Review: Civil War (Graphic Novel)

Auch diese Woche gibt es keine Montagsfrage zu beantworten, da das Buchfresserchen noch nach einer/einem geeigneten Nachfolger/in sucht, doch dafür habe ich Zeit gefunden, mich endlich einem Mammut-Werk zu widmen, dass im runde jeder halbwegs interessierte Comic-Leser sein Eigen nennen sollte.

Mark Millar Collection
Civil War

Civil War #1-7, USA 2006, 288 Seiten

Mark Millar Collection: Civil War | © Panini
© Panini

Autor:
Mark Millar
Zeichner:
Steve McNiven

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-60587-1

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

 

Inhalt:

Die auf gute PR schielenden Helden der "New Warriors" stürzen sich wieder einmal mit jugendlichem Leichtsinn in eine Auseinandersetzung mit einer Handvoll garstiger Superschurken, doch die Auseinandersetzung läuft gänzlich aus dem Ruder und unvermittelt kommt es in Stamford, Connecticut zur Katastrophe, die zahllose Todesopfer fordert, zu denen auch eine Schulklasse gehört, die sich im Epizentrum der Zerstörung befunden haben. Schnell ist die US-amerikanische Regierung mit einem neuen Gesetzesentwurf bei der Hand, der sämtliche Wesen zur Registrierung zwingt und somit quasi unter Aufsicht stellt, damit sich solch ein Desaster nicht wiederholen kann. Die Registrierung geht dabei freilich mit der Offenlegung der eigenen Geheimidentität einher und während Milliardär Tony Stark – besser bekannt als Iron Man – mit dem neuen Gesetz keine Probleme hat und sich und die anderen in der Pflicht sieht, mehr Verantwortung für ihre Kräfte zu übernehmen, ist ausgerechnet der für das Volk ikonische Captain America strikt dagegen und sieht letztlich keinen anderen Ausweg, als mit den gleichgesinnten abzutauchen, während die Schneise zwischen den Helden zunehmend größer wird und regelrecht bürgerkriegsähnliche Zustände mit sich bringt…

Rezension:

Kaum ein Comic-Autor ist an dieser Stelle so häufig vertreten wie Mark Millar, doch das kommt nicht von ungefähr, denn kaum ein Comic-Autor ist darüber hinaus über die Grenzen des Mediums bekannt wie der umtriebige Tausendsassa von Geschichtenschreiber, dessen Werke ein ums andere Mal auch Pate für nicht minder erfolgreiche Verfilmungen gestanden haben, so wie es auch hier der Fall ist, wenngleich man sich für Captain America 3: Civil War zumindest lose von dem gleichnamigen Comic hat inspirieren lassen, der den roten Faden für ein 2006 vollzogenes Mega-Event bildet, das – wieder einmal – das Marvel-Universum auf den Kopf stellen sollte. Kein Wunder also, dass nun auch die siebenteilige Comic-Story Civil War als sechster Vertreter der "Mark Millar Collection" neu aufgelegt worden ist und nun im edlen Hardcover nebst umfangreichem Bonusmaterial daherkommt, dass die Grenzen dessen, was man bislang und üblicherweise so an Zusatzmaterial geboten bekommt, spielend in den Schatten stellt – doch dazu später mehr.

Freilich mag der "komplette" Civil War seinerzeit mit seinen zig Serien noch epochaler gewesen sein, doch der Kern der Geschichte findet sich im vorliegenden Band vereint und stammt samt und sonders aus der Feder von Mark Millar, der zugegebenermaßen auch ein interessantes Konzept für die Story entworfen hat. Diese dreht sich im Kern darum, dass die Befürworter eines Helden-Registrierungs-Gesetzes mit den vehementen Verweigerern aneinandergeraten. Das klingt für sich genommen zwar erst einmal nach reichlich Action, bringt dank sorgfältigem Skript aber auch reichlich Tiefe in die sonst gern mal oberflächlich-reißerisch aufgemachten Superhelden-Comics, denn allein die Konsequenzen, die gleich zu Beginn des Bandes den Stein überhaupt erst ins Rollen bringen, sind von einer Drastik und Endgültigkeit, dass man das Feld der künstlich überhöhten Geschichten vermeintlich unfehlbarer Helden schnell verlässt. Und so begibt man sich auf ungleich düstereres und ernsthafteres Terrain, derweil eine Story mit diesem Namen beinahe unweigerlich auch Opfer unter den Helden fordern wird, wodurch es Millar tatsächlich gelingt, ein Gefühl der Bedrohung zu erschaffen, obgleich artverwandte Mega-Events mittlerweile dermaßen in Mode sind, dass man sich beinahe sicher sein kann, dass etwaige, vermeintlich endgültigen Einschnitte auch schnell ungeschehen gemacht werden (können).

Ansonsten steht und fällt natürlich jede Comic-Story auch mit ihrer optischen Aufmachung und da beweist Civil War ein ebenso glückliches Händchen, denn Steve McNiven vermag es im Großen wie im Kleinen, die unterschiedlichsten Helden und ihre Umgebung stimmungsvoll in Szene zu setzen, auch wenn ich beileibe nicht behaupten kann, wirklich jede der Figuren erkannt zu haben, denn tatsächlich bedient sich Millar auch einiger längst ausrangierter Helden, um die Schlachtfelder zu bevölkern, auf denen sich die beiden Fraktionen in die Haare gehen. Ein kleines Manko mag derweil sein, dass manche Nebenhandlung doch ein wenig wie in der Luft hängend wirkt, was dann eben damit zu tun hat, dass die jeweilige Geschichte in der entsprechenden Solo-Serie weitergehend behandelt werden wird, was manche Szene grenzwertig überflüssig wirken lässt, aber eben auch den Umfang des großen Ganzen betont und unterstreicht.

Wie eingangs aber bereits erwähnt, begnügt man sich mitnichten damit, einzig das sieben Hefte umfassende Großereignis neu abzudrucken, sondern spendiert Civil War einen mehr als 70 Seiten umfassenden Bonus-Teil mit zugrundeliegenden Tuschezeichnungen und Erörterungen und Gedanken seitens Millar und McNiven, was einen ausgiebigen Blick hinter die Kulissen und auf die Entstehung des Ganzen erlaubt, wodurch auch manche Handlung in einem neuen Licht erscheint oder sich zumindest dem Leser besser erklärt. Würdiger und opulenter hätte man also dieses Mega-Event von vor zwölf Jahren kaum Revue passieren lassen und auch wenn nur der eingefleischte Marvel-Leser wohl wirklich alle Andeutungen und Querverweise versteht (oder nur alle Helden beim Namen nennen kann), kann ich als ausgewiesener Gelegenheits-Leser (von Marvel-Superheldencomics zumindest) dennoch eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, zumal eine mittlerweile längst zum Kult avancierte Storyline wie der vorliegende Civil War ohnehin in keiner Sammlung fehlen sollte (wenn man sich nicht gerade grundsätzlich den Marvel-Helden verweigert).

Fazit & Wertung:

Mit Civil War ist Mark Millar seinerzeit ein regelrechtes Epos gelungen, das nicht von ungefähr zumindest in Grundzügen Pate gestanden hat für den gleichnamigen Film des MCU, doch ist neben der Tiefe und Ernsthaftigkeit der Story ihr größter Verdienst wohl ebenso, dass sie auch zwölf Jahre nach ihrem Erscheinen noch brandaktuell wirkt und zudem selbst ohne Berücksichtigung der zahllosen Nebenhandlungen aus den begleitenden Solo-Serien formidabel funktioniert. Die edle Hardcover-Aufmachung und ein extrem üppiger Zugaben-Teil tun hierbei ihr Übriges.

10 von 10 Auseinandersetzungen zweier verfeindeter Fraktionen

Mark Millar Collection: Civil War

  • Auseinandersetzungen zweier verfeindeter Fraktionen - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Mit Civil War ist Mark Millar seinerzeit ein regelrechtes Epos gelungen, das nicht von ungefähr zumindest in Grundzügen Pate gestanden hat für den gleichnamigen Film des MCU, doch ist neben der Tiefe und Ernsthaftigkeit der Story ihr größter Verdienst wohl ebenso, dass sie auch zwölf Jahre nach ihrem Erscheinen noch brandaktuell wirkt und zudem selbst ohne Berücksichtigung der zahllosen Nebenhandlungen aus den begleitenden Solo-Serien formidabel funktioniert. Die edle Hardcover-Aufmachung und ein extrem üppiger Zugaben-Teil tun hierbei ihr Übriges.

10.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Mark Millar Collection: Civil War ist am 23.04.18 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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