Review: Preacher | Staffel 3 (Serie)

Weil wieder Samstag ist, darf natürlich auch die obligatorische Serien-Kritik nicht fehlen und in der geht es heute wieder einmal um einen mehr als außergewöhnlichen Prediger, dessen dritte Staffel ich so schnell verschlungen habe wie schon lange keine mehr, womit ich mich darin bestätigt sehe, dass es sich gelohnt hat zu warten, bis alle zehn Episoden dieses absurden Vergnügens bei Prime verfügbar waren, statt jeden Montag auf die jeweils neueste Episode zu warten.

Preacher
Staffel 3

Preacher, USA 2016-, ca. 50 Min. je Folge

Preacher | © AMC
© AMC

Serienschöpfer:
Sam Catlin
Evan Goldberg
Seth Rogen
Garth Ennis (Comic-Vorlage)
Showrunner:
Sam Catlin

Main-Cast:
Dominic Cooper (Jesse Custer)
Joseph Gilgun (Cassidy)
Ruth Negga (Tulip O’Hare)
Graham McTavish (The Saint of Killers)
Ian Colletti (Arseface)
Pip Torrens (Herr Starr)
Noah Taylor (Adolf Hitler)
Julie Ann Emery (Lara Featherstone)
Malcolm Barrett (F.J. Hoover)
Colin Cunningham (TC)
Betty Buckley (Gran’ma)
in weiteren Rollen:
Jeremy Childs (Jody)
Tyson Ritter (Jesus / Humperdoo)
Jonny Coyne (All Father)
Adam Croasdell (Eccarius)
Prema Cruz (Sabina / Madame Boyd)
Jason Douglas (Satan)

Genre:
Fantasy | Mystery | Drama | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Preacher | © AMC
© AMC

In ihrer Verzweiflung rasen Jesse und Cassidy mit der frisch verstorbenen Tulip nach Angelville in Louisiana zu Jesses Gran’ma L’Angelle, um Tulip von ihr ins Leben zurückzuholen, auch wenn der Prediger ahnt, dass der Preis immens hoch sein wird, den er zu zahlen hat. Schließlich gelingt es der magisch versierten Gran’ma, Tulip zurückzuholen, während diese auf ihrem Weg zurück Gott begegnet, der ihr mitteilt, das sie Teil seines großen Plans sei. Unterdessen ist Herr Starr im Auftrag des Gral unterwegs, um im Hauptquartier der Krishna-Anhänger blutiges Gericht zu halten, da diese sich weigern, dem neuen Heiland Humperdoo zu huldigen. Derweil in der Hölle lädt Satan höchstpersönlich den "Heiligen der Killer" zur Audienz, um diesem die Aufgabe zu erteilen, die frisch aus der Hölle entflohenen Personen wieder einzufangen, namentlich natürlich Eugene und Hitler, der mittlerweile unter dem Alias "Hilter" in einem Diner arbeitet. Von all dem ahnt Jasse natürlich zu diesem Zeitpunkt nichts, da er durch sein Versprechen an Angelville und Gran’ma gebunden scheint, auch wenn er letztere am liebsten tot sehen würde. Dumm nur, dass der Gral noch immer Genesis in seinem Besitz hat, doch das sollte sich ja ändern lassen…

Rezension:

Während ich bei den ersten beiden Staffeln Preacher noch reichlich hinterhergekleckert habe bin ich diesmal nun endlich zeitnah und pünktlich dabei und habe mir nun also jüngst die dritte Staffel dieser im besten Sinne respektlosen Serie einverleibt, nachdem ja wohl zwischenzeitlich gar zu befürchten stand, dass die Serie bereits nach ihren ersten beiden Seasons ihr Ende finden würde. Entsprechend euphorisch hat mich die Fortsetzung gestimmt und selbige setzt nun in Angelville (3.01) auch exakt dort an, wo wir unsere "Helden" zuletzt gesehen haben. Die Einführung von Gran’ma L’Angelle (Betty Buckley; Split) ist dabei außerordentlich gelungen, ebenso wie ihre beiden ungleichen Schergen und Handlanger TC und Jody gehörig frischen Wind in den Plot der Serie bringen. Der ist allerdings zunächst auch bitter nötig, denn gerade in Bezug auf die grob ersten drei Episoden der Staffel kommt die Geschichte dramaturgisch betrachtet noch nicht so recht in Fahrt und konzentriert sich in weiten Teilen auf die Geschehnisse in Angelville, was dahingehend schade ist, dass man unter anderem und insbesondere Eugene und Hitler hier gar nicht zu Gesicht bekommt, was ich mir nach deren lang und breit geschilderter Flucht aus der Hölle schlichtweg anders erwartet hatte. Immerhin Pip Torrens (Fleming) als Herr Starr feiert bereits in Diese elenden Mistkerle (3.02) seine furiose Rückkehr und hat nichts von seinem trockenen Charme verloren, zumal sich sein Handlungsstrang um den Gral, Humperdoo und den Allvater noch zu einem der Highlights der Staffel auswachsen wird.

Szenenbild aus Preacher | © AMC
© AMC

So muss ich aber auch nach einem vielversprechenden Start mit der Auftaktepisode attestieren, dass Preacher zunächst ein wenig abflacht und mich nicht ganz so sehr zu fesseln wusste, wie das ein Großteil der vorangegangenen Episoden getan hat, denn durch den vergleichsweise strikten Fokus auf Angelville und die dortigen Geschehnisse um unsere drei Protagonisten geht der Serie ein wenig was verloren, das beispielsweise in der Staffel zuvor durch die Szenen in der hölle abgefedert worden ist. Apropos Hölle aber, lernen wir hier in Die Gruft (3.04) schließlich Satan höchstpersönlich kennen, nachdem wir ja schon Bekanntschaft mit Gott geschlossen haben und auch hier hält man sich in der Darstellung einerseits an typische Vorstellungen der Figur und drückt ihr gleichsam den der Serie eigenen Stempel auf, die nicht von ungefähr von vielen als "gotteslästerlich" oder "blasphemisch" tituliert wird, wobei hier der satirische Aspekt des Ganzen meines Erachtens schon sehr deutlich zutage tritt, gleichwohl ich zumindest nachvollziehen kann, dass sich eine strenggläubige Person von der aberwitzigen und überzogenen Art der Darstellung provoziert oder gekränkt fühlen kann. Dies trifft auch und insbesondere auf den sogenannten Allvater zu, der hier als Oberhaupt des Grals eingeführt wird und ebenfalls eine Karikatur par excellence darstellt, die ernst zu nehmen sich selbst ein Herr starr schwertut, obwohl er doch der Sache des Grals treu ergeben scheint. In Bezug auf diese Auswüchse der ureigenen Interpretation von Religion muss man aber auch sagen, dass diese einerseits den Reiz der Serie ausmachen, derweil andererseits all jene, die sich davon gestört fühlen, sicherlich nicht bis zur dritten Staffel am Ball geblieben wären.

Mit dem Erscheinen Satans nun entspinnt sich aber auch – ein wenig an die inszenatorische Aufbereitung der ersten Staffel erinnernd – ein neuer Subplot um den "Heiligen der Killer", der in den darauffolgenden Episoden Jagd auf Eugene und Hitler machen wird, auf die man aber wie gesagt für meinen Geschmack viel zu lange hat verzichten müssen, auch wenn sie insbesondere zum Ende hin durchaus noch ihre Momente spendiert bekommen. Ansonsten widmet sich Preacher in dieser Staffel dezidiert der Jugend von Jesse und beleuchtet einiges von dessen Vergangenheit, das bislang im Dunkeln verborgen war, was einen interessanten neuen Blick auf die Figur erlaubt, während der übergeordnete Plot wie gesagt deutlich interessanter wird, wenn sich nach und nach die unterschiedlichen Nebenhandlungen entspinnen und natürlich schlussendlich alles ineinanderzugreifen beginnt. So sind für mich auch die beiden Finalepisoden Schwanzkopf (3.09) und Das Licht über uns (3.10) die unbestrittenen Highlights der Staffel, zumal sich das Geschehen hier zu einem regelrechten Crescendo aus morbidem Witz, absurdem Humor, überzogener Gewalt und exzessiven Splatter hochschaukelt, der selbst nach den Maßstäben dieser noch nie zurückhaltenden Serie alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Einziges Manko hierbei könnte der obligatorische Cliffhanger in der letzten Szene sein, denn wenn schon nach der zweiten Staffel eine etwaige Absetzung der Serie im Raum gestanden hat, wäre nun eine Beendigung nach dieser Staffel nicht weniger ärgerlich las im Jahr zuvor, weshalb ich freilich schwer hoffe, dass auch dies nun nicht das letzte Abenteuer um den ungewöhnlichen Prediger gewesen sein wird, zumal der seine Suche nach Gott im Grunde die gesamte Staffel über vernachlässigt hat und mit anderen Problemen zu kämpfen hatte.

Szenenbild aus Preacher | © AMC
© AMC

Damit einhergehend ging der Serie hier auch über weite Strecken ihr Road-Movie-Charme abhanden, weil sich doch vieles in Angelville – später auch wieder New Orleans – zuträgt, doch dafür kommt eben noch deutlich offensiver der satirische Einschlag in Bezug auf Religion zum Tragen, der schon immer ein alleinstellungsmerkmal von Preacher dargestellt hat, derweil die Show ansonsten auch hier wieder als illustre Mischung aus Gangsterfilm, Neo-Western und Urban Fantasy überzeugt, die das ganze schon inszenatorisch zu einem Unikum machen. Fans der Serie sollten demnach meiner Meinung nach auch an dieser Staffel Gefallen finden – ich habe es getan –, auch wenn es meines Erachtens zunächst ein wenig braucht, bis sich alles zur Gänze entfaltet und vor allem einige liebgewonnen Figuren zurückkehren, die – obwohl als Hauptdarsteller gelistet – zunächst ein ziemliches Schattendasein führen. Sind die Figuren aber erst einmal in Stellung gebracht, darf nicht nur Jesse Custer wieder herrlich über die Stränge schlagen, Tulip mit ihrer taffen Art und Schlagfertigkeit überzeugen und Cassidy sich in einer von Anne Rice inspirierten Vampir-Kommune umtun, sondern vor allem der Zuschauer in Verzückung darüber geraten, welch Füllhorn an Ideen und Absurditäten sich auch hier wieder über die Leinwand ergießt.

Fazit & Wertung:

Nach einem vielversprechenden Star flacht die die dritte Staffel Preacher zwar zunächst kurzzeitig ein kleines bisschen ab, holt letztlich aber nur kurz Luft, um sich von dort in ungeahnte Höhen exzessiv-überzogener Satire, schwarzhumoriger Groteske und aberwitzig blutiger Urban-Fantasy-Western-Verquickung zu schrauben, die alles bislang in der Serie Gezeigte spielend in den Schatten stellt.

8,5 von 10 durch das "Wort Gottes" manipulierten Menschen

Preacher | Staffel 3

  • Durch das "Wort Gottes" manipulierte Menschen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Nach einem vielversprechenden Star flacht die die dritte Staffel Preacher zwar zunächst kurzzeitig ein kleines bisschen ab, holt letztlich aber nur kurz Luft, um sich von dort in ungeahnte Höhen exzessiv-überzogener Satire, schwarzhumoriger Groteske und aberwitzig blutiger Urban-Fantasy-Western-Verquickung zu schrauben, die alles bislang in der Serie Gezeigte spielend in den Schatten stellt.

8.5/10
Leser-Wertung 9.5/10 (2 Stimmen)
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Episodenübersicht: Staffel 3

01. Angelville (8,5/10)
02. Diese elenden Mistkerle (7,5/10)
03. Es wird weh tun (7,5/10)
04. Die Gruft (8,5/10)
05. Der Sarg (8,5/10)
06. Les Enfants du Sang (8/10)
07. Hilter (8,5/10)
08. Der Tom/Brady (8,5/10)
09. Schwanzkopf (9,5/10)
10. Das Licht über uns (9,5/10)

 
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Preacher | Staffel 3 ist seit dem 24.06.18 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar und erscheint am 15.11.18 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Chris 2. September 2018

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