Review: In a Valley of Violence (Film)

Und schon beginnt eine neue (filmische) Woche, die diesmal – nachdem ich letzte Woche Netflix auf dem Kieker hatte- ganz unter dem Zeichen von Ethan Hawke daherkommt, denn ich in der am Donnerstag folgenden Film-Kritik wird er eine tragende Rolle spielen. Jetzt geht es aber erst einmal in Richtung Wilder Westen und hinein in ein Tal der Gewalt.

In a Valley of Violence

In a Valley of Violence, USA 2016, 104 Min.

In a Valley of Violence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Ti West
Autor:
Ti West

Main-Cast:

Ethan Hawke (Paul)
Taissa Farmiga (Mary-Anne)
James Ransone (Gilly)
Karen Gillan (Ellen)
John Travolta (Marshal)

Genre:
Western | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Paul ist ein regelrechter Einzelgänger und befindet sich mit seinem Pferd und seiner treuen Hündin Abby auf dem Weg gen Süden Richtung Mexiko, um dort seinen Frieden zu machen. Als sie am sogenannten Tal der Gewalt landen, beschließt Paul, dass ein Umweg sie unverhältnismäßig viel Zeit kosten würde und entschließt sich, den vermeintlich verschlafenen Ort Denton zu durchqueren, doch trägt das Tal seinen Namen nicht zu Unrecht und prompt gerät er mit dem jähzornigen Gilly aneinander, der sich als Sohn des Sheriffs entpuppt. Um Deeskalation bemüht, lässt der Sheriff die Sache allerdings auf sich beruhen und legt Paul nahe, schnellstmöglich das Weite zu suchen, zumal er die Gefahr erkennt, die von dem Fremden auszugehen scheint. Gilly allerdings will die Demütigung seitens Paul mitnichten auf sich beruhen lassen und setzt dem einsamen Wolf gemeinsam mit seinen Schergen nach. Ein Fehler, wie sich herausstellt, als Paul blutige Rache schwört. Denn dass es bei einem Mann seines Kalibers nicht bei bloßen Worten bleibt, sollte wohl klar sein…

Rezension:

Ab und an darf es ja durchaus auch mal ein Western sein, weiß man hier schließlich auch immer recht genau, was man zu erwarten hat und nicht anders verhält es sich nun auch mit In a Valley of Violence, der angenehm geradlinig und schnörkellos vorangetrieben wird und mit seinen unter zwei Stunden Spielzeit nicht unnötig aufgebauscht wirkt. Ti West, der hier in Personalunion als Drehbuchschreiber und Regisseur in Erscheinung tritt, ist nun zwar nicht eben ein versierter Western-Filmemacher, doch wusste er sich immerhin den vielseitig begabten und stets charismatischen Ethan Hawke (Good Kill) für die Hauptrolle zu sichern, der kurz zuvor noch für das Remake zu Die glorreichen Sieben vor der Kamera gestanden hat. Und der trägt den Film erwartungsgemäß beinahe spielend im Alleingang, wobei ausgerechnet sein treuer Weggefährte, der Hund Abby, ihm mehr als einmal die Show stiehlt. Ansonsten darf man sich auf eine klassische Rache-Mär freuen, die nun nicht eben von überraschenden Wendungen geprägt ist, dafür umso stilsicherer inszeniert auf die Leinwand gebracht worden ist.

Szenenbild aus In a Valley of Violence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Bereits in der ersten Szene wird dabei durch das Zusammentreffen von Hawkes Figur Paul mit einem windigen Prediger die Marschrichtung vorgegeben und klargemacht, dass mit Paul nicht zu spaßen ist, wenn er auch – ganz der geläuterte Held – dem Töten abgeschworen hat und nichts weiter will, als seinen Weg nach Mexiko zu bestreiten und dort seinen Frieden zu finden. Wie es das Schicksal aber will, führt ihn sein Weg durch eine zwielichtige Ortschaft, die von dem cholerisch-aggressiven Sohn des dortigen Sheriffs terrorisiert wird, mit dem Paul natürlich trotz bester Vorsätze aneinandergerät, was ausgerechnet der Figur des von John Travolta (Rage) verkörperten Sheriff eine interessante Ambivalenz verleiht, denn einerseits versucht er Paul in seine Schranken zu weisen, weiß andererseits aber durchaus darum, dass sein Sohn Gilly – in bester Exaltiertheit von James Ransone verkörpert – das eigentliche Problem darstellt und mitnichten unschuldig ist an der zusehends eskalierenden Fehde.

Ergänzt wird die ohnehin schon interessante Figurenkonstellation durch die vorrangig aus Doctor Who bekannte Karen Gillan in der Rolle der schrillen Freundin von Gilly sowie American Horror Story-Star Taissa Farmiga als deren Schwester Mary-Anne, die für ein paar interessante Wendungen in dem Rache-Plot zu sorgen wissen und nicht unbedingt typisch sind für die doch eher männerdominierten Western, wobei man speziell Gillans Figur die meiste Zeit nicht wirklich ernst nehmen will und kann, was sie zur perfekten Partnerin für Gilly macht, der nun auch nicht eben für ausgeklügelte Gedankengänge bekannt zu sein scheint. So dominieren sicherlich die "älteren" Charaktere von Hawke und Travolta das Geschehen sichtlich und haben Charisma und Präsenz auf ihrer Seite, doch zieht die Gewalt schier unweigerlich weitere Bahnen und zieht konstante Gegengewalt nach sich, wobei es sehr für den Film spricht, dass man nicht verorten könnte, an welchem Punkt die Dinge sich anders hätten entwickeln können, es sei denn, Paul wäre nie in den Ort geritten, was dem gesamten Geschehen von In a Valley of Violence einen unterschwelligen und ungemein atmosphärischen Fatalismus verleiht.

Szenenbild aus In a Valley of Violence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

"Schnörkellos" nannte ich das Geschehen im ersten Absatz und das trifft in weiten Teilen den Nagel auf den Kopf, zumal die Geschichte nicht von ungefähr als Western-Remake eines gewissen neueren Action-Films bezeichnet wird, den ich ganz bewusst hier nicht verlinken werde, weil es sich bei Kenntnis dieses Films bereits um einen mittelschweren Spoiler handeln würde, aber in der IMDb werden Interessierte schnell fündig werden. Das bringt allerdings mit sich, dass In a Valley of Violence im direkten Vergleich nicht gerade innovativ wirkt und auch nicht dieselbe Wucht entfaltet, zumal die Gewaltspirale zwar unerbittlich, aber auch nicht gerade ausufernd geraten ist, stehen im Kern der Fehde schließlich lediglich der Sheriff und dessen Sohn Gilly sowie eine Handvoll Handlanger, mit denen Paul sich zu messen hat, so dass die eigentliche Auseinandersetzung sich auch erst im letzten Drittel entfaltet und gut die erste Hälfte des Films lediglich für die Exposition von Setting und Figuren genutzt wird, was mit einer zunächst doch sehr ruhigen und bedächtigen Erzählweise einhergeht, auch wenn es fernab der ernsten Geschichte auch immer wieder kleine Momente zum Schmunzeln gibt. So punktet Ti Wests Film leider nicht so sehr mit Innovationen, macht atmosphärisch, darstellerisch und nicht zuletzt natürlich als Reminiszenz an das "klassische" Western-Genre eine gute Figur und kann von Genre-Fans ohne Bedenken gesichtet werden.

Fazit & Wertung:

Mit In a Valley of Violence widmet sich Regisseur und Drehbuchautor Ti West das erste Mal dem Western-Genre und scheint dessen Regeln und Gesetzmäßigkeiten gut verinnerlicht zu haben, auch wenn die Geschichte selbst beinahe abgekupfert wirkt, doch reißen das insbesondere die charismatischen Hauptdarsteller Ethan Hakwe und John Travolta spielend raus, während auch der restliche Cast überzeugt, der Film allerdings vor allem atmosphärisch und inszenatorisch zu punkten versteht.

7 von 10 Grausamkeiten im Wilden Westen

In a Valley of Violence

  • Grausamkeiten im Wilden Westen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit In a Valley of Violence widmet sich Regisseur und Drehbuchautor Ti West das erste Mal dem Western-Genre und scheint dessen Regeln und Gesetzmäßigkeiten gut verinnerlicht zu haben, auch wenn die Geschichte selbst beinahe abgekupfert wirkt, doch reißen das insbesondere die charismatischen Hauptdarsteller Ethan Hakwe und John Travolta spielend raus, während auch der restliche Cast überzeugt, der Film allerdings vor allem atmosphärisch und inszenatorisch zu punkten versteht.

7.0/10
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In a Valley of Violence ist am 12.01.17 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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