Review: Split (Film)

Da wäre die neue Woche auch schon wieder gestartet und wir beginnen den Reigen der Film-Kritiken mit einem echten Schmankerl, das ich dann nun endlich auch nachgeholt hätte. Und wie nicht anders zu erwarten, hat mich speziell James McAvoy hier in ziemliche Begeisterung versetzt!

Split

Split, JP/USA 2016, 117 Min.

Split | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
M. Night Shyamalan
Autor:
M. Night Shyamalan

Main-Cast:
James McAvoy (Dennis / Patricia / Hedwig / The Beast / Kevin Wendell Crumb / Barry / Orwell / Jade)
in weiteren Rollen:
Anya Taylor-Joy (Casey Cooke)
Betty Buckley (Dr. Karen Fletcher)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Split | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Auf dem Parkplatz eines Diners werden die Teenager Claire, Martha und Casey von einem Unbekannten betäubt, entführt und in einen kargen Keller gesperrt. Während sich die Mädchen noch fragen, was ihr Entführer ihnen anzutun trachtet, stellt sich schnell heraus, dass sich im Kopf des Mannes gleich mehrere Persönlichkeiten im direkten Widerstreit befinden. Der Mann, dessen Name eigentlich Kevin lautet, ist ob seiner mannigfachen Persönlichkeiten auch seit Jahren in psychiatrischer Behandlung bei der Therapeutin Dr. Fletcher, die seinen Fall mehr als faszinierend findet, jedoch nun schnell merkt, dass etwas in Kevin in absolute Unordnung geraten zu sein scheint. Derweil planen die Mädchen verzweifelt ihre Flucht, doch das irrationale Verhalten ihres Entführers erschwert natürlich eine Bewertung ihrer Situation…

Rezension:

Mehr denn je hätte ich mir bei Split gewünscht, gänzlich unvorbelastet an die Sache herangehen zu können, doch schnappt man ja beinahe unweigerlich das eine oder andere auf, derweil ich in diesem Fall sogar den Fehler begangen habe, mir seinerzeit zum Kinostart den Trailer angesehen zu haben, der noch erstaunlich präsent in meinem Gedächtnis gewesen ist und tatsächlich erzählerisch vieles von dem vorwegnimmt, was M. Night Shyamalan (Produzent von Wayward Pines) hier über die Dauer von rund zwei Stunden zu erzählen trachtet. Doch auch wenn der Regisseur für seine aberwitzigen Twists bekannt geworden sein mag, hält er sich diesbezüglich diesmal beinahe irritierend zurück und es mag vielmehr die dem Abspann direkt vorgelagerte Szene gewesen sein, die noch am meisten zu überraschen gewusst hat, denn was es mit Kevin und seinen 23 – pardon, 24 – Persönlichkeiten auf sich hat, daraus macht der gleichermaßen wieder als Drehbuchautor in Erscheinung tretende Shyamalan kaum einen Hehl.

Szenenbild aus Split | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nichtsdestotrotz funktioniert Split auch dramaturgisch ausnehmend gut in meinen Augen, denn was sich anfänglich wie eine klassische Entführungsgeschichte ausnimmt, wird doch schnell abgelöst von der Faszination um die miteinander konkurrierenden Persönlichkeiten, derweil in diesem Zusammenhang natürlich James McAvoy (Atomic Blonde) das größte Lob gebührt. Der wirft nämlich wirklich alles in den Ring und beeindruckt hier mit einer regelrechten Schar an eigens interpretierten Persönlichkeiten, die sich zwar immer auch äußerlicher Hilfsmittel – sprich Outfits – bedienen, aber auch dessen ungeachtet jederzeit identifiziert werden können und je nach persönlichem Gusto introvertiert und schüchtern, distinguiert oder exaltiert, skeptisch und wütend oder charmant und eloquent daherkommen können, was eine ganze Bandbreite an Emotionen und Persönlichkeitsmerkmalen abdeckt, die McAvoy sich dem Gefühl nach regelrecht spielend zu eigen macht.

Umso erstaunlicher und beeindruckender, dass Anya Taylor-Joy als Casey Cooke – eines der Entführungsopfer von Dennis – tatsächlich auf Augenhöhe mit McAvoy zu agieren weiß und nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – allein in dessen Schatten agiert, wobei das auch dem Drehbuch geschuldet sein mag, denn allein Casey bekommt, insbesondere in Form sich zum Ende hin erklärender Rückblenden, eine Art Vita und damit eine gewisse Tiefe spendiert, weshalb die anderen beiden Teenager in Dennis‘ Gewalt nicht annähernd so interessieren und schnell klar ist, dass es auf eine Konfrontation oder Auseinandersetzung zwischen Casey und Dennis hinausläuft. Nichtsdestotrotz ist Split weit mehr als nur ein einfacher Entführungsthriller, denn allein aus dem Umstand, dass eben die wenigsten Persönlichkeiten von Kevin Wendell Crumb bösartig sind, weiß Shyamalan einige eindrückliche Szenen zu kreieren, wenn Casey versucht, sich mit den anderen Persönlichkeiten ihres Entführers zu verbünden und diese auf ihre Seite zu ziehen.

Szenenbild aus Split | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Darüber hinaus hat es mit der Figur der Therapeutin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley) eine weitere Figur, die einerseits für Kevin als Person Partei ergreift, andererseits eine der wenigen Gelegenheiten darstellt, den an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung leidenden Wendell Crumb außerhalb seines üblichen Terrains in Szene zu setzen und gerade zu Beginn eine gewisse Bodenständigkeit und Normalität seiner "Haupt"-Persönlichkeit zu etablieren, derweil Split ansonsten auch als reines Kammerspiel gelten könnte und die genaue Verortung seiner Behausung bis zuletzt Rätsel aufgibt, wenn auch recht früh Hinweise gestreut werden und die Auflösung schlussendlich so naheliegend wie offensichtlich scheint. Überhaupt hebt das finale Drittel das Geschehen des Films auf eine neue Stufe, derweil sich hieran wohl auch sicherlich am ehesten die Geister scheiden werden, denn die Auflösung der eigentlichen Entführung hebt sich wohltuend von dem ab, was man von einschlägigen Genre-Vertretern gewohnt sein mag, derweil Shyamalan zudem noch die Brücke zu seinem siebzehn Jahre zuvor entstandenen Unbreakable zu schlagen geneigt ist, was ihm meines Erachtens auch formidabel gelingt, doch kratzt dieser Umstand zumindest ein wenig an der Eigenständigkeit des Films, der sich erst im Kontext dessen, was schon geschehen ist und was noch geschehen wird, zu voller Größe zu entfalten weiß. Dessen ungeachtet handelt es sich aber zweifelsohne um ganz großes Darsteller-Kino par excellence und dafür allein lohnt sich die Sichtung in meinen Augen bereits.

Fazit & Wertung:

In M. Night Shyamalans Split übertrumpft James McAvoy seine ohnehin oftmals eindrucksvollen darstellerischen Leistungen noch einmal merklich und fungiert mit überragender Virtuosität als Dreh- und Angelpunkt der Story, die sich trotz ungewöhnlicher Prämisse gerade im Mittelteil doch oftmals in ausgetretenen Genre-Pfaden bewegt, womit einige Möglichkeiten verschenkt werden. Dennoch ein durchweg überzeugender Vertreter des filmischen Œuvres von sowohl Shyamalan als auch McAvoy.

8 von 10 zutage tretenden Persönlichkeiten

Split

  • Zutage tretenden Persönlichkeiten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

In M. Night Shyamalans Split übertrumpft James McAvoy seine ohnehin oftmals eindrucksvollen darstellerischen Leistungen noch einmal merklich und fungiert mit überragender Virtuosität als Dreh- und Angelpunkt der Story, die sich trotz ungewöhnlicher Prämisse gerade im Mittelteil doch oftmals in ausgetretenen Genre-Pfaden bewegt, womit einige Möglichkeiten verschenkt werden. Dennoch ein durchweg überzeugender Vertreter des filmischen Œuvres von sowohl Shyamalan als auch McAvoy.

8.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Split ist am 08.06.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Eine Reaktion

  1. Franziska-T 23. Mai 2018

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