Review: Hap and Leonard – Mucho Mojo | Staffel 2 (Serie)

Schön, ein lauschiger Samstag auf der Couch, mit bester Serienunterhaltung im TV (also eigentlich von der Blu-ray) und währenddessen kann ich euch – weil ja Samstag ist – eine nicht minder großartige Serienstaffel präsentieren, die ich mir jüngst zu Gemüte geführt habe.

Hap and Leonard
Mucho Mojo
Staffel 2

Hap and Leonard, USA 2016-, ca. 42 Min. je Folge

Hap and Leonard - Mucho Mojo | © SundanceTV
© SundanceTV

Serienschöpfer:
Nick Damici
Jim Mickle
Joe R. Lansdale (Buch-Vorlage)
Ausführende Produzenten:
Nick Shumaker
Jeremy Platt

Main-Cast:
James Purefoy (Hap Collins)
Michael Kenneth Williams (Leonard Pine)
Tiffany Mack (Florida Grange)
Cranston Johnson (Detective Marvin Hanson)
Brian Dennehy (Sheriff Valentine Otis)
Irma P. Hall (Meemaw)
in weiteren Rollen:
Dohn Norwood (Reverend Fitzgerald)
Enrique Murciano (Raoul)
Douglas M. Griffin (Charlie Blank)
John McConnell (Judge Beau Otis)
Henry G. Sanders (Uncle Chester)
Wayne Dehart (Illium Moon)
Sedale Threatt Jr. (Melton)
Kelvin Brown (TJ)
Olaniyan Thurmon (Ivan)
Deja Dee (Miriam)
Evan Gamble (Sneed)

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hap and Leonard - Mucho Mojo | © SundanceTV
© SundanceTV

Einige Zeit ist ins Land gegangen, seit Hap und Leonard sich mit dem durchgeknallten Soldier haben messen müssen und die Wunden verheilen nur langsam, doch bald schon steht neuer Ärger ins Haus, denn Leonard liegt nicht nur mit den drogendealenden Nachbarn im Clinch, sondern findet durch einen aberwitzigen Zufall unter den Dielen des Hauses, das er von seinem Onkel geerbt hat, die Leiche – besser gesagt das Skelett – eines Kindes. Nachdem er seinen besten Freund Hap hinzugezogen hat, tun die Beiden das einzig richtige und rufen die Polizei, doch geraten sie alsbald selbst in Verdacht, an der Tötung beteiligt gewesen zu sein, während unter mysteriösen Umständen die Schuhe der Leiche verschwinden. Ungeachtet der Anfeindungen und Drohungen des örtlichen Sheriffs Valentine Otis wollen die beiden Freunde die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen und beginnen, eigene Ermittlungen anzustellen, womit sie selbstredend an gleich mehrerer Stelle gehörig anecken, aber das war ja noch nie ein Grund, um einfach aufzugeben…

Rezension:

Als großer Joe R. Lansdale-Fan – auf dessen Büchern die Serie Hap and Leonard fußt – war ich seinerzeit mächtig heiß auf die erste Staffel und nachdem diese meinen Erwartungen mehr als gerecht wurde, erging es mir nun natürlich genauso mit der zweiten Staffel, die den Untertitel Mucho Mojo spendiert bekommen hat und damit recht plakativ auf die Buchvorlage gleichen Namens verweist, ihres Zeichens zweiter Band der Reihe und somit konsequente Fortsetzung der Geschehnisse. Einen kurzen Teaser, in welche Richtung es in der zweiten Staffel gehen würde, hatte man ja bereits in den finalen Einstellungen der letzten Folge Eskimos (1.06) der ersten Staffel bekommen und so finden die Freunde Hap und Leonard recht bald die Leiche eines Kindes unter dem Fundament des Hauses, das Leonard von seinem Onkel geerbt hat und entsprechend spitzen sich die Ereignisse schnell zu, denn wenn die beiden ungleichen Freunde in die Bredouille geraten, dann aber so richtig, wie jeder weiß. Was mir derweil außerordentlich gut gefallen hat – und was nicht von ungefähr ebenfalls in der Buch-Reihe begründet liegt – ist, dass man nicht den Fehler begangen hat, einfach nur die erste Staffel wiederholen und übertreffen zu wollen, sondern dem Gefühl nach einen gänzlich anderen Ansatz wählt, um die beiden in ihr neuestes Abenteuer zu führen.

Szenenbild aus Hap and Leonard - Mucho Mojo | © SundanceTV
© SundanceTV

So sehen sich Hap und Leonard diesmal weit mehr in die Lage versetzt, wirklich zu agieren und nicht bloß zu reagieren, denn speziell in den Fängen des psychopathischen Soldier waren sie doch immer mal wieder zu regelrechter Untätigkeit verdammt, wohingegen sie sich diesmal in Hap and Leonard – Mucho Mojo zuweilen als echte Privat-Ermittler profilieren, wobei sie natürlich auch hier ihre ganz eigenen Methoden haben und nicht immer die beste aller Wahlen treffen, wobei es gleich mehrere Szenen gibt, in denen Hap und Leonard an unterschiedlichen Orten zur selben Zeit den gleichen Gedanken haben und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen, was mir als Kniff, die tiefe Verbundenheit der zwei Freunde zu verdeutlichen, sehr gut gefallen hat. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass dieser Staffel ein Stück weit die schillernden Persönlichkeiten wie eben Soldier oder die von Christina Hendricks gespielte Trudy fehlen, so dass das Erzähltempo gefühlt noch etwas gemächlicher daherkommt, wodurch aber auch eine Menge Südstaaten-Flair generiert wird, dass vielleicht zuvor ein wenig kurz kam. Dennoch nutzt man auch diese Staffel durchaus, um ein paar reichlich skurrile Figuren und Begegnungen in die Handlung zu weben, die das mancherorts doch sehr tragische Geschehen spürbar aufheitern, ohne dass die Story die Bodenhaftung verlieren würde.

Nichtsdestotrotz stoßen die Freunde auch hier wieder auf einige interessante Charaktere und gemessen daran, dass die Staffel wieder nur lediglich sechs Folgen umfasst, ist es erstaunlich welch dichtes Netz aus persönlichen Verflechtungen gesponnen wird, derweil es dem eigentlichen Plot sehr zugute kommt, dass man auf Füller gänzlich verzichtet und sich die Herren Pine und Collins ganz auf ihren Fall konzentrieren können. Bei dem geht es im Übrigen natürlich auch wieder sehr um die Frage nach verhohlenem oder offenem Rassismus, was ja schon immer eines der Leit-Themen schlechthin von Lansdale war und auch hier wieder dem Geschehen auf einer weiteren Ebene zusätzlich Tiefe verleiht. Ansonsten wird die Geschichte aber natürlich wie eh und je getragen von dem großartigen James Purefoy (High-Rise) und dem nicht minder großartigen Michael Kenneth Williams (The Gambler), die nicht nur jeder für sich, sondern eben auch als Best Buddies in jeder Sekunde zu überzeugen wissen und so auch die zweite Staffel Hap and Leonard – Mucho Mojo schon im Alleingang zu einem echten Vergnügen machen, wenn man denn derlei Geschichten grundsätzlich aufgeschlossen gegenübersteht, denn dass die aberwitzigen Abenteuer der beiden je den Geschmack der breiten Masse treffen würden, steht wohl nicht zu erwarten.

Szenenbild aus Hap and Leonard - Mucho Mojo | © SundanceTV
© SundanceTV

Das macht aber natürlich gar nichts und soll bei dem Überangebot an lohnenswerten Serien nicht weiter tragisch sein, doch mir persönlich hat die stilsichere Inszenierung auch hier wieder sehr imponiert, zumal speziell die letzte Folge Familien-Mojo (2.06) auch in narrativer Hinsicht durchaus den Vogel abschießt (in positiver Weise), denn man würde meinen, der Fall wäre gelöst, gäbe es da nicht noch ein paar Unstimmigkeiten, die auf den letzten Metern noch in eine gänzlich andere Richtung weisen, so dass die zweite Staffelhälfte, sprich die letzten drei Episoden nach ausführlicher Exposition gespickt sind mit allerhand überraschenden Twists und Wendungen, ohne dass es übertrieben oder unglaubwürdig wirken würde, denn dass da bei der Herangehensweise an den initialen Mordfall etwas gehörig falsch wirkt, das spürt man bereits in der ersten Episode Viel Mojo (2.01) unterschwellig mitschwingen, weshalb es schön ist, sich diesbezüglich schlussendlich bestätigt zu sehen, denn sonst müsste man der Staffel sicherlich mangelnde logische Kohärenz vorwerfen, was aber zum Glück nicht der Fall ist. Letztlich sind mir die beiden herzensguten Typen so richtiggehend ans Herz gewachsen und entsprechend freue ich mich, dass Sundance TV längst eine dritte Staffel bestätigt hat, für die wir auch hier wieder in den letzten Sekunden einen allzu knappen Teaser geliefert bekommen.

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Hap and Leonard – Mucho Mojo mag auf den ersten Blick nicht ganz so abgedreht sein wie noch die erste Staffel, doch tut die zusätzliche Erdung dem Geschehen meistenteils richtig gut, zumal dennoch genügend Platz für allerhand Skurrilität und Humor bleibt, derweil die beiden Kumpel Hap und Leonard nach und nach einem tieftragischen Geheimnis auf die Spur kommen. Für Freunde ungewöhnlicher und unangepasster Serienkost einen Blick wert und für Fans der zahllosen Werke von Joe R. Lansdale ohnehin regelrechtes Pflichtprogramm, zumal sowohl Michael Kenneth Williams als auch James Purefoy sich in der Verkörperung der Kultfiguren erneut mehr als nur zu behaupten wissen.

8,5 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Hap and Leonard – Mucho Mojo | Staffel 2

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Hap and Leonard – Mucho Mojo mag auf den ersten Blick nicht ganz so abgedreht sein wie noch die erste Staffel, doch tut die zusätzliche Erdung dem Geschehen meistenteils richtig gut, zumal dennoch genügend Platz für allerhand Skurrilität und Humor bleibt, derweil die beiden Kumpel Hap und Leonard nach und nach einem tieftragischen Geheimnis auf die Spur kommen. Für Freunde ungewöhnlicher und unangepasster Serienkost einen Blick wert und für Fans der zahllosen Werke von Joe R. Lansdale ohnehin regelrechtes Pflichtprogramm, zumal sowohl Michael Kenneth Williams als auch James Purefoy sich in der Verkörperung der Kultfiguren erneut mehr als nur zu behaupten wissen.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Viel Mojo (7.5/10)
02. Tickendes Mojo (8/10)
03. Heiliges Mojo (8,5/10)
04. Schlechtes Mojo (8,5/10)
05. Mojo-Kuchen (9/10)
06. Familien-Mojo (8,5/10)

 
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Hap and Leonard | Staffel 2 ist seit dem 05.06.17 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

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