Review: You Might Be the Killer (Film)

So starte ich nun einen neuerlichen Versuch, das Medienjournal langsam aber sicher mal wieder mit ein wenig Leben zu füllen, das über den allwöchentlichen Media Monday hinausgeht und widme mich heute einem Film, auf den ich jüngst gestoßen bin und von dem ich bis dato noch nichts gehört hatte.

You Might Be the Killer

You Might Be the Killer, USA 2018, 92 Min.

You Might Be the Killer | © Indeed Film
© Indeed Film

Regisseur:
Brett Simmons
Autoren:
Thomas P. Vitale
Brett Simmons
Covis Berzoyne

Main-Cast:
Fran Kranz (Sam)
Alyson Hannigan (Chuck)
in weiteren Rollen:
Brittany S. Hall (Imani)
Patrick R. Walker (Brad)
Keith David (Sheriff James [Stimme])
Bryan Price (Steve (‚The Kayak King‘))

Genre:
Horror | Komödie | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus You Might Be the Killer | © Indeed Film
© Indeed Film

Panisch flüchtet der verängstigte Sam vor einem grausamen Killer und huscht durch den nächtlichen Wald, um sich kurz darauf in einer abgelegenen Hütte zu verbarrikadieren. Von dort ruft er seine beste Freundin Chuck an und bittet um ihre Hilfe und Fach-Expertise, denn als ausgewiesener Geek und Horrorfilm-Experte weiß Chuck ja wohl am besten, was zu tun ist, wenn man von einem blutrünstigen Killer verfolgt wird und sich zu allem Überfluss noch in einem Sommercamp befindet. Die versammelten Betreuer*innen allerdings, zu denen auch Sam gehört, sind überwiegend bereits dahingemetzelt worden und so wird Sam eines der nächsten Opfer sein müssen. Während Chuck ihn aber die bisherigen Ereignisse und Morde zusammenfassen lässt, um sich einen besseren Gesamtüberblick zur Lage verschaffen zu können, kommt ihr ein schrecklicher Verdacht…

Rezension:

Eigentlich hatte ich mir ja zwischenzeitlich überlegt, mir You Might Be the Killer bis zum horrorlastigen, von Halloween geprägten Oktober aufzusparen, doch nachdem ich unvermittelt über den Film gestolpert bin, war die Neugierde dann doch zu groß, was Regisseur Brett Simmons hier inszeniert haben möge. Das liegt weniger an Simmons, der schon eine gute Handvoll eher mäßig bewerteter Genre-Filme auf dem Kerbholz hat, sondern an den beiden Hauptdarsteller*innen, derweil auch die Prämisse zumindest versprach, dem reichlich klischeelastigen Slasher-Genre hoffentlich ein paar neue Facetten abzuringen. Dabei macht der Film aus seinem Ansatz zum Glück keinen Hehl, dass womöglich Protagonist und Gejagter Sam selbst der Killer sein könnte, denn recht schnell wird klar, was hinter dieser Annahme steckt, derweil das Mysterium auch kaum längerfristig überzeugend hätte fortgeführt werden können. Viel interessanter aber sind ohnehin die vielen inszenatorischen Kniffe, derer sich Simmons und Team bedienen, um einerseits ein wenig mehr Pepp in die stringente wie überschaubare Geschichte zu bringen, andererseits vor allem aber dem Genre als solchem und seinen Vertretern zu huldigen.

Szenenbild aus You Might Be the Killer | © Indeed Film
© Indeed Film

Das beginnt schon mit einem grobkörnigen, oftmals rauschenden Bild, das zwar sicherlich auch einem spürbar geringem Budget geschuldet sein mag, aber auch vortrefflich den altmodischen, Look des Ganzen zu unterstreichen vermag, denn auch wenn You Might Be the Killer ziemlich offenkundig dieser Tage spielen mag, wirkt der Film als solches doch wie aus den Achtzigern entlaufen, was in dem Kontext als Kompliment gemeint ist. Der zu erwartende Meta-Einschlag derweil ist durchaus zurückhaltend und beschränkt sich im Grunde auf die Figur von Alyson Hannigan (Buffy), die ihrerseits einen echten Horrorfilm-Profi darstellt und folgerichtig in einem ausgemachten Geek-Schuppen arbeitet. So ist sie es auch, die Sam über die geltenden Regeln des Slasherfilms ins Bild setzt, derweil sie die Perspektive des Zuschauers teilt, denn während im Sommercamp – wo auch sonst – die Betreuer*innen abgeschlachtet werden, befindet sich Chuck vergleichsweise sicher in besagtem Laden und erfährt lediglich via Telefon, was sich am Ort des Geschehens zuträgt.

Das ist alles wahnsinnig charmant geraten und meines Erachtens auch gelungen inszeniert, doch erfindet der Film das Genre trotz Meta-Ansatz mitnichten neu und ist auch längst nicht so innovativ, wie er hätte werden können. Vor allem aber krankt You Might Be the Killer möglicherwiese an den gesteckten Erwartungen, denn auch wenn die Chose als Horror-Komödie deklariert sein mag, ist es doch eine ganz und gar andere, deutlich mehr zurückhaltende Art von Humor als beispielsweise in Tucker & Dale vs. Evil, so dass hier eher ein verschmitztes Grinsen statt ein lauter Lacher angepeilt werden. Entsprechend ist der Film vielleicht nicht so lustig, wie man eventuell erwarten würde, während es so richtig gruselig natürlich auch kaum wird, wohingegen das Ausmaß an Splatter und Gore schon ziemlich überrascht. Denn auch wenn Simmons‘ Film kein lupenreiner Horror-Reißer sein will, geht er in Sachen Tötungen schon ordentlich zur Sache, auch wenn es sich nur um vereinzelte, kurze Gewaltspitzen handeln mag. Wer daran aber ebenso Gefallen findet wie an dem Meta-Ansatz der von Chuck rezitierten Regeln, wie es in einem Horrorfilm vonstatten zu gehen hat, der könnte sicherlich seinen Spaß haben an diesem anderthalbstündigen Reigen, der trotz seiner Vorhersehbarkeit auch mit so mancher Überraschung punkten kann.

Szenenbild aus You Might Be the Killer | © Indeed Film
© Indeed Film

Das Überraschungsmoment derweil bewahrt sich der Film durch seine nicht-chronologische Erzählweise, die wiederum dadurch veredelt wird, dass You Might Be the Killer selbst dafür Sorge trägt, den aktuellen Body-Count festzuhalten, so dass immer wieder eingeblendet wird, wie viele Betreuer*innen bereits das Zeitliche gesegnet haben, was es einfacher macht zu verfolgen, wo in der Story sich Protagonist und Erzähler Sam gerade befindet, der im Übrigen herrlich verzweifelt und panisch von dem wunderbaren Fran Kranz (The Cabin in the Woods) verkörpert wird. Der Rest ist freilich liebevolle Verbeugung und augenzwinkerndes Aufgreifen altbekannter Versatzstücke, die selbstredend auch hier ihren Platz finden, denn wenn Chuck ein ums andere Mal betont, dass die Regeln eines Horrorfilms ziemlich unumstößlich sind, dann gilt das eben auch für die Horrorgeschichte, in die Sam da unfreiwillig unvermittelt hineingestolpert ist.

Fazit & Wertung:

Brett Simmons inszeniert mit You Might Be the Killer im Grunde einen klassischen Sommercamp-Slasher, vermag aber durch eine Handvoll simple Kniffe, dem ausgelutschten Genre neue Facetten abzuringen und sich trotzdem allgegenwärtiger Klischees zu bedienen. Das ergibt eine ungemein charmante und unterhaltsame Mischung, auch wenn das Gesamtergebnis ohne Frage lustiger und auch innovativer hätte ausfallen können. Dennoch wird hier mit geringsten Mitteln viel erreicht.

7 von 10 Regeln des Slasher-Genres

You Might Be the Killer

  • Regeln des Slasher-Genres - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Brett Simmons inszeniert mit You Might Be the Killer im Grunde einen klassischen Sommercamp-Slasher, vermag aber durch eine Handvoll simple Kniffe, dem ausgelutschten Genre neue Facetten abzuringen und sich trotzdem allgegenwärtiger Klischees zu bedienen. Das ergibt eine ungemein charmante und unterhaltsame Mischung, auch wenn das Gesamtergebnis ohne Frage lustiger und auch innovativer hätte ausfallen können. Dennoch wird hier mit geringsten Mitteln viel erreicht.

7.0/10
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vgw

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