgung der Pflanzenlampen war unterbrochen, und die Spiegel … er kam nicht mehr dazu, weiter über die Spiegel nachzudenken.

Um aber die Lücke zu füllen, die Miller hinterlassen hat, greift Corey hier nun auf gleich drei weitere Figuren zurück und wartet demnach mit vier regulären Erzählperspektiven auf, angefangen mit der marsianischen Soldatin Bobbie über den Botaniker Prax bis hin zu der stellvertretenden Unterstaatssekretärin Avasarala, die ich wiederum bereits aus der Serie kannte, die in der zugrundeliegenden Buchreihe aber eben erst ab dem zweiten Band mit von der Partie ist. Nun schmerzt mich die Abwesenheit von Miller noch immer sehr, doch immerhin Bobbie und Avasarala vermögen diese Lücke ein Stück weit zu füllen, wohingegen Prax doch zuweilen arg irrational agiert, was aber mit dem Verschwinden seiner Tochter durchaus zu entschuldigen ist, nur taugte er dadurch für mich persönlich nur sehr bedingt als Identifikationsfigur, wohingegen dafür sein Blickpunkt zunächst einer spannenderen ist, befindet er sich zu Beginn der Erzählung schließlich auf Ganymed, das von mit dem Protomolekül in Verbindung stehenden Kräften angegriffen wird. Überhaupt gelingt die Exposition der neuen Figuren überraschend schnell und effektiv, so dass der Band erstaunlich schnell an Tempo zulegt, doch kann er diesbezüglich ja auch auf den bereits etablierten Holden zurückgreifen, der diesmal zu meiner Freude auch ein wenig kantiger und weniger glatt daherkommt als noch der idealistische Strahlemann aus dem ersten Teil.

Das Mehr an Figuren und Blickwinkeln bringt es vor allem aber auch mit sich, dass Calibans Krieg noch weit epischer wirkt als der Vorgänger, während viele Orte hier endlich bereist werden, die vorher nur kurz Erwähnung gefunden haben, wie eben beispielsweise Ganymed, derweil man dank den Geschehnissen auf der Erde endlich auch ein Gefühl für die politische Dimension der Ereignisse bekommt, die ebenfalls bislang nur kurz am Rande erwähnt worden sind, was natürlich einen enormen Unterschied zu dem Umstand macht, dass Avasarala quasi direkt an der Quelle sitzt und mit oftmals auch mit allen wichtigen Parteien an einem Tisch. Ähnlich spannend habe ich den Plot um Bobbie empfunden, die als einzige Überlebende des Angriffs auf Ganymed kurzzeitig unter Verdacht gerät, doch wiedersteht man der Versuchung, hier nach stereotyper Erwartungshaltung vorzugehen und klärt die Schuldfrage baldmöglichst auf, was mir auch hinsichtlich des Plots sehr gut gefallen hat, der hier von ausnehmendem Abwechslungsreichtum geprägt ist und eine gelungene Mischung aus tempo- und actionreicheren Passagen sowie ruhigeren und emotionaleren Momenten bietet.

»Ohne Kaffee kann ich nicht kämpfen. Ich muss Amos finden.« Holden trennte die Verbindung und schob das Terminal in die Hosentasche.
Dann ging er zu der Leiter, die im ganzen Kiel des Schiffs entlanglief, und rief den Aufzug. Das flüchtende Piratenschiff konnte langfristig nur mit einem G beschleunigen. Deshalb hatte Alex Kamal, Holdens Pilot, ihre eigene Beschleunigung auf 1,3 G gesetzt, um das Schiff abzufangen. Bei höheren Beschleunigungen war es jedoch gefährlich, die Leiter zu benutzen.

Und einmal mehr muss man aber auch die durchdachte und in sich ungeheuer konsistente Welt loben, die auch Calibans Krieg wieder zu einem Erlebnis macht und tiefer denn je in dieses nur zeitlich betrachtet so ferne Reich eintauchen lässt, das eine Vielschichtigkeit andeutet, die spürbar macht, mit wie viel Akribie man hier zu Werke gegangen ist. Böse Zungen könnten zwar sagen, die Suche nach Julie Mao im ersten Band gleiche doch sehr der Suche nach Prax‘ Tochter in diesem Band, doch sind die Geschichten so gänzlich anders aufgezogen, während ihnen auch vollkommen unterschiedliche Ausgangssituationen und Motivationen zugrunde liegen, dass ich das lediglich als etwas unglückliche Plot-Gestaltung verbuchen möchte. Vor allem aber gelingt es spätestens mit dem letzten Drittel über solch kleinere Unpässlichkeiten hinwegzutäuschen, denn hier konnte ich das Buch schlussendlich wirklich nicht mehr aus der Hand legen, bevor mich die finalen zwei Seiten buchstäblich mit offenem Mund zurückgelassen haben, weshalb ich mich nun auch schnellstmöglich an Abaddons Tor werde begeben müssen.

Fazit & Wertung:

Die Fortsetzung Calibans Krieg – Expanse-Serie 2 steht ihrem Vorgänger nichts nach und erweitert behutsam sowohl Figurenkonsortium als auch Kosmos, um eine ungleich epischere Geschichte abzuhandeln, die spannender und abwechslungsreicher kaum hätte sein können. Lediglich einige kleinere Redundanzen trüben den brillanten Gesamteindruck wenn auch nur unmerklich, wohingegen spätestens das Finale restlos begeistert zurücklassen dürfte.

9,5 von 10 Differenzen zwischen Erde und Mars

Calibans Krieg - Expanse-Serie 2

  • Differenzen zwischen Erde und Mars - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Die Fortsetzung Calibans Krieg – Expanse-Serie 2 steht ihrem Vorgänger nichts nach und erweitert behutsam sowohl Figurenkonsortium als auch Kosmos, um eine ungleich epischere Geschichte abzuhandeln, die spannender und abwechslungsreicher kaum hätte sein können. Lediglich einige kleinere Redundanzen trüben den brillanten Gesamteindruck wenn auch nur unmerklich, wohingegen spätestens das Finale restlos begeistert zurücklassen dürfte.

9.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne.

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Calibans Krieg ist am 13.02.17 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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