Review: Daredevil | Staffel 3 (Serie)

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Wie indirekt schon angekündigt kommt hier nun meine Serienkritik zum Teufel von Hell’s Kitchen, der sich in seinem dritten Jahr zu ungeahnten Höhenflügen aufschwingt und mich wirklich die gesamten dreizehn Episoden vor Spannung und Faszination in den Sessel gepresst hat.

Daredevil
Staffel 3

Daredevil, USA 2015-, ca. 52 Min. je Folge

Daredevil Staffel 3 | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Drew Goddard
Showrunner:
Erik Oleson

Main-Cast:
Charlie Cox (Matt Murdock / Daredevil)
Deborah Ann Woll (Karen Page)
Elden Henson (Foggy Nelson)
Joanne Whalley (Sister Maggie)
Jay Ali (Rahul ‚Ray‘ Nadeem)
Wilson Bethel (Benjamin ‚Dex‘ Poindexter)
Stephen Rider (Blake Tower)
Vincent D’Onofrio (Wilson Fisk)
in weiteren Rollen:
Peter McRobbie (Father Lantom)
Geoffrey Cantor (Mitchell Ellison)
Amy Rutberg (Marci Stahl)
Kate Udall (SAC Tammy Hattley)
Ayelet Zurer (Vanessa Marianna)
Danny Johnson (Ben Donovan)
Peter Halpin (Theo Nelson)
Holly Cinnamon (Julie)

Genre:
Krimi | Drama | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Daredevil Staffel 3 | © Netflix
© Netflix

Seit über Matt Murdock aka Daredevil ein ganzes Haus eingestürzt ist – und er wie durch ein Wunder überlebt hat – sind bereits Monate vergangen und von der Öffentlichkeit wird er für tot gehalten, während sich zumindest Karen und Foggy an einen letzten Rest Hoffnung klammern, ihr Freund könnte irgendwie überlebt haben, weshalb insbesondere Karen noch immer seine Post sortiert und die Miete zahlt. Matt derweil ist tatsächlich gar nicht so weit entfernt und wird aufopferungsvoll von Schwester Maggie und Pater Lantom umsorgt, auch wenn er noch längst nicht wieder bei Kräften ist und auch einen Großteil seiner außergewöhnlichen Wahrnehmung eingebüßt hat. Vor allem aber macht den Geistlichen zu schaffen, dass Matt mit Gott gebrochen zu haben scheint und glaubt, sein Weg läge darin, seine Existenz als Matt Murdock aufzugeben und einzig als Daredevil weiter zu existieren. Unterdessen ereignen sich in New York aber noch weitaus mehr beunruhigende Dinge, denn der in Haft befindliche Wilson Fisk verhandelt mit FBI-Agent Rahul Nadeem einen beispiellosen Deal, der es ihm ermöglicht, die Gefängnismauern hinter sich zu lassen und sich in die Obhut des FBI zu begeben. Foggy und Karen sind zurecht vor den Kopf gestoßen, als sie davon erfahren, doch lässt sich das Ausmaß dessen, was Fisk plant, noch nicht einmal annähernd erahnen. Und von Daredevil noch immer keine Spur…

Rezension:

Beinahe unverschämt lange hat man uns bei Netflix auf die nunmehr dritte Staffel Daredevil warten lassen, doch kann ich für meinen Teil im Brustton der Überzeugung verkünden, dass sich das Warten mehr als gelohnt hat. Nachdem diesmal die Showrunner Doug Petrie und Marco Ramirez beerbt worden sind von Erik Oleson als neuer Schirmherr des Vigilanten, blieb abzuwarten, inwieweit sich das Feeling der vorangegangenen Staffeln wieder einstellen würde. Tatsächlich braucht es aber nicht einmal die (sinnvolle) vorangestellte Zusammenfassung sowie die erste Episode Wiederauferstehung (3.01) bis man sich im Serienkosmos wieder heimisch fühlt, zumal neben den üblichen alten Bekannten auch Wilson Fisk hier wieder vorrangig mit von der Partie ist. Und hatte ich seinerzeit Vincent D’Onofrio (Jurassic World) als dessen Darsteller schon attestiert, zusammen mit Kilgrave einer der überzeugendsten Schurken des Marvel-Universums überhaupt zu sein, hat sich an dieser Aussage nichts geändert. Vielmehr verhält es sich hier so, dass man das Gefühl hat, man habe es mit der konsequent weitergedachten Fortsetzung der ersten Staffel zu tun, so dass Fisk diesmal noch bedrohlicher wirkt, obschon er doch zunächst in FBI-Gewahrsam daherkommt.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 3 | © Netflix
© Netflix

Das liegt natürlich zu ganz großen Teilen an D’Onofrios unglaublicher Präsenz, die auch hier wieder ausschlaggebend dafür ist, dass man in dem schon physisch ungemein dominanten Fisk eine so unterschwellig brodelnde Bedrohung erkennt, die eine ganze Stadt ins Chaos zu stürzen imstande zu sein scheint. Wer jetzt übrigens meint, es wäre lahm oder auch nur ansatzweise langweilig oder redundant, einfach den Schurken der ersten Staffel wieder aufzuwärmen, der darf sich hier gepflegt eines Besseren belehren lassen, derweil ich ohnehin das Gefühl hatte, dass die Geschichte von Daredevil und dem Kingpin (wie er hier dann tatsächlich später genannt wird) noch längst nicht beendet ist, weshalb ich auch den kurzen Auftritt in der zweiten Staffel sehr zu schätzen gewusst habe. Auf Frank Castle sowie auch Elektra wird man hier allerdings verzichten müssen, auch wenn deren Existenz und Einfluss mitnichten totgeschwiegen werden, doch spielen sie für die Geschichte hier schlichtweg keine Rolle.

So fokussiert Daredevil in seinem dritten Jahr auffallend offensiv auf den gefallenen Helden Matt Murdock, der seiner bürgerlichen Existenz abzuschwören gedenkt und daher auch weder Foggy noch Karen darüber in Kenntnis setzt, dass er noch am Leben ist. Natürlich ist der zweifelnde Held ein klassisches Motiv und wurde in der Vergangenheit nur allzu oft bedient, doch geschah dies selten so überzeugend, ernsthaft und fein nuanciert, wie es hier der Fall ist. Schon immer habe ich speziell an den Marvel-Netflix-Serien begrüßenswert gefunden, dass Blessuren und Verletzungen nicht einfach spurlos verschwinden und auch hier dauert es wirklich geraume Zeit, bis Matt auch nur annähernd wieder auf der Höhe ist, nachdem er sich bereits geraume Zeit in der Obhut von Schwester Maggie und Pater Lantom befindet. Die Nachwehen seiner Verletzungen allerdings verdeutlichen auch, wie eng die dritte Staffel mit der Miniserie The Defenders verknüpft ist, die für niemanden so einschneidende Veränderungen gebracht haben wie eben unseren blinden Anwalt, was den Status von Daredevil als inoffizielle Hauptserie der Netflix-Ableger unterstreicht, auch wenn es derer nach den jüngsten Verkündigung der Absetzung von sowohl Iron Fist als auch Luke Cage freilich nicht mehr viele gibt.

Fernab der Anknüpfungspunkte zu dem vorangegangenen Team-Up aber bleibt Daredevil in dieser Staffel auffallend eigenständig und spart sich bis auf einen grandiosen Seitenhieb auf Jessica Jones beinahe jeglichen Querverweis, was in Anbetracht dessen, dass man sich hier auf Matt Murdocks "Heldenreise" zu konzentrieren anschickt, auch absolut Sinn macht. Vor allem gelingt es Charlie Cox (Boardwalk Empire) in jedem Moment, Murdocks Sinnkrise zu verbildlichen und schwingt sich darstellerisch hier zu neuen Höhen auf, während mich der brodelnde Jähzorn dieses gar nicht mal so strahlenden Helden noch immer fasziniert. Diesem Jähzorn stand aber auch immer ein gewisser Optimismus entgegen, der sich nun mit Matt Murdock als Person gemeinsam verabschiedet zu haben scheint. Exemplarisch in dem Zusammenhang, dass für Matt auch sein altes Daredevil-Kostüm ausgedient zu haben scheint und er nunmehr in deutlich archaischerer "Verkleidung" unterwegs ist, auch wenn ihm freilich zunächst keine Wahl bleibt.

Daredevil | Zeichnung von Wulf Bengsch

Und obwohl Murdocks innere Zerrissenheit hier so im Zentrum steht, bleibt dennoch Platz, um auf gelungenste Weise noch neue Figuren zu integrieren, von denen ich zunächst lediglich zwei benennen und besonders hervorheben möchte, denn im Kontext der Ereignisse um Fisks Schutzgewahrsam und dessen Kooperation mit dem FBI lernen wir einerseits Agent Nadeem (Jay Ali), andererseits Agent Poindexter (Wilson Bethel) kennen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Nadeem nämlich den Deal mit Fisk überhaupt erst ins Rollen bringt, fungiert er gleichermaßen als Sympathieträger und moralischer Gradmesser, der im Verlauf der Staffel mit zahlreichen Stolpersteinen und schwierigen Entscheidungen konfrontiert werden wird, die Integrität und Mut erfordern. Poindexter derweil erinnerte mich recht schnell und nicht von ungefähr an Dexter, womit ich beinahe schon zu viel gespoilert habe, doch keine Angst, abgesehen von einigen Parallelen unterscheiden sich die Figuren doch gravierend, man muss also weder befürchten, hier einen müden Abklatsch präsentiert zu bekommen, noch, dass ich wirklich etwas vorweggenommen hätte, was seine Figur betrifft (was man nicht anhand ihrer Art ohnehin vom ersten Moment an ahnt).

In beiden Fällen handelt es sich allerdings vornehmlich um Triebfedern, um die Geschichte von Wilson Fisk zu begleiten, während sich Daredevil in den Schatten zum Gegenschlag rüstet. Wenn eine Serie sich allerdings fernab der um sich greifenden Verschwörung so vehement der Entwicklung ihrer Hauptfigur widmet, kann ein Blick in die Vergangenheit nicht schaden, derweil diese hier dahingehend näher beleuchtet wird, dass Matt just dort wieder zu Kräften kommt, wo er als (Waisen-)Junge aufgewachsen ist, womit dann auch die Figur der fürsorglichen wie gestrengen Schwester Maggie eingeführt wird, dargestellt von einer glänzend aufspielenden Joanne Whalley. Als Comic-Kenner weiß man, als Zuschauer ahnt man, was es mit ihr noch auf sich haben könnte, doch will ich da gar nicht vorgreifen, weshalb ich mich diesbezüglich in Schweigen hülle. Neben Matt dürfen aber auch dessen engste Vertraute freilich nicht zu kurz kommen, auch wenn deren Leben zunächst einmal regelrecht parallel zueinander verlaufen (zumal Matt noch immer für tot gehalten wird). Und während Foggy hier – ebenfalls durch Fisk motiviert – eine Kandidatur zum Staatsanwalt anstrebt, verdingt sich die erneut von Deborah Ann Woll (True Blood) verkörperte Karen noch immer beim New York Bulletin und gerät freilich über kurz oder lang ins Fadenkreuz von Fisks Machenschaften, zumal man sich dunkel daran erinnern mag, dass sie dereinst James Wesley, Fisks wohl engsten Vertrauten, erschossen hat.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 3 | © Netflix
© Netflix

Im Fall Karen gehen die Autoren hinsichtlich ihrer Vergangenheit übrigens noch einen ganzen Schritt weiter und spendieren ihr mit Karen (3.10) eine ganze, nach ihr benannte Episode, die endlich viele der Rätsel um ihre Person aufzudecken gedenkt. Und während woanders speziell die Rückblick-Episoden das Geschehen doch merklich ausbremsen, geht man hier einen deutlich eleganteren Weg, vollzieht noch einen Schlenker zurück in die Gegenwart und liefert die brachial-beklemmende Fortsetzung der eigentlichen Story, die von diesem Moment an ohnehin nur noch eine einzige Aneinanderreihung von Highlights darstellt. Ganz grundsätzlich gesprochen ist diesmal aber ohnehin so ziemlich jede einzelne Episode für sich genommen eine filmische Perle, derweil auch das Gesamtergebnis als gelungen durchkonzipierter, nicht ganz dreizehnstündiger Film zu gefallen weiß, womit hier in meinen Augen die bisher beste, überzeugendste, qualitativ gleichbleibend großartige Serienstaffel der Marvel-Netflix-Serienproduktionen vorliegt, ganz davon abgesehen, dass Daredevil mit dieser Staffel auch einen Großteil aller sonstigen TV-Produktionen hinter sich lässt.

Fazit & Wertung:

Der dritten Staffel Daredevil gelingt das seltene Kunststück, einerseits gekonnt auf die Figuren und Ereignisse vorangegangener Staffeln zurückzugreifen und deren Geschichten packend fortzusetzen und andererseits, mit einem bis ins kleinste Detail durchkomponierten, vor Überraschungen und Wendungen strotzenden Plot zu begeistern, der in jeder Minute zu fesseln versteht und seine von Fatalismus und Sinnsuche geprägte Spannungskurve unerbittlich weiter nach oben schraubt. Nicht nur die mit Abstand beste Marvel-Netflix-Produktion bislang, sondern ganz allgemein gesprochen eine der gelungensten und fesselndsten Serienstaffeln der letzten Jahre.

10 von 10 getönten Sonnenbrillen

Daredevil | Staffel 3

  • Getönte Sonnenbrillen - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Der dritten Staffel Daredevil gelingt das seltene Kunststück, einerseits gekonnt auf die Figuren und Ereignisse vorangegangener Staffeln zurückzugreifen und deren Geschichten packend fortzusetzen und andererseits, mit einem bis ins kleinste Detail durchkomponierten, vor Überraschungen und Wendungen strotzenden Plot zu begeistern, der in jeder Minute zu fesseln versteht und seine von Fatalismus und Sinnsuche geprägte Spannungskurve unerbittlich weiter nach oben schraubt. Nicht nur die mit Abstand beste Marvel-Netflix-Produktion bislang, sondern ganz allgemein gesprochen eine der gelungensten und fesselndsten Serienstaffeln der letzten Jahre.

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Episodenübersicht: Staffel 3

01. Wiederauferstehung (8,5/10)
02. Bitte (8,5/10)
03. Der Fluch der guten Tat (9/10)
04. Überraschungen (9,5/10)
05. Das perfekte Spiel (9/10)
06. Ein kalkulierbares Übel (10/10)
07. Nachwirkungen (9/10)
08. Oben/unten (9/10)
09. Offenbarungen (10/10)
10. Karen (9,5/10)
11. Wiedersehen (9,5/10)
12. Ein letzter Versuch (9,5/10)
13. Eine neue Serviette (10/10)

 
 
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Daredevil | Staffel 3 ist seit dem 19.10.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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