Review: Happy Deathday (Film)

Eigentlich wollte ich ja zu Komplettierungszwecken des Horrorctober noch so einen – sicherlich richtig schlechten – Horrorfilm bei Netflix schauen, doch war der dann natürlich plötzlich aus dem Angebot verschwunden und bei der Suche nach Alternativen stieß ich dafür bei Prime auf diesen netten Film, der mich dann doch positiv überrascht hat und einmal mehr nicht den klassischen Horrorfilmerwartungen entspricht.

Happy Deathday

Happy Death Day, USA 2017, 96 Min.

Happy Deathday | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Christopher Landon
Autor:
Scott Lobdell

Main-Cast:
Jessica Rothe (Tree Gelbman)
Israel Broussard (Carter Davis)
in weiteren Rollen:
Ruby Modine (Lori Spengler)
Charles Aitken (Gregory Butler)
Laura Clifton (Stephanie Butler)
Jason Bayle (David Gelbman)
Rob Mello (John Tombs)
Rachel Matthews (Danielle Bouseman)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Happy Deathday | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Am Morgen des 18. September erwacht Tree Gelbman reichlich verkatert in einem Studentenzimmer der Bayfield University, wo sie vom nerdigen Carter begrüßt wird, an den sie sich allerdings beim besten Willen nicht erinnern kann. Raschzurechtgemacht, geht es zurück in Richtung Verbindungshaus, wo sie ihre Mitbewohnerinnen Lori und Danielle erwarten. Zwar schert Tree sich wenig darum, an diesem Tag zufällig auch Geburtstag zu haben und ignoriert die Anrufe ihres Vaters, lässt sich aber zumindest breitschlagen, am Abend mit auf die Party zu kommen. Auf dem Weg dorthin lauert ihr allerdings ein Killer mit Babymaske auf und ersticht Tree. Sie erwacht am Morgen des 18. September, Carter begrüßt sie, der Tag beginnt von vorn und Tree ahnt bereits, mit welch einschneidendem Ereignis er enden wird. Anscheinend in einer Art Zeitschleife gefangen, durchlebt sie ihren Geburtstag ein ums andere Mal und nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, dem Mord an sich selbst zu entgehen, beginnt sie zu versuchen, hinter die Identität ihres Mörders zu kommen…

Rezension:

Irgendwie hatte ich Happy Deathday nie so richtig auf dem Schirm, weil mich Horrorfilme mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren dann doch eher wenig ansprechen – wo ich ja ohnehin schon vergleichsweise selten Horrorfilme schaue –, doch hatte ich da eben auch nicht auf dem Schirm, was für eine lohnenswerte Zeitschleifen-Horror-Komödie der Reigen sein würde, dem ich glücklicherweise recht spontan – und Amazon Prime zum Dank – eine Chance eingeräumt habe. Wirklich gruselig wird es zwar in den seltensten Fällen und auch die Altersfreigabe scheint mir gerechtfertigt, doch geht es eben auch nur in zweiter Instanz darum, einen Slasher-Film zu kreieren, die man ja bekanntermaßen wie Sand am Meer findet, sondern eben vielmehr eine um Teenie-Horror angereicherte Zeitschleifen-Komödie im Stile von …und täglich grüßt das Murmeltier, der auch im Film selbst referenziert wird. So buhlen hier gleich zwei Ansätze um die Aufmerksamkeit und das Interesse des Zuschauers und auch wenn beides gelungen sein mag, hat der unbeschwert-komödiantische Part unbestreitbar die Nase vorn.

Szenenbild aus Happy Deathday | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das liegt zuvorderst an Jessica Rothe, die einem schon in La La Land als eine von Mias Freundinnen hätte auffallen können, dort aber vergleichsweise wenig zu tun hatte, während sie hier in so ziemlich jeder Szene als Protagonistin Tree Gelbman zu sehen ist. Und sie ist es logischerweise auch, die Happy Deathday erst so richtig Leben einhaucht und vor allem eine merkliche Wandlung durchlebt, denn gerade zu Beginn könnte ich nicht behaupten, dass Tree sonderlich sympathisch wirken würde, sondern mehr wie das Paradebeispiel einer arroganten, selbstverliebten Tussi, was sich auch in ihren Verbindungsschwestern widerspiegelt, die ähnlich oberflächlich und versnobt daherkommen wie sie selbst. Mit steigender Mordrate allerdings setzt auch eine gewisse charakterliche Wandlung bei Tree ein, die ohnehin von anfänglicher Bestürzung über Verwirrung und Resignation, Aufbäumen und Tatendrang, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und ihren Mörder auf eigene Faust zu stellen, eine ganze Bandbreite an Emotionen durchlebt. In dieser Hinsicht weiß Regisseur Christopher Landon seine Prämisse aufs Trefflichste zu nutzen und wenn man einmal davon absieht, dass schon das eröffnende Universal-Pictures-Logo mehrere Anläufe benötigt, um gänzlich ins Bild zu kommen, braucht es auch sonst keine Viertelstunde, bis der erste 18. September sein blutiges Ende findet und Tree erneut in Carters Bett erwacht.

Die ersten paar Durchgänge des Tages erscheinen derweil noch beinahe trivial und laufen recht ähnlich ab, während Tree sich mit den ungewöhnlichen Modalitäten anzufreunden versucht und ich muss gestehen, dass ich hier für mich manch kleinere Länge im Storytelling ausgemacht habe, doch sind das persönliche Befindlichkeiten. Fest steht dafür aber, dass Happy Deathday merklich aufdreht, wenn Tree sich in ihr Schicksal zu fügen beginnt und den eigenen Tod an jedem Abend nicht mehr so schwer und ernst nimmt. Überhaupt ist der Film genau dann am besten, wenn ihm seine eigene Absurdität bewusst zu sein scheint und er sich selbst nicht zu ernst nimmt, was glücklicherweise die meiste Zeit der Fall ist. Da passt es auch gut, dass keinerlei Erklärungen dafür geliefert werden, warum und wie es Tree in diese absurde Zeitschleife verschlagen hat (wobei der Nachfolger Happy Deathday 2U aber wohl diesbezüglich nachlegt), auch wenn die Hauptfigur einige Mutmaßungen anstellt und aus diesem Grund auch ihr früheres Verhalten zu überdenken beginnt.

Szenenbild aus Happy Deathday | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nicht nur hinsichtlich der Wandlung ihrer Hauptfigur lassen Regisseur Landon und Drehbuchautor Scott Lobdell ihrer Kreativität zunehmend freien Lauf und auch wenn man sich vieles von den sich wiederholenden Begegnungen bei anderen Filmen des Sujets abschaut, sorgen allein der Slasher-Ansatz und die zunehmend wehrhafte Protagonistin – Kunststück, kämpft sie schließlich tagtäglich wortwörtlich ums Überleben – für genügend Alleinstellungsmerkmale, um jedwede Plagiatsvorwürfe zu entkräften. Gerade aber auch dadurch, dass Tree eben de facto nicht sterben kann – auch wenn zwischenzeitlich angedeutet wird, jeder Tod würde sie ein wenig mehr schwächen –, geht Happy Deathday auch ein Stück weit Gruselfaktor verloren und ich kann nicht behaupten, die Chose wirklich als Horrorfilm empfunden zu haben, zumal ja selbst Kollateralschäden am "nächsten Tag" (also im nächsten Durchlauf) automatisch ungeschehen gemacht worden sind. In Erwartung einer bestens aufgelegten Zeitschleife-Komödie mit einfallsreich-perfiden, aber nicht allzu blutigen Tötungsarten liegt man hier demnach genau richtig, auf der Suche nach "echtem" Horror sollte man sich allerdings bestmöglich anderweitig umsehen, denn auch wenn der maskierte Killer den Aufhänger für die Story bildet, verbreitet er nicht annähernd denselben Schrecken wie seine Kollegen aus Filmen mit ernsthafterem Ansatz.

Fazit & Wertung:

Christopher Landon offeriert mit Happy Deathday eine ungemein beschwingte und einfallsreiche Horror-Komödie mit Zeitschleifen-Clou, die sich des Slasher-Sujets bedient, um dem Ganzen einen neuen Kniff zu verleihen. Weit lustiger als wirklich gruselig, kommen hier dennoch sowohl Horror- als auch Komödien-Fans voll auf ihre Kosten, zumal Jessica Rothe in der Rolle der täglich sterbenden Tree Gelbman durchweg brilliert.

7,5 von 10 tagtäglich durchlebten Mord-Szenarien

Happy Deathday

  • Tagtäglich durchlebte Mord-Szenarien - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Christopher Landon offeriert mit Happy Deathday eine ungemein beschwingte und einfallsreiche Horror-Komödie mit Zeitschleifen-Clou, die sich des Slasher-Sujets bedient, um dem Ganzen einen neuen Kniff zu verleihen. Weit lustiger als wirklich gruselig, kommen hier dennoch sowohl Horror- als auch Komödien-Fans voll auf ihre Kosten, zumal Jessica Rothe in der Rolle der täglich sterbenden Tree Gelbman durchweg brilliert.

7.5/10
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Happy Deathday ist am 22.03.18 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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