Review: The City & The City (Serie)

Heute mal wieder ein Kleinod an Serie für euch, das mich jüngst erreicht hat und das ich in einem Rutsch wegkonsumiert habe, was zugegebenermaßen nicht schwer ist bei gerade einmal vier Episoden, trotzdem aber von der Faszination für diese Produktion kündet.

The City & The City

The City & The City, UK 2018, ca. 58 Min. je Folge

The City & The City | © Pandastorm Pictures
© Pandastorm Pictures

Regisseur:
Tom Shankland
Autoren:
Tony Grisoni (Drehbuch)
China Miéville (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

David Morrissey (Inspector Tyador Borlú)
Mandeep Dhillon (Constable Corwi)
Maria Schrader (Senior Detective Dhatt)
Lara Pulver (Katrynia Borlú)
Christian Camargo (Doctor Bowden)
Ron Cook (Commissar Gadlem)
Danny Webb (Major Syedr)
Morfydd Clark (Yolanda Stark)
Andrea Deck (Mahalia Geary)
Paprika Steen (Professor Nancy)
Corey Johnson (Geary)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The City & The City | © Pandastorm Pictures
© Pandastorm Pictures

Nirgends ist es so wie in Besźel und Ul Qoma, zwei Städten, die sich geografisch betrachtet an ein und demselben Ort befinden und dennoch voneinander separiert sind. Die Einwohner beider Städte haben von Kindesbeinen an mühsam lernen müssen, nicht zu sehen, was sie nicht sehen dürfen und so existieren beide Städte nebeneinander, sich fast überlappend und doch getrennt. Inspector Tyador Borlú ist Cop in Besźel und musste ebenfalls auf die harte Tour die Separation beider Städte lernen, als seine Frau Katrynia vor nunmehr sechs Jahren in einem der umstrittenen Distrikte verschwand und der Fall an "Ahndung" die mysteriöse Grenzpolizei beider Städte, übergeben wurde. Als in Besźel allerdings die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, rührt dies an alten Wunden, denn nicht nur wurde sie nahe des Übergangs zu Ul Qoma aufgefunden, sondern scheint gebürtig von dort zu stammen. Entsprechend schwierig gestalten sich die Ermittlungen, denn obwohl teils ganze Straßenzüge von Besźel und Ul Qoma aneinandergrenzen, ist es schier unmöglich, auf die andere Seite zu blicken – und seitens "Ahndung" strengstens untersagt. Ungeachtet dessen nimmt Borlú mit Unterstützung von Constable Lizbyet Corwi die Ermittlungen auf, doch gibt es seitens Professor Bowden noch die gewagte These, dass sich zwischen den Städten eine dritte Stadt namens Orciny verbergen könnte, was die Ermittlungen zusätzlich erschwert. Nicht zuletzt aufgrund der Verbindungen zu seiner vermissten Frau Katrynia – die Bowden ebenfalls kannte – ist Borlú allerdings nicht bereit aufzugeben, gleichwohl ihn "Ahndung" aufgrund der grenzüberschreitenden Natur des Falles sicherlich bereits ins Auge gefasst hat…

Rezension:

Beinahe wäre die vierteilige Miniserie The City & The City unbeachtet an mir vorbeigerauscht und ich bin so froh, dass dem nun doch nicht so gewesen ist, denn allein die auf dem hierzulande als Die Stadt & Die Stadt vertriebenen Buch von China Miéville fußende Prämisse zweier geografisch deckungsgleicher, aber voneinander separierter Städte mit unterschiedlicher Kultur, Bevölkerung und Architektur verspricht Großes und wird hier rein optisch mit einfachsten Mitteln stimmungsvoll in Szene gesetzt. Das Übermaß an Unschärfen und eigenwilligen Kameraperspektiven, die auch gelungen das doch eher begrenzte Budget zu kaschieren wissen, mögen nicht jedermanns Fall sein, schaffen aber einen unbestreitbar einzigartigen wie eigenwilligen Look, der mich schnell in seinen Bann zu ziehen wusste. So lebt allein Hauptfigur Borlú an einem der Plätze in Besźel, dessen gegenüberliegende Hälfte zu Ul Qoma zählt und folglich nicht gesehen werden kann, nicht gesehen werden darf, wenn man den Regeln der gefühlt omnipräsenten Organisation "Ahndung" folgt, die als eine Art Grenzwächter in Erscheinung treten und sich bei Verstößen regelrecht manifestieren, was ihren mystischen Charakter noch unterstreicht.

Szenenbild aus The City & The City | © Pandastorm Pictures
© Pandastorm Pictures

David Morrissey, der beispielsweise bereits mit The Driver unter Beweis gestellt hat, eine Miniserie spielend schultern zu können, fungiert hier in Gestalt des Besźel-Cops Inspector Tyador Borlú als erzählerischer Ankerpunkt des Ganzen, dem eine neuerliche Mordermittlung zuzusetzen beginnt, die ihn an das Verschwinden seiner Frau Katrynia (Kara Pulver, Fleming) erinnert. Das wirkt nur wenige Minuten profan, denn natürlich ist dieser Mord eng verknüpft mit den geografisch-gesellschaftlichen Besonderheiten in Besźel und Ul Qoma. Entsprechend bekommt Borlú schnell einen gewissen Gegenwind zu spüren, denn schon seinerzeit wurde Katrynias Verschwinden als Grenzfall betrachtet und folglich Ahndung übertragen, was ihm aus verständlichen Gründen kein zweites Mal passieren will. Hinsichtlich persönlich motiviertem und involviertem Ermittler geht The City & The City also durchaus generische Wege, doch wird das spielend aufgewogen durch die ungemein faszinierende Welt, in der er sich bewegt. Dabei ist es nicht nur dank optischer Spielereien interessant, wie die beiden Städte in Szene gesetzt werden, sondern spiegelt sich auch in der Farbgebung, der Sprache, der Infrastruktur wieder, weshalb man auch nicht auszumachen vermag, zu welcher Zeit genau die Serie eigentlich spielen soll, denn während Besźel noch am ehesten an ein heruntergekommenes, rückständig wirkendes Moloch von Stadt erinnert, mutet Ul Qoma weit fortschrittlicher und teils zaghaft futuristisch an.

Dank immer wieder eingestreuter Rückblenden zu Tyadors und Katrynias Kennenlernen und gemeinsamer Zeit, erfährt man im Rahmen der vierteiligen Serie aber auch zunehmend mehr über die beiden Städte und ihr Zusammenspiel, derweil der von Christian Camargo verkörperte Professor Bowden ein weiteres Faszinosum innerhalb des Konzepts der Serie darstellt, da er vor Jahren die These aufgestellt hat, zwischen den beiden Städten befände sich noch eine weitere, vor den Augen verborgene dritte Stadt namens Orciny, die – noch vor Ahndung – die Fäden aus dem Hintergrund ziehen soll. Aber auch als Police-Procedural macht The City & The City eine gelungene Figur und so stehen Borlú gleich zwei ermittelnde Partnerinnen zur Seite, bei denen es sich um Constable Corwi (Mandeep Dhillon) auf Seite von Besźel sowie Senior Detective Dhatt (Maria Schrader) auf Seite von Ul Qoma handelt, denn natürlich führen Borlús Ermittlungen ihn alsbald auch über die Grenze ins fremdartige Ul Qoma, was dann auch gleich die Titel der einzelnen Folgen diktiert, die nach den zwei – beziehungsweise drei – Städten benannt sind und mit Ahndung (1.04) ihren Abschluss finden. Leider liegt hier aber auch der einzige größere Schwachpunkt der Serie, denn so mancher könnte die finale Auflösung als etwas enttäuschend betrachten, derweil die Entwicklung ansonsten durchaus konsequent ist und insbesondere in der letzten Folge noch einiges an Geheimnissen und Zusammenhängen aufdeckt.

Szenenbild aus The City & The City | © Pandastorm Pictures
© Pandastorm Pictures

Auf der anderen Seite empfinde ich es als durchaus begrüßenswert, dass sich The City & The City selbst in diesem Punkt den allgemeinen Sehgewohnheiten verweigert und selbstbewusst seinen eigenen Weg geht, denn allein schon die Optik und Prämisse des Gezeigten sind durchaus geeignet, die sich vom Thema angesprochene Zuschauerschar gehörig auszudünnen und entsprechend kann man sich auch gleich gänzlich darauf verlegen, dem eigenen Stil und Anspruch treu zu bleiben. Und so wächst die Faszination mit jeder Szene und Einstellung, gleichwohl mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden und man sicherlich in mancher Hinsicht noch ausführlicher und konkreter auf die Besonderheiten von Besźel und Ul Qoma eingehen können. Gerade deren Zusammenspiel aber wird mit jeder weiteren Folge zunehmen reizvoller, wenn sich die Wege von Borlú in Ul Qoma und Corwi in Besźel gleich mehrere Male kreuzen, ohne dass die beiden sich wahrnehmen würden oder wenn Borlú begreift, dass er seit Jahren in direkter Nachbarschaft zu Senior Detective Dhatt wohnt, nur dass sie sich eben in unterschiedlichen Städten befinden und sich folglich nie begegnet sind, begegnen konnten. Und genauso faszinierend-irritierend, wie sich das anhört, ist die Serie in Gänze geraten und allein dafür schon ein echter Geheimtipp für alle Freunde ungewöhnlicher Fernsehunterhaltung.

Fazit & Wertung:

Die Buch-Verfilmung The City & The City ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ungemein faszinierend geraten und schafft es optisch wie inhaltlich, einen ganz und gar einzigartigen Mikrokosmos zu erschaffen, der in jeglicher Hinsicht aus der Zeit und Realität gefallen zu sein scheint und den Schauplatz für einen mehr als ungewöhnlichen Mordfall bildet, in dem der charismatische David Morrissey als Protagonist Borlú ermitteln darf. Insbesondere inszenatorisch ein echtes Kleinod und jede Aufmerksamkeit wert.

8 von 10 akribisch überwachten Überschneidungspunkten

The City & The City

  • Akribisch überwachte Überschneidungspunkte - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die Buch-Verfilmung The City & The City ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ungemein faszinierend geraten und schafft es optisch wie inhaltlich, einen ganz und gar einzigartigen Mikrokosmos zu erschaffen, der in jeglicher Hinsicht aus der Zeit und Realität gefallen zu sein scheint und den Schauplatz für einen mehr als ungewöhnlichen Mordfall bildet, in dem der charismatische David Morrissey als Protagonist Borlú ermitteln darf. Insbesondere inszenatorisch ein echtes Kleinod und jede Aufmerksamkeit wert.

8.0/10
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Episodenübersicht:

01. Besźel (8/10)
02. Ul Qoma (8/10)
03. Orciny (8/10)
04. Ahndung (7,5/10)

 
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The City & The City ist am 08.02.19 auf DVD bei Pandastorm Pictures im Vertrieb von Edel Germany erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

vgw

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