Review: High Fidelity | Staffel 1 (Serie)

Schon länger hatte ich einen Blick auf diese Serie werfen wollen, die ursprünglich bei Disney+ landen sollte, letztlich aber bei Hulu veröffentlicht wurde. Wie es der Zufall will, ist die nun hierzulande mit Aufschaltung des Star-Bereichs beim Streaming-Anbieter doch noch dort gelandet, wo sie ohnehin angedacht gewesen ist, gleichwohl man sich die zehnteilige – mittlerweile leider schon wieder abgesetzte – Show freilich auch andernorts zu Gemüte führen kann.

High Fidelity
Staffel 1

High Fidelity, USA 2020, ca. 30 Min. je Folge

High Fidelity | © Hulu/Disney+
© Hulu/Disney+

Serienschöpfer:
Veronica West
Sarah Kucserka
Nick Hornby (Buch-Vorlage)
Shworunnerin:
Sarah Kucserka

Main-Cast:
Zoë Kravitz (Robyn ‚Rob‘ Brooks)
Jake Lacy (Clyde)
Da’Vine Joy Randolph (Cherise)
David H. Holmes (Simon Miller)
in weiteren Rollen:
Kingsley Ben-Adir (Russell ‚Mac‘ McCormack)
Rainbow Sun Francks (Cameron Brooks)
Thomas Doherty (Liam Shawcross)
Nadine Malouf (Nikki Brooks)
Edmund Donovan (Blake)
Ivanna Sakhno (Kat Monroe)
Dana Drori (Lily)
Antonio Ortiz (Carlos)

Genre:
Drama | Komödie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus High Fidelity | © Hulu/Disney+
© Hulu/Disney+

Robyn Brooks – von allen nur "Rob" genannt – blickt auf die Scherben ihrer jüngst in die Brüche gegangenen Beziehung zu Mac zurück, was sie dazu veranlasst, eine Top Five der gebrochenen Herzen aufzustellen und ihr bisheriges Liebesleben Revue passieren zu lassen, denn Rob kann nicht behaupten, dass es das erste Mal gewesen ist, dass sie enttäuscht, verschmäht, verlassen worden ist. Überhaupt sind Top-Five-Listen einer ihrer persönlichen Spleens, den sie mit ihren angestellten Simon und Cherise teilt, während sie gemeinsam tagein tagaus in Robs Schallplattenladen "Championship Vinyl" abhängen, der sich einer spärlichen, aber auch in Sachen Musikgeschmack elitären Kundschaft erfreut. Einig sind sich Cherise und Simon allerdings dahingehend, dass Rob Mac endlich vergessen muss und so verschweigt man ihr vorsorglich auch, dass der jüngst wieder in die Stadt gezogen ist. Die in Selbstmitleid und Selbstreflexion badende Rob macht daraus – sie erfährt es natürlich doch – ein regelrechtes Drama, doch noch viel drängender scheint die Frage, wer verdammt eigentlich diese Lily sein so, mit der Mac nun wohl liiert ist. Dergestalt auf ihre bis dato desaströses Liebesleben fokussiert, merkt Rob nicht einmal, was ihre Freunde und Arbeitskollegen umtreibt, geschweige denn, wer womöglich weit mehr für sie übrig haben könnte, als sie sich zunächst eingestehen will…

Rezension:

Eine Neuverfilmung des 1995 erschienenen Weltbestsellers High Fidelity von Nick Hornby, in Teilen sicherlich auch eine Neuinterpretation des bereits im Jahre 2000 veröffentlichten, gleichnamigen Films – kann das gut gehen? Ich muss zugeben, anfangs extrem skeptisch gewesen zu sein, zumal mir der Film mit John Cusack trotz all der Jahre noch in lebhafter Erinnerung ist und ich mich an viele geniale Szenen zu erinnern vermag, die ähnlich einprägsam und denkwürdig gewesen sind wie sonst vielleicht nur Cusacks kultige Ghettoblaster-Szene in Teen Lover. Entsprechend konnte ich mir weder vorstellen, dass die Serie an den Film heranreichen würde, noch, dass sie einen echten Mehrwert bieten könne, wenn man Buch und Film eben bereits kennt und schätzt. Tatsächlich erweist sich aber der geänderte Geschlechterblickwinkel als wahrer Segen und lässt die Erzählung gleich cleverer erscheinen, widmet sich Hornbys Roman schließlich explizit männlichen Macken und Manierismen, was nun gekonnt aufs Korn genommen wird, indem sich gar nicht mal viel ändert, wenn Rob jetzt nun als Frau in Erscheinung tritt, zumal Zoë Kravitz (Good Kill) den Part der neurotischen, gleichsam aber auch abgeklärten und ausgemacht lässigen, nichtsdestotrotz ungemein ichbezogenen Rob mit Bravour meistert.

Szenenbild aus High Fidelity | © Hulu/Disney+
© Hulu/Disney+

Darüber hinaus scheinen aber auch die Serienverantwortlichen – Idee und Konzeption stammen von Sarah Kucserka und Veronica West – den nunmehr über zwanzig Jahre zurückliegenden Film sehr zu schätzen, denn viele der erwähnten kultigen Momente finden sich eins zu eins transferiert auch in der Serienfassung von High Fidelity, was nicht nur Kenner der Vorlage(n) zum Schmunzeln bringt, sondern eben auch den eigenwillig trockenen Humor bewahrt. Ansonsten modernisiert man, was zu modernisieren ist, behält aber auch vieles bei, was man kennt und liebt. Bestes Beispiel sind die Mix-Tapes, die nun nicht mehr auf Kassette aufgenommen, sondern als Spotify-Playlist zusammengestellt werden, derweil Rob noch immer einen Schallplattenladen führt, der buchstäblich aussieht wie vor zwanzig Jahren. Dadurch bietet die Serie ausreichend Anknüpfungspunkte und Identifikationspotential für Neulinge ebenso wie Kenner, auch wenn ich durchaus das Gefühl habe, dass es sich lohnen könnte, wenn man Buch und/oder Film im Vorfeld bereits gelesen/gesehen hat, wie es bei mir der Fall war, einfach weil dadurch die vielen (abgewandelten) Reminiszenzen und Huldigungen natürlich viel besser zur Geltung kommen.

Ansonsten ist es beeindruckend, wie universell die Story von High Fidelity ist, denn ungeachtet dessen, dass der Roman mittlerweile ein gutes Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat und mit einem mehr als stereotypen Protagonisten – jung, weiß, männlich, egozentrisch – aufwartet, funktioniert die Story ohne Abstriche auch in dieser kreativ abgewandelten Form, selbst wenn Robs Verflossene Charlie Nicholson nun hier Kat Monroe heißt und nicht mehr im Telefonbuch, sondern stattdessen bei Instagram zu finden ist. Überhaupt ist man natürlich schnell geneigt, Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Vorzüge und Verfehlungen der Film- und Serienfassung zu vergleichen, wobei das natürlich im Grunde Quatsch ist, denn beide Varianten haben ihre Stärken und Schwächen, wobei hier natürlich deutlich mehr Zeit und Raum bleibt, sich den Geschichten am Wegesrand zu widmen und beispielsweise Robs steten Wegbegleitern Simon (David H. Holmes) und Cherise (Da’Vine Joy Randolph) deutlich mehr Screentime einzuräumen, was den Figuren und ihrer Freundschaft natürlich mehr als gut tut. Dabei irritiert zwar, dass Simon mit Ballad of the Lonesome Loser – im Deutschen schlicht als Simon (1.08) betitelt – eine eigene Episode spendiert bekommt, Cherise hingegen nicht, doch ahnten die Serienschöpferinnen Kucserka und West zu diesem Zeitpunkt sicher auch noch nicht, dass ihre Show bereits nach einer Staffel wieder abgesetzt würde.

Szenenbild aus High Fidelity | © Hulu/Disney+
© Hulu/Disney+

Das ist natürlich einer der traurigeren Punkte an dieser sonst so erfrischenden Neuinterpretation, wobei hier sicherlich nicht Qualität der Show und Akzeptanz durch das Publikum ausschlaggebend gewesen sein dürften, sondern eher die Auswirkungen der Pandemie, aber das sind nur Mutmaßungen meinerseits. Hier hat man aber auf alle Fälle Glück im Unglück, denn schon im Vorfeld war ich skeptisch, wie sich eine Serie nach Buchvorlage fortsetzen ließe, wenn besagte Vorlage nach einer Staffel abgefrühstückt wäre und auch wenn ich mir vorstellen kann, dass man die Story um Rob und Konsorten überzeugend hätte weiterspinnen können, enden die zehn Episoden doch ausnehmend versöhnlich und zufriedenstellend, zumal die Serie hier einen anderen Weg geht als ihre Vorlage und entsprechend noch zu überraschen weiß, während viele Eckdaten ansonsten eins zu eins übernommen worden sind. Keine Kritik zu einer Serie wie High Fidelity aber, ohne dass nicht auch die Musik zur Sprache kommen würde und hier hat die Serie gegenüber sämtlichen anderen Darreichungsformen des Stoffes merklich die Nase vorn, weil eben reichlich Zeit bleibt, in Klassikern zu schwelgen, Bowie oder den Beastie Boys zu lauschen, Songs von Frank Zappe bis Fleetwood Mac zum Besten zu geben, aber auch neueren, unbekannteren Liedern einen Platz einzuräumen, während die Fachsimpelei der drei Musik-Begeisterten stete Freude bereitet und Cherise‘ Vorstellung der Musik, die sie machen möchte – "think Brian Eno producing Beyoncé fronting Soul Coughing" gleichsam schmunzeln lässt und neugierig macht. Ungeachtet dessen also, dass nach einer Staffel bereits wieder Schluss ist, sollte man sich – ob man Film oder Buch nun kennt oder nicht – auf alle Fälle auf dieses Experiment einlassen, denn Neuinterpretation und Modernisierung sind hier mehr als geglückt, zumal Zoë Kravitz hier John Cusack mehr als würdig beerbt und man dem Geist und Ton der literarischen Vorlage in allen Belangen treu ergeben bleibt.

Fazit & Wertung:

Obwohl die modernisierte und neu arrangierte Serienadaption von Nick Hornbys High Fidelity nach nur einer Staffel abgesetzt worden ist, lohnt sich ein blick auf alle Fälle, denn abgesehen davon, wie smart die Geschichte mit vertauschten Geschlechtern neu interpretiert wird, bleibt sie dem Geist der Buchvorlage und des Films aus dem Jahre 2000 absolut treu, derweil Zoë Kravitz in der Rolle von Hauptfigur Rob regelrecht brilliert.

8 von 10 argumentativ enthusiastisch verteidigten Top-Five-Listen

High Fidelity | Staffel 1

  • Argumentativ enthusiastisch verteidigte Top-Five-Listen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Obwohl die modernisierte und neu arrangierte Serienadaption von Nick Hornbys High Fidelity nach nur einer Staffel abgesetzt worden ist, lohnt sich ein blick auf alle Fälle, denn abgesehen davon, wie smart die Geschichte mit vertauschten Geschlechtern neu interpretiert wird, bleibt sie dem Geist der Buchvorlage und des Films aus dem Jahre 2000 absolut treu, derweil Zoë Kravitz in der Rolle von Hauptfigur Rob regelrecht brilliert.

8.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Die Top Five (8/10)
02. Die Playlist (7,5/10)
03. Herz aus Glas (7,5/10)
04. Viel Glück und auf Wiedersehen (7,5/10)
05. Gut und Böse (8/10)
06. Der Traum (8/10)
07. Zeit für mich (8,5/10)
08. Simon (8/10)
09. Spaß-Rob (8,5/10)
10. Die andere Seite des Felsens (8,5/10)

 
 
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High Fidelity | Staffel 1 ist seit dem 01.01.2020 bei Amazon Prime Instant Video verfügbar (allerdings nicht im Prime-Angebot enthalten) und seit dem 23.02.21 (mit Aufschaltung des neuen Star-Bereichs) bei Disney+ verfügbar, wo die Serie ursprünglich bereits erscheinen sollte.


vgw

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