Review: Das Rätsel von London | Benedict Jacka (Buch)

Heute wird es wieder magisch mit dem neuesten Abenteuer von Alex Verus, auch wenn mich das ärgerlicherweise nicht ganz so abgeholt hat wie die vorherigen Bände bislang.

Das Rätsel von London
Alex Verus 6

Veiled (Alex Verus 6), UK 2015, 448 Seiten

Das Rätsel von London von Benedict Jacka | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Benedict Jacka
Übersetzerin:
Michelle Gyo

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16254-1

Genre:
Fantasy | Abenteuer

 

Inhalt:

Wir hatten viel über Richards Aktivitäten in Erfahrung gebracht, jedoch wenig, was man dagegen tun konnte, bis hin zu dem Punkt, wo es fast so war, als sähe man den Wetterbericht an: Ja, dieser Tornado bewegt sich in deine Richtung, und ja, es wird übel, und ja, es wird einfach ätzend, wenn er dann dein Haus plattmacht.

Nachdem Divinationsmagier Alex Verus nun Gewissheit hat, dass sein einstiger Lehrmeister Richard Drakh zurückgekehrt ist – und ihn zu allem Überfluss auch noch in seine Dienste zu drängen gedenkt – ist guter Rat teuer. Schweren Herzens muss Alex sich nun fragen, ob es ihm weiter möglich ist, zwischen den Stühlen zu sitzen, denn sollte er sich dazu durchringen können, beispielsweise in den Dienst des Sternordens, einer Art magischer Polizei, zu treten, würde das natürlich auch ein gewisses Maß an Schutz für ihn und seine Freunde bedeuten. Entsprechend stattet Verus zähneknirschend seiner alten Bekannten Caldera einen Besuch ab und wird bald als eine Art Hilfskraft eingesetzt. Seine speziellen Talente – nicht nur als Divinationsmagier – führen aber bald dazu, dass er unverhofft in gehörige Schwierigkeiten gerät, die ihn und Caldera zudem auf die Spur einer obskuren wie skrupellosen Vereinigung führt, die selbst vom Rat der Weißmagier gefürchtet wird…

Rezension:

Mit Das Rätsel von London bin ich nun bereits beim sechsten Band der Alex-Verus-Reihe angelangt und es ist kein Ende in Sicht, was natürlich einer der Vorteile ist, wenn man hierzulande erst Jahre später damit beginnt, die ganzen Bände zu übersetzen und zu veröffentlichen. Nach vielen großartigen Storylines muss ich aber leider diesmal festhalten, dass ich nicht ganz so begeistert gewesen bin, wie das in der Vergangenheit teils der Fall war. Das bedeutet mitnichten, dass die Geschichte diesmal schlecht oder weniger spannend wäre, aber im Mittelteil meinte ich doch ein wenig Leerlauf auszumachen und konnte zudem nicht immer den politischen Verflechtungen folgen, denen sich Autor Jacka hier widmet. Dabei ist es natürlich begrüßenswert, dass er die Welt der Magier weiter wachsen lässt und mehr darüber verlauten lässt als die schlichte Tatsache, dass es eben Weißmagier und Schwarzmagier gibt, die sich – der Natur der Sache nach – nicht gerade grün sind. Hier kommen nun aber auf beiden Seiten dermaßen viele Interessen- und Splittergruppen aufs Trapez, dass es für meinen Geschmack ein wenig viel des Guten war, zumal viele der Fraktionen gar nicht mal selbst in Erscheinung treten, sondern eben nur erwähnt und referenziert werden.

Caldera hatte ich vor anderthalb Jahren kennengelernt. Ein Haufen Adepten hatte mich durch London gejagt. Sie hatten mich für etwas töten wollen, das ich während meiner Zeit als Lehrling getan hatte, und Caldera hatte sich wegen der Verbindung zu Richard eingemischt. Für praktisch alle hatte die Sache böse geendet, aber wenn es einen Lichtblick aus meiner Sicht gab, dann die Geschäftsbeziehung, die sich daraus mit Caldera entwickelt hatte.

Zudem hatte ich mir natürlich auch mehr davon erwartet, dass zuvor in Der Meister von London die schlussendliche Rückkehr von Alex‘ altem Lehrmeister Richard Drakh inszeniert worden ist, denn wer meint, dass der nunmehr Einfluss auf die Geschicke von Alex und Konsorten nehmen würde, liegt falsch. Stattdessen hängen Richards diffuse Pläne und seine schlichte Existenz wie ein Damoklesschwert über dem Divinationsmagier, derweil es ansonsten wenig Bewandtnis für die eigentliche Geschichte hat, die sich einmal mehr in unerwartete Richtungen entwickelt. Dabei kommen freilich weder Action noch Witz zu kurz, doch mit dem Erscheinen der "Weißen Rose" wird es auch unerwartet ernst und bitter, wobei Benedict Jacka sich auch schon in der Vergangenheit kaum gescheut hat, schwierige und teils bestürzende Themen anzuschneiden. Entsprechend ist Witz – vorrangig in Gestalt der scharfen Zunge von Alex Verus – zwar wieder vorhanden, wirkt aber merklich zurückgefahren, was Thema und Setting aber auch gut tun. Weniger schön ist es da, dass einmal mehr Alex‘ Freunde im Großen und Ganzen kaum eine Rolle spielen, denn schon im Vorgängerband musste man die meiste Zeit auf Luna, Variam und Anne verzichten.

Sind sie am Anfang noch als eingespieltes Team unterwegs, geraten sie zunehmend in den Hintergrund, derweil sich Alex mit der Ratswächterin Caldera zusammentut und eben prompt in einen Fall stolpert, der an Rätselhaftem kaum zu toppen ist. Einerseits ist es schön an Das Rätsel von London, dass hier die Angelegenheit von einer anderen Warte betrachtet wird, weil der Protagonist und Ich-Erzähler nun offiziell Ermittlungen im Dienst einer Behörde anstellt, anstatt auf eigene Faust ins Wespennest schwarzmagischer Künste zu stoßen, doch wirkt es eben manchmal ein wenig sehr konstruiert und Caldera kann eben Luna nicht ersetzen, derweil ich mich langsam aber sicher damit abfinde, dass man auch von Zeitmagier Sonder anscheinend so bald nichts Neues hören wird. Auch der Blinzelfuchs spielt hier leider keine sonderlich große Rolle, auch wenn er zumindest einmal auf Besuch vorbeischaut, aber das sind natürlich kaum Kriterien, anhand derer sich die Qualität des Bandes bemessen ließe.

Anne, Variam und ich sind alle sehr anders als noch vor drei Jahren, aber Luna hat sich von uns vieren wohl am meisten verändert. Als ich sie kennenlernte, war sie einsam und depressiv, lächelte selten und lachte nie. Sieht man sie heute an, fällt einem zuerst ihr Selbstbewusstsein auf. Adeptin in einer Magiergesellschaft zu sein ist nicht leicht, aber Luna ist es gelungen, dies in Kraft zu verwandeln: Es verschafft ihr eine andere Perspektive, und sie ist oft diejenige, die mit Ideen aufwartet, die dem Rest von uns nicht einfallen.

Fakt ist, dass Jacka mit seiner Figur Verus zumindest ein Stück weit neue Wege zu gehen versucht und grundsätzlich ist es löblich, dass sich die Welt im Wandel befindet, dass Dinge sich entwickeln, Allianzen geschmiedet und auch wieder gelöst werden. Der Umstand, dass mich persönlich die Story hier nicht ganz so zu packen gewusst hat, hat dabei zunächst einmal wenig zu sagen, denn noch immer schreibt Jacka auf überzeugendem wie unterhaltsamen Niveau und wird dann auch mich sicherlich demnächst wieder überzeugen können, denn auch der siebte Band ist unter dem Titel Die Mörder von Londonbereits für kommenden November angekündigt und natürlich werde ich auch dort wieder voller Neugierde und Erwartung die Lektüre starten (auch wenn sich leider bereits jetzt abzuzeichnen droht, dass wohl auch dort Luna und die anderen eine eher untergeordnete Rolle spielen werden).

Fazit & Wertung:

Auch mit Das Rätsel von London, dem sechsten Band der Alex-Verus-Reihe, bietet Benedict Jacka wieder gelungene und actionreiche Unterhaltung voller Wendungen und Überraschungen, auch wenn ich persönlich manch kleinere Länge im Mittelteil auszumachen meinte. Lesenswert ist das Abenteuer trotzdem, kommt meines Erachtens aber nicht an die bisherigen Höhepunkte der Reihe heran.

7,5 von 10 mehr oder minder wahrscheinlichen Zukunftssträngen

Das Rätsel von London

  • Mehr oder minder wahrscheinliche Zukunftsstränge - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Auch mit Das Rätsel von London, dem sechsten Band der Alex-Verus-Reihe, bietet Benedict Jacka wieder gelungene und actionreiche Unterhaltung voller Wendungen und Überraschungen, auch wenn ich persönlich manch kleinere Länge im Mittelteil auszumachen meinte. Lesenswert ist das Abenteuer trotzdem, kommt meines Erachtens aber nicht an die bisherigen Höhepunkte der Reihe heran.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Rätsel von London ist am 17.05.21 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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