Review: Before We Go (Film)

Heute mal wieder ein kleines Schmankerl, denn heute widme ich mich dem Regie-Debüt von Chris Evans, was es – oh Frevel – hierzulande noch nicht einmal regulär auf DVD oder Blu-ray zu erwerben gibt, aber wie das immer so ist, schafft das Internet hier natürlich Abhilfe.

Before We Go

Before We Go, USA 2014, 95 Min.

Before We Go | © RADiUS
© RADiUS

Regisseur:
Chris Evans

Autoren:
Ronald Bass
Jen Smolka
Chris Shafer
Paul Vicknair

Main-Cast:
Chris Evans (Nick)
Alice Eve (Brooke)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Before We Go | © RADiUS
© RADiUS

Um Haaresbreite verpasst Brooke den letzten Zug an der New York Central Station heim nach Boston, während ihr zu allem Überfluss auch noch ihre Tasche geklaut worden und ihr Handy kaputt gegangen ist. Im nächtlichen Manhattan trifft sie allerdings alsbald auf den hilfsbereiten wie charmanten Trompetenspieler Nick, der sich bereitwillig darauf einlässt, ihr zu helfen, sie noch vor dem Morgengrauen nach Hause zu bringen, ohne dass er indes weiß, warum dies Brooke so wichtig zu sein scheint. Gemeinsam müht man sich nach Kräften, die unterschiedlichen Möglichkeiten auszuloten oder irgendwie das benötigte Kleingeld zusammenzubekommen, was in eine regelrechte Odyssee durch das nächtliche New York mündet, welche die beiden sich alsbald näher kommen lässt, als es sowohl Brooke als auch Paul zunächst für möglich gehalten hätten…

Rezension:

Mehr durch Zufall als alles andere stieß ich kürzlich bei Amazon Prime auf Chris Evans‘ Regie-Debüt Before We Go und musste erst im Nachhinein feststellen, dass der Film hierzulande noch nicht einmal auf DVD und/oder Blu-ray vorliegt. Umso erfreulicher, dass ich auf diesem Wege in den Genuss des Streifens gekommen bin, denn auch wenn Evans‘ Regie-Erstling auf den ersten Blick wie der typische Indie-RomCom-Vertreter wirkt, hat der Film doch gehörig Charme und funktioniert in seiner zurückgenommenen Art und Weise – abgesehen von Evans und Alice Eve (The Raven) gibt es kaum nennenswert wichtige Figuren und der Film lebt weitestgehend von seinen Dialogen, deckt in seinen knapp zwei Stunden auch lediglich eine einzige Nacht ab – ausnehmend gut, zumindest, wenn man dieser Art von Film etwas abgewinnen kann, denn ansonsten droht das Geschehen schnell eintönig und träge zu werden, wobei selbst ich einräumen muss, dass es in der Gänze doch an Höhepunkten mangelt.

Szenenbild aus Before We Go | © RADiUS
© RADiUS

Dennoch, die nächtliche Begegnung entfaltet ihren Reiz und Langeweile droht zu kaum einem Zeitpunkt je aufzukommen, wobei besonders erfreulich ist, dass hier wirklich die üblichen Genre-Klischees aufgebrochen worden, was sich speziell zum Ende hin bemerkbar macht, die eingefleischten RomantikerInnen womöglich stören dürfte, dem Geschehen aber auch eine seltene Authentizität verleihen. Ansonsten steht und fällt ein Film wie Before We Go natürlich mit seinen Darstellern und hier wurde mit der Besetzung von Chris "Captain America" Evans und Alice Eve ein mehr als glückliches Händchen bewiesen und die Chemie ist wirklich grandios, bewegt sich vor allem in einem fort und ist einem steten Wandel unterworfen, derweil zuweilen gehörig die Funken sprühen und es regelrecht knistert. Nun beweist Evans ja nicht zum ersten Mal, dass ihm das romantische Sujet genauso liegt wie das Leben als Superheld – ich verweise in diesem Zusammenhang sehr gern auf den von mir hochgeschätzten und ebenso unkonventionellen Playing It Cool – und gibt auch hier wieder den charmanten Jedermann, der vor allem mit einem gerüttelt Maß an Bodenständigkeit zu punkten versteht, während es Alice Eve natürlich sichtlich leicht fällt, das attraktiv-bezaubernde Love-Interest zu geben.

Handlungsmäßig mäandert man derweil von A nach B und das Geschehen könnte zuweilen regelrecht als episodisch beschrieben werden, während der Aufhänger für die Geschichte an sich – Frau muss aus zunächst unerklärten Gründen vor dem Morgengrauen nach Hause gelangen und Mann versucht ihr zu helfen – zugegebenermaßen reichlich platt wirken mag, aber wie so oft ist die Prämisse hier eben auch mehr Mittel zum Zweck und die romantische Atmosphäre, die intimen Dialoge, der weder aufgesetzt noch unpassend wirkende Witz und der unaufdringliche Charme tun hierbei ihr Übriges, aus Before We Go ein etwas unangepasstes, kantigeres und ungewöhnlicheres Feel-Good-Movie zu machen, als man das vielleicht auf den ersten Blick erwarten würde.

Szenenbild aus Before We Go | © RADiUS
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Sicherlich, objektiv betrachtet gewinnt Evans‘ Regie-Debüt keine Innovationspreise und im Kern ist es eine klassische Junge-trifft-Mädchen-Geschichte, während sich auch der eine oder andere klischeebehaftete Moment ins Skript geschlichen hat, aber diese ungezwungene Romantik, der unaufgeregte Fortgang der Geschichte, die wechselnden Schauplätze und die nicht annähernd so aufgesetzt-überzogenen Episoden der gemeinsamen nächtlichen Reise heben Before We Go angenehm aus der Masse an ähnlichen Filmen heraus, woran sicherlich sowohl Alice Eve als auch Chris Evans nicht unschuldig sein dürften, die beide im gleichen Maß den Film dominieren, was ja nun auch nicht eben schwer ist, wenn es ansonsten kaum relevante Charaktere gibt, aber ich wollte es trotzdem noch einmal erwähnt haben, weil es sich in meinen Augen um einen echten Casting-Coup handelt.

Fazit & Wertung:

Chris Evans liefert mit seinem Regie-Debüt Before We Go eine charmante Indie-Produktion ab, übernimmt neben dem Regiestuhl auch gleich noch die Hauptrolle und entfaltet gemeinsam mit Alice Eve eine überraschend authentische, vom ersten Moment an romantisch angehauchte Chemie, die den gesamten Film über vorhält und die gemeinsame Odyssee durch das nächtliche New York zu einem irrealen wie verzaubernden Erlebnis macht. Klischees werden sicherlich nicht gänzlich umschifft und der eine oder andere Höhepunkt hätte der entschleunigten Erzählung gutgetan, dennoch handelt es sich um ein Feel-Good-Movie par excellence.

7,5 von 10 nächtlichen Zufallsbegegnungen

Before We Go

  • Nächtliche Zufallsbegegnungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Chris Evans liefert mit seinem Regie-Debüt Before We Go eine charmante Indie-Produktion ab, übernimmt neben dem Regiestuhl auch gleich noch die Hauptrolle und entfaltet gemeinsam mit Alice Eve eine überraschend authentische, vom ersten Moment an romantisch angehauchte Chemie, die den gesamten Film über vorhält und die gemeinsame Odyssee durch das nächtliche New York zu einem irrealen wie verzaubernden Erlebnis macht. Klischees werden sicherlich nicht gänzlich umschifft und der eine oder andere Höhepunkt hätte der entschleunigten Erzählung gutgetan, dennoch handelt es sich um ein Feel-Good-Movie par excellence.

7.5/10
Leser-Wertung 9.5/10 (2 Stimmen)
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Before We Go ist bislang hierzulande nicht auf DVD oder Blu-ray erschienen, ist aber beispielsweise bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

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