Review: Galveston – Die Hölle ist ein Paradies (Film)

Und hier kommt meine Film-Kritik zum Wochenende, bei der es sich dann auch wieder um eine Empfehlung handelt, auch wenn freilich einiges vom Flair der Buchvorlage abhanden kommt, was Regisseurin Laurent aber durchaus auszugleichen versteht.

Galveston
Die Hölle ist ein Paradies

Galveston, USA 2018, 91 Min.

Galveston - Die Hölle ist ein Paradies | © Koch Media
© Koch Media

Regisseurin:
Mélanie Laurent
Autor:
Nic Pizzolatto (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Ben Foster (Roy)
Elle Fanning (Rocky)
in weiteren Rollen:
Lili Reinhart (Older Tiffany)
Adepero Oduye (Loraine)
Robert Aramayo (Tray)
María Valverde (Carmen)
C.K. McFarland (Nancy)
Beau Bridges (Stan)

Genre:
Action | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Galveston - Die Hölle ist ein Paradies | © Koch Media
© Koch Media

Gerade erst hat Roy erfahren, dass es um seine Gesundheit nicht zum Besten steht, da erteilt ihm Gangsterboss Stan einen neuen Auftrag, weist ihn jedoch an, seine Waffe daheim zu lassen, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Klar, dass das Roy überhaupt nicht gefällt, doch beugt er sich den Weisungen von Stan und vor Ort geht freilich alles gründlich schief. In dem Wissen um die Endlichkeit seiner verbleibenden Zeit tritt Roy die Flucht an, unfreiwillig mit der Prostituierten Rocky im Schlepptau, die in dem Haus gefangen gehalten wurde, das Roy aufsuchen sollte. Gemeinsam beschließen die beiden, sich ins verschlafene Örtchen Galveston abzusetzen und zunächst die Füße stillzuhalten, doch zunächst sammelt Rocky noch ihre dreijährige Schwester ein. In Galveston angekommen, müssen allerdings sowohl Roy als auch Rocky bald erkennen, dass sie ihrem Leben und ihrer Vergangenheit nicht für immer davonlaufen können…

Rezension:

Es ist jetzt schon mehr als drei Jahre her, dass ich mit Genuss den von Nic Pizzolatto verfassten Roman Galveston habe lesen dürfen und freue mich, nun auch den hieraus hervorgegangenen Film gesichtet zu haben, der sich beinahe auf Augenhöhe mit seiner literarischen Vorlage bewegt, allerdings erneut das Problem haben dürfte, sein Publikum zu finden. Das liegt in beiden Fällen vorrangig daran, dass natürlich hier wie dort damit geworben wird, die Geschichte stamme vom True Detective-Schöpfer und das weckt und schürt natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, insbesondere mit der furios-kultigen ersten Staffel der HBO-Serie im Gedächtnis. Vor allem aber dürfte man sich einen cleveren, düsteren, verschachtelten Krimi erwarten und wird in dieser Hinsicht von Galveston – Die Hölle ist ein Paradies enttäuscht sein, denn gleichwohl Film wie Vorlage zwar düster sind und durchaus Krimi-Anleihen besitzen, handelt es sich doch in weiten Teilen um ein ruhig erzähltes und beklemmendes Charakter-Drama, in dem insbesondere die beiden Hauptfiguren zu brillieren wissen.

Szenenbild aus Galveston - Die Hölle ist ein Paradies | © Koch Media
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Dabei ist Galveston aber nicht nur deshalb interessant, weil es aus der Feder von Pizzolatto stammt – der unter dem Pseudonym Jim Hammet im Übrigen auch das Drehbuch verfasst hat –, sondern auch dahingehend, dass es sich um das englischsprachige Regie-Debüt von Mélanie Laurent handelt, die ich bis dato nur als Schauspielerin kannte. Der Umstand allerdings, dass Pizzolatto hier unter Pseudonym in Erscheinung tritt, lässt nicht das Beste hoffen, denn anscheinend waren er und Laurent sich uneins über Inszenierung und Ausrichtung des Films, doch meines Erachtens ist es gut, dass Laurent anscheinend ihre eigene Vision für den Film zu verwirklichen wusste, denn so stützt er sich zwar einerseits spürbar auf die Vorlage und teilt die wichtigsten Eckpunkte, setzt aber zuweilen durchaus andere Schwerpunkte und geht seinen eigenen Weg. Und nichts wäre hier ärgerlicher gewesen, als entweder eine 1:1-Kopie oder einen True Detective-Abklatsch serviert zu bekommen, denn für beides wären die Prämisse und der Tenor des Stoffes zu schade gewesen.

Nun hatte ich aber schon angedeutet, dass es Laurents Film schwerhaben dürfte, sein Publikum zu finden, denn im Grunde handelt es sich um die Skizze, die Momentaufnahme eines ungleichen Paares Gescheiterter, Außenseiter, die sich zusammenraufen, vor ihrem Leben Reißaus nehmen. Das ist selten im klassischen Sinne packend, sondern die meiste Zeit melancholisch und in diesem Fall von einer bildhaften Poesie umgeben, denn was im Roman die Sprache zu leisten hatte, verlegt sich hier vorrangig auf die vorherrschende Atmosphäre, intime Einstellungen und Blicke, weit weniger ausufernde Dialoge, die aber auch weder Roy noch Rocky nötig haben, die sich im stillen Einverständnis aufeinander zu stützen beginnen. Dass dies so trefflich auf der Leinwand funktioniert ist – wenig überraschend – zu gleichen Teilen Ben Foster (Hell or High Water) sowie Elle Fanning (The Neon Demon) zu verdanken, die beide mit Bravour in die Rollen von Roy und Rocky schlüpfen, wobei Foster als stoischer Einzelgänger zugegebenermaßen den leichteren Part hat und Fanning als labile wie aufgewühlte, sich verzweifelt tapfer gebende junge Frau deutlich mehr Gelegenheit bekommt, mit emotionalen Ausbrüchen ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Szenenbild aus Galveston - Die Hölle ist ein Paradies | © Koch Media
© Koch Media

Aber auch das Motel selbst im verschlafenen Galveston entwickelt sich zum heimlichen Hauptdarsteller und wirkt nicht von ungefähr wie eine Art Mikrokosmos, in dem es sich die seit langem schon aus der Gesellschaft ausgetretenen Protagonisten bequem zu machen beginnen. Und dem Umstand geschuldet, dass die Geschichte die meiste Zeit ruhig und beinahe getragen zum Besten gegeben wird, gehen freilich auch die seltenen Ausbrüche sowie durchaus vorhandenen Gewaltspitzen noch weitaus mehr durch Mark und Bein, derweil Galveston ohnehin zum Ende hin ein paar garstige Twists mit sich bringt, die kompromissloser und konsequenter kaum sein könnten. Dabei ist die filmische Aufarbeitung des Romans deutlich stringenter geraten und schenkt sich die in der Vorlage vorhandenen Zeitsprünge beinahe gänzlich, was nur zu begrüßen ist, denn ohnehin ist vieles am Fortgang der Geschichte tendenziell vorhersehbar, was durch entsprechende Foreshadowing-Momente nur noch verstärkt worden wäre. Ansonsten fällt diese Vorhersehbarkeit aber kaum störend ins Gewicht, da es eben weit weniger um den Plot als die Figuren geht, so dass sich Laurents Film als regelrechte Charakter- und Milieu-Studie präsentiert, die sich lediglich mancher Noir-Elemente bedient, um das Geschehen in visuell-atmosphärischer Hinsicht ansprechend anzureichern.

Fazit & Wertung:

Mélanie Laurent liefert mit Galveston – Die Hölle ist ein Paradies eine Literaturadaption auf Augenhöhe der Vorlage ab, die mit eigenwilligem Flair und intensiver Atmosphäre zu packen versteht, als lupenreines Charakterdrama allerdings in Erwartung eines Krimis – aufgrund des Verweises auf True Detective-Schöpfer Nic Pizzolatto als Autor des Buches – enttäuschen könnte. Als melancholisch erzähltes Drama mit vereinzelten Gewaltspitzen allerdings ist das Werk durchaus gelungen.

7,5 von 10 Konfrontationen mit der Endlichkeit des eigenen Lebens

Galveston – Die Hölle ist ein Paradies

  • Konfrontationen mit der Endlichkeit des eigenen Lebens - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mélanie Laurent liefert mit Galveston – Die Hölle ist ein Paradies eine Literaturadaption auf Augenhöhe der Vorlage ab, die mit eigenwilligem Flair und intensiver Atmosphäre zu packen versteht, als lupenreines Charakterdrama allerdings in Erwartung eines Krimis – aufgrund des Verweises auf True Detective-Schöpfer Nic Pizzolatto als Autor des Buches – enttäuschen könnte. Als melancholisch erzähltes Drama mit vereinzelten Gewaltspitzen allerdings ist das Werk durchaus gelungen.

7.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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vgw

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