Review: Star Wars: Die Hohe Republik – In die Dunkelheit | Claudia Gray (Buch)

Das Star Wars Universum

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Heute starte ich dann endlich auch mit der Behandlung der hierzulande frisch gestarteten neuen Ära im Franchise, auf die ich schon wirklich lange neugierig gewesen bin und deren erste Vertreter nun langsam auch bei uns eintrudeln.

Star Wars
Die Hohe Republik
In die Dunkelheit

Star Wars: The High Republic – Into the Dark, USA 2021, 416 Seiten

Star Wars: Die Hohe Republik - In die Dunkelheit | © Panini
© Panini

Autorin:
Claudia Gray
Übersetzer:
Tobias Toneguzzo
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Panini Books
ISBN:
978-3-833-23943-4

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Er drehte sich um und sah einen jungen Jedi-Ritter auf sich zukommen. Dez Rydan trug seine Reisekleidung und ebenfalls eine Tasche über der Schulter. Es sah nicht so aus, als wäre er zum Raumhafen gekommen, um sich von Reath zu verabschieden. „Dez? Was macht Ihr denn hier?“
Dez grinste. „Sieht aus, als würden wir mit demselben Transporter zur Grenze fliegen.“

Jedi-Padawan Reath Silas ist reichlich perplex, als seine Meisterin beschließt, es würde ihm guttun, der Kernwelt Coruscant und den Archiven zeitweilig den Rücken zu kehren, um stattdessen über die Grenzen der Republik hinaus in die entlegensten Winkel der Galaxis vorzustoßen. Reath ist nämlich mitnichten eine Abenteurer-Natur und widmet sich lieber Lektüren und Studien, doch hat ein Padawan nun einmal zu gehorchen und er somit gar keine andere Wahl. Sein ungutes Gefühl allerdings trügt ihn nicht, denn noch auf der Reise in Richtung Grenzgebiet kommt es zu einer galaktischen Katastrophe und das Schiff der Reisenden wird regelrecht aus dem Hyperraum geschleudert. Die üblichen Routen sind blockiert und versprengte Schiffe finden sich allerorten, während Reath und die restliche Schiffsbelegschaft unter Führung der Jedi Orla Jareni und Cohmac Vitus auf einer verlassenen Raumstation Zuflucht finden. Schnell treffen weitere Schiffe ein, derweil sich die Jedi noch auf der Station zu orientieren versuchen und vor allem, den Ursprung einer merkwürdigen, dunklen Präsenz zu verorten…

Rezension:

Lange hat man sich in Deutschland gedulden müssen, doch nun ist mit Veröffentlichung der beiden Romane In die Dunkelheit und Die Bewährungsprobe auch hierzulande die neue Ära Star Wars: Die Hohe Republik gestartet, wobei der eigentliche Auftaktroman Das Licht der Jedi noch auf sich warten lässt und wohl erst im September bei Blanvalet erscheinen wird. Nichtsdestotrotz wollte ich natürlich starten und habe mich voller Neugierde an die Lektüre begeben, wird immerhin ein gänzlich neues Kapitel im Franchise aufgeschlagen, das gänzlich losgelöst von Separatisten, Imperium, Erster Ordnung und Skywalker-Familienfehde existiert und folglich einiges an Freiheiten besitzt, neue, unerwartete Geschichten zu erzählen. Das gelingt Claudia Gray auch erwartungsgemäß gut, ist dies schließlich nicht ihr erster Roman in dem Metier, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass vielleicht noch etwas mehr "Worldbuilding" betrieben wird. So startet die Geschichte auf Coruscant, doch abgesehen davon, dass der Stadtplanet noch längst nicht so bebaut ist, wie wir ihn kennen, erfährt man im Grunde recht wenig und bekommt nicht unbedingt ein greifbares Bild geliefert, wie es dort nun eben 200 Jahre zuvor ausgesehen hat, während man über Regierung und Regierende ebenfalls nichts erfährt. Da hätte wahrscheinlich der offizielle Einstiegsroman mehr zu bieten gehabt, vor allem aber ist es natürlich weitaus wichtiger, sich den handelnden Figuren zu widmen und deren Entwicklung voranzutreiben.

Zuhause, dachte er. Das Wort durchbohrte ihn wie ein Pfeil. Man brachte den Jedi bei, ihre Tempel nicht als ihr Zuhause zu betrachten, ebenso wenig wie die Planeten, auf denen sie geboren worden waren. Aber kein denkendes Wesen konnte sich je ganz von dem Wunsch nach einer Heimat befreien. Und Reath wollte sich auch gar nicht davon befreien. Er wollte Coruscant so im Gedächtnis behalten, wie es jetzt vor ihm lag: schillernd, prachtvoll, himmelhoch.

Tatsächlich war ich anfänglich auch der irrigen Annahme verfallen, das Buch würde sich ausschließlich auf die Erlebnisse und Abenteuer von Jedi-Padawan Reath Silas konzentrieren, doch je mehr Zeit Gray auf die weiteren Passagiere und die Besatzung der Schiff (so der Name des Schiffs, mit dem es Richtung Grenzgebiet geht) verwendet, umso mehr kristallisiert sich heraus, dass es im Grunde eher ein Ensemble-Stück ist, das schlussendlich zahlreiche Anknüpfungspunkte bieten wird, weitere Geschichten zu den Figuren zu erzählen, wodurch auch In die Dunkelheit als trefflicher Einstieg in Die Hohe Republik betrachtet werden kann, so man denn zu einem späteren Zeitpunkt etwas aus der Vorlage macht. Ansonsten kommt es hier zu einem einschneidenden Ereignis die Hyperraum-Routen betreffend, das sich wohl auch parallel in Das Licht der Jedi abspielen wird und einen der Aufhänger für die Ära an sich darstellt, hier aber auch ganz konkret die Story in Fahrt bringt, um die Schiff an einer verlassenen Raumstation andocken zu lassen. Bis dahin dauert es allerdings eine Weile und ziemlich exakt die Zeit habe ich auch gebraucht, mich in die Geschichte zu finden, weil man natürlich zunächst von den vielen neuen Figuren regelrecht erschlagen wird.

Das ist aber nur natürlich und auch im Grunde nichts Verwerfliches, derweil es vereinzelte Rückblenden zu den Jedi Cohmac Vitus und Orla Jareni nicht gebraucht hätte, weil sie den Lesefluss mehr stören als der Hauptstory nützen, aber das mag man auch individuell anders sehen. An Bord der Station dann allerdings vermag Gray wieder mit Abwechslungsreichtum und Atmosphäre zu punkten, denn auch wenn die Sith als solche in der Ära der Hohen Republik keine Rolle spielen mögen, gibt es doch immer noch Artefakte und Spuren ihrer früheren Taten, wie nun eben auch die gestrandeten Jedi sie dort entdecken. Vor allem aber konzentriert sich In die Dunkelheit mitnichten nur auf diesen Part der Story, sondern wartet noch mit einigen überraschenden Schlenkern auf und verleiht auch vermeintlich nebensächlichen Figuren und Begegnungen später noch größeres Gewicht. Interessant ist vor allem anderen aber auch der Blick ins Innenleben der Figuren, die allesamt so ihr Päckchen zu tragen haben und sicherlich das Potential besitzen, auch im Alleingang einen Roman zu tragen, zumal hier – insbesondere was den Jedi-Orden angeht – interessante neue Konzepte angeteasert werden, von denen ich gerne mehr erfahren würde, was nicht nur für Orla gilt.

Cohmac Vitus war ein Mann der Vernunft und der Logik. Er hatte natürlich auch Emotionen, aber er ließ nicht zu, dass sie sein Urteilsvermögen beeinflussten. Oder zumindest hoffte er das. Sein präziser, mathematischer Verstand zog das Konkrete dem Nebulösen vor, das Quantifizierbare dem Mysteriösen. Ein paar seiner Ordensbrüder hatten ihn darauf hingewiesen, dass das für einen Mystiker eine ungewöhnliche Einstellung war. Doch in Cohmacs Augen war es ein Teil dessen, was ihn zum Orden geführt hatte: Stabilität und Rationalität.
Aber warum fühlte sich diese Einstellung gerade jetzt weniger wie eine Gabe und mehr wie ein Verteidigungsmechanismus an?

Aufgrund von fehlendem Kontext – da es sich ja nun für mich um den ersten Roman in den Gefilden der &quog;High Republic" handelt, kann ich gar nicht genau bewerten, wie gelungen das Ganze denn nun als Teil des großen Ganzen ist, doch für sich genommen überzeugt und funktioniert die Geschichte, auch wenn sie sicherlich nicht zum Besten zählt, was Gray bislang verfasst hat. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau und speziell die Andeutungen sind es, die neugierig machen auf weitere Veröffentlichungen, während auch der Epilog überraschend umfassend geraten ist, um eben die etablierten Figuren für etwaige Folge-Abenteuer in Stellung zu bringen. Zuletzt hat aber In die Dunkelheit auch schon im Vorfeld dahingehend für Aufsehen gesorgt, dass hier mit Geode ein waschechter Stein als Protagonist Teil des Geschehens ist, was zwar einerseits für einen ziemlich gelungenen – weil konsequenten – Running Gag sorgt, aber andererseits eben auch nicht wirklich stimmig wirkt und essentielle Fragen offen lässt, zumal der Roman gut und gern auch ohne diese "Figur" funktioniert hätte. Sei es drum, handelt es sich auf alle Fälle um einen unterhaltsamen und routiniert geschriebenen Roman, der die neue Ära zwar bisher nur schlaglichtartig beleuchtet, gerade in Verbindung mit dem erst noch in Deutsch kommenden Das Licht der Jedi aber ein gelungener Auftakt sein dürfte, dem hoffentlich noch viele spannende, dann gern noch ein wenig innovativere Erzählungen folgen werden.

Fazit & Wertung:

Claudia Gray liefert mit Star Wars: Die Hohe Republik – In die Dunkelheit einen der ersten Vertreter der neu eröffneten Ära im Franchise, überschlägt sich zwar nicht vor Einfallsreichtum, liefert aber eine rundherum solide Story ab, die vielerorts zwar mehr wie eine groß angelegte Exposition wirkt, zugebenermaßen aber auch gleich einen ganzen Schwung interessanter Charaktere einführt, von denen man gern mehr hören und sehen möchte.

7,5 von 10 Gefahren und Geheimnisse im Grenzgebiet der Hohen Republik

Star Wars: Die Hohe Republik - In die Dunkelheit

  • Gefahren und Geheimnisse im Grenzgebiet der Hohen Republik - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Claudia Gray liefert mit Star Wars: Die Hohe Republik - In die Dunkelheit einen der ersten Vertreter der neu eröffneten Ära im Franchise, überschlägt sich zwar nicht vor Einfallsreichtum, liefert aber eine rundherum solide Story ab, die vielerorts zwar mehr wie eine groß angelegte Exposition wirkt, zugebenermaßen aber auch gleich einen ganzen Schwung interessanter Charaktere einführt, von denen man gern mehr hören und sehen möchte.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Star Wars: Die Hohe Republik – In die Dunkelheit ist am 23.03.21 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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