Review: Eine nutzlose und dumme Geste (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, den eventuell einige von euch überhaupt nicht auf dem Schirm haben/hatten, da er beinahe heimlich direkt zu Netflix gewandert ist und selbst dort kaum beworben wurde. Zu Unrecht, wie ich finde, wobei ich mir das "Warum" für die nachfolgende Rezension aufspare.

Eine nutzlose und dumme Geste

A Futile and Stupid Gesture, USA 2018, 101 Min.

Eine nutzlose und dumme Geste | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
David Wain
Autoren:
Michael Colton (Drehbuch)
John Aboud (Drehbuch)
Josh Karp (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Will Forte (Douglas Kenney)
Domhnall Gleeson (Henry Beard)
Martin Mull (Modern Doug)

in weiteren Rollen:

Neil Casey (Brian McConnachie)
Jon Daly (Bill Murray)
Nelson Franklin (P.J. O’Rourke)
John Gemberling (John Belushi)
Rick Glassman (Harold Ramis)
Seth Green (Christopher Guest)
Max Greenfield (Chris Miller)
Harry Groener (Harry Kenney)
Camille Guaty (Alex Garcia-Mata)
Ed Helms (Tom Snyder)
Thomas Lennon (Michael O’Donoghue)
Joe Lo Truglio (Brad)
Matt Lucas (Tony Hendra)
Natasha Lyonne (Anne Beatts)
Joel McHale (Chevy Chase)
Annette O’Toole (Stephanie Kenney)
Emmy Rossum (Kathryn Walker)
Jackie Tohn (Gilda Radner)
Matt Walsh (Matty Simmons)
Finn Wittrock (Tim Matheson)
Elvy Yost (Mary Marshmallow)

Genre:
Biografie | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Eine nutzlose und dumme Geste | © Netflix
© Netflix

Im Jahre 1970 beschließen die Harvard-Studenten Douglas Kenney und Henry Beard, mit dem "National Lampoon" ihre eigene Zeitschrift – auf Basis des "Harvard Lampoon" – zu gründen, wenngleich Geldgeber schwierig aufzutreiben sind und niemand an den Erfolg des Blattes glauben mag, dessen subversive und satirische Ausrichtung zahllose Institutionen alsbald gegen die Herausgeber Sturm laufen lassen, so dass es Beschwerden und Klagen ohne Ende hagelt. Nichtsdestotrotz erkämpft sich der "National Lampoon" nach und nach eine eingeschworene Fangemeinde und weil das Kenney und Beard noch nicht reicht, geht der nächste konsequente Schritt in Richtung Filmgeschäft, so dass unter dem "National Lampoon"-Banner alsbald der Überraschungserfolg Animal House aka Ich glaub‘, mich tritt ein Pferd entsteht. Bei den Freunden Kenney und Beard allerdings kriselt es gewaltig und letztlich gehen die beiden getrennte Wege, während Douglas nur schwer mit dem Druck klarkommt, an diesen unerwarteten Erfolg anzuknüpfen…

Rezension:

Bereits seit seiner Netflix-Veröffentlichung Ende Januar 2018 stand Eine nutzlose und dumme Geste auf meiner persönlichen Watchlist, doch irgendwie hat es bis vor kurzem einfach nicht sollen sein, wobei ich es im Nachgang schon wieder bereue, so lange gewartet zu haben, denn der von David Wain inszenierte Film punktet doch mit so manchen Qualitäten, was ich mir in Anbetracht der Klamauk-Vergangenheit des Regisseurs gar nicht unbedingt erwartet hätte. Aber Klamauk ist es ja nun einmal auch, um den es hier geht, auch wenn ich zugeben muss, dass mir sowohl Douglas Kenney als auch der "National Lampoon" im Vorfeld kein Begriff gewesen sind, derweil ich zumindest Filme wie Animal House, Caddyshack oder Schöne Bescherung kannte, aber eben nicht mit dem Lampoon oder Keeney in Verbindung gebracht hätte (dafür liegen die jeweiligen Sichtungen auch schlicht viel zu lange zurück). Doch allein das ist schon ein Pluspunkt für den Film, dass die Geschichte des hier von Will Forte (jung) beziehungsweise Martin Mull (alt) verkörperten Douglas Kenney auch ohne jegliche Vorkenntnisse funktioniert und teils sogar besser, als wenn man über die biografischen Stationen des Kunstschaffenden im Bilde wäre.

Szenenbild aus Eine nutzlose und dumme Geste | © Netflix
© Netflix

Dabei wirkt der Film, der nach kurzer Einleitung in der Gegenwart zurück in die 1970er springt, nicht nur in punkto Setting teils wie aus der Zeit gefallen, denn auch inszenatorisch vermag sich Wain des subversiven Charmes zu bedienen und schreckt auch nicht davor zurück, teils einschneidende Handlungsentwicklungen als Schwarz-Weiß-Comic-Strip zu konzipieren, während allerhand sonstige Schnitt-Montagen, Lauftexte und in die Kamera gesprochene Kommentare des älteren Kenney das Geschehen zusätzlich auflockern. Auf der anderen Seite hat das aber zur Folge, dass das Geschehen in Eine nutzlose und dumme Geste zuweilen arg fragmentarisch und episodisch wirkt. Denn dass die Geschichte rund zehn Jahre umspannt macht sich durchaus bemerkbar, wenn man nach schlaglichtartigen Momenteindrücken zur nächsten Begegnung, zum nächsten Ereignis springt, das Teil der Filmbiografie sein soll. Immerhin passt das in seiner unangepasst freigeistigen Art eben auch ganz gut zum Kern und Geist der Geschichte, weshalb man das wahlweise hier ausnahmsweise auch als Pluspunkt auslegen könnte, zumal durch die schnellen Szenenwechsel gewährleistet ist, dass keine Langeweile aufkommt.

Vor allem aber gelingt es Will Forte trotz der Sprunghaftigkeit der Erzählung, einen überzeugenden Doug Kenney zum Besten zu geben, auch wenn ich freilich nichts darüber sagen kann, inwieweit er den echten Doug wirklich getroffen hat. Insbesondere in der ersten Hälfte steht ihm dabei der darstellerische Tausendsassa Domhnall Gleeson (Frank) als Henry Beard zur Seite, der sich hier bewusst zurücknimmt, als Teil des üppigen Ensembles aber dennoch spürbar einen der größeren und wichtigeren Parts übernimmt. Die Besetzung von Eine nutzlose und dumme Geste kann sich nämlich grundsätzlich mehr als sehen lassen und es wird deutlich, dass es für viele Beteiligte ein Herzenswunsch gewesen sein muss, an diesem Projekt beteiligt zu sein. Gleichwohl, die Namen all der bekannten Film- und Serien-DarstellerInnen zu nennen würde den Rahmen sprengen, zumal sie oben bereits aufgelistet worden sind, doch möchte ich zumindest einige gesondert hervorheben, denn während Matt Lucas (Doctor Who) anfänglich als unterhaltsamer Sidekick zur Truppe des "National Lampoon" stößt, darf man sich im weiteren Verlauf nicht nur auf Emmy Rossum (Shameless) als Dougs Lebensgefährtin Kathryn Walker freuen, sondern vor allem auf den wunderbaren Joel McHale, der hier den jungen Chevy Chase verkörpert, was für Community-Fans natürlich ein ganz besonderes Schmankerl darstellt.

Szenenbild aus Eine nutzlose und dumme Geste | © Netflix
© Netflix

Natürlich nimmt es Eine nutzlose und dumme Geste bei der Chronologie der Ereignisse und den Details nicht allzu genau, stellt selbstironisch aber auch die Frage, ob man wirklich glaube, der junge Doug Kenney hätte ausgesehen wie Will Forte, woraufhin gleich eine ganze Abschrift der Punkte folgt, bei denen man sich gewisse Freiheiten genommen hat. Doch gerade diese verspielt-augenzwinkernd Art des Sich-selbst-nicht-zu-ernst-nehmens macht den Film erst so charmant und huldigt im Grunde neben dem Filmschaffenden Kenney einer ganzen Generation längst vergangener US-Komödien, deren Humor zwar nicht eben subtil oder besonders geistreich gewesen sein mag, die allerdings die Massen unbestreitbar u begeistern wussten. Ein paar traurige und tragische Untertöne finden sich hier aber auch, wie der als erzählerische Stilmittel in Erscheinung tretende Gegenwarts-Kenney bereits früh andeutet, doch insbesondere die finale Auflösung und den daraus resultierenden Schlussakkord empfand ich als überaus gelungen, zumal er den Titel des Films noch einmal mit besonderer Deutung auflädt, die darüber hinausgeht, dass er im Mittelteil einmal von einem Schauspieler genannt wird, worauf wir als geneigte Zuschauer freilich gesondert hingewiesen werden, damit es uns ja nicht entgeht. Ein Film ganz und gar ungewöhnlicher Machart, der den subversiven Charme seiner Inspirationen und Vorbilder erkennen lässt und dennoch fest auf eigenen Beinen steht.

Fazit & Wertung:

David Wain gelingt mit Eine nutzlose und dumme Geste ein ganz und gar ungewöhnliches und unangepasstes Biopic, das man sich auch nicht entgehen lassen sollte, wenn man mit Douglas Kenney oder dem "National Lampoon" nicht vertraut ist, denn der subversive Charme, die sprunghaft-spritzige Inszenierung und eine Horde namhafter Cameos und Kurzauftritte bilden eine ungemein gelungene Huldigung an sowohl Doug Kenney als auch eine ganze Ära von Filmen, die seinerzeit unter dem "National Lampoon"-Banner entstanden sind.

8 von 10 subversiv-provokanten "National Lampoon"-Aufmachern

Eine nutzlose und dumme Geste

  • Subversiv-provokante "National Lampoon"-Aufmacher - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

David Wain gelingt mit Eine nutzlose und dumme Geste ein ganz und gar ungewöhnliches und unangepasstes Biopic, das man sich auch nicht entgehen lassen sollte, wenn man mit Douglas Kenney oder dem "National Lampoon" nicht vertraut ist, denn der subversive Charme, die sprunghaft-spritzige Inszenierung und eine Horde namhafter Cameos und Kurzauftritte bilden eine ungemein gelungene Huldigung an sowohl Doug Kenney als auch eine ganze Ära von Filmen, die seinerzeit unter dem "National Lampoon"-Banner entstanden sind.

8.0/10
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Eine nutzlose und dumme Geste ist seit dem 26.01.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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