Review: Empire of Storms – Schatten des Todes | Jon Skovron (Buch)

Da habe ich es doch tatsächlich auch mal wieder geschafft, einen Fantasy-Roman zu lesen und bin – wie schon beim ersten Teil der Reihe – ziemlich begeistert, zumal sich Stil und Handlung tatsächlich gleichermaßen noch zu steigern gewusst haben. Insofern, wenn ihr neuen Lesestoff aus dem Metier sucht, kann ich euch diese Reihe nur wärmstens ans Herz legen.

Empire of Storms
Schatten des Todes

Bane and Shadow – The Empire of Storms 2, USA 2017, 608 Seiten

Empire of Storms - Schatten des Todes von Jon Skovron | © Heyne
© Heyne

Autor:
Jon Skovron
Übersetzerin:
Michelle Gyo

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-31786-4

Genre:
Fantasy | Abenteuer

 

Inhalt:

Die Kanonen donnerten los und schickten dicke Rauchwolken in die Luft. Sie hatten gut gezielt, und der Schuss traf das sich nähernde Schiff vor den Bug. Aber statt Zeichen der Zerstörung aufzuweisen, zerstob das gesamte Schiff ohne einen Laut in winzige, glühende Teilchen, die in den Nachthimmel hinaufschwebten und dann ins Wasser zurücksanken.

Während Red, nachdem er sich zugunsten des Lebens von Hope den Biomanten ausgeliefert hat, mittlerweile als Lord Pastinas von Hohlfall am Hof des Imperators residiert und sich mit dem Thronfolger angefreundet hat, macht Hope an Bord der "Krakenjäger" die Meere unsicher und gibt sich in Anlehnung an den berüchtigten Piraten den Namen "Dire Bane". Ebenfalls an Bord des Schiffs befinden sich neben der einstigen Biomantin Brigga Lin unter anderem Nessel, Filler, Sadie und weitere illustre Gestalten, die der Paradieskehre den Rückengekehrt haben, um Hope bei ihrem Ansinnen zu unterstützen, die Biomanten in solche Bedrängnis zu bringen, dass sie bereit wären, über die Freilassung von Red zu verhandeln. Dieses Unterfangen allerdings erweist sich als schwieriger als erwartet, zumal Hope immer öfter an ihrer neuen Rolle als Anführerin und Freibeuterin zu zweifeln beginnt…

Rezension:

Vor nicht einmal einem Jahr habe ich voll der Euphorie von Empire of Storms – Pakt der Diebe, dem Auftakt-Band einer neuen Fantasy-Reihe oder –Trilogie berichtet und hielt nun also auch endlich Empire of Storms – Schatten des Todes in Händen, um mit der Geschichte von Hope und Red fortzufahren, wobei Skovron hier einige Monate nach dem fiesen Cliffhanger des ersten Bandes ansetzt und es tatsächlich einige Seiten dauert, bevor wir auch nur einen der beiden zu Gesicht bekommen, was aber dank der lebendigen und kurzweiligen Schilderungen des Autors das Interesse und die Neugierde nur anheizt, statt zu enttäuschen oder zu langweilen. Wir erinnern uns, dass Red zugunsten von Hopes Leben zugestimmt hat, sich unter die Fittiche der Biomanten zu begeben und so ist auch dieser Band zunächst nach einem ähnlichen Schema aufgebaut wie sein Vorgänger, dahingehend, dass die Handlungsstränge der beiden Protagonisten parallel zueinander verlaufen und sich so bald nicht kreuzen werden.

Viel zu schnell erreichte die Vinchen-Frau das Achterdeck, und eine breite Schneise aus Körpern ohne Köpfe oder Gliedmaßen lag hinter ihr. Schwer hing der Geruch nach Blut in der Luft.
Kapitän Vaderton zog sein Schwert, aber seine Hand zitterte trotz seiner Bemühungen, sie ruhig zu halten.

Durch die gemeinsame Vergangenheit und die in beide Richtungen großzügig gestreuten Querverweise allerdings erweist sich das mitnichten als Manko, derweil Skovron den Umstand auch diesmal wieder ausgiebig nutzt, um zwei im Grunde nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch differierende Geschichten zu erzählen, denn während Hope sich unter dem Namen "Dire Bane" zum neuen Schrecken der Meere aufschwingt und alsbald noch weitaus grausigere Experimente der Biomanten aufdeckt, befindet sich Red mittlerweile am Hof des Imperators und ist dank gewiefter Winkelzüge mittlerweile als Lord Pastinas von Hohlfall bekannt, der wiederum eine innige Freundschaft zum Prinzen unterhält, während er im Geheimen von den Biomanten unterrichtet wird, die am Hof – wenn auch im Verborgenen – allgegenwärtig zu sein scheinen. Während der Autor in Schatten des Todes also einerseits die Gunst der Stunde nutzt, mit Dire Banes Abenteuern eine geradezu klassische Piraten-Geschichte zu erzählen, sind es am Hofe eben weit mehr die Einflussnahme der Biomanten, politische Verflechtungen – insbesondere nach dem Eintreffen einer Botschafterin aus den nördlich gelegenen Reichen, die im Vorgängerband kaum mehr waren als eine vage Andeutung – und Intrigen am Hofe, die weitaus größere Kreise ziehen, als Red das zunächst erwartet.

Durch diese unterschiedlichen Ansätze wird Empire of Storms – Schatten des Todes aber eben auch niemals langweilig, obwohl die Geschichte eine Weile braucht, um wirklich in Fahrt zu kommen, doch von da an entwickelt sich der Roman – zumindest bei Gefallen des Vorgängers – zu einem regelrechten Page Turner, zumal Jon Skovron hier gekonnt Erwartungen unterläuft und mich mehr als einmal schockiert oder überrascht hat, denn wenn auch Red und Hope hier wie ehedem im Mittelpunkt der Erzählung stehen, sind einem doch auch längst die anderen Figuren wie Nessel, Filler und Sadie die Ziege so ans Herz gewachsen, dass ihr Schicksal nicht nur interessiert, sondern auch berührt und genau da liegt eine der großen Stärken des Bandes, denn während andernorts die oft stiefmütterlich behandelten zweiten Teile vorrangig als Bindeglied zwischen Auftakt- und Abschluss-Band dienen, machen die Figuren hier eine merkliche Entwicklung durch, die nicht immer schön, aber stets spannend ist. Dabei fällt wieder einmal auf, welch starkes weibliches Figuren-Ensemble Skovron zu kreieren weiß, denn von Red einmal abgesehen, haben wir es hier überwiegend mit einem Gros an überaus durchsetzungskräftigen und selbstbestimmten Frauen zu tun, zumal mit Hope – Dire Bane – und der Biomantin Brigga Lin gleich zwei Figuren vertreten sind, die aus ihrem jeweils allein aus Männern bestehenden Orden verbannt worden sind und sich als Paria patriarchalischen Strukturen entgegenstellen, die von Borniertheit und einer tief verwurzelten Angst vor dem Verlust von Macht und Einfluss durchdrungen sind.

Kiptich musste viel reden, bis er Hannigan davon überzeugt hatte, dass Willmont vertrauenswürdig war. Dann hatte Hannigan Willmont eine Menge merkwürdiger Fragen gestellt: was er von dem Prinzen hielt, vom Imperator und selbst von Lord Pastinas. Er fragte aus irgendeinem Grund auch, was er von den Biomanten hielt. Schließlich hatte Hannigan zugestimmt, dass Willmont am nächsten Treffen der Gottesfürchtigen Naturalisten teilnehmen durfte.
Und zu diesem Treffen eilte er jetzt. Das Treffen, zu dem er auf keinen Fall zu spät kommen durfte, wie Kiptich ihm erklärt hatte.

Nicht zuletzt aber ist auch schlichtweg die Welt von Empire of Storms, die mich einmal mehr zu begeistern wusste, denn nach den nur vagen Andeutungen in die eine oder andere Richtung erweitert der Autor hier behutsam ein ums andere Mal die bekannten Gefilde um neue Ortschaften und Inseln, Geschichten zu fernen Ländern und gesichtslosen Bedrohungen, womit unter anderem mehr als genügend Material für den bereits im Juli erscheinenden dritten Band der Reihe vorhanden sein dürfte, denn neben den Biomanten kommen hier erstmalig auch Nekromanten zum Tragen, während die aus dem Norden stammenden Besucher eine neue Form der Technik ins "Imperium der Stürme" bringen könnten und auch ansonsten einiges zu berichten wissen. Nicht zuletzt aber erhebt sich auch der beinahe vergessenen Orden der Vinchen erneut und strebt an, seine einstige Machtposition zurückzuerlangen. Ungeachtet all dieser Andeutungen und Ideen darf man sich aber auch selbstredend auf eine Rückkehr in die Paradieskehre freuen und damit einhergehend natürlich auch den einfallsreichen Slang, der dort vorherrscht und mit dem Red schon am Hof des Imperators den Prinzen ein ums andere Mal zur Weißglut treibt, sind die Sprüche und Aphorismen schließlich voller unflätiger ausdrücke, was im Übrigen auch dem zuweilen durchblitzenden humorigen Unterton der Reihe gut zu Gesicht steht, der bei aller Ernsthaftigkeit und Dramatik auch hier zum Glück nicht zu kurz kommt. Hatte ich Skovron also nach dem ersten Band einen vielversprechenden Auftakt attestiert, hat er die sich ihm bietenden Möglichkeiten hier mehr als verwandelt und mich noch weitaus tiefer in seine so einfallsreich-unverbrauchte Fantasy-Welt zu ziehen gewusst, so dass ich das Erscheinen des dritten Bandes Schwur der Kriegerin nun kaum noch erwarten kann!

Fazit & Wertung:

Ausgehend von der Exposition seiner Figuren und des Settings im Vorgänger-Bang gelingt es Jon Skovron in Empire of Storms – Schatten des Todes, seine Geschichte gleichermaßen stimmig und abwechslungsreich fortzuspinnen und dabei mit Spannungsmomenten und Dramatik nicht zu geizen, derweil ihm die ungewöhnliche Ausgestaltung seiner Fantasy-Welt auch hier erneut zugutekommt, denn noch immer wirken die Biomanten, Vinchen und nicht zuletzt die Bewohner der Paradieskehre erfrischend unverbraucht. Getragen allerdings wird die Story unverkennbar von ihren vielschichtigen, lebendigen und sich in einem fort entwickelnden Figuren, denen man nur zu bereitwillig ins "Imperium der Stürme" folgen mag.

9 von 10 abenteuerlichen Auseinandersetzungen mit den Biomanten

Empire of Storms – Schatten des Todes

  • Abenteuerliche Auseinandersetzungen mit den Biomanten - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Ausgehend von der Exposition seiner Figuren und des Settings im Vorgänger-Bang gelingt es Jon Skovron in Empire of Storms – Schatten des Todes, seine Geschichte gleichermaßen stimmig und abwechslungsreich fortzuspinnen und dabei mit Spannungsmomenten und Dramatik nicht zu geizen, derweil ihm die ungewöhnliche Ausgestaltung seiner Fantasy-Welt auch hier erneut zugutekommt, denn noch immer wirken die Biomanten, Vinchen und nicht zuletzt die Bewohner der Paradieskehre erfrischend unverbraucht. Getragen allerdings wird die Story unverkennbar von ihren vielschichtigen, lebendigen und sich in einem fort entwickelnden Figuren, denen man nur zu bereitwillig ins "Imperium der Stürme" folgen mag.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne.

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Empire of Storms – Schatten des Todes ist am 09.10.17 bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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