Review: Hap & Leonard: Die Storys | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Ein vorerst letztes Mal geht es zu Hap und Leonard nach LaBorde, Texas, denn mit dieser Kurzgeschichtensammlung habe ich dann leider schon alles gelesen, was derzeit zu den beiden verfügbar ist, wobei sich zum Glück ja längst Nachschub angekündigt hat, wie ich weiter unten noch ausführen werde.

Hap & Leonard
Die Storys

Hap and Leonard, USA 2016, 280 Seiten

Hap & Leonard: Die Storys von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzer:
Robert Schekulin

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-946-50326-2

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Die Kurzgeschichtensammlung Hap & Leonard: Die Storys versammelt insgesamt sieben Erzählungen zu den beiden besten Freunden Hap Collins und Leonard Pine, die sich zwischen – oder vor – ihren Roman-Abenteuern zugetragen haben und darum kreisen, garstige Hyänen zu jagen, eine Anklage abzuwehren, einen gewalttätigen Ex in seine Schranken zu weisen oder auch nur, ein mordsgutes Chili-Rezept zu finden.

Konkret beinhaltet der Band:

  • Einführung (von Michael Koryta)
  • Hyänen
  • Veils Besuch
  • Mordsgutes Chili
  • Todsicher
  • Der Junge, der unsichtbar wurde
  • Keiner von uns
  • Gebogener Zweig
  • Joe R. Lansdale interviewt Hap Collins und Leonard Pine
  • Wie ich Hap und Leonard hegte und pflegte, fütterte und großzog

 

Rezension:

Nachdem die derzeit auf Deutsch verfügbaren Hap-&-Leonard-Romane alle hinter mir liegen, blieb mir nur noch, mich mit Hap & Leonard: Die Storys den versammelten Kurzgeschichten um die beiden zu widmen, um die unweigerlichen Entzugserscheinungen zu mildern, nachdem nun eben nicht mehr zahlreiche Romane ihrer Lektüre harren. Der rund 270 Seiten starke Band versammelt nun insgesamt sieben Geschichten um die beiden besten Freunde, die mal nur wenige Seiten umfassen, mal als Kurzroman durchgehen könnten. Ergänzt wird das Ganze von einem Vorwort seitens Michael Koryta, der sich – auch wenn der Name mir nichts sagt – recht feinsinnig zu Lansdales Schreibkünsten und speziell der Faszination der beiden Protagonisten äußert, die nun auch schon seit immerhin beinahe dreißig Jahren ihr Unwesen treiben. Zudem findet sich hier noch ein Interview seitens Lansdale mit seinen beiden Kult-Figuren sowie schlussendlich der Essay Wie ich Hap und Leonard hegte und pflegte, fütterte und großzog. Speziell bei letzterem allerdings ist es mir völlig unverständlich, wieso dieser Text nicht an de Anfang des Buches gestellt worden ist, denn während er keine wichtigen Details zu den Geschichten preisgibt, hilft er doch enorm bei der zeitlichen Verortung des Erzählten.

Als ich beim Nachtclub ankam, hockte Leonard auf dem Bordstein und hielt sich einen blutigen Lappen an den Kopf. Nicht weit von ihm parkten zwei Streifenwagen. Jane Bowden, eine untersetzte Polizistin mit blondem zurückgebundenen Haar, stand direkt neben Leonard. Ich kannte sie flüchtig; sie war mit meiner Freundin Brett befreundet. Mitten auf dem Parkplatz lag ein Mann auf dem Rücken und streckte alle viere von sich.
Ich stellte mein Auto ab und ging zu ihnen hinüber, ward dabei einen Blick auf den Mann am Boden.

Wer nun also zu Hap & Leonard: Die Storys greifen mag, der kann getrost genannten Text vorziehen und erfährt so, dass beispielsweise die Erzählungen Hyänen sowie Todsicher dem achten Band der Reihe, also Rote Rache nachgelagert sind, derweil die kaum zehnseitige Erzählung Der Junge, der unsichtbar wurde ebenfalls zu dieser Zeit entstand, aber zu Jugendzeiten von Hap spielt (und trotz ihrer Kürze enorme Beklemmungen hervorrufen kann). Mordsgutes Chili wiederum war als eine Art Promo zu Schlechtes Chili seinerzeit gedacht, ist ebenfalls nett geschrieben, literarisch aber kaum mehr als eine bloße Fingerübung, die jedoch das Gesamtpaket gut abrundet. Ähnlich ließe sich Veils Besuch umschreiben, die in Zusammenarbeit mit Andrew Vachss entstanden ist und sich einer der vielen Anklagen widmet, die Leonard zu einer gewissen Zeit für das stete Anzünden des benachbarten Crackhauses kassiert hat. Grundsätzlich aber sind die Geschichten allesamt lohnenswert und unterhaltsam, bekommen aber mit zunehmender Länge auch spürbar mehr Tiefe, so dass die wirklichen Kurzgeschichten zwar auf den Punkt formuliert sind, aber nicht essentiell für die Geschichte der beiden Figuren.

Ein wenig enttäuschend hingegen ist das Interview von Lansdale selbst mit seinen Protagonisten, denn nicht nur umfasst dieses gerade einmal fünf Seiten und kratzt nur an der Oberfläche dessen, was mit diesem Ansatz möglich gewesen wäre, sondern stammt originär auch aus dem Jahre 1999, so dass es sich lediglich auf die ersten drei Romane der langlebigen Reihe stützt und folglich zwei deutlich jüngere, ungestümere Versionen ihrer Figuren zeigt, so dass hier einiges an Möglichkeiten verschenkt wird und dieser Einschub noch am ehesten als Lückenfüller betrachtet werden kann. Inwieweit Hap & Leonard: Die Storys dazu geeignet ist, neue LeserInnen an die beiden heranzuführen, vermag ich nun als Kenner der Reihe kaum zu beurteilen, doch ist der Band wohl eher etwas für Fans, die nach Nachschub lechzen, denn natürlich kennt man ansonsten auch die Figuren nicht und wundert sich – zu Recht –, warum Hap in der einen Geschichte mit Brett liiert ist und dann andernorts wieder nicht, während auch der ebenfalls Erwähnung findende Jim Bob Luke nur Fragezeichen hinterlassen dürfte (sofern man nicht alternativ wenigstens Die Kälte im Juli von Lansdale kennt, da der ohne Kontext nur ein Name auf dem Papier bleibt.

Bevor ich Leonard nach Hause fuhr, warf ich tatsächlich noch einen Blick in den Big Frog Club, wo ein Cop den Kopf des Kerls aus der Rigipswand zu zerren versuchte und unwillkürlich vor sich hin kicherte. Er blickte mir in die Augen und konnte nicht mehr an sich halten, prustete, ließ von ihm ab und trat ein paar Schritte beiseite und krümmt sich vor Lachen.
Ein zweiter Cop ging lächelnd zu dem Kerl hin und zog ihn halbherzig am Ohr – das andere Ohr war nicht zu sehen – und sagte: »Los, komm schon, raus da.«

Nichtsdestotrotz kann man auch bei Hap & Leonard: Die Storys festhalten, dass der spezielle Charme der beiden Hauptfiguren auch hier auf jeder Seite durchscheint und von Drama über Komödie bis hin zu Krimi und Thriller ist auch hier wieder alles vertreten, was man sich bei den Abenteuern der beiden erwartet, während die sich mehr schlecht als recht und stets mit einem flapsigen Spruch auf den Lippen durch die Geschichte wurschteln, so dass gerade die längeren Erzählungen zwar vielleicht nicht ganz so umfangreich und einnehmend sind wie die doch längeren Romane der Reihe, dafür aber auf den Punkt formuliert und angenehm schnörkellos inszeniert sind, so dass der größte Kritikpunkt mitunter sein dürfte, dass das Buch mit seinen unter 300 Seiten einfach wieder viel zu schnell ausgelesen ist und nun erneut das Warten beginnt, denn Nachschub ist erst für kommenden Herbst angekündigt in Gestalt des Kurzromans Coco Butternut, auf den ich mich freilich schon jetzt freue, während ich natürlich weit händeringender auf die deutsche Umsetzung des elften regulären Bandes Jackrabbit Smile warte, dessen Ankündigung aber bislang auf sich warten lässt.

Fazit & Wertung:

Mit Hap & Leonard: Die Storys präsentiert der Golkonda Verlag ein regelrechtes Schatzkästchen an Geschichten über und um die beiden kultigen besten Freunde, das von einer gelungenen Einführung und einem schönen Essay des Autors Lansdale selbst eingerahmt wird, in seiner vorliegenden Form aber freilich am ehesten Fans der Buchreihe ansprechen dürfte.

7,5 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Hap & Leonard: Die Storys

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Hap & Leonard: Die Storys präsentiert der Golkonda Verlag ein regelrechtes Schatzkästchen an Geschichten über und um die beiden kultigen besten Freunde, das von einer gelungenen Einführung und einem schönen Essay des Autors Lansdale selbst eingerahmt wird, in seiner vorliegenden Form aber freilich am ehesten Fans der Buchreihe ansprechen dürfte.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Hap & Leonard: Die Storys ist am 01.06.18 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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